Theosophie

Aus Metapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
„Keine Religion steht über der Wahrheit“, Losung der Theosophischen Gesellschaft

Theosophie bezeichnet die allgemeine religiöse Bestrebung, verborgenes Wissen über das Göttliche auf einem Weg intuitiver Schauung zu suchen, wie sie in den mystischen Lehren von Jakob Böhme, Friedrich Christoph Oetinger und Louis Claude de Saint-Martin hervortraten, sowie in den Erkenntnissen der antiken Gnosis. Das höchste Ziel der Theosophie ist die Erlangung einer metaphysischen und transzendenten „göttlichen Weisheit“.

In einem engeren Sinn bezeichnet Theosophie die durch Helena Petrovna Blavatsky (1831–1891) begründete esoterische Weltanschauung. Hier wird Theosophie als Offenbarung höherer Wahrheit, die aus einer göttlichen Mitte im Inneren des Menschen stammen soll, betrachtet. Zentral ist dort die Vorstellung einer verlorengegangenen Urreligion der Menschheit, die – versunken in den „Fabeleien“ der christlichen Dogmatik – aus reinen Quellen wiederhergestellt werden müsse. Nach diesem von konkreter historischer Forschung weitgehend losgelösten Verständnis, werden heute zahlreiche mystische, okkulte und gnostische Traditionen als „Theosophie“ bezeichnet. Die Theosophie hat gewisse Parallelen zur Ariosophie, allerdings dürfen die beiden Anschauungen nicht verwechselt werden.

Erst im deutschsprachigen Raum entwickelte sich ein fundierter wissenschaftlicher Anspruch der Theosophischen Bewegung vor allem durch Wilhelm Hübbe Schleiden und noch entschiedener durch Rudolf Steiner, der seine eigene spirituelle Weltanschauung Elemente des deutschen Idealismus und der Weltanschauung Goethes verbunden hatte, und somit die weltweit vertretene Weisheit der Anthroposophie begründete.

Theosophische Gesellschaft

Die Theosophische Gesellschaft ist eine 1875 in Neuyork gegründete Organisation, die beträchtlichen Einfluß auf nachfolgende esoterische Bewegungen genommen hat. Ziel der TG war u. a. das Studium arischer und anderer Schriften der Weltreligionen und Wissenschaften zu fördern, sie propagierte einen „Kern der Universalen Bruderschaft“, jedoch ohne Vermischung. Die TG widmete sich der Erforschung der verborgenen Geheimnisse der Natur in jeder Hinsicht, besonders „der latenten psychischen und spirituellen Kräfte im Menschen“.

Die Gründung

Am Abend des 8. September 1875 trafen sich, wiederum in Blavatskys Wohnung, insgesamt 16 Personen und unterzeichneten die Gründungsurkunde für die spätere Theosophische Gesellschaft.

Das Siegel der Theosophischen Gesellschaft mit dem über alles dominierenden Hakenkreuz als Symbol der arischen Wurzelrasse

Die Gründungsmitglieder waren: (in alphabetischer Reihenfolge)

  • William Livingston Alden (1837–1908), Journalist, Schriftsteller
  • Helena Petrovna Blavatsky (1831–1891), übernahm das Amt des Corresponding Secretary (nach heutigem Maßstab mit PR-Beauftragte oder Pressesprecherin zu übersetzen)
  • Emma Hardinge Britten (1823–1899), Spiritualistin, Schriftstellerin, Ehefrau von William Britten, übernahm das Amt der Beraterin
  • William Britten (1822–1894), Rechtsanwalt, Schriftsteller, Verleger, Ehemann von Emma Hardinge Britten, nichts Näheres bekannt
  • John Storer Cobb, Rechtsanwalt, Redakteur bei der Zeitschrift New Era, Schriftsteller, Übersetzer, übernahm das Amt des Schriftführers
  • George Henry Felt (1831–?), Ingenieur, Erfinder, Ägyptologe, Freimaurer, übernahm das Amt des Vizepräsidenten
  • James Hervey Hyslop (1854–1920), Philosoph, Parapsychologe
  • William Quan Judge (1851–1896), Rechtsanwalt, Autor, übernahm das Amt des Rechtsberaters
  • D. E. de Lara, Portugiese hebräischer Abstammung, Jude, nichts näheres bekannt
  • Charles Carleton Massey (1838–1905), Rechtsanwalt, Spiritualist, gründete 1878 die „London Lodge“ (eine Freimaurer-Loge)
  • Herbert D. Monachesi, Journalist, Schriftsteller, übernahm das Amt des Beraters, nichts näheres bekannt
  • Henry Jotham Newton (1823–1895), Erfinder, Fotograf, Spiritualist, übernahm das Amt des Schatzmeisters bzw. Kassiers
  • Henry Steel Olcott (1832–1907), Landwirtschaftsfachmann, Rechtsanwalt, Autor, übernahm das Amt des Präsidenten
  • Charles E. Simmons, Arzt, übernahm das Amt des Beraters, nichts näheres bekannt
  • Charles Sotheran (1847–1902), Journalist, Politiker, Freimaurer, übernahm das Amt des Bibliothekars
  • H. M. Stevens

Die Anwesenden besprachen die ersten Details, darunter auch die Ausrichtung der zu gründenden Gesellschaft: sie sollte sich dem „Studium der Geheimwissenschaften“ widmen. Olcott stellte sich darunter eine Gemeinschaft von Okkultisten vor, auch sollte eine esoterische Bibliothek eingerichtet werden. Bereits zwei Tage später wurde dies in einer New Yorker Tageszeitung veröffentlicht, wie man überhaupt der Öffentlichkeitsarbeit später stets breiten Raum widmete. Weitere Treffen folgten, dabei wurde am 13. September der Name The Theosophical Society (Theosophische Gesellschaft) fixiert, die Idee dazu stammte von Charles Sotheran, der beim Durchblättern eines Wörterbuches auf die Bezeichnung „theosophy“ (altgriechisch ‚Göttliche Weisheit‘) gestoßen war. Dieser Name wurde bei der folgenden Abstimmung einstimmig angenommen, weil er mit dem damaligen Ziel der Theosophischen Gesellschaft, der wissenschaftlichen Erforschung des Okkultismus, als in Einklang befunden wurde. Olcott arbeitete in Folge die Statuten aus und man besprach die Organisationsstruktur. Schon während dieser Zeit der Vorbereitung äußerten eine Reihe von Personen den Wunsch, der späteren Theosophischen Gesellschaft beizutreten; so verlief der Start recht erfolgversprechend. Am 17. November 1875 fand in der Mott Memorial Hall, 64 Madison Avenue, New York City die konstituierende Generalversammlung statt, Olcott hielt die Gründungsrede und dieses Datum wurde allgemein als Gründungstag der Theosophischen Gesellschaft beibehalten. Die bereits am 30. Oktober gewählte Führungsmannschaft bestand aus 13 Personen:

  • Präsident: Henry Steel Olcott
  • Vizepräsidenten: George Henry Felt und Seth Pancoast (1823–1889, Arzt, Hochschullehrer, Autor)
  • Pressesprecherin: Helena Petrovna Blavatsky
  • Schriftführer: John Storer Cobb
  • Rechtsberater: William Quan Judge
  • Kassier: Henry Jotham Newton
  • Bibliothekar: Charles Sotheran
  • Berater: Emma Hardinge Britten, Herbert D. Monachesi, C.E. Simmons, Richard Broadhead Westbrook (1820–?, Hochschullehrer), James Henry Wiggin (1836–1900, Geistlicher)

Ende der TG

Von der TG in Amerika und der Adyar-TG trennten sich in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Logen ab und gründeten eigene, zum Teil konkurrierende Organisationen. Dies führte zu einer Zahl von unterschiedlichen Strömungen der Theosophischen Gesellschaften, die jedoch alle von sich behaupten, die „wahre“ und „echte“ Theosophie zu vertreten. Aus der zur Adyar-TG gehörenden „Theosophischen Gesellschaft in Deutschland“ trat 1913 deren damaliger Sekretär Rudolf Steiner mit seinen zahlreichen Anhängern aus und gründete die Anthroposophische Gesellschaft.[1] Die Gründe für diese Abspaltung waren vor allem die Hinwendung der Adyar-TG zum artfremden Hinduismus unter der neuen Präsidentin Annie Besant seit 1907 und besonders die obskure Verehrung Jiddu Krishnamurtis[2] als wiedergeborener Christus und kommenden Weltlehrer im „Order of the Star in the East“, die mit seiner Entdeckung durch Charles W. Leadbeater im Jahre 1909 einsetzte.

Zahlreiche namhafte Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler des ausgehenden 19. Jahrhunderts und beginnenden 20.Jahrhunderts (u.a. der germanophile James Joyce) standen in Verbindung mit einer Theosophischen Gesellschaft oder waren Mitglieder, so daß der Theosophischen Bewegung ein bedeutender Anteil an der Entwicklung des Geisteslebens der damaligen Zeit gegeben werden kann.

Neben den genannten sind zahlreiche andere religiös-reformerische und esoterische Organisationen aus der Theosophie hervorgegangen oder haben Einflüsse aus ihr aufgenommen. Bedeutend ist die Ariosophie des Guido von List, der beispielsweise der Adyar-Theosophischen Gesellschaft in Wien anhing und als Grundlage einer deutschnationalen Renaissance fungierte.

Die Anthroposophische Gesellschaft wurde am 1. November 1935 als im Gegensatz zur nationalsozialistischen Weltanschauung stehend verboten.[3] Im Jahr 1937 wurden in Deutschland die Theosophischen Gesellschaften aller Richtungen und die entsprechende Literatur von den Nationalsozialisten verboten.

Literatur

  • Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 616–619

Fußnoten

  1. Franz Wegener: Das atlantidische Weltbild. Nationalsozialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis. Kulturförderverein Ruhrgebiet e. V., 2. leicht veränderte Auflage 2003. S. 61.
  2. Jiddu Krishnamurti spielt in der Religionsgeschichte (oder der Geschichte der religiösen Opposition im 20. Jahrhundert) eine herausragende Rolle, weil er den an ihn herangetragenen Anspruch, der Weltheiland zu sein, als Erwachsener zurückwies und daraufhin eigenständige spirituelle Lehren verkündete, die heute unverändert vielgelesen sind.
  3. „Nach der geschichtlichen Entwicklung der Anthroposophischen Gesellschaft ist diese international eingestellt und unterhält auch heute noch enge Beziehungen zu ausländischen Freimaurern, Juden und Pazifisten. Die auf der Pädagogik des Gründers Steiner aufgebauten und in den heute noch bestehenden anthroposophischen Schulen angewandten Unterrichtsmethoden verfolgen eine individualistische, nach dem Einzelmenschen ausgerichtete Erziehung, die nichts mit den nationalsozialistischen Erziehungsgrundsätzen gemein hat. Infolge der Gegensätze zwischen den Anschauungen der Anthroposophischen Gesellschaft und den vom Nationalsozialismus vertretenen völkischen Gedanken bestand die Gefahr, daß durch eine weitere Tätigkeit der Anthroposophischen Gesellschaft die Belange des nationalsozialistischen Staates geschädigt werden. Die Organisation ist daher wegen ihres staatsfeindlichen und staatsgefährdenden Charakters aufzulösen. i. V. gez. Heydrich.“ — Dekret Reinhard Heydrichs, Preußische Geheime Staatspolizei Berlin, 1. November 1935, StAM LR 17 134354, BAD Z/B 1 904, BAK R 43 II/822, zitiert nach Walter Kugler, Feindbild Steiner, 2001, S. 11f.