Illuminatenorden

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Der Illuminatenorden (kurz oft Illuminaten oder Illuminati, lat. „Erleuchtete“) wurde 1776 von dem damals 28jährigen Professor Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründet.

Ein religiöser Aufstand im Kleid der Wissenschaft

Weishaupts Weltanschauung stützte sich auf die radikale, materialistische französische Aufklärung und wandte sich gegen die Jesuiten und Rosenkreuzer, die sich gegen die Aufklärung verschworen hätten. Seine Bestrebungen waren anti-katholisch und anti-monarchisch, konnten aber damals nur formuliert und ausagiert werden in der ultra-autoritär/hierarchischen Form des auf Arkandisziplin und gelenkter Information basierenden Geheimbund-Prinzips.

Weishaupts erklärtes Ziel war es, junge Männer anzuwerben und sie in der „reinen, wissenschaftlichen Wahrheit“ zu unterweisen und zu „veredeln“. Die Regierung der Besten war das Endziel.Durch die Vermittlung von Adolph Freiherr Knigge gelang es Weishaupt, Kontakt zu führenden Köpfen der deutschen Freimaurerei herzustellen. Seine Ziele verfolgte der Orden der Illuminaten durch Unterwanderung des Staates und seiner Einrichtungen. Ein Neumitglied durchläuft 13 Ränge. Es gilt ein Schweigegelöbnis. Am 22. Juni 1784 wurde der Illuminatenorden mit seinen damals rund 1.400 Mitgliedern durch Kurfürst Theodor von Bayern verboten.

Die literarische Ausbeutung

Sir Walter Scott veröffentlichte 1827 sein neunbändiges Werk „The Life of Napoleon“ (Das Leben Napoleons), in welchem er in Band 2 schreibt, daß die Französische Revolution von dem Illuminaten (Adam Weishaupt) geplant war und von den Geldleihern Europas (den Rothschilds) finanziert wurde.

In der akademischen Literatur gilt es als feststehende Tatsache, daß der Illuminatenorden als Stiftungsinstitution Weishaupts bereits im 18. Jahrhundert vollständig erloschen ist.[1] Das ist jedoch wenig überzeugend. Zwar trifft es zu, daß wir die große Atlantik-Auswanderung von Millionen gebürtigen Deutschen hauptsächlich mit dem 19. Jahrhundert in Verbindung bringen (und mit rasch reich gewordenen Hamburger Großreedern). Aber im 18. Jahrhundert lag die Auswanderung in die schon damals so genannte „neue Welt“ keineswegs bei Null.[2]

Trivialkultur, Kino, Verschwörungsthesen

Die jüngere verschwörungstheoretische Literatur (seit Des Griffin) verwendet dagegen den Ausdruck „Illuminati“ sowohl als Selbstbezeichnung einer als fortgeführt betrachteten und global tätigen Geheimbundtradition als auch – unabhängig von etwaigen Selbstbezeichnungen – in der Absicht, offen judengegnerische Bezeichnungen zu umgehen oder sie zu verdecken.

So hat sich der Ausdruck „Illuminaten“ oder „Illuminati“ mittlerweile zu einer Chiffre für implizite Anschuldigungen oder Verdächtigungen verwandelt, die – explizit ausgesprochen – in vielen Ländern als Straftat gelten. Da jedoch viele diese ideenhistorischen Zusammenhänge überhaupt nicht kennen, führt die Bezeichnung „Illuminati“ (gleich aus welchen Gründen wer auch immer sie verwendet) nebenher noch ein seltsames Eigenleben als geraunter Begriff, der die Verborgenheiten und Geheimnisse, die er vorgibt zu benennen, statt dessen eher gestisch, mittels der Weise seiner unklaren Verwendung (und nicht in einem deutlichen Wortbezug) übermittelt. Eine verbreitete Scheu, „Jude“ zu sagen, wenn man Jude meint, liegt dem – wie angedeutet – zugrunde. Wenn „Illuminati“ in der Pop- und Kinokultur der Gegenwart zur Chiffre geworden ist für die Scharlachrote Frau (ein satanisch gedeutetes Bibel-Motiv aus der Apokalypse), für das allsehende Auge, die schwarz-weißen Fliesen, die Pyramide (und andere Freimaurer-Symbole), dann hat eine kreative (= synkretistische) Durchmischung von Symbolelementen diese „Illuminati“-Tradition begründet, nicht aber der Bildungsenthusiasmus von Adam Weishaupt.

Es zählt zu den eigenartigen Volten in der europäischen Geschichte der religiösen Opposition, daß der katholische Gegner des historischen Illuminatenbundes, Augustin Barruel (1741–1820), die literarische Tradition der anti-autoritären, libertären – und argwöhnisch allen staatlichen Oberwachungs- und Erziehungsprojekten gegenüberstehenden – Literatur gestiftet hat. Denn Adam Weishaupts Vorstellungswelt war so deutlich von einem energischen Freiheitspathos überformt, daß seine heutige Rolle in der Pop-Kultur (Anwalt und Inspirator von totalitär-technokratischen Allmachtsphantasten zu sein) dem schreiend widerspricht. Weishaupt wollte erkennbar der Adelswillkür entgegentreten. Der mit seinem Namen verknüpfte Trivialmythos sieht ihn dagegen als Verkörperung menschenfeindlicher Geheimbündelei.

Gothaer Illuminaten-Enzyklopädie Online

An der Universität Erfurt existiert seit dem Frühjahr 2013 ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt um ein größeres Quellenkonvolut illuminatischer Originalhandschriften aus dem Ende des 18. und dem frühen 19. Jahrhundert („Illuminatenaufsätze im Kontext der Spätaufklärung: Ein unbekanntes Quellenkorpus“). Die angeschlossene Datenbank heißt „Gothaer Illuminaten-Enzyklopädie Online“ und wird in der Form eines Wikis geführt.[3]

Nach Selbstauskunft der Projektleitung wird ein völlig neues Korpus in die Forschung zusätzlich einbezogen, dessen Erforschung in Gotha stattfindet: Es handelt sich dabei um 114 ungedruckte Aufsätze, die auf Zusammenkünften mitteldeutscher Illuminaten verlesen wurden. Das Themenspektrum dieser Aufsätze ist breit gefächert: Diese Vielfalt reicht von der Epistemologie bis hin zur praktischen Philosophie, vor allem aber werden weltanschaulich-moralische Fragen erörtert. In der Summe ihrer Diversität spiegeln sie die Interessen der spätaufklärerischen Öffentlichkeit sehr genau wider und ermöglichen somit einen Einblick in aufklärerisch-motivierte Reformbestrebungen nicht nur am fürstlichen Hof, sondern auch in die Möglichkeiten und Reichweite sogenannter „Volksaufklärung“.

Mit diesem einzigartigen Quellenmaterial verbinden die Forscher die Erwartung, sowohl die Verständigung innerhalb des Illuminatenordens als auch die Beziehungen der internen Debatten zu allgemeinen Diskursen der deutschen Spätaufklärung zu verstehen. Das Korpus verändert radikal den Blick auf den Orden: Nicht mehr Geheimnis, Exklusivität und Gradordnung stehen jetzt im Blickpunkt, sondern Alltag, Durchlässigkeit und die Vernetzung mit anderen Aufklärern. Transparenz gelangt erstmals in Teilen in Reichweite. Die Diskussionskultur innerhalb der lokalen Gruppierungen kann durch die Abgleichung der Aufsätze mit Protokollen, Briefen und Tagebüchern mikrohistorisch minutiös sichtbar gemacht werden. So nah wie man hier an und in den Illuminatenorden kommen kann, war das bisher nicht denkbar. Dem Nimbus des Nebulösen, der dem Illuminatenorden und seinen Mitgliedern unverändert anhaftet, kann – nach Erwartung der Forscher – durch seriöse, quellenbasierte Forschung auf einer neuen Ebene begegnet werden.

Filmbeiträge

Von Hexen und Illuminaten – ein Aussteiger berichtet

Siehe auch

Literatur

  • Adam Weishaupt: Das verbesserte System der Illuminaten, 1787 (PDF-Datei)
  • Johann Heinrich Faber: Der ächte Illuminat oder die wahren, unverbesserten Rituale der Illuminaten, 1788 (PDF-Datei)
  • Leopold Engel: Geschichte des Illuminaten-Ordens (1906) (PDF-Datei)
  • Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-006-4, Kapitel: 3.8.1.1 (= S. 455 f.)
  • Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marix Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7, S. 127 ff.
  • Henry Makow: Illuminati. Der Kult, der die Welt erorbert hat, mit einem Vorwort von Harald Kautz-Vella, Verlag Silas Green, Winnipeg (Kanada) 2015, ISBN 978-0-9918211-4-3
  • Claus Oberhauser: Die verschwörungstheoretische Trias: Barruel – Robison – Starck, StudienVerlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2013, ISBN 978-3-7065-5307-0 [406 Seiten]
  • Caroline Klima: Das Große Handbuch der Geheimgesellschaften. Freimaurer, Illuminaten und andere Bünde. Bei tosa im Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2007, ISBN 978-3-85003-096-0, S. 213–236
  • Peter Blackwood: Das ABC der Insider. Ein Nachschlagewerk über die Arbeit, die Pläne und die Ziele der internationalen Absprachegremien und ihrer Mitglieder. Verlag Diagnosen, Leonberg 1992, ISBN 3-923864-05-1, S. 280 ff.
  • Robert Anton Wilson: Das Lexikon der Verschwörungstheorien. Verschwörungen, Intrigen, Geheimbünde. Aus dem Amerikanischen von Gerhard Seyfried. Herausgegeben und bearbeitet von Mathias Bröckers. Piper Verlag, München 2004, ISBN 3-492-24024-0 [Amerikanische Originalausgabe: Everything is under Control. Conspiracies, Cults, and Cover-ups. HarperCollins Publishers, San Francisco 1998], S. 219–222

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl. Thomas Grüter: Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer. Wie Verschwörungstheorien funktionieren. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-59617-040-1, Kapitel: „Die Illuminaten oder das unsichtbare Böse“, S. 28–39]
  2. Ein Werk wie die „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“ (1795) von Johann Wolfgang von Goethe belegt anschaulich, wie tief die Revolutionsereignisse des 18. Jahrhunderts in die Lebenssituation eigenständiger deutscher Menschen eingegriffen haben.
  3. Vgl.: Gothaer Illuminaten-Enzyklopädie Online