Blavatsky, Helena

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Helena Blavatsky (1831–1891)

Helena Petrowna Blavatsky (Lebensrune.png 12. August 1831 in Jekaterinoslaw, Russisches Kaiserreich; Todesrune.png 8. Mai 1891 in London) war eine weltreisende Okkultistin russisch-deutscher Adelsabkunft, die – als eine der ersten bekannten Europäerinnen – zum buddhistischen Glauben übertrat und 1875 in Neu York die Theosophische Gesellschaft gründete.

Ur-Religion

Mit ihrer These von der – allen Hochkulturen gemeinsamen – Ur-Religion, die in den dogmatisch-monotheistischen Systemen von Judentum, Christentum und Islam fast vollständig verschüttet sei, wurde sie zur eigentlichen Begründerin der neuzeitlichen Esoterik. Nachdem sie sich intensiv mit den „Phänomenen“ des VS-amerikanischen Spiritismus befaßt hatte (sie besuchte Zeugen und Medien während vieler Reisen im Land), wandte sie sich schlußendlich vom Spiritismus ab. Sie sagte, der Okkultismus verhalte sich zum Spiritismus „wie das Unendliche zum Endlichen“.[1] Es hatte gravierende Betrugsfälle bei spiritistischen Sitzungen gegeben, die den Namen von Madame Blavatsky zu beschmutzen drohten und als landesweite Pressekampagnen auf ihre Anwesenheit (nicht jedoch Federführung) bei einzelnen dieser Sitzungen hinwiesen.

Esoterik

Ihre eigene Einstellung wird am besten aus den Darlegungen in ihrem vielgelesenen Werk „Isis entschleiert“ (1877) deutlich, wo sie die Befürchtung aussprach, daß der modernen Wissenschaft und der christlichen Theologie gleichermaßen „dogmatische Grundlagen“ eigen seien. Zwischen Wissenschaft und Theologie, zwei „streitenden Titanen“, stünde ein „verwirrtes Publikum, das allen Glauben an die Unsterblichkeit des Menschen, ja an eine Gottheit irgendwelcher Art verliert und reißend schnell zu dem Niveau eines rein tierischen Denkens herabsinkt“.[2] Unverändert bis heute gilt diese Problemeinschätzung als bedeutendes Motiv, sich esoterischen Kreisen anzuschließen (unabhängig von Bildungsgrad und persönlicher religiöser Vorgeschichte).

Prophetie

Die schweren Zerfallserscheinungen, die sich seither in der europäischen Zivilisation bemerkbar gemacht haben, und die gegenwärtig auf ein geistiges Klima der totalen Zerstreuung, der totalen Reklame und absoluten Konzernherrschaft (unter der Scheinregierung von fremdbestimmten und bankenhörigen Regierungsdarstellern) hinsteuern, bestätigen diese Sorge im nachhinein als tief berechtigt. Die in linken politischen Kreisen stets unreflektiert gefeierte Aufklärung über Religion hat keineswegs stattgefunden (Aufklärung erscheint weit eher als rein literarisches Phänomen), sondern eine anti-kirchliche politische Propaganda hat vielmehr sozialistischen Phantasien einer totalen Staatsermächtigung Auftrieb gegeben, während das verstädterte Leben zusehends anonymer, abgekapselter und seelisch leerer denn je umgewandelt wurde.

Die religiöse Situation unserer Zeit in unserem Kulturraum ist seitdem nicht grundlegend verändert: Der Buddhismus gewinnt weiter Zuspruch in gebildeten Kreisen und bei Prominenten, die christlichen staatsnahen Kirchen zehren weiterhin weg, evangelikale Kleingruppen sammeln die recht wenigen verbliebenen Bibel-Gläubigen ein – und eine untergründig rasch wachsende Esoterik-Szene (samt religiösem Milliardenmarkt) bestimmt die spirituellen Themen, Praktiken und Anschauungen, die herrschen, mehr und mehr.

Politik

Wegen der frühzeitigen Ausdehnung der theosophischen Organisation auf Indien wurde die Theosophie (unter der Nachfolgerin Annie Besant) zu einem politischen Faktor der indischen Freiheitsbewegung gegen die britische Kolonialmacht.

Die Geheimlehre (1888)

Madame Blavatsky war bereits schwer an Herz und Nieren erkrankt, als sie ihr Spätwerk „Die Geheimlehre“ abfaßte, das 1888 erschien. Sie hatte Indien 1885 in schlimmer Verfassung überstürzt verlassen, weil ernste justiziable Vorwürfe gegen sie erhoben wurden, die ihre Integrität und die der Theosophischen Gesellschaft bedrohten. Sie lebte nach ihrer Rückkehr in Italien, Belgien und England. Während „Isis entschleiert“ 1877 ganz offen religiösen Synkretismus propagierte (also zu Zwecken des Kampfes gegen leeren Atheismus und irrtümlichen Materialismus die vollständige Palette nicht-christlicher Glaubensüberlieferungen zu mobilisieren verstand und Ägypten als den Ursprung des ältesten noch unbeschädigten religiösen Denkens identifizierte), steht die „Geheimlehre“ vorrangig unter dem Eindruck Tibets, des Buddhismus und hinduistischer Lehren.

Im zweiten Band der „Geheimlehre“ findet sich auch die Lehre von den Wurzelrassen der Menschheit, die heute beträchtliche Aufmerksamkeit erhält als Stein des Anstoßes, weil das Wort Rasse politisch geächtet ist und in öffentlichen Debatten gleich welcher Art gegenwärtig nicht verwendet werden darf. Abweichend von dem, was eine solche Wurzelrassenlehre enthalten könnte oder sollte, lehrt Madame Blavatsky die Entwicklung der menschlichen Individualität durch Reinkarnation und Karma, wobei das Schicksal in einem gegenwärtigen Leben als Folge der eigenen Taten und Gedanken in früheren Leben anzusehen sei und das spirituelle persönliche Ziel in einem Aufstieg zu immer höheren Ebenen bestehe.

Die ständigen Reisen und der gutbürgerliche Habitus der berühmten Okkultistin waren nur möglich im Rahmen des Zeitalters der europäischen Expansion. Europäische Kolonialmächte waren seinerzeit unangefochten die Herren der Welt, in allen großen Städten und Hafenstädten waren Hotels kolonial-europäisch, die Reiserouten waren europäische Handelsrouten, und gehobene Kultur war europäische Kultur, egal auf welchem Kontinent reisende Europäer damals sich einfanden. Vor diesem Hintergrund wird etwas verständlicher (aber dennoch nicht ganz verständlich), wie die Lehren von Madame Blavatsky von der Verbrüderung aller Menschen und dem gemeinsamen Erbe aller echten Religionen zusammenpassen mit dem imperialen Lebensstil reisender Europäer – zu denen sie zählte – und ihren Visionen von der Abfolge der Wurzelrassen.

Literatur

von Madame Blavatsky

  • Helena Petrovna Blavatsky: Isis entschleiert. Aquamarin, Kevelaer 2003.
  • Helena Petrovna Blavatsky: Die Geheimlehre. Die Synthese von Wissenschaft, Religion und Philosophie. Bearbeitete und erweiterte Fassung der von Elizabeth Preston und Christmas Humphries herausgegebenen englischsprachigen Ausgabe. Edition Adyar im Aquamarin Verlag, Gräfing ²2003, ISBN 3-89427-197-3

über Madame Blavatsky und den Okkultismus

  • Ursula Keller / Natalja Sharandak: Madame Blavatsky. Eine Biographie. Insel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-458-17572-8
  • Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 115–117
  • Fanny Moser: Das große Buch des Okkultismus. Originalgetreue Wiedergabe des zweibändigen Werkes ›Okkultismus – Täuschungen und Tatsachen‹ [2 Bände, Ernst Reinhadt Verlag, 1935]. Mit einer Einleitung von Prof. Dr. Hans Bender. Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1974, ISBN 3-530-57900-9 [Fanny Moser promovierte 1902 in Zoologie.]

Fußnoten

  1. Vgl. die eingehende Passage zu diesem religionsgeschichtlich wesentlichen Bruch bei Ursula Keller / Natalja Sharandak: Madame Blavatsky. Eine Biographie. Insel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-458-17572-8, S. 140
  2. Zitiert nach: Ursula Keller / Natalja Sharandak: Madame Blavatsky. Eine Biographie. Insel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-458-17572-8, S. 154