Meyer, Hans (1858)

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Geheimrat Prof. Dr. rer. pol. et phil. h. c. Hans Meyer, 1928

Hans Heinrich Josef Meyer (Lebensrune.png 22. März 1858 in Hildburghausen; Todesrune.png 5. Juli 1929 in Leipzig) war ein deutscher Offizier, Afrikaforscher, Professor und Verleger, der 1889 als erster gemeinsam mit Ludwig Purtscheller die Kaiser-Wilhelm-Spitze bezwang. Fünfmal reiste Meyer zwischen 1886 und 1911 zu Forschungszwecken nach Deutsch-Ostafrika. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem wurde er 1915 auf den Lehrstuhl für Kolonialgeographie in Leipzig berufen.

Leben

Unteroffizier Hans Meyer wurde im Oktober 1878 in Leipzig zur Reserve entlassen.
Dr. Hans Meyer

Nach seinem Reifezeugnis 1877, der anschließenden Militärzeit als Soldat der Preußischen Armee beim 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiment in Berlin (bis Herbst 1878 als Einjährig-Freiwilliger) und dem Studium der Nationalökonomie, das er mit einer Dissertation bei Gustav Schmoller in Straßburg abschloß (25. Februar 1881 Promotion mit wirtschaftsgeschichtlichem Thema „Die Straßburger Goldschmiedezunft von ihrer Entstehung bis zum Jahre 1681“), machte er eine zweijährige Weltreise. Zuerst im Verlag seines Vaters tätig, war er unter anderem Herausgeber der 4. Auflage von Meyers Lexikon. Ende 1886 brach er dann zu seiner ersten Afrikareise nach Deutsch-Ost auf.

1887 schloß er sich einer Expedition der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft in das Kilimandscharo-Gebiet an. Trotz mangelhafter alpinistischer Ausrüstung und im letzten Teil im Alleingang erreichte er den Rand der Gletscherkappe in über 5.000 m Höhe. 1888 wollte er gemeinsam mit dem Geographen Oscar Baumann einen erneuten Aufstieg wagen, die Träger verließen jedoch die Expedition, da sie berechtigterweise große Angst hatten, von den islamischen Sklavenjäger gefangengenommen und versklavt zu werden. Meyer und Baumann gerieten in die Wirren der Sklavenhalter-Revolte in Deutsch-Ost und wurden von dem Rebellenführer Buschiri bin Salim gefangengenommen und mißhandelt. Erst die Zahlung eines hohen Lösegeldes brachte beide wieder in Freiheit.

Im Jahr darauf gelang ihm zusammen mit Ludwig Purtscheller am 6. Oktober 1889 der Aufstieg auf den mit fast 6.000 Metern höchsten deutschen Berg. 1898 umrundete er gemeinsam mit dem Münchner Landschaftsmaler Ernst Platz das Gesamtmassiv des Berges. Seine Gletscherbeobachtungen, Kartierungen und trigonometrischen Messungen waren lange Zeit in der Forschung maßgebend. Am 18. November 1890 erhielt er sein Leutnants-Patent und war nun Offizier der Preußischen Armee. Er hatte immer wieder militärische Übungen abgeleistet, was ihm zuletzt am 20. März 1928 vom Zentralnachweisamt bescheinigt wurde.

Dr. Hans Meyer besteigt als erster Mensch (mit Ludwig Purtscheller)[1] am 6. Oktober 1889 die Kaiser-Wilhelm-Spitze (Kibokraterrand) im Kilimandscharo-Massiv, den höchsten Berg Afrikas; die gehißte Flagge des Deutschen Kaiserreiches und die errichteten Berghütten mit den deutschen Namen wie Bismarck- oder Peters-Hütte hatten noch viele Jahre danach bestand.[2]

1894 reiste er auf die Kanareninsel Teneriffa, wo er den höchsten Berg, den Pico de Teide (3.718 m), bestieg. 1903 führten ihn seine Reisen in die südamerikanischen Kordilleren. Gemeinsam mit Rudolf Reschreiter hielt er sich dann ein halbes Jahr in Ecuador auf und erforschte dort die höchsten Vulkanberge (Chimborazo, Cotopaxi, Antisana, Cerro Altar, Carihuairazo u. a.).

Am 9. Mai 1896, bei den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Carl Joseph Meyers vor dem „Bibliographischen Institut“ (Obere Marktstraße 44), zum Zeitpunkt „Altes Technikum“, teilte der anwesende Dr. Hans Meyer den anwesenden Gästen mit, daß sein Vater, Herrmann Julius Meyer, 20.000 RM für Studenten des Technikums zur Verfügung stellt, 1908 kam eine weitere Stiftung über 30.000 RM hinzu, ferner 10.000 RM von einem Unbekannten. Die Stiftungssummen fielen Anfang der zwanziger Jahre der Inflation zum Opfer.

1905 kam es zur Gründung einer Landeskundlichen Kommission des Reichskolonialamts unter Hans Meyers Vorsitz, deren Ziel die Aussendung und finanzielle Unterstützung von Expeditionen zur wissenschaftlichen Erforschung deutscher Kolonialgebiete war, 1910 hielt er eine vielbeachetet Rede vor dem Reichstag über die Schlafkrankheit.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges gegen Deutschland konnten auf diese Weise insgesamt acht große Forschungsreisen durchgeführt werden. Eine letzte große Reise brachte ihn 1911 wiederum nach Deutsch-Ostafrika in das noch kaum erforschte zentralafrikanische Zwischenseengebiet von Ruanda und Urundi. 1914 trat er aus der Direktion des Meyers-Verlags aus, da er mittlerweile zu einem renommierten Geographen und bekannten Forschungsreisenden geworden war.

Kurzchronologie

  • geb. 22.3.1858 in Hildburghausen als Sohn des Inhabers des Bibliographischen Instituts Hermann Julius Meyer
  • Studium der Nationalökonomie, Germanistik, Geschichte und Geographie in Leipzig, Berlin und Straßburg von 1878–1880
  • 1881 Promotion mit wirtschaftsgeschichtlichem Thema „Die Straßburger Goldschmiedezunft von ihrer Entstehung bis zum Jahre 1681“
  • Abschluß des Bildungsweges durch eine mit zahlreichen wissenschaftlichen Beobachtungen verbundene Weltreise von 1881–1882
  • 1884 Eintritt ins väterliche Unternehmen, das Bibliographische Institut in Leipzig
  • 1885–1915 Verlagsleiter des Bibliographischen Instituts
  • widmete sich von 1886 bis 1911 Forschungsaufgaben in Afrika
  • 1889 erstmalige Besteigung der höchsten Erhebung des Kilimandscharo
  • 1887, 1888, 1889, 1898, 1911 Expeditionen nach Deutsch-Ostafrika
    • 1887 1. Afrika-Expedition: Meyer und von Eberstein – Besteigungsversuch Kilimandscharo, Erfolg bis zur Eisgrenze
    • 1888 2. Afrika-Expedition: Meyer und Baumann – Ziel Kilimandscharo, Abbruch im Araberaufstand
    • 1889 3. Afrika-Expedition: Meyer und Purtscheller – Erstbesteigung des Kilimandscharo, Benennung Kaiser-Wilhelm-Spitze
    • 1898 4. Afrika-Expedition: Meyer und Platz – Kraterrandbesteigung, Forschungsarbeiten am Kilimandscharo
    • 1911 5. Afrika-Expedition: Meyer – Ruanda, Urundi und zu den Vulkanen Karissimbi und Niragongo
  • 1894 zur Durchführung von Gletscherforschungen erneute Besteigung des Kilimandscharo, danach bevorzugte Beschäftigung mit Vulkanologie
  • 1901 Berufung in den Kolonialrat
  • 1903 vulkanologische Forschungen in Ecuador zur Erforschung der Vulkanberge Chimborazo, Cotopaxi und Antisana
  • 1905 Gründung der „Landeskundlichen Kommission zur Erforschung der Deutschen Schutzgebiete“ (Vorsitzender bis zu seinem Tode)
  • 1907 Verleihung des Ehrendoktors Dr. Phil. h. c.
  • 1912 Verleihung der Eduard-Vogel-Medaille durch die Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig
  • 1915–1928 Professor für Kolonialgeografie an der Leipziger Universität
  • 44 Jahre gehörte er als führendes Mitglied der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig an
  • 5.7.1929 in Leipzig gestorben

Familie

Ehe

Am 21. Dezember 1891 zur Wintersonnenwende heiratete Dr. Meyers seine 19jährige Verlobte Elisabeth „Lisbeth“ Emma Charlotte Agnes Haeckel (1871–1948), die Tochter des Jenaer Professors für Zoologie Dr. Dr. h. c. mult. Ernst Heinrich Philipp August Haeckel. Der Ehe sind drei Kinder entsprossen.

Der deutsche Schriftsteller Hermann Ludwig Allmers (u. a. schrieb er das Erkennungslied der deutschen Corpsstudenten Dort Saaleck, hier die Rudelsburg), der mit Ernst Haeckel eine enge Freundschaft pflegte, dichte am 16. Dezember 1891 das Hochzeits-CarmenSonnenwend- und Hochzeitslied“ zur Vermählungsfeier, welches er am 18. Dezember 1891 an Professor Haeckel versandte. Trotz Einladung war es ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, aus Rechtenfleth anzureisen und an der Hochzeitsfeier teilzunehmen. Er bat jedoch seinen Freund, das Gedicht vorzutragen, ermahnte ihn aber, dabei nicht zu weinen, wie er dies bei einer „Weihe“ in der Vergangenheit getan hatte.

Auszeichnungen, Ehrungen, Mitgliedschaften (Auszug)

  • 1901 Berufung in den Kolonialrat
  • 1905 Gründung der „Landeskundlichen Kommission zur Erforschung der Deutschen Schutzgebiete“ (Vorsitzender bis zu seinem Tode)
  • 2. August 1907 Verleihung des Ehrendoktortitels Dr. Phil. h. c. Gießen
  • 1911 Preußischer Kronenorden, II. Klasse
  • Erinnerungszeichen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Sektion Leipzig in Anerkennung seiner 25jährigen Mitgliedschaft am 10. November 1911
  • 1912 Verleihung der Eduard-Vogel-Medaille durch die Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig
  • 1915 bis 1928 Professor für Kolonialgeographie an der Leipziger Universität
    • Dekret zur Ernennung zum ordentlichen Honorarprofessor der Universität Leipzig vom 7. Januar 1915
  • Franz-Joseph-Orden, 1918
  • Ehrenbürger der Stadt Hildburghausen am 22. März 1928
  • Ehrenplakette der Deutschen Kolonialgesellschaft, 1928
Grabstein von Hans Meyer auf dem Leipziger Südfriedhof. Der lateinische Spruch „Impavidi progrediamur“ bedeutet „Unerschrocken wollen wir voranschreiten“.

Benennungen am Kilimanjaro

  • Hans Meyer Höhle (Hans Meyer Cave)
  • Hans Meyer Scharte (Hans Meyer Notch)
  • Hans Meyer Punkt (Hans Meyer Point)
  • Hans Meyer Spitze (Hans Meyer Peak)
  • Hans Meyer Grat (Hans Meyer Ridge)

Urkunden (Chronologisch)

„Hochtouren im tropischen Afrika“
  • Urkunde des Vereins für Erdkunde zu Leipzig an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Leopoldina an Hans Meyer anläßlich seiner Berufung zum Mitglied
  • Urkunde der Nachtigal-Gesellschaft an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Geographischen Gesellschaft zu München an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum korrespondierenden Mitglied
  • Urkunde des Vereins für Geographie und Statistik an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Geographischen Gesellschaft für Thüringen zu Jena an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der „Ostschweizerischen geographisch comerciellen Gesellschaft St. Gallen“ an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes, Altenburg an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde des Vereins für Erdkunde zu Halle/S. an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Geographischen Gesellschaft in Hamburg an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Magyar Földrajzi Tarsasag Budapest an Hans Meyer
  • Urkunde der Kaiserlich-Königlich Geographischen Gesellschaft in Wien an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Großherzoglich Hessischen Landesuniversität an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Dr. phil. h. c.
  • Urkunde der Geographischen Gesellschaft Greifswald an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Geographischen Gesellschaft München an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig anläßlich der Verleihung der Eduard Vogel-Medaille an Hans Meyer
    • 44 Jahre führendes Mitglied der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig
  • Urkunde der Geographischen Gesellschaft zu Königsberg an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied
  • Urkunde der Sächsischen Akademie der Wissenschaften an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum ordentlichen Mitglied ihrer mathematisch-physischen Klasse
  • Urkunde des Württembergischen Vereins für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Ausland an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum korrespondierenden Mitglied
  • Urkunde der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig an Hans Meyer anläßlich seiner Ernennung zum Ehrenvorsitzenden

Werke (Auswahl)

Hans Meyer - Der Kilimandjaro.jpg
  • Eine Weltreise: Plauderein aus einer zweijährigen Erdumsegelung (1885) (PDF-Datei)
  • Ostafrikanische Gletscherfahrten: Forschungsreisen im Kilimandscharo-Gebiet (1890) (PDF-Datei)
  • In den Hoch-Anden von Ecuador: Chimborazo, Cotopaxi etc.; Reisen und Studien (1907) (PDF-Datei)
  • Die Eisenbahnen im tropischen Afrika (1902) (PDF-Datei)
  • Die Insel Tenerife: Wanderungen im Canarischen Hoch- und Tiefland (1896) (PDF-Datei)
  • Die Erstbesteigung des Kilimandscharo, 1889 (neu hrsg. v. Heinz Pleticha) (Bestellmöglichkeit)
  • Das deutsche Kolonialreich, eine Länderkunde der deutschen Schutzgebiete
  • Ostafrikanische Gletscherfahrten (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Der Kilimandjaro. Reisen und Studien

Literatur

Verweis

Fußnoten

  1. Schon 1861 und 1862 hatte sich der deutsche Entdecker Karl Klaus von der Decken an eine Besteigung des Berges gewagt, mußte jedoch bei einer Höhe von 4.280 Metern wetterbedingt abbrechen.
  2. Die Sektion Hannover des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins plante Anfang des 20. Jahrhunderts den Bau einer Alpenvereinshütte zwischen dem Mawenzi und dem Kibo auf 4.900 m Höhe. Das erforderliche Baumaterial war bereits zur Baustelle transportiert worden. Der Beginn des Ersten Weltkrieges verhinderte aber den Bau der am höchsten gelegenen Hütte des Alpenvereins.