Kruckenberg, Franz

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Dipl.-Ing. Franz Kruckenberg (2. v. l.) vor dem Schienenzeppelin

Franz Friedrich Kruckenberg (Lebensrune.png 21. August 1882 in Uetersen; Todesrune.png 19. Juni 1965 in Heidelberg) war ein deutscher Maschinenbauingenieur und Eisenbahnkonstrukteur. Er war ein Pionier des Schnellverkehrs auf der Schiene; zu seinen Werken gehört der 1931 vorgeführte propellergetriebene Schienenzeppelin.

Leben

Der per Flugzeugmotor angetriebene Schienenzeppelin (Foto vom 26. Juni 1931)

Kruckenberg entstammte einer alten Hamburger Kaufmannsfamilie, sein Vater war Bruno Krückenberg, seine Mutter Auguste Elisabeth, geb. Puttfarken. Nach dem frühen Tod des Vaters 1892 wuchs er bei seinem Großvater in Hamburg auf. Er legte das Abitur ab, absolvierte von 1902 bis 1904 seemännische Praktika und diente bei der Kaiserlichen Marine als Einjährig-Freiwilliger. Von 1904 bis 1907 studierte er Schiffbau in Berlin, von 1907 bis 1909 in Danzig, zuletzt als Assistent bei Johann Schütte.

Als frisch diplomierter Schiffbauingenieur begann er Anfang Juli 1909 seine Karriere bei Heinrich Lanz in Mannheim. Unter der Führung seines ehemaligen Professors Johann Schütte hatte er wesentlichen Anteil an der Konstruktion der Luftschiffe bei der „Luftschiffbau Schütte-Lanz OHG“. Als solcher konstruierte er bereits vor dem Ersten Weltkrieg Flugzeuge für die Fliegertruppe und Luftschiffe. Bereits zu diesem Zeitpunkt kritisierte er die Luftschiffe wegen ihrer explosiven Gasfüllung und die zivilwirtschaftliche Verwendung von Flugzeugen wegen ihrer hohen Betriebskosten. Von 1915 bis 1918 war er Chefkonstrukteur und Direktor der Firma „Luftfahrzeugbau Schütte-Lanz“ in Mannheim-Rheinau. Hier entwickelte er, in Konkurrenz zum Luftschiffbau Zeppelin, 22 Schütte-Lanz-Luftschiffe.

Nach dem Krieg eröffnete Franz Kruckenberg ein Ingenieurbüro in Heidelberg. Zunächst entwarf er eine Art Hänge-Schwebebahn, konnte aber nicht das Kapital für einen Prototypen aufbringen.

Seit 1928 lebte Franz Kruckenberg dann in Hannover. Mit Hermann Föttinger gründete er die Flugbahn-Gesellschaft mbH zum Bau des Schienenzeppelins mit Propellerantrieb. Nach Versuchen mit einem Propellerwagen der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt entwickelte er mit seinen Ingenieuren in Leichtbauweise und in Stromlinienformgebung den 1930 fertiggestellten Schnellbahnwagen, der als Schienenzeppelin in die Bahngeschichte einging. Die ersten Testfahrten wurden am 25. September 1930 auf der Bahnstrecke Kreiensen–Altenbeken durchgeführt.

Am 21. Juni 1931 hatte das Schienenfahrzeug seine Jungfernfahrt auf der Berlin-Hamburger Bahnstrecke zwischen Ludwigslust und Wittenberge. Dieser Schienentriebwagen war ein zweiachsiger aerodynamischer Wagen in Leichtbauweise mit Luftschraubenantrieb. Auf dieser sensationellen Schnellfahrt erzielte das Fahrzeug mit 230 Stundenkilometern einen Weltrekord als schnellstes Schienenfahrzeug der Erde, ein Rekord, der 23 Jahre Bestand hatte.

Die Erkenntnisse aus Kruckenbergs Arbeiten und praktischen Versuchen fanden ihren Niederschlag in dem ersten von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft gebauten diesel-elektrischen Schnelltriebwagen Fliegender Hamburger, der seit Mai 1933 mit 125 km/h Reisegeschwindigkeit verkehrte und das wachsende Netz der Schnelltriebwagenverbindungen zwischen den Großstädten einleitete. 1938 konstruierte Kruckenberg einen bei Westwaggon in Köln gebauten dreiteiligen Schnelltriebwagen (70 m Länge, 200 km/h Reisegeschwindigkeit), der vor Kriegsausbruch nicht mehr in verkehrsmäßigen Einsatz kam, aber der Prototyp für die nach dem Kriege wieder aufgenommene Entwicklung wurde.

Nach dem Schienenzeppelin entwickelte Kruckenberg den ebenfalls wegweisenden DR 137 155. Dieser Prototyp eines dreiteiligen Triebzuges zeichnete sich durch einen Triebkopf und einen diesel-hydraulischen Antrieb aus. Bei einer Versuchsfahrt am 23. Juni 1939 erreichte der Zug auf der Strecke Hamburg–Berlin einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 215 km/h. Die Konstruktion führte nach dem Krieg zu den Baureihen DB-Baureihe VT 10.5 („Senator“ und „Komet“), DB-Baureihe VT 11.5 („TEE“) und später in der DDR zur DR-Baureihe VT 18.16.

Für die Weiterentwicklung des Schienenzeppelins fanden sich indes keine Geldgeber. Die Reichsbahn lehnte das Sonderfahrzeug ab, so daß der Schienenzeppelin im Jahr 1939 verschrottet wurde. Seine Idee des strömungsgünstigen Profils beeinflußt bis heute die Bauweise von Schnelltriebwagen. Selbst das Frontdesign des Fahrzeugs läßt an heutige ICE-Züge denken.

Von 1943 bis 1945 war Kruckenberg in Berlin und in Herzberg (Harz) bei Henschel als Entwicklungsingenieur für Fernlenkwaffen zum Einsatz gegen Bombengeschwader tätig.

1949 gründete Kruckenberg die „Gesellschaft der Förderer der europäischen Schnellbahnen e. V.“ und fundierte unter Einsatz seines Vermögens die Schnellbahnidee wissenschaftlich, technisch und wirtschaftlich. Nicht nur das Fahrzeug, auch der Gleisbau mit durchlaufend verschweißten Schienen auf Betonbettung wurde von ihm entwickelt. Interessant waren auch seine Berechnungen von Verkehrshäusern, in denen sich mehrere Verkehrsträger auf verschiedenen Ebenen kreuzen können. Der Trans-Europ-Express seit 1957, der japanische Tokaido-Express seit 1964 und das Netz der Intercity-Züge seit 1970 in der BRD sind Zeugnisse für den Erfolg von Kruckenbergs Verkehrskonzept.

Familie

Kruckenberg heiratete 1910 seine Verlobte Marie Schlawe, Tochter von Georg Schlawe, Direktor der Rentenversicherungs-Anstalt in Berlin. Die Ehe blieb kinderlos.

Filmbeiträge

Propellertriebwagen Kruckenberg Schienenzeppelin (1930) Teil 1 (5.02 Min.)
Teil 2 (5.36 Min.)
Kruckenbergs Schienenzeppelin

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Siehe auch

Literatur

  • Alfred Gottwaldt: Der Schienenzeppelin – Franz Kruckenberg und die Reichsbahn-Schnelltriebwagen der Vorkriegszeit 1929–1939, Freiburg 2006, ISBN 978-3-88255-134-1
  • Hans-Erhard Lessing: Franz Kruckenberg in Heidelberg – Verkehrsplaner kontra Reichsbahn, in: Peter Blum (Hg): Pioniere aus Technik und Wirtschaft in Heidelberg, Aachen 2000
  • Julian Landmann: Kruckenberg, Franz, in: Das Uetersen-Lexikon, Schmidt & Klaunig, Kiel 2012, ISBN 978-3-88312-421-6, S. 68–71

Filme

  • Eisenbahn-Romantik – Aktuelles und Interessantes aus der Welt der Bahn, Folge 282