Brünn

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Brünn

Wappen von Brünn
Staat: Deutsches Reich
Einwohner (1900): 109.934
Koordinaten: 49° 12′ N, 16° 36′ O
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Brünn befindet sich seit 1945 unter Fremdherrschaft. Das Gebiet ist von Tschechei vorübergehend besetzt, die einheimische Bevölkerung wurde vertrieben oder ermordet und deren Eigentum gestohlen.

Brünn ist eine deutsche Stadt im Zentrum von Mähren, die nicht zum geschlossenen deutschen Siedlungsraum gehört.

Inhaltsverzeichnis

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1900 109.934 Deutsche
2000 381.862 Tschechen
2007 368.533 Tschechen

Geschichte

Auf dem Gebiet von Brünn gab es zur Zeit des Großmährischen Reiches mehrere Siedlungen. Um 1000 n.d.Z. entstand an einer Furt des Flusses Swratka eine Ortschaft, das heutige Staré Brno (Altbrünn), und gab der Stadt ihren Namen. Seit dem 11. Jahrhundert stand hier eine Burg des Fürsten Břetislav, ein Sitz der Teilfürsten aus dem Premisliden-Geschlecht.

Unterhalb der Burg entwickelten sich um Marktplätze einige Dörfer – sowohl in Altbrünn als auch um den sogenannten Oberen oder Krautmarkt. Seit dem 13. Jahrhundert kamen hierher Kolonisten: Deutsche, (darunter auch viele Flamen und Wallonen), die sich um Unteren Markt ansiedelten.

Eine eigene Gemeinde bildeten auch die Juden im unteren Teil der heutigen Masaryk-Straße. Rechtlich gesichert wurde die Stadtentwicklung durch das größere und das kleinere Privilegium, das der böhmische König Wenzel I. 1243 der Stadt erteilte. Die Stadt umgab sich stufenweise mit einer Stadtmauer mit fünf Toren. Neben zwei Pfarrkirchen – St. Peter und St. Jakob – betreuten auch mehrere Klöster die Seelen.

Die Burg Spielberg wurde Ende des 13. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaut. Die Stadt war im 14. Jahrhundert Sitz der mährischen Markgrafen und erlebte einen Aufschwung. Damals gab es in der Stadt etwa 1.000 Häuser und 11.000 Einwohner. Dank dem Jahrmarktsrecht wuchs der internationale Handel, der eingehende Kenntnisse der Rechtsvorschriften erforderte, so daß der Rathausschreiber Johann 1355 das Buch der Aussprüche der Brünner Ratsherren aufstellte, das zum juristischen Vorbild für viele Städte wurde. An der Spitze der Stadt stand ein Schultheiß und ein Stadtrat, bestehend aus zwölf Ratsherren.

Seit der Mitte des 14. Jahrhundert war Brünn Sitz der Mährischen Landtage, die sich abwechselnd in Brünn und in Olmütz versammelten. Diese Organe der Landesselbstverwaltung entschieden über politische, gerichtliche und finanzielle Fragen und führten die Eintragungen in die Landtafeln. Während der hussitischen Kriege blieb die Stadt dem König Siegmund treu, und die Hussiten belagerten sie zweimal vergeblich, in den Jahren 1428 und 1430.

Es fanden hier auch die ersten diplomatischen Gespräche statt, die zu den sogenannten Basler Kompaktata führten. 1454 verbannte der König Ladislav Pohrobek die Juden aus der Stadt, und sie ließen sich daraufhin in der Umgebung der heutigen Křenova-Straße nieder. Zur Regierungszeit des Königs Jiři z Podebrad schloß sich Brünn dessen Gegner Matyas Korvin an, der in Mähren als der böhmische König betrachtet wurde. Während der Bürgerkriege im 15. Jahrhundert stagnierte die Zahl der Häuser und Einwohner, und der Handel ging zurück.

In der Mitte des 16. Jahrhundert begann Brünn, dem Protestantismus zuzuneigen, deren Anhänger eine Überzahl im Stadtrat gewannen. Die Anstrengungen um die Rekatholisierung (Gegenreformation) brachten der Stadt neue katholische Orden, von denen namentlich die Jesuiten und Kapuziner sich einen großen Einfluß verschafften. Die Einwohnerzahl war in der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg ungefähr auf demselben Niveau wie vor 200 Jahren. Die Stadt schloß sich 1619 dem ständischen Aufstand an, wofür sie bestraft wurde. 1643 und vor allem 1645 konnte sie sich als einzige Stadt in Mähren der langen Belagerung durch schwedische Truppen erwehren und ermöglichte dadurch dem österreichischen Reich, eine neue Armee zu bilden und die schwedische Macht zurückzuschlagen.

Bei der Abwehr zeichneten sich besonders der Militärkommandant Radouit de Souches und der Jesuitenrektor P. Martin Středa aus. Die Stadt wurde für ihre Verdienste mit neuen Privilegien einschließlich einer Verbesserung ihres Wappens belohnt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Brünn zur alleinigen Hauptstadt Mährens, und seit 1641 wurden die Landtafeln für Mähren auf Dauer in Brünn aufbewahrt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt zu einer uneinnehmbaren Barockfestung. 1742 versuchten die Preußen vergeblich, die Stadt zu erobern. Die Stellung Brünns wurde auch mit der Gründung eines Bistumes im Jahre 1777 hervorgehoben.

Im 18. Jahrhundert begann eine Entwicklung der Industrie und des Handels, die sich auch im nächsten Jahrhundert fortsetzte. In Brünn konzentrierte sich die Textil- und Maschinenbauindustrie, die neuesten technischen Verfahren wurden schnell eingeführt, und 1839 kam in Brünn der erste Zug an. Mit der Entwicklung der Industrie wuchsen die Vorstädte, und die Stadt verlor ihren Festungscharakter. So auch die Burg Spielberg, die zu einem berüchtigten Gefängnis wurde.

Neben den Kriminellen wurden hier auch politische Gegner des Habsburger Reiches eingesperrt. Stufenweise wurde die Stadtmauer abgebaut und nach dem Wiener Vorbild mit Gebäuden und Grünflächen ersetzt, die den neuen Stadtgürtel bildeten. 1850 wurden 32 Vororte eingegliedert, so daß die Einwohnerzahl von Brünn 46.000 erreichte. Es wurden die Gasbeleuchtung (1847) und die Straßenbahn (1869) eingeführt, es entstanden Gymnasien, Real- und Hochschulen (die deutsche technische Hochschule 1873, die tschechische 1899).

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gipfelten in der Stadt die Nationalkonflikte zwischen der deutschen und der tschechischen Bevölkerung. Die Überzahl der Deutschen in der Stadtverwaltung endete nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1919 durch Repressalien der neuen (tschechischen) Machthaber des von den Kriegsgegnern Deutschlands erschaffenen Kunststaates Tschecho-Slowakei.

In der Zeit der Ersten Republik war Brünn die zweite Stadt nach Prag – sowohl ihrer Größe als auch ihrer Bedeutung nach – Brünn war die Hauptstadt des Landes Mähren-Schlesien. In dieser Zeit wurde die Masaryk-Universität gegründet (1919), und mit der Ausstellung der modernen Kultur (1928) wurde das Brünner Messegelände geöffnet. Die Stadt war nicht nur ein Industrie- und Handelszentrum, sondern auch ein Zentrum des Schulwesens und der Kultur.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die deutsche Bevölkerung gewaltsam aus der Stadt vertrieben. Im Brünner Todesmarsch (Beginn am 31. Mai 1945) mußten etwa 27.000 vor allem alte und jugendliche Bürger einen Fußmarsch zur 60 km entfernten österreichischen Grenze antreten. Nach neuesten Forschungen kamen dabei ca. 5.200 Personen ums Leben, amtlich belegt sind 2.000 Todesfälle.

Die nachfolgende Periode der kommunistischen Regierung brachte der Stadt wirtschaftliche und politische Stagnation, deren Folgen bis heute nur schwer überwunden werden.

Bekannte, in Brünn geborene Personen

Deutsche

Nichtdeutsche

Siehe auch

Literatur

  • Ingomar Pust: Schreie aus der Hölle ungehört. Das totgeschwiegene Drama der Sudetendeutschen, Hartmann-Verlag, Sersheim 1998 (Klappentext)

Verweise

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