Satanismus

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Unter der Bezeichnung Satanismus werden eine Vielzahl von geistigen Strömungen und quasi-religiöse Glaubensgemeinschaften geführt, deren Anschauungen und rituelle Praktiken sich teils auf einer Umwertung der christlichen Teufelsvorstellung stützen, teils aber auch völlig losgelöst von ihr sind. Eine allgemeingültige Definition des Satanismus gibt es nicht, meist steht sie synonym für die Teufelsanbetung oder die Umkehrung aller gesellschaftlich anerkannten Werte. Teufelsanbetung ist deshalb ein Schlagwort, welches von den christlichen Kirchen und Massenmedien häufig mit Satanismus gleichgesetzt wird. In der Regel wird Teufelsanbetung als eine Inversion des Christentums definiert.

Begriff

Der Begriff „Satanismus“ ist relativ neu. Er wurde nachweislich zum ersten Mal von Robert Southey explizit verwendet, welcher auf diese Weise seinen Gegner Lord George Gordon Byron zu diskreditieren suchte. Dessen Drama „Cain“ aus dem Jahre 1821 gilt heute als das erste satanistische Werk der Weltliteratur. Bereits 1667 hatte John Milton unter dem Titel „Paradise Lost“ ein dichterisches Werk veröffentlicht, in dem erstmals in der Literaturgeschichte ein Satan beschrieben wird, der dem Menschen seine Potentiale, zu Wissen und Göttlichkeit zu gelangen, bewußt macht.

Körperfeindliche Gnosis und körperhuldigende Gnosis

Die Spannbreite satanistischer Anschauungen führt von gnostisch-pessimistischen Ideen (wonach die Wirklichkeit als solche dämonisch sei und der Körper in jeder Hinsicht abgelehnt werden müsse) bis zu hedonistisch-gnostischen Ideen (wonach es im Leben vor allem auf Genuß und gelebte Freizügigkeit ankomme, „ganz Körper sein“, im Gegensatz zu: „ganz Seelenfunke sein“). Daher ist der Sammelbegriff unglücklich gewählt und zieht seinen gegenwärtigen Gebrauch vor allem aus noch bestehenden christlichen Glaubensbeständen (die von Satanisten auf die eine oder andere Art umgestülpt werden). Innerhalb christlicher Missionszirkel gilt Satanismus generell als Verkörperung real-teuflischer Macht, während die sozialwissenschaftliche und auch die religionswissenschaftliche Beurteilung der genannten Phänomene deutlich unterscheidet zwischen Satanismus „aus zweiter Hand“ (der sozialschädlich sein kann, dessen Wesen aber zumeist auf Erziehungsdefizite und schiere Unbildung zurückgeht) und andererseits einem Satanismus mit spirituellem Anspruch, der allerdings in seiner Lehrausrichtung nicht in vergleichbarer Weise auf christliche Milieus fixiert ist wie manche populär-satanischen Äußerungsformen.

Satanismus und NWO-Kritik

Im Rahmen der anti-globalistischen NWO-Kritik haben christliche, aber auch nicht-christliche Publizisten die Theorie entwickelt, daß die Errichtung einer totalitären Weltregierung – einschließlich einer bargeldlosen Weltwährung, einer Welt-Zentralbank usw. – das Bestreben dämonisch-satanischer Mächte sei, die mit soziologischen Begriffen („Elite“, „Verschwörung“, „Weltjudentum“) prinzipiell nicht greifbar sei. Der Kampf gegen die in Entstehung befindliche, totalitäre Neue Weltordnung sei daher nicht politisch, nicht rechtlich (bürgerrechtlich) und auch nicht wissenschaftlich zu führen, sondern im Kern als metaphysischer Kampf gegen das absolut Böse in täuschender Menschengestalt.

Einzelne Strömungen

Strömungen bzw. Formen des Satanismus
Strömung Inhalt Beispiel
Autarker (sekundärer achristlicher) Satanismus Vom Christentum abgeleitet, aber zu einer eigenen, nicht mehr christlichen Form ausgebildet Church of Satan, Temple of Set
Reaktiver (paradigmatisch konformer) Satanismus Satanismus als Protesthaltung, orientiert an der christlichen Teufelsvorstellung einige Rockgruppen, klassische Teufelspakte
Gnostisch umgewerteter Satanismus Umkehrung der Bewertung: Gott ist der Unterdrücker des Menschen, Satan sein Befreier Gruppen, in denen Luzifer als der Lichtbringer im Mittelpunkt steht; Satan als Aufklärer
Integrativer Satanismus Gott und Satan sind eins, bilden die beiden Pole einer Ganzheit Charles Manson (wollte Jesus und Satan in einer Person sein)
Synkretistisch gebrochener Satanismus Satan steht nicht allein im Mittelpunkt eines Systems, spielt aber eine wichtige Rolle Thelemische Kulte, die sich auf Aleister Crowley beziehen
Literarischer Satanismus Satan in der Literatur Baudelaire, Lord Byron, Lévi, Huysmans
Quelle: Joachim Schmidt: Satanismus. Mythos und Wirklichkeit, Marburg 2003

Organisierter Satanismus

Weltweit gibt es zwei nennenswerte Organisationen, die sich selbst als satanistisch verstehen und öffentlich agieren.

Church of Satan

Im April 1966 gründete der ehemalige Polizeiphotograph Anton Szandor LaVey (1930–1997) eine satanistische Organisation, der es gelang, erstmals in den Vereinigten Staaten steuerrechtlich als eine Kirche annerkannt zu werden. Zwischen 1970 und 1974 versuchte LaVey, die lokale Einrichtung in ganz Nordamerika bekannt zu machen. Interesse zeigten vorwiegend jüngere Intellektuelle, Geschäftsleute und Schauspieler, darunter Jayne Mansfield und Roman Polanski.

LaVey propagierte einen radikalen Individualismus, da der Mensch sein Heil nur im Diesseits finden könne; Religionen, die auf das Jenseits verweisen, waren für ihn lediglich Unterdrückungsinstrumente. Die natürlichen Bedürfnisse der Menschen gelten als legitim, und die sieben Todsünden des Christentums (Neid, Stolz, Gier, Wut, Völlerei, Wollust, Müßiggang) seien eine Möglichkeit, das körperliche und geistige Wohlbefinden zu steigern. Andere Menschen dürften jedoch darunter nicht zu leiden haben bzw. dürfen sie nicht geschädigt werden. Tieropfer sind verboten. Satan wird als Gegenpol gedeutet, der die Beschränkungen der „lustfeindlichen Ideologien“ aufhebt.

LaVey verfaßte elf „Lebensregeln des Satanisten“:

  1. Äußere nicht ungefragt deine Meinung und gib keine unerbetenen Ratschläge.
  2. Wenn du sprichst, so vergewissere dich, daß man dir auch zuhören will.
  3. Respektiere in einem fremden Haus den Hausherren oder gehe erst gar nicht hin.
  4. Stört dich jemand in deinem eigenen Haus, verjage ihn gnadenlos.
  5. Geh nicht mit jemandem ins Bett, ehe du nicht eindeutig dazu aufgefordert wirst.
  6. Kümmere dich nicht im geringsten um Dinge, die dich nichts angehen, es sei denn, jemand fühlte sich belastet und bäte dich um Hilfe.
  7. Bestätige und anerkenne die Macht der Magie, nachdem du sie erfolgreich zur Durchsetzung deiner Wünsche eingesetzt hast. Leugnest du ihre Macht, nachdem du sie mit Erfolg hervorgerufen hast, verlierst du alles, was du erschaffen hast.
  8. Schere dich einen Dreck um Dinge, die dich in keiner Weise betreffen.
  9. Verletze keine kleinen Kinder.
  10. Töte kein Tier, wenn du nicht von ihm angegriffen wurdest oder es nicht verzehren willst.
  11. Belästige niemanden in der Öffentlichkeit. Wirst du selbst belästigt, so sage ihm, daß er damit aufhören soll. Tut er das nicht, so vernichte ihn.

Diese „Lebensregeln“ lassen schon auf den ersten Blick eine gewisse Nähe zu typisch amerikanischen Ideen aus dem Umkreis des Sozialdarwinismus erkennen. Und tatsächlich nimmt es wunder, wie gering das Verständnis des gewöhnlichen VS-Amerikaners für die Tatsache ist, daß seine christlichen Bekenntnisse zum Neuen Testament so gut wie nichts mit seiner wirklichen Lebensweise zu tun haben, andererseits aber derselbe VS-Amerikaner aufgebracht Anstoß nimmt an einer eher platten Umformulierung und Einkleidung seiner echten Lebenshaltung in ein „satanistisches“ Gewand.

Es zeigt sich darin, wie wenig klar Menschen blicken, wenn Überschriften, Ehrentitel, Auszeichnungen und gesellschaftliche Schicklichkeit ihnen die erwünschten – und die von ihnen erwarteten – Vorstellungen und Bekenntnisse bereits vorgeben. Anstatt die Sache selbst zu betrachten, folgen sie dem Anschein, den Zuschreibungen, dem Gerede und der willkürlichen Etikettierung. Echte Satanisten nehmen ein Bekenntnis oftmals ebenso ernst, wie die wenigen ehrlichen Christen ihre Anschauungen allerdings sehr ernst nehmen. Die übergroße Zahl der allermeisten Menschen folgt jedoch ohne nachzudenken der leeren, unverständigen Parole, dem äußeren Anschein und dem plumpen Eindruck, wie über etwas geredet wird.

Zitat

  • „Wenn, wie einige Theologen annehmen, auf eine gerettete Seele eintausend Verdammte kommen, dann gewinnt der Teufel den Streit, ohne seinen Sohn dem Tod auszuliefern.“Denis Diderot[1]

Siehe auch

Literatur

  • Karin A. Rainer: Literatur des Bösen. Satan, Teufelskult und Schwarze Messen in der Literatur, Tectum Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9342-9
  • A. Lecanu: Geschichte des Satans, Area-Verlag, Erftstadt 2005, ISBN 3-89996-013-0
  • Anton Szandor LaVey: Die Satanische Bibel & Die Satanischen Rituale. Verlag Second Sight Books, Berlin 2003, ISBN 3-93568-405-3 [Originalausgaben: The Satanic Bible, 1969; The Satanic Rituals, 1972]
  • Chris Redstar: Greetings from Hell. Bekenntnisse eines Satanisten. Books on demand, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-2014-6
  • Michael Moynihan / Didrik Søderlind: Lords of Chaos. Satanischer Metal – Der blutige Aufstieg aus dem Untergrund. Prophecy Productions (ProMedia GmbH) Zeltingen-Rachtig, 7. Auflage 2002, ISBN 3-936878-00-5 [Amerikanische Originalausgabe: 1998, Venice, CA.]
  • Frank Lerch: Ouroboros Files. Lübeck 2002, ISBN 3-89094-353-5
  • Frater Eremor: Im Kraftstrom des Satan-Set. Der Pfad der dunklen Einweihung. Second Sight Books 2001, ISBN 3-935684-02-9
  • Gavin Baddeley: Lucifer Rising. London 1999, ISBN 0-85965-280-7
  • Henry Makow: Illuminati. Der Kult, der die Welt erorbert hat, mit einem Vorwort von Harald Kautz-Vella, Verlag Silas Green, Winnipeg (Kanada) 2015, ISBN 978-0-9918211-4-3
  • Joachim Schmidt: Satanismus. Mythos und Wirklichkeit. ›diagonal‹-Verlag, Marburg 2002, ISBN 3-927165-66-2
  • Gerald Willms: Die wunderbare Welt der Sekten. Von Paulus bis Scientology. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-56013-6, Kapitel: Was zum Teufel ist Satanismus?, S. 256–266
  • Gerhard Zacharias: Satanskult und Schwarze Messe. Ein Beitrag zur Phänomenologie der Religion. Limes-Verlag, Wiesbaden ²1970 [keine ISBN zugewiesen, Erstausgabe: 1964]
  • Ingolf Christiansen / Rainer Fromm / Hartmut Zinser: Brennpunkt Esoterik. Okkultismus – Satanismus – Rechtsradikalismus, herausgegeben von der Freien und Hansestadt Hamburg, Behörde für Inneres – Oberste Landesjugendbehörde [zum Bereich neureligiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen], Hamburg 2006, ohne ISBN

Fußnoten

  1. Vgl.: Will Durant / Ariel Durant: Kulturgeschichte der Menschheit; Bd. 28: Das Zeitalter Voltaires, S. 225 (Genfer Ausgabe: Edito-Service S.A., ohne Jahrgang)