Eulenburg, Philipp zu

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Seine Durchlaucht Botschafter z. D. Wirklicher Geheimer Rat Dr. jur. Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld, erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, im Jahre 1906

Philipp „Phili“ Friedrich Karl Alexander Botho Graf zu Eulenburg, ab 1867 auch Freiherr von und zu Hertefeld, ab 1900 Fürst zu Eulenburg und Hertefeld Graf von Sandels (Lebensrune.png 12. Februar 1847 in Königsberg; Todesrune.png 17. September 1921 in Liebenberg), war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, Jurist, Diplomat und Staatsmann.

Werdegang

Sekondeleutnant Graf zu Eulenburg
Fürst zu Eulenburg mit seiner Gattin, 1907
Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld Graf von Sandels.jpg

Philipp, der älteste Sohn des Oberstleutnants Philipp Konrad Graf zu Eulenburg (1820–1889) und von dessen Ehefrau Alexandrine, geborene Freiin von Rothkirch und Panthen (1824–1902), welcher nach dem Tode Karl von Hertefelds 1867, des Großonkels der Gräfin Alexandrine, auch Herr von und zu Hertefeld geworden war, verließ 1866, kurz vor Ausbruch des Deutschen Bruderkrieges, das Vitzthumsche Gymnasium zu Dresden und trat in Potsdam ins Regiment der Gardes du Corps ein, wo er Ende 1867, nach Besuch der Kriegsschule in Kassel, zum Sekondeleutnant befördert wurde.

Doch schied er 1869 wieder aus dem Offiziersdienst aus und kehrte auf die Schulbank zurück, um in Weilburg an der Lahn das Abitur nachzuholen. Es blieb für von Eulenburg beim Abschied vom Soldatenleben, auch wenn er im Verbande seines Regiments am Deutsch-Französischen Krieg teilnahm und für die Führung eines Pferdetransports nach Paris das Eiserne Kreuz erhielt. Anschließend trat er zur Reserve über und wurde bei der Kavallerie des 8. Brandenburgischen Landwehr-Regiment Nr. 64 geführt.

Seit dem Wintersemester 1872 studierte er an der Universität Leipzig und sodann in Straßburg die Rechte. 1875 bestand er in Kassel das Referendarexamen und wurde zur selben Zeit an der Universität Gießen zum Dr. jur. promoviert. Noch vor Abschluß seiner Referendarzeit am Kreisgericht Neuruppin verheiratete er sich am 20. November 1875 in Stockholm mit der Freiin, späteren Gräfin Augusta Sandels (Lebensrune.png 12. Mai 1853 in Stockholm; Todesrune.png 14. Dezember 1941 in Liebenberg), eine Tochter von Samuel August, dem letzten Grafen Sandels, und der Hedvig Henrietta Emilie Augusta Tersmeden. Aus der Ehe sind acht Kinder entsprossen. Er war dann eine Zeitlang als Richter tätig. 1877 wechselte er in das Auswärtige Amt. 1881 bis 1888 war er Legationssekretär der preußischen Gesandtschaft in München.

Zunächst arbeitete Eulenburg in der Handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, bald auf diplomatischen Posten (Stockholm und Dresden), um im Herbst 1880 seine diplomatische Prüfung abzulegen. Anfang 1881 ging er als Dritter Sekretär an die Deutsche Botschaft in Paris. Doch bereits am 1. Juli 1881 folgte auf eigenen Wunsch die Berufung als Legationssekretär an die Gesandtschaft in München. Im Aufstieg auf der Karriereleiter hatten ihm – nicht zuletzt infolge des Todes seiner kleinen zuckerkranken Tochter Astrid – die Kräfte versagt. In München und Starnberg rang seine zarte gefühlsbetonte Natur in nordischen Balladen und Skaldengesängen nach Ausdruck; es entstanden die Dramen Margot und Der Seestern, deren Aufführung in München und Berlin 1885 und 1887 einiges Aufsehen erregte. Eulenburg pflegte Beziehungen zum Wagner-Kreis; in den Bayreuther Blättern erschien aus seiner Feder ein Aufsatz über den Grafen Gobineau, mit dem ihn eine Bekanntschaft verbunden hatte.[1]

Durch gemeinsame Kontakte zum bayerischen Königshof entwickelt sich eine Freundschaft zu Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren deutschen Kaiser Wilhelm II. Als enger Vertrauter Wilhelms II. spielt er beim Sturz des Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck eine maßgebliche Rolle. Von Eulenburg gewann in der Folgezeit als Berater des Kaisers politischen Einfluß und diente vor allem als Vermittler zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Monarchen. 1890 bis 1894 war er Gesandter in Oldenburg, Stuttgart und München. Von 1894 bis 1903 dann Botschafter in Wien. Dort entwickelt sich ein enges Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem habsburgischen Kaiser Franz Joseph I. 1900 wurde er in den Fürstenstand erhoben. Von Eulenburg bewirkte beim Kaiser die Berufung seines Freundes Bernhard Graf von Bülow zum Reichskanzler. 1903 schied er aus Gesundheitsgründen aus dem Diplomatischen Korps aus, blieb aber weiterhin Ratgeber des Kaisers.

Trotz seines Widerstrebens wurde Eulenburg von seinem Vater, einem preußischen Major, für die militärische Laufbahn bestimmt. Nachdem er 1867 zum Gardeoffizier ernannt und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war, quittierte er den Dienst und nahm ein Jurastudium in Leipzig und Straßburg auf. 1875 heiratete Eulenburg die schwedische Gräfin Augusta von Sandels. Der als glücklich geschilderten Ehe entstammten acht Kinder. Nach kurzer Richtertätigkeit wechselte er 1877 in die diplomatische Laufbahn über, die ihn über eine Reihe kleiner und mittlerer Residenzen in die preußische Gesandtschaft nach München führte, wo er sich durch hohes diplomatisches Geschick während der kritischen Periode der Entthronung und des Todes Ludwigs II. auszeichnete. Im Mai 1886 lernte Eulenburg den damaligen Kronprinzen Wilhelm kennen, mit dem ihm bald eine enge Freundschaft verband. Noch im Sommer des gleichen Jahres fuhren beide an den Starnberger See, wo der spätere Kaiser auch die Fischer Georg Riedel und Jakob Ernst kennen lernte, zu denen Eulenburg intime Beziehungen unterhielt. Nach dem Regierungsantritt Wilhelms II. rückte Eulenburg zum wichtigsten außerparlamentarischen Berater des Kaisers auf. In den zwei Jahrzehnten seiner Tätigkeit mühte sich Eulenburg, stabilisierend und mäßigend auf den schwierigen Charakter Wilhelms II. einzuwirken, aus seinem konservativen Weltbild heraus unterstützte er jedoch auch die antijüdischen und rassistischen Vorurteile des Herrschers. In der Krise, die zu Bismarcks Sturz führte, vertiefte er die Kluft zwischen Kaiser und Kanzler, dessen Politik, insbesondere gegenüber Russland, Eulenburg missbilligte. Auf seinem Gut im uckermärkischen Liebenberg sorgte er für Entspannung und Abwechslung des kaiserlichen Freundes. Zum engen Kern der „Liebenberger Runde“ zählten ausschließlich homosexuelle Freunde des Fürsten, etwa Kuno von Moltke, Eberhard zu Dohna-Schlobitten oder Georg von Hülsen-Häseler. Die Männer traten zur Unterhaltung des Kaisers in Frauenkleidern auf, machten als Pudel „Männchen“, trugen gefühlvolle Skaldengesänge vor und zeigten leicht bekleidet turnerische Übungen. Von 1894 bis 1902 war Eulenburg als deutscher Botschafter in Wien tätig. 1895 kam es zur ersten Affäre in einer nicht mehr abreißenden Kette von Intrigen und Skandalen. Die Frau seines ebenfalls Männer liebenden Bruders Friedrich Botho begann sich öffentlich über die Homosexualität ihres Gatten zu äußern. Eulenburgs sämtlichen Versuche, diese Krise unter der Decke zu halten, erwiesen sich als erfolglos. Ein Jahr später wurde er selbst von einem Wiener Bademeister erpresst, den er mit der riesigen Summe von 60.000 Reichstalern zum Schweigen zu bringen versuchte. Schließlich musste Eulenburg kompromittierende Enthüllungen durch Lily von Heyden befürchten, die seinen Freund Kuno von Moltke homosexueller Handlungen bezichtigte. Eulenburg fühlte sich so stark durch diese Affären diskreditiert, dass er als Botschafter demissionierte. 1906 holten der Publizist Maximilian Harden und der Diplomat Friedrich von Holstein, beides politische Gegner Eulenburgs, die belastendes Material zusammengetragen hatten, zum publizistischen Generalangriff gegen den Fürsten aus. Es folgte der größte innenpolitische Skandal der Wilhelminischen Ära.[2]

Eulenburg-Affäre 1906–1908​

Nach der Sigilla Veri wurde zu Eulenburg wegen seiner vermeintlichen Homosexualität von Maximilian Harden in einen Prozeß verwickelt und von diesem zu Fall gebracht, weil er Kaiser Wilhelm II. unabsichtlich mit der Judenfrage in Berührung gebracht habe. Nach der selben Quelle forderte zu Eulenburg Fritz von Holstein zu einem Pistolenduell unter erschwerten Bedingungen heraus, weil er sich von ihm in seiner Ehre verletzt gefühlt habe. Nachdem Holstein sich entschuldigt hat, fand das Duell dann aber doch nicht statt.[3][4]

Auszeichnungen (Auszug)

Werke (Auswahl)

Veröffentlichungen

  • Politische Korrespondenz. 3 Bände. Hrsg. v. John Röhl. Boppard/Rhein 1976–83.
  • Mit dem Kaiser als Staatsmann und Freund auf Nordlandreisen. Zwei Bände. Hrsg. v. Augusta Fürstin zu Eulenburg-Hertefeld. Carl Reissner, Dresden 1931
  • Erlebnisse an deutschen und fremden Höfen. Hrsg. v. Augusta Fürstin zu Eulenburg-Hertefeld. Fr. Wilhelm Grunow Verlag, Leipzig 1930
  • Das Ende König Ludwigs II. und andere Erlebnisse. Hrsg. v. Augusta Fürstin zu Eulenburg-Hertefeld. Fr. Wilhelm Grunow Verlag, Leipzig 1930
  • Aus fünfzig Jahren. Erinnerungen, Tagebücher und Briefe aus dem Nachlass des Fürsten Philipp zu Eulenburg-Hertefeld. (hrsg. v. Johannes Haller). Gebr. Paetel, Berlin 1923.
  • Eine Erinnerung an Graf Arthur Gobineau. Fr. Frommanns Verlag (E. Hauff), Stuttgart 1906
  • Zur hundertjährigen Erinnerung an die Franzosenzeit in Liebenberg. Im Selbstverlag, 1906
  • Liebenberger Jagdbilder aus Freundschaftstagen in Liebenberg von Axel Freiherr von Varnbüler zu Hemmingen. Hrsg. v. Philipp Fürst zu Eulenburg. Als Manuskript gedruckt, Liebenberg 1901
  • Fünfzehn Karikaturen vom Hofe Friedrichs des Großen. In: Hohenzollern-Jahrbuch, 1901
  • Ostasien in Briefen des Grafen Fritz zu Eulenburg. Mittler und Sohn, Berlin 1900
  • Erinnerungen an ein Clevesches Rittergeschlecht. Historische Studie der Familie von Hertefeld. 1899
  • Die Geschichte eines Steinbruchs. Ein Märchen. E. Mühlthaler, München o. J.
  • Ein Monat aus des Urgroßvaters Kindheitstagen. Cleve 1780. (Grafen von Dankelman.) München 1898
  • Fünf Jahre der Freundschaft in Briefen von Fritz von Fahrenheit-Beynuhnen. Philipp Graf zu Eulenburg-Hertefeld (Hrsg.). Im Selbstverlag 1897
  • Das Wunder. Eine Erzählung aus den ersten Tagen des Christentums (995) im Norden. Im Selbstverlag, Buchdruckerei Stefan Sandner, I. Graben 29, Wien, o. .J.
  • Drei Märchen. Illustriert von Hermann Kaulbach. Franz Hanfstaengl, München o. J.
  • Frithjof. Illustration von Hermann Kaulbach. Braun & Schneider, München o. J.
  • Eine Weihnacht im Kloster. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1892
  • Abenderzählungen. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1892
  • Das Weihnachtsbuch. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1892
  • Erich und Erika. Familiensagen und Märchen. Braun und Schneider, München 1892
  • Skaldengesänge. Dichtungen. Illustriert von O. Seitz. Westermann, Braunschweig 1892
  • Ein Blatt preußischer Politik vor hundert Jahren. (Die Veranlassung zu der militärischen Intervention Preussens in Holland im Jahre 1787). In: Nord und Süd, Band 44. Breslau 1888
  • Der Seestern. Veröffentlicht unter Pseudonym I. Svenson 1886
  • Die letzte Weetzow. Novelle. In: Nord und Süd 1886
  • Aus der Art. Novelle. In: Nord und Süd 1884
  • Margot. Veröffentlicht unter Pseudonym I. Svenson. 1883

Veröffentlichte Kompositionen

  • Rosenlieder. Bote und Bock, Berlin
  • Skaldengesänge. Acht Hefte. Bote und Bock, Berlin
  • Nordlandslieder. Zwei Hefte. Bote und Bock, Berlin
  • Methgesänge auf Nordischen Meeren zu singen. Bote und Bock, Berlin
  • Gesänge für dramatischen Vortrag. Bote und Bock, Berlin
  • Östliche Lieder. Bote und Bock, Berlin
  • Weihnachtsgesänge. Bote und Bock, Berlin
  • Aus Freundschaftstagen. Bote und Bock, Berlin
  • Strandlieder. Ein Liederzyklus. Bote und Bock, Berlin
  • Eine Liebesgeschichte. Ein Liederzyklus. Bote und Bock, Berlin
  • Liebeswende. Ein Liederzyklus. Bote und Bock, Berlin
  • Vier Märchen für Rezitation und Gesang. Das Märchen von der Freiheit, Ein Seemärchen, Die Tanne, Waldmärchen. Bote und Bock, Berlin

Verweise

Fußnoten