Mendel, Gregor

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Gregor Mendel

Johann Gregor Mendel (Lebensrune.png 22. Juli 1822 in Heinzendorf bei Odrau, Österreichisch-Schlesien; Todesrune.png 6. Januar 1884 in Brünn) war ein deutscher Augustinermönch, Naturforscher und Entdecker der Vererbungslehre.

Leben

„Vererbungslehre und Erbgesundheitspflege – Einführung nach methodischen Grundsätzen“ von Dr. Jakob Graf

Mendel wurde als der Bauerssohn Johann Mendel in Nordmähren geboren (den Namen Gregor nimmt er erst nach seiner Priesterweihe an). Um seine intelligente Veranlagung zu fördern, wurde er auf das Gymnasium in Troppau geschickt. Nach dem Abitur studierte er an der Universität in Olmütz. 1843 beschloß der einundzwanzigjährige Mendel ins Augustiner-Kloster in Brünn einzutreten. Er studierte Theologie, Agrikultur und Botanik und wurde zum Priester geweiht. Zwischen 1851 und 1853 studierte er an der Universität Wien Mathematik und Physik. 1854 kehrte er ins Kloster zurück und unterrichtete dort für die nächsten vierzehn Jahre.

Die Arbeiten Mendels lagen Charles Darwin als Postzusendung persönlich vor. Darwin, der auf den verschiedenen Gebieten der Biologie sehr erfolgreich gearbeitet hat (Taxonomie, Paläontologie, Embryologie, Nervensystem), war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits eine Weltberühmtheit und hatte nicht nur aufgehört, internationale Sekundärliteratur zu seiner Lebensarbeit zu bibliographieren – wie er es lange hindurch praktiziert hatte –, sondern konnte auch seine mittlerweile uferlose Korrespondenz kaum mehr bewältigen. So übersah er die epochal wichtigen Zusendungen Mendels, deren Bedeutung dann erst um 1900 (also lange nach Darwins Tod) von führenden Biologen erkannt wurden.

Wirken

Zu seinem Wirken heißt es:

„Während um Haeckel die lauten Kämpfe, für oder wider den Darwinismus tobten, in denen der streitbare Mann bis zu äußersten Verstößen gegen die alten Gesinnungen schritt, untersuchte in einem mährischen Klostergarten ein Augustinermönch an Erbsen und Rosen die unbekannten Gesetze der Kreuzung und der Vererbung. Er fand, daß sich verschiedene Rassen bei einer Kreuzung zwar mischen, doch alsbald wieder nach einer neuen Verbindung die Mischung lösten, so daß die ursprünglichen Formen sich rein wieder zeigten.

Bemerkenswert schienen dem Mönch diese Ereignisse zwar, doch ahnte er nicht, daß er damit ein Geheimnis angerührt hatte, das viele Jahrzehnte später dem deutschen Volk, das vor dem Rassentod stand, die Wege zur Rettung zeigen sollte.

Die ‚Mendelschen Regeln‘ wurden lang nicht beachtet. Aber in unseren Tagen griff die Wissenschaft von der Vererbung, der Rassen, der Volksgesundung sie wieder auf und fand in ihnen Weisungen, nach denen der Rassentod unseres Volkes in letzter Stunde nochmals gebannt werden kann. Um Haeckel brandet lauter Kampfruf, doch über sein eigenes Jahrhundert wuchs der Gelehrte nicht hinaus. Den stillen Mendel, um dessen Bedeutung nicht eine Seele wusste, hat erst nach Jahrzehnten eine junge Lehre zum Leben erweckt.“[1]

Mendelsche Regeln

Als Mendelsche Regeln bezeichnet man die erstmals von Mendel erkannten Gesetzmäßigkeiten der Vererbung (Genetik).

„Jahrzehntelang unverstanden und unbeachtet gilt Mendel seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Entdeckung der Vererbungsregeln, die er durch Studien an Erbsen aufstellte, als Vater der Genetik. Gregor Mendels Arbeiten wurden 1865 veröffentlicht und blieben jahrzehntelang unbeachtet bzw. unverstanden. Sie wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Mendel gilt mit seinen Vererbungsregeln, die er durch Studien an Erbsen aufstellte, als Vater der Genetik. […] 1856 begann Mendel seine berühmten Erbsenversuche (später auch mit Bohnen). Er züchtete in zweijähriger Arbeit zunächst reinerbige Erbsen mit bestimmten Merkmalen in Bezug auf Größe, Farbe und Form. Mendel war an der Frage interessiert, wie es zur Ausprägung der vielen verschiedenen Merkmale in der Natur kam. Gezielt begann er Kreuzungen zwischen Erbsenlinien mit sieben verschiedenen Merkmalen und erwartete eine Mischung der Merkmale. Zu seiner Überraschung aber musste er feststellen, dass die Merkmale bestehen blieben und sich weiter vererbten. Diese Erkenntnis wurde zu der ersten seiner insgesamt drei Regeln der Vererbung. Er nannte die erste Regel die Regel von der Uniformität der Vererbung. In seiner Arbeitsmethodik unterschied sich Mendel von vielen zeitgenössischen Wissenschaftlern dadurch, dass er immer nur einen Faktor in seinen Experimenten variierte und erkannte, dass viele Versuche nötig waren, um Schwankungen in den Ergebnissen zu berücksichtigen, sprich, dass man mit Mittelwerten arbeiten musste. Mendel vollzog insgesamt mehr als 10.000 Kreuzungsversuche im Laufe seiner achtjährigen Forschungsarbeit. Dabei stellte er drei wesentliche Regeln der Vererbung auf. Neben der Uniformität der Vererbung stellte er die Regel von der freien Kombinierbarkeit der Merkmale auf. Die dritte Regel, die Dominanzregel, besagt, dass bei Vererbung von Merkmalspaaren eines der beiden Merkmale immer dominant, das andere rezessiv ist. Auch wenn manche der Regeln später Abänderungen erfahren mussten, blieb doch das Ausmaß von Mendels Erkenntnissen auf die Biologie und die Genetik unbestritten. Mendel waren außerdem die Theorien und Arbeiten Darwins bekannt und ihm ging es um eine Einordnung seiner Ergebnisse zur darwinschen Theorie der Evolution. Er schickte Darwin sogar ein Exemplar seiner Arbeit, das dieser allerdings nie gelesen hat. Man fand es ungeöffnet in seinem Nachlass. Bei seinen Versuchen schien Mendel schon zu ahnen, nach was er suchte: Er glaubte, das es diskrete Einheiten geben musste, die die Träger der Vererbung waren. Mendel sprach in seinen Aufzeichnungen von ‚Elementen‘. In dieser Beziehung war der Einfluss seiner physikalischen Ausbildung erkennbar, der in den ‚Elementen‘ der Vererbung die Parallele zu den Grundeinheiten der Materie, den Atomen, sah (die Atomtheorie fasste damals unter den Physikern immer mehr Fuß). 1865 veröffentlichte Gregor Mendel seine Ergebnisse in einem Aufsatz, den er ‚Versuche über Pflanzenhybride‘ nannte. Seine Erkenntnisse wurden allerdings weitestgehend ignoriert oder stießen bei dem damaligen Stand der Forschung auf Unverständnis. Die nicht zur Kenntnisnahme seiner Forschungen und die anschließenden Untersuchungen an anderen Pflanzen, bei denen sich seine vorherigen Ergebnisse nicht bestätigten, bewogen Mendel, die Forschung völlig aufzugeben. 1868 wurde Mendel zum Abt des Klosters ernannt. In seinen letzten Lebensjahren war Mendel mit dem Staat in einen Steuerstreit verwickelt und litt an verschiedenen Krankheiten. Erst im Jahre 1900, sechzehn Jahre nach Mendels Tod, entdeckten die drei Botaniker Hugo De Vries, Carl Correns und Erich Tschermak, seine Ergebnisse wieder, als sie ähnliche Forschungen zur Vererbung anstellten. Seitdem gilt Mendel als derjenige, der die Grundlagen der Vererbungslehre entdeckt hat.“[2]

Werke (Auswahl)

  • J. G. Mendel: Versuche über Pflanzenhybriden. Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brünn, Bd. IV (1865), S. 3–47, Volltext
  • Gregor Mendel (Autor) / Erich von Tschermak-Seysenegg (Hg.): Versuche über Pflanzenhybriden. 2 Abhandlungen 1866 und 1870. Verlag Hary Deutsch, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-8171-3121-6, Volltext
  • Gregor Mendel: Gegen Kommunismus und Sozialismus, in: Mitteilungen der k. k. Mährisch-Schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde 57 (1877), S. 6–8

Literatur

  • Konrad Dürre: Gregor Mendel, in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hg.): „Die Großen Deutschen“, Neue Deutsche Biographie, Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Dritter Band, S. 513–523

Verweise

Fußnoten

  1. Karl Richard Ganzer: Das deutsche Führergesicht. 200 Bildnisse deutscher Kämpfer und Wegsucher aus zwei Jahrtausenden, Lehmanns-Verlag, München 1937
  2. Gregor Mendel – der Erbsenzähler, Stern, 4. Mai 2001