Massaker von Komotau

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Massaker am Jahnspielplatz (Komotau).jpg

Das Massaker von Komotau war der Mord an Sudetendeutschen am 9. Juni 1945 auf dem Jahnspielplatz in Komotau und im ganzen Bezirk sowie auf dem anschließenden Todesmarsch (9. bis 12. Juni 1945). Insgesamt sollen es weit mehr als 100 Ermordete gewesen sein, wenngleich die Dunkelziffer vermutlich deutlich höher liegt. Nicht miteinbezogen sind die Hunderte, ggf. Tausende Männer, Frauen und Kinder Sudetendeutschlands, welche das tschechische Konzentrations- und Vernichtungslager Komotau-Glashütte und die Zwangsarbeit nicht überlebten. Anführer des Verbrechens war Stabshauptmann Karel Prášil, der nach dem Abschluß der Säuberungstat zum Major befördert wurde.

Geschichte

Der Todesmarsch der Komotauer Männer I.jpg
Massaker von Komotau, Gedenken I.jpg
Gedenkstein für die Opfer des Todesmarsches von Komotau nach Mahlteuern am 9. Juni 1945 in Deutschneudorf

Am 9. Juni 1945, einen Monat nach der Kapitulation der Wehrmacht, wurden alle 8.000 deutschen Jungen und Männer zwischen 13 und 65 Jahren aus Komotau und den umliegenden Dörfern wie Vieh mittels brachialer Gewalt zusammengetrieben und auf dem Jahnsportplatz eingekesselt. Diese Maßnahme ordnete der Stabskapitän Karel Prášil an, welcher das örtliche Sicherheitskorps bei der Garnisonkommandantur befehligte. An der Säuberungsaktion waren auch Männer aus der örtlichen Gendarmerie-Kommandantur beteiligt. Nicht alle, hatten die geforderte Verpflegung dabei, und wenn doch, wurde sie von den Tschechen geraubt. Die Deutschen mußten den Oberkörper freimachen, und die Wachen kontrollierten, wer von ihnen eine Tätowierung aufwies, die auf eine Angehörigkeit bei der Waffen-SS schließen ließ. Etwa 20 Männer (nach Zeuge Horst Theml) wurden gefunden, gefoltert (öffentlich ausgepeitscht, mit Bajonetten malträtiert) und dann vor den Augen aller totgeschlagen. Mit Eisenstangen stach man ihnen die Augen aus, wickelte sie in Filmrollen, zündete sie an und übergoß sie danach mit Salzwasser.

„Höhere tschechische Offiziere trafen ein, einer hielt in gebrochenem Deutsch eine Ansprache: Nun sei die Stunde der Rache gekommen; aber nicht Rache solle geübt werden , nur Vergeltung […] Kommando: Deutschlandlied, Führerdank im Sprechchor, Hitlergruß. Und man stimmte an: ‚Deutschland, Deutschland über alles …‘! und hob den Arm, und sprach im Chor: ‚Wir danken unserem Führer!‘ Dann beginnt es: ‚Ausziehen, Hemd herunter!‘ Suche nach dem SS-Mal. Und Gummiknüppel, Hundepeitschen, Geißeln sausen nieder. Gebrüll, Gelächter, der mehr und mehr in Rausch und Ektase Geratenden; Schreie der Zusammenbrechenden. Blutunterlaufene, zu einer unkennlichen Masse anschwellenden Leiber, blutüberströmte Rücken, Schultern, von denen die Hautfetzen hängen. ‚Hitlerjunge?‘ Der Halbwüchsige, von Kindheit an gelehrt, immer die Wahrheit zu sagen, bebt sein ‚Ja‘ hervor. Da pfeift ihm auch schon die Hundepeitsche übers Gesicht. Ein Mann arbeitet sich aus dem Haufen, den Buben mit seinem Leib zu decken. Es ist der Vater. Einander umschlungen haltend stürzen sie unter den niederhagelnden Hieben zusammen.“[1]

Gegen 14 Uhr kam das Mitglied des Örtlichen Nationalausschusses in Komotau, F. Polášek, an den Ort und protestierte gegen die Bluttat, aber auch gegen die allgemeine barbarische Mißhandlungen an den versammelten Deutschen. Als Vertreter des Roten Kreuzes wollte er den Fall an das Internationale Rote Kreuz melden. Die Bewaffneten beendeten die Angelegenheit damit, daß sie alle Gefolterten auf die Knie zwangen und mit Genickschuß hinrichteten. Alleine bei dieser Beweisbeseitigung wurden weitere rund 70 Deutsche ermordet. Gegen diese Exzesse soll auch Major Nossow von der örtlichen Garnison der Roten Armee protestiert haben.

Todesmarsch der Komotauer Männer

Am Nachmittag wurden die eingeschüchterten, durstigen Männer, die noch gehen konnten, zu Fuß in Richtung Staatsgrenze getrieben. Auch jetzt wurden immer wieder Deutsche erschossen, wenn sie nicht Schritt hielten, oder einfach nur wahllos von den tschechischen Wachen aus den Reihen gezerrt wurden. Die Jungen vermochten die Tortur besser als die Alten verkraften. Hinter der Marschkolonne fuhren Lastwagen her, um die Mordopfer aufzusammeln und dann später heimlich verscharren zu lassen.

„Um 14 Uhr setzte sich der Zug unter brutalen Kommandos in Bewegung. Schon im Stadtgebiet von Komotau konnten einige nicht mehr weiter, weil sie krank waren. Deshalb wurden sie an Ort und Stelle erschossen. […] Als die Männer durch Görkau marschierten, eröffneten die tschechischen Begleitmannschaften eine wilde Schießerei gegen die Häuser, in offene Fenster und Haustüren. Kein Einwohner durfte sich blicken lassen. Die bei der Schießerei getöteten Komotauer mußten später von den Einwohnern Görkaus begraben werden. Konnte ein Mann nicht mehr weitergehen, und das geschah vielen, denn die steilen Serpentinen hinauf zum Eisenberger Schloßberg mußten im Laufschritt und unter Schlägen von Gewehrkolben, Maschinenpistolen und Peitschen bewältigt werden, wurde er erschossen. Die Einwohner durften die Toten nicht auf den Friedhöfen der Orte bestatten, durch die die Männer getrieben wurden, sondern mußten sie an Ort und Stelle verscharren. Die genaue Zahl der auf diesem Marsch ums Leben gekommenen Komotauer wird nie exakt festgestellt werden können.“[2]

Soldaten der Roten Armee, welche die Grenze in Katharinaberg bewachten, erlaubten dem Zug nicht, auf deutsches Territorium überzutreten. Ein Teil der Deutschen wurden nach Komotau zurückgetrieben, ein Teil von ihnen wurde in die Lager in der Gegend um Brüx gebracht, vor allem nach Maltheuern, weitere direkt in die Kladno-Bergwerke. Der Marsch ging entlang der Strecke: Komotau – Görkau – Schloß Rothenhaus – Kunnersdorf – Bartelsdorf – Eisenberg – Gebirgsneudorf – Deutschneudorf (Sachsen) – Nickelsdorf – Obergeorgenthal – Niedergeorgenthal – Maltheuern.

Zeitzeuge Horst Theml (damals 14 Jahre) berichtet

„Am Morgen des 9. Juni 1945 hingen überall in Komotau grellrote Plakate, nur in tschechischer Sprache mit der Aufforderung aus, daß sich alle Männer von 13 bis 65 Jahre mit 3 Tage Verpflegung und einer Wolldecke um 10.00 Uhr am Jahnspielplatz zu melden haben. Für Nichterscheinen wurde die Todesstrafe angedroht. Gleichzeitig wurden die in Komotau wohnenden oder anwesenden Tschechen aufgefordert, sich als Aktivisten und Zuschauer ebenfalls an der Turnhalle einzufinden und sich an den vorgesehenen Aktionen zu beteiligen. Viele taten es dann auch. Heute sagen viele der Beteiligten, sie wußten nichts davon. Die Bewohner der Stadt gerieten in panische Angst, hatten doch Gerüchte von Grausamkeiten in den Nachbarstädten Saaz und Postelberg berichtet. So packte auch ich meinen Rucksack. Erst 14 Jahre alt, hatte ich keine Vorstellung, wozu die Bestie Mensch fähig ist. Mutter segnete mich nichts Gutes ahnend mit drei Kreuzzeichen. Ich ging frühzeitig los, denn ich sollte zunächst im Garten die Hühner füttern und dann zum Jahnspielplatz gehen. Ich wanderte erstmal in den Garten und fütterte. Während dessen zogen lärmend bewaffnete Tschechen auf der Straße vorbei, die nach Deutschen suchten, unseren Garten aber ausließen. Ich überlegte, sollte ich mich hier im Garten verstecken oder zum Jahnspielplatz gehen? Ich entschied mich zu gehen, ein Entschluß mit schweren Folgen. Aus allen Richtungen strömten die Komotauer Männer zwischen 13 und 65 Jahren zum Sammelplatz, meist Buben und Alte. Die wehrfähigen Männer waren noch beim Militär bzw. in der Gefangenschaft. Die große Sportstätte war umstellt von Bewaffneten in Zivil oder in einer Fantasieuniform. Auf der Turnhalle und an den Ecken waren Maschinengewehre postiert. Die in Komotau wohnenden Tschechen waren aufgerufen, an diesem Schauspiel teilzunehmen. Es war somit eine öffentliche Veranstaltung, sodaß jeder Tscheche sehr wohl wissen konnte, was den deutschen Mitbürgern angetan wurde! Die Ankömmlinge wurden von prügelnden tschechischen Frauen und Männern empfangen. Jeder wurde gefilzt und alles als brauchbar Erscheinende vom Empfangskomitee weggenommen. Es waren schon Tausende versammelt, es sollen 8000 gewesen sein.
Vor unser Aller Augen wurde ein stark blutender Mann mit einem großen Hitlerbild in beiden Händen von einer Schar Knüppel schwingender Zivilisten hergetrieben. Immer wieder mußte er das Bild küssen und Wir ‚danken unserm Führer‘ herausschreien. Schließlich brach er zusammen und blieb leblos liegen. Doch das war erst das Vorspiel für die nächsten Stunden. Alle Achttausend mußten in langen Einzelreihen antreten und sich die haßerfüllte Ansprache des verantwortlichen Kommandanten, Stabskapitän Karel Prasil, in tschechisch, das die wenigsten von uns verstanden, anhören. Immer wieder kamen die deutschen Worte ‚Rache‘ und ‚Vergeltung‘ darin vor. Dann die Aufforderung, an alle Mitglieder der SS vor zu treten. Da keiner vortrat, mußten wir alle den Oberkörper entblößen und die Arme heben. Fiel ein Arm, setzte es Prügel. Gesucht wurde von den die Reihen abschreitenden Bestien nach dem Kennzeichen der SS: das im Oberarm eintätowierte Blutgruppenkennzeichen. Mit den etwa 20 Betroffenen, der Jüngste war 17 Jahre, (wie Günter Grass, der SS-Mann) geschah vor unser aller Augen Unbeschreibliches. Eine grölende Horde von Zivilisten, Gardisten und auch Soldaten stürzten sich auf diese Opfer, schlugen, traten, prügelten oder stachen auf sie ein. Brach das blutende Opfer zusammen, holte den Gequälten ein Kübel kalten Wassers für einen Augenblick ins Leben zurück. Die Bestie Mensch ließ erst von ihm ab, als alles Leben aus dem Körper gewichen war. Dieses Massaker lief 2 Stunden vor den Augen und Ohren der 8000 Deutschen ab. Die Todesschreie der Gemarterten blieben mir noch viele Jahre gegenwärtig. Dann kam das Kommando zum Abmarsch. In Fünferreihen formierte sich eine endlose Kolonne. Wir zogen vorbei an dem Leichenberg der zu Tode Gemarterten. Mit dem Kommando Augen ‚links‘ mußten wir den Anblick der verstümmelten Leiber ertragen. Der Marsch ging den Weinberg hinauf, am Gymnasium und am Alaunsee vorbei, durch Udwitz und Görkau, vorbei an Schloß Eisenberg. Alle 15 Meter ging ein Bewaffneter. Jede Flucht schien aussichtslos. Immer wieder wurde geschossen und Laufschritt befohlen. Die Todesangst war unser Begleiter. Wer nicht mithalten konnte, erfuhr eine Sonderbehandlung, durch prügeln, wurde erschossen oder blieb tot oder halbtot im Straßengraben liegen. Ich selbst war durch die wöchentlichen Wanderungen nach Neuhaus und Sport in der Schule und der HJ körperlich gut in Form. Aber das grausame Geschehen um mich herum ließ oft meine Knie vor Angst zittern. Schlechter erging es vielen Älteren, die solch einen Marsch noch nie oder schon lange nicht mehr bewältigt hatten, zurück- und liegenblieben. Nach Schätzungen überlebten 75 Komotauer diesen Todesmarsch nicht.
Der Todesmarsch der männlichen Einwohner Komotaus führte etwa 25 Kilometer hinauf ins hohe Erzgebirge nach Gebirgsneudorf an der sächsischen Grenze. Die Spitze des Zuges hatte die Grenze nach Deutschland in Deutschneudorf schon überschritten, als sie gestoppt wurde. Russische Offiziere lehnten den beabsichtigten Abschub (ODSUN) in die sowjetisch besetzte Zone (SBZ) ab. War es die Absicht der Tschechen, uns an die Russen für die Arbeitslager in Sibirien zu übergeben? Viele von uns waren und sind bis heute dieser Meinung. Diese Verhandlungen mit den Russen und die Ablehnung der Übernahme der Komotauer Deutschen bedeutete für uns, daß wir 3 Tage auf der blanken Straße in Gebirgsneudorf ohne essen und trinken unter strenger Bewachung liegen blieben. Und im Erzgebirge ist es auf 800 m Seehöhe zu dieser Jahreszeit noch sehr kalt!
Dann nach 3 Tagen kam wieder das Kommando zum Abmarsch. Wir alle hofften zurück nach Komotau. Es ging aber talwärts durch Georgental nach Maltheuern bei Brüx. Dort hatte das Deutsche Reich ab 1939 das größte und modernste Hydrierwerk -- die Hermann - Göring - Werke -- im Eiltempo erbaut. Hier wurden ab 1941 aus der hochwertigen Braunkohle des Brüxer Beckens bis in die letzten Kriegstage Benzin und andere kriegswichtige Petroprodukte produziert. Zahlreiche Bombenangriffe der Engländer und Amerikaner hatten immer wieder Teilanlagen zerstört, konnten aber nie die Produktion völlig lahm legen. Hier standen rund um das Werk riesige Kriegsgefangenenlager für eine Aufnahme der neuen deutschen Arbeitssklaven bereit. Eines davon, das Lager Nr. 27, nahm uns Komotauer auf. Ein Barackenlager, umgeben von einem 3 Meter hohen Stacheldrahtzaun mit hohen Wachtürmen an jeder Ecke, in der Mitte ein großer Appellplatz, der Ort vieler grausamer Geschehnisse. Schmutzige, verwanzte Strohsäcke auf Doppelstockpritschen, ein Tisch, einige Hocker, ein Kanonenofen und eine baumelnde Glühlampe waren für 30 Männer oft für Jahre die Bleibe. Essen gab es zunächst gar nichts, erst nach Tagen eine Wassersuppe mit Dörrgemüse. Dann gab es für Wochen, auch im Lager 17/18 eine Wassersuppe mit Graupen. Ich habe später 40 Jahre lang nie wieder Graupensuppe gegessen! […] Am 6. April 1946 wurde das Jugendlager 17/18 aufgelöst und in das Lager 27 verlegt. Dies war eine Verschlechterung meiner Situation. In diesem Lager dessen Kommandant Ramusch viele Menschenleben auf dem Gewissen hatte, ging es nach wie vor grausam zu. Mit der KZ-Nummer 5569 ging hier mein Lagerleben weiter. Endlich am 27.4.1946 erfolgte meine Entlassung aus dem Tabor 27. Gemeinsam mit mir wurde mein Schulfreund Alfred Hauschild entlassen. Wir fuhren zusammen mit der Eisenbahn nach Komotau Dazu brauchten wir eine offizielle Genehmigung der Lagerleitung.“[3]

Gedenken

2003 wurde in Deutschneudorf ein erster Gedenkstein, am 22. September 2007 auf dem Hauptfriedhof in Komotau ein zweiter Gedenkstein in Erinnerung an diesen Todesmarsch eingeweiht. Eine juristische Aufbereitung des Geschehens hat nicht stattgefunden. Aufgrund des „Amnestie-Gesetzes“ Nr. 115 vom 8. Mai 1946 blieben derlei bis 28. Oktober 1945 begangene Straftaten straffrei. Die Überlebenden mußten das zerbombte Hydrierwerk in Maltheuern wieder aufbauen. Aufgrund des Beneš-Dekretes Nr. 108 vom Oktober 1945 wurde das Vermögen der deutschböhmischen Bevölkerung beschlagnahmt und unter nationale Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung wurde vollständig vertrieben, an ihrer statt wurden Menschen aus Mittelböhmen, der Slowakei, Repatrianten und Zigeuner (Roma) in der Nachkriegszeit nach Komotau zwangsumgesiedelt.

Literatur

Verweise

Fußnoten