1929

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Inhaltsverzeichnis

Januar 1929

Am 1. Dezember 1918 war durch Vereinigung der früheren Länder Serbien, Bosnien, Kroatien und Montenegro das „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ entstanden, dessen Thron Peter I. von Serbien einnahm. Nach seinem Tode war ihm im August 1921 sein zweiter Sohn Alexander I. gefolgt, der sich bereits im Weltkrieg besonders ausgezeichnet hatte. Das neue Reich hatte mit außerordentlichen inneren Schwierigkeiten zu kämpfen, die im Parlament zur Ermordung von Abgeordneten führten. Es wollte zunächst durchaus nicht gelingen, die vereinigten Volksstämme zusammenzuschweißen. Daher entschloß sich König Alexander am 5. Januar zu einem Staatsstreich. Er hob Verfassung und Parlament auf, ernannte eine Militärdiktatur und änderte den bisherigen Namen des Staates in „Königreich Jugoslawien“ um. Nachdem das Land unter Beseitigung der alten historischen Grenzen in Verwaltungsbezirke aufgeteilt war, erhielt Jugoslawien am 3. September 1951 eine neue Verfassung. Gleichzeitig wurde der Getreidehandel zum Staatsmonopol erklärt.

Februar 1929

Beginn der Pariser Sachverständigenkonferenz unter Owen Young, dem ehemaligen 2. Vorsitzenden der Daweskonferenz. Deutschland ist durch den Präsidenten der Reichsbank, Dr. Hjalmar Schacht, und den Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke, Dr. Vögler, vertreten. Die Konferenz beschließt, zunächst keinerlei Mitteilung an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Am 9. März verkündet sie, daß eine internationale Bank gegründet werden soll, die als Treuhänder der deutschen Zahlungen zu gelten hat und deren Kapital von 100 Millionen die interessierten Regierungen aufbringen sollen.
Über die Höhe der deutschen Zahlungen entsteht ein heftiger Streit. Die Franzosen bestehen auf voller Zahlung der durch das Londoner Ultimatum (1921!) festgesetzten Summe von insgesamt 132 Milliarden Goldmark. Die Italiener fordern von ihren früheren Verbündeten eine Erhöhung ihres prozentualen Anteils an den deutschen Reparationen. Die Engländer wünschen ein Ende der Sachlieferungen, weil sonst ihre Industrie keine Arbeit finde. Deutschland hingegen weist darauf hin, daß es nur drei praktische Möglichkeiten gebe: Entweder man setzt die Summe stark herab oder man gestattet Zahlung fast ausschließlich in Sachlieferungen oder man ermöglicht eine solche Steigerung der deutschen Ausfuhr, daß aus dem Überschuß die Reparationen beglichen werden können.
Inzwischen addieren die Alliierten ihre Forderungen, wobei sich herausstellt, daß die neu geforderte Jahresrate erheblich höher ist als die Normalrate des Dawesplanes.
Nach weiteren einwöchigen Verhandlungen wird diese
Summe auf 2.300 Millionen Goldmark jährlich herabgedrückt, bleibt also nur um 200 Millionen hinter der Normaljahresrate des Dawesplanes zurück. Auf diese Ziffern legen sich die Alliierten hartnäckig fest.
  • 11. Februar: Unterzeichnung der Lateranverträge in Rom zwischen Mussolini und der Kurie.
  • 27. Februar: Die Türkei tritt dem Ostpakt vom 9. Febr. 1929 bei. Die Engländer beginnen in Scapa Flott mit der Hebung der deutschen Kriegsflotte.

März 1929

Er gilt als der bedeutendste Heerführer des Ersten Weltkrieges auf seiten der Entente. Nächst Poincare war er der hartnäckigste Verfechter einer dauernden Rheinlandbesetzung. Immer wieder versuchte er, für Frankreich die Rheingrenze zu gewinnen. Zu diesem Zweck unternahm er 1921 eine Amerikareise, erreichte jedoch sein Ziel nicht.

April 1929

17. April: Deutscher Gegenvorschlag in der Pariser Sachverständigenkonferenz
Grundlage des neuen Zahlungsplannes sei die effektive Leistungsfähigkeit Deutschlands.
Schon der Dawesplan habe anerkannt, daß Tributzahlungen nur aus dem wirtschaftlichen Überschuß der Arbeitsleistung der Deutschen rabiat entrichtet werden können, nicht aus dem fortgesetzten Verkauf der Substanz oder aus Anleihen aus dem Ausland. Gleichwohl seien die bisherigen Zahlungen nur auf solche Weise aufgebracht worden. Wenn man die deutsche Zahlungsfähigkeit heben wolle, müsse man endlich wieder gesunde wirtschaftliche Verhältnisse schaffen: Fortfall der ausländischen Kontrollen, Möglichkeiten, Rohstoffe aus eigenen überseeischen Quellen zu beziehen sowie Wegfall der Zollschranken usw. Unter diesen Voraussetzungen sei Deutschland bereit, 37 Jahresraten von 1.650 Goldmarkmillionen zu zahlen, davon 450 Millionen jährlich unbedingt. Weitere 600 Millionen sollen unter Transferschutz stehen. Der Rest von 600 Millionen soll nur bei günstiger Wirtschaftslage aufgebracht werden. Teilweise sollten diese Zahlungen in Sachlieferungen erfolgen.
Diese Gegenvorschläge setzen den Ausschuß in schwerste Bestürzung. Der Engländer Revelstoke erliegt in der Erregung einem Schlaganfall. Die Konferenz wird vertagt.
Finanznöte der deutschen Regierung.
Der Fehlbetrag im Haushalt des Reiches wird immer größer. – Die Unterstützung der Arbeitslosen verschlingt Summen, die niemand voraussehen konnte. Die Großbetriebe sind aufs äußerste mit Steuern belastet; sie halten sich nur noch durch Kredite aufrecht. Noch schlimmer geht es dem Kleinunternehmer, der solche nicht erhalten kann. Von ihm besonders gilt das geflügelte Wort: „Wir sind nicht reich genug, um arbeiten zu können!“ Der Reichsbankdiskont wird von 6½ auf 7 1/2 heraufgesetzt. Die soziale Gärung steigt. Man spricht von „Steuerbolschewismus“. In den Ostprovinzen droht ein agrarischer Zusammenbruch. Die Wohlfahrtsstellen sind der rapiden Vermehrung des Elends nicht mehr gewachsen. Inzwischen werden aus den verschiedensten Ländern Großangriffe auf die Reichsmark gemeldet, deren Kurs ins Schwanken gerät. Eine neue Kapitalflucht aus Deutschland setzt ein. England und vor allem Amerika beginnen jetzt ernstlich für ihre investiertest Kapitalien zu fürchten. Ihre Börsen stoßen daher nunmehr gegen den Störenfried, den französischen Franken, vor. Frankreich lenkt ein.
  • 28. April: Diktatorischer Vorschlag Youngs in Paris: Deutschland soll insgesamt 59 Jahre hindurch tributpflichtig sein – also bis zum Jahre 1988.
(Höhe und Art der Zahlungen)
Die deutschen Sachverständigen Dr. Schacht und Dr. Vögler verweigern die bedingungslose Annahme; das deutsche Volk aber und seine Presse stehen nicht geschlossen hinter ihnen. Beide werden dauernd aus dem eigenen Lager aufs heftigste angegriffen. Der Grund hierfür liegt darin, daß die Reichsregierung dringend Geld braucht und es durch eine nachgiebige Haltung gegenüber der amerikanischen Hochfinanz zu erlangen hofft. Dr. Vögler tritt zurück. Reichsbankpräsident Dr. Schacht entschließt sich zum Ausharren. Gewaltiges steht auf dem Spiel: Im besonderen ist die Frage der früheren Räumung des Rheinlandes von dem Zustandekommen des Planes abhängig. Auch will man endlich die Endziffern der Rechnung von Versailles in Händen haben.

Mai 1929

In Berlin kommt es zu blutigen Krawallen, die von der Polizei mit Panzerwagen und Maschinengewehren niedergekämpft werden müssen. 17 Männer und 5 Frauen finden dabei den Tod.
12. Mai: Die Landtagswahlen in Sachsen, Mecklenburg-Schwerin und Coburg bringen den Nationalsozialisten einen großen Zuwachs.
  • 26. Mai: Rußland verkündet den ersten Fünfjahresplan. Es ist der erste Versuch einer planmäßigen Industrialisierung des Sowjetreiches. Dem selbständigen Bauerntum wird schärfster Kampf angesagt; man errichtet in der Landwirtschaft Kollektivbetriebe, die mit industriellen Methoden arbeiten sollen. Jedem Distrikt wird aufgegeben, eine bestimmte Menge an Lebensmitteln usw. abzugeben. Ähnliche Bestimmungen finden auf die Fertig- und Halbfertigfabrikate der verschiedenen Industrien Anwendung.
  • 29. Mai: Die Sachverständigen auf der Pariser Konferenz „einigen“ sich auf das Diktat Youngs. Auch Dr. Schacht sah sich schließlich gezwungen, seine Zustimmung zu geben. Der Plan muß jetzt von den Regierungen angenommen und von den Parlamenten ratifiziert werden. Er wird am 7. Juni der Öffentlichkeit übergeben. Für den 6. August 1929 wird eine große Konferenz der Regierungen nach Den Haag einberufen.
In Deutschland ruft der Spruch leidenschaftliche Erregung hervor: Die Rechtsparteien greifen die Umwandlung der erzwungenen politischen Schuld in eine Unabwalzbahre und freiwillig anerkannte Handelsschuld aufs heftigste an. Eine Revisionsmöglichkeit hiergegen sei nicht mehr vorgesehen. Die Verbindung zwischen den deutschen Tributen und den alliierten Schulden an Amerika gehe weit über das Versailler Diktat hinaus. Über die Kosten der Rheinlandbesetzung vom Tage der Annahme des Youngplanes bis zum Aufhören der Besetzung sei nichts bestimmt. Demgegenüber ist die Regierung in ihren Entschlüssen nicht mehr frei: Nach außen hin hat sie die baldige Befreiung des Rheinlandes zum Schlüsselpunkt ihrer ganzen Politik gemacht. Im Inneren stehen und fallen die Reichsfinanzen mit einer Gewährung sofortiger Erleichterungen. Die Staatskassen sind völlig leer. Die Linksparteien wissen sehr wohl, was das bedeutet. Sie stimmen ebenso energisch für Annahme des Planes. Selbst der damals schon todkranke Stresemann greift leidenschaftlich in die Debatte ein: „Sollten wir so lange warten, bis die Unmöglichkeit, den noch strengeren Dawesplan weiter zu erfüllen, uns in eine schwere Krise gebracht hätte? Wir stehen vor dem Zusammenbruch des getarnten Mittelstandes. Gewiß – der Plan soll unabänderlich sein. Niemand aber kann die Zukunft voraussehen. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem auch der Youngplan sich einer Revision unterziehen lassen muss — vielleicht schon innerhalb der nächsten 10 Jahre.“ Sofort greift Poincarè dies auf: „Was den Youngplan anbetrifft, so nimmt Frankreich ihn nur darum an, weil er unabänderlich und endgültig ist und weil keinerlei Drohungen mit Revisionen ihn belasten.“ Schließlich muß Stresemann seine letzte Äußerung dementieren. Briand aber weist darauf hin, daß die Rheinlandbesetzung nicht nur ein Pfand für die Reparationen, sondern auch ein Pfand für die Sicherheit Frankreichs darstelle: „Deutschland soll ans Garantien geben, dann sind wir zur Räumung bereit.“

Juni 1929

  • 5. Juni: Neue Hoffnungen für Deutschland:
Infolge des neuen Sieges der Arbeiterpartei bei den englischen Unterhauswahlen bildet MacDonald ein neues Kabinett. Etwa zur gleichen Zeit erkrankt Poincarè. Briand wird Ministerpräsident. Es ist eine ähnliche Lage wie 1924, wo sich ebenfalls deutsche Erwartungen an den ersten Rücktritt PoincarèLs und die erste Ernennung MacDonalds zum englischen Ministerpräsidenten (1924) knüpften.

August 1929

  • 1.4. August: Vierter großer Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg. 150.000 Teilnehmer. Zum ersten Mal tritt neben der SA und der SS. die Hitler-Jugend an.
  • 8. bis 31. August: Erste Haager Youngkonferenz. Deutschland ist durch vier Reichsminister Stresemann, Wirth, Cartius und Finanzminister Hilferding, vertreten. England kommt bei den Beratungen in scharfe Opposition zu Frankreich. Es erklärt unbeschadet des noch immer ungeklärten Ergebnisses der Konferenz, auf jeden Fall im September seine Truppen vom Rhein zurückzuziehen. Die Franzosen hingegen wollen keinerlei Zugeständnisse in der Räumungsfrage machen, bevor nicht die Zahlungsfrage entschieden ist. Niemand will auch nur im geringsten etwas opfern — weder die großen noch die kleinen Nationen.
Schließlich einigt man sich auch diesmal auf dem Rücken Deutschlands. Dieses sieht sich gezwungen, Schritt für Schritt nachzugeben und zuletzt in eine wesentliche Verschlechterung gegenüber der ersten Fassung vom 28. April 1929 einzuwilligen. Um diesen Preis endlich werden am 30. August die Vereinbarungen über die Räumung des Rheinlandes (bis 30. Juni 1930) unterzeichnet. Eine zweite Konferenz soll die „Endlösung“ der finanziellen Beschlüsse in Gang setzen.
  • 15. August: Kampf um die Ratifizierung des Youngplanes. Die Konferenz in Den Haag ist zu einer deutschen Niederlage geworden, die selbst die schlimmsten Befürchtungen übertrifft. Die nationale Empörung hierüber bricht sich gewaltig Bahn und löst auf der Gegenseite ebenso starke Erbitterung aus. Die Rechte erläßt einen Aufruf für ein „Volksbegehren“ gegen den Youngplan. Die preußische Regierung verbietet ihren Beamten die Teilnahme hieran und setzt sich damit schweren Konflikten mit dem Staatsgerichtshof aus.

Oktober 1929

  • 2. Oktober: Mit letzter Kraft versucht Stresemann, sein Werk zu verteidigen. In einer Fraktionssitzung seiner Partei am 2. Oktober erreicht er noch einmal durch leidenschaftliche Beschwörungen den Fortbestand des Kabinetts mit dem Ziel, das Rheinland endlich freizumachen. Körperlich und seelisch vollkommen erschöpft, kehrt er abends nach Hause zurück und verliert das Bewußtsein. Am 3. Oktober erlöst ihn der Tod. Reichsaußenminister wird Curtius.
Am gleichen Tag nahm England seine Beziehungen zu Rußland wieder auf.

Beginn der Weltwirtschaftskrise

Die „Prosperity“ der VSA, das Vorbild der ganzen Welt, erleidet damit ihren ersten gewaltigen Stoß. Millionen werden über Nacht zu Bettlern. Deutschland verliert damit das letzte gtroße Exportland. Überall schrumpfen die internationalen Handelsbeziehungen.

November 1929

  • 21. November: Die Franzosen beginnen die II. (Koblenzer) Zone aufgrund der Vereinbarungen vom 30. August 1929 zu räumen.
  • 30. November: Die Räumung der II. Rheinlandzone ist durchgeführt. Auf dem Ehrenbreitstein geht die Trikolore herunter. Nach dem Versailler Vertrag hätten die Alliierten die Räumung bis zum Januar 1930 durchführen müssen.

Dezember 1929

  • 22. Dezember: Der Volksentscheid gegen den Youngplan scheitert. Ende Oktober hatten die Eintragungen zum „Volksbegehren“ stattgefunden; es wurde mit 8.000 Stimmen mehr als von der Verfassung gefordert bejaht. Damit mußte es an den Reichstag gehen. Hier wurde es Ende November vorgelegt, wo das Gesetz nach erregten Auseinandersetzungen abgelehnt wurde – nicht zuletzt durch das uneinheitliche Verhalten der Deutschnationalen Partei. Damit gelangte es zum „Volksentscheid“. Wenn 20 Millionen Stimmberechtigte für die Vorlage stimmen würden, so wäre der Youngplan hinfällig. Am 22. Dezember gaben aber nur 5,8 Millionen Stimmberechtigte ihr Votum ab, so daß der „Volksentscheid“ damit scheiterte.
  • 23. Dezember: Rücktritt Hilferdings als Reichsfinanzminister. Das Reich hat Ende 1929 einen völlig ungedeckten Fehlbetrag von 480 Millionen; trotzdem verlangt Reichskanzler Müller vom Reichstag die Ermächtigung, wiederum eine Anleihe aufzunehmen. Von allen Seiten Einspruch hiergegen: Reichsbankpräsident Dr. Schacht erklärt sein Veto, ebenso der Reparationsagent, dessen Zustimmung hierzu nicht eingeholt worden war. Schließlich protestiert auch Frankreich, weil damit die im Youngplan vorgesehene Mobilisierung eines Teils der deutschen Schulden in Frage gestellt werden würde. Das Gebäude der Finanzpolitik Hilferdings bricht damit zusammen. Sein Nachfolger ist der bisherige Wirtschaftsminister Moldenhauer von der Volkspartei.

Deutschlands Lage Ende 1929

Alles ist ausgeschöpft: die Steuerkraft, das Kapital, die Anleihemöglichkeiten. Die Zahl der Arbeitslosen ist auf 3.250.000 gestiegen. Ein Winter voller Schrecken steht bevor: Zahllose Betriebe werden stillgelegt.
Politisch ist das deutsche Volk noch nie so zerrissen gewesen wie in diesen Tagen. Von rechts und links regen sich überall die Kräfte des Umsturzes. So geben von der Verzweiflung der Bauern in Holstein 15 Bombenattentate Zeugnis, die vom 26. November 1929 bis zum 6. September 1930 aufgedeckt wurden. Sie richteten sich gegen führende Finanzbeamte, Regierungspräsidenten, Steuerämter, Bürgermeister usw.
Unter solchen Umständen geht man ohne jeden Rückhalt in die Zweite Haager Konferenz.

Die Gesamtzahl der Mitglieder der NSDAP belief sich Ende 1929 auf 178.000.

Siehe auch

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