Ariosophie

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Germanische Horoskopie, aus einer Schrift von H. A. Weishaar (eigentlich Kurt Paehlke, 1875–1945)

Die Ariosophie ist eine gnostisch-dualistische Religion auf Grundlage des Rassebewußtseins und der Arterhaltung, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts u. a. in Deutschland zahlreiche Anhänger fand.[1] Die Bezeichnung wurde 1915 von Jörg Lanz von Liebenfels geprägt, der seine Lehre bis dahin als Theozoologie verbreitet hatte.

Ein weiterer wichtiger Inspirator war Guido von List, dessen Ansichten unter den Bezeichnungen Wotanismus und Armanismus bekannt wurden. Ariosophische Autoren verbanden Vorstellungen einer Überlegenheit der arischen Rasse und Forderungen einer Reinerhaltung dieser auserwählten Rasse mit Elementen der Astrologie, der Zahlensymbolik, der Kabbala, der Graphologie und der Handlesekunst.[1] Die wichtigste ariosophische Organisation war der von Lanz gegründete Neutempler-Orden.

Lehre

Die Ariosophie basiert auf der Tatsache, daß es in vorgeschichtlicher Zeit ein Goldenes Zeitalter gegeben hat, in der die nordische Rasse noch rein gewesen und von einer weisen Priesterschaft geführt worden ist. Diese ideale Welt ist durch Rassenmischung zerstört worden, und darin liegen die Gründe für Kriege, wirtschaftliche Not und politische Unsicherheit. Um dem entgegenzuwirken, gründeten die Ariosophen geheime religiöse Orden mit dem Ziel, das verlorene verborgene Wissen wiederzuerwecken, die rassischen Tugenden der alten Germanen zu erneuern und, ähnlich der Völkischen Bewegung, ein neues alldeutsches Reich zu schaffen.[2]

Zeitschrift Ariosophie.jpg

Lanz von Liebenfels verknüpfte seine Rassenlehre mit der Idee eines „arischen Christentums“ und stellte dann den Kampf der Arier gegen die „Niederrassen“ in den Vordergrund. Ganz konkret ging es ihm um die Verhinderung von Rassenmischung und der aus dieser Vermischung resultierenden Schwächung der „arischen Heldenrasse“. Deshalb schlug er weitreichende Zuchtprogramme für Arier und Sterilisationsmaßnahmen für minderwertige Rassen vor. Liebenfels deutete die Bücher der Bibel und die Geschichte des Christentums in Zeugnisse eines Rassenkampfes um.

Die Ariosophie verknüpft einige theosophische Gedanken Helena Petrovna Blavatskys über Kosmologie, Symbolik und menschliche Evolution (Wurzelrassen) mit der Rassentheorie Arthur de Gobineaus und Runenglauben (→ Oding-Kreis).

Die Ariosophie erstrebt die Höherentwicklung der Menschheit durch eine Art aristokratischer Rassenauslese und fordert die Anerkennung einer unabdingbaren Rassenhierarchie, welche durch biologische Züchtung und transzendente Entwicklung geschützt werden soll. Dabei wird das gnostische Element eines Aufstiegs durch Erkenntnis und Vergeistigung im Sinne eines manichäischen strengen Dualismus radikalisiert.[3]

Neu-Vineta

1933 verortete der Ariosoph Jörg Lanz von Liebenfels als erster Autor die sagenhafte untergegangene Stadt Vineta in der Region Barth in Vorpommern. Diese Entdeckung wurde von den zeitgleich veröffentlichten Plänen zur Gründung einer Rassesiedlung auf den Barth vorgelagerten Halbinseln Darß und Zingst begleitet. Im Stile der am Mittelmeer 1933/34 von Mussolinis Architekten erbauten Stadt Sabaudia, die heute als „metaphysische Stadt“ gehandelt wird, sollte an der Ostsee auf 80 Hektar Land „etwas ganz Neues, noch nicht Dagewesenes“ entstehen: eine Stadt, in der Arier zu neuen rassischen Ufern aufbrechen sollten. Vineta, so der Plan, sollte Atlantis gleich aus den Fluten wieder aufsteigen. Rasse ist also durchaus auch als schöpferischer Begriff zu verstehen. Lanz veröffentlichte seine Vorstellungen in den esoterisch ausgerichteten OSTARA-Heften.

Renaissance

Die Ariosophie erlebt seit dem Ende des 20. bzw. Anfang des 21. Jahrhunderts eine starke Wiederbelebung, insbesondere im Norden und Nordosten Europas sowie in den VSA.

Siehe auch

Literatur

  • Franz Wegener: Neu-Vineta: Die Rassesiedlungspläne der Ariosophen für die Halbinseln Darß und Zingst
  • Horst Lorenz: Lanz von Liebenfels – Theozoologie und Ariosophie. Die Neutempler und die assyrischen Menschentiere
  • Ariosophie: Zeitschrift für Geistes- und Wissenschaftsreform: Blätter für ariosophische Lebenskunst, Mystik, Menschenkenntnis und Rassenkunde, Verlag Herbert Reichstein, 1929 bis 1932
  • F. Dietrich (eigentlich Theodor Czepl): Weiße und schwarze Magie. In: „Ariosophische Bibliothek“, Verlag Herbert Reichstein (1926)
  • John Carey: Haß auf die Massen. Intellektuelle 1880–1939. Aus dem Englischen von Siegfried Kohlhammer. Steidl Verlag, Göttingen 1996 [Englische Originalausgabe: Faber & Faber, London 1992], ISBN 3-88243-407-4
  • David M. Wilson (Hg.): Die Geschichte der nordischen Völker. Die Welt der Germanen, Kelten, Wikinger, Slawen. Orbis Verlag, München 2003, ISBN 978-3-572-01462-X [Lizenzausgabe der Beck’schen Verlagsbuchhandlung, München, deutsche Ausgabe erstmals 1980; Originalausgabe: London 1980; zahlreiche großformatige Abbildungen]

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Nicholas Goodrick-Clarke: Ariosophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Leiden 2006. S. 91
  2. Goodrick-Clarke 1997, S. 10f.
  3. Goodrick-Clarke 1997, S. 10 und 175