Wolff, Theodor

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Theodor Wolff (Lebensrune.png 2. August 1868 in Berlin; Todesrune.png 23. September 1943 Berlin-Moabit) war ein jüdischer Schriftsteller, einflußreicher Publizist und Kritiker.

Werdegang

Theodor Wolff wurde am 2. August 1868 in Berlin geboren. Er besuchte dort das Französische Gymnasium, das er mit 16 Jahren verließ. Er trat nun als Mitarbeiter in die Redaktion des Berliner Tageblatts ein, für das er vor allem feuilletonistische Reiseberichte aus Italien, der Schweiz, Griechenland, der Türkei, Norwegen und anderen Ländern schrieb. Das Berliner Tageblatt erschien im Verlag Rudolf Mosse, dessen Gründer und Eigentümer ein Verwandter (Cousin) der Familie war.[1]

Wolffs literarische Anfänge standen unter dem Einfluß Theodor Fontanes, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband. Zusammen mit Maximilian Harden, Paul Schleuther und Otto Brahm gründete er unter dem Einfluß Ibsens und Björnsons 1889 in Berlin die „Freie Bühne“. In dieser Zeit schrieb er die Theaterstücke „Die Königin“ und „Niemand weiß es“, die damals ohne besonderen Erfolg aufgeführt wurden.[2] Im Jahre 1894 (bis 1906) ging er als Korrespondent des Berliner Tageblatts nach Paris, wo er anfangs vor allem an Literatur und Kunst interessiert war.[3]

Journalistisch zeichnete sich Wolff unter anderem durch seine kritische Berichterstattung zur Dreyfus-Affäre aus. Von Anfang an unterstützte er hier die Unschuldsvermutung und brandmarkte die Berichterstattung anderer Zeitungen als antisemitisch.

Im Herbst 1906 bot ihm Rudolf Mosse die Leitung des Berliner Tageblatts an, dessen Chefredakteur er dann bis 1933 war. In dieser Zeit entwickelte sich das Blatt zur einflußreichsten Hauptstadtzeitung. Er förderte in dieser Zeit aus Überzeugung viele Redakteure mit eigenwilligen Temperamenten, deren Individualität für ihn eine wichtige Basis des liberalen Profils der Zeitung war. Wolff achtete darauf, daß die Zeitung Distanz zur Regierung hielt und kritisierte scharf die deutsche „Weltpolitik“, die schon bald nach Bismarcks Ära zur außenpolitischen Isolierung führte. Sein Markenzeichen wurde der montags erscheinende Leitartikel.

Wolff setzte sich kämpferisch für liberale Bürgerrechte ein, er forderte die Abschaffung des Dreiklassenwahlsystems, demokratische Reformen im Innern und eine „Parlamentarisierung“ der Reichsverfassung. Der Vorrang der militärischen vor den zivilen Gewalten (preußisches Erbe) war für ihn ein grundlegender Fehler im wilhelminischen Staatswesen. Die kritische Schärfe der Zeitung hatte einen Informationsentzug der Regierenden zur Folge. Reichskanzler Bernhard von Bülow gab dem Berliner Tageblatt keine Interviews, Nachfolger Theobald von Bethmann Hollweg verbot allen Dienststellen, den Redakteuren „Nachrichten noch orientierende Winke“ zukommen zu lassen.

Theodor Wolffs kritische Haltung gegenüber der Politik führte im Juli 1916 sogar zu einem vorübergehenden Verbot des Berliner Tageblatts. Sein darauf folgender Protest, eine mehrmonatige Schreibpause, war unangenehm für die Regierung, da es im Ausland zur Unterstützung der antideutschen Stimmung benutzt werden konnte. Während des Ersten Weltkrieges war der Tenor des Berliner Tageblatts auf eine Verständigung mit Frankreich ausgerichtet.

Theodor Wolff war im November 1918 Mitgründer der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) (von ihm stammte der Gründungsaufruf), jedoch nahm er dort keine entscheidende Rolle ein und trat am 4. Dezember 1926 wieder aus. Anlaß dafür war die Zustimmung eines Teiles der DDP- Reichstagsabgeordneten zu verschärften Zensurbestimmungen gegen sogenannte Schmutz- und Schundliteratur. Kurt Tucholsky hat die Mitwirkung der DDP an diesem Gesetz in der Weltbühne scharf kritisiert.

Nach 1918 wurden Theodor Wolff und sein Berliner Tageblatt zu einer bevorzugten Zielscheibe der Deutschnationalen („Judenblatt“). Sein Name tauchte früh auf Mordlisten verschiedener rechtsradikaler und völkischer Gruppen auf und ließ in ihm die Angst wachsen, daß er wie Walther Rathenau Opfer eines Attentats werden könnte. Diese Angst begleitete ihn bis an sein Lebensende. Auch Friedrich Hussong, als führender Leitartikler im Hugenberg-Konzern ein direkter konservativer Gegenspieler Wolffs, schürte diesen Haß auf Wolff als Repräsentanten der liberalen Hauptstadtpresse.

1933, nach dem Reichstagsbrand, floh Wolff aufgrund seiner deutlichen Kritik am Nationalsozialismus und seiner jüdischen Herkunft über München nach Tirol. Dort bekam er seine Entlassung von Hans Lachmann-Mosse, der nach dem Tod von Rudolf Mosse dessen Nachfolge antrat, mitgeteilt. 1934 erkannten ihm die Nationalsozialisten die deutsche Staatsbürgerschaft ab. Seine Bücher wurden bereits 1933 verbrannt. Seinen letzten Roman „Die Schwimmerin“ widmete er seiner Berliner Sekretärin Ilse Stöbe. Sein Vorhaben, diesen Roman mit Greta Garbo in der Hauptrolle verfilmen zu lassen, konnte er nicht mehr verwirklichen.

Später lebte er im Exil in Nizza, wo er an seinen Erinnerungen weiterschrieb und manchmal auch Artikel für ausländische Zeitungen.

1943 wurde Wolff in Italien in der Nähe von Nizza von italienischen Beamten verhaftet und nach Zwischenstationen in einem italienischen und mehreren französischen Lagern ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Danach erfolgte seine Verlegung ins Jüdische Krankenhaus in Berlin, wo er am 23. September 1943 an Herz- und Kreislaufschwäche verstarb. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in Weißensee.

1961 kam es zur Stiftung des Theodor-Wolff-Preises, der seit 1973 vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e. V. verliehen wird.

Fußnoten

  1. 1887 begann Theodor Wolff 19jährig eine kaufmännische Lehre bei seinem Cousin Rudolf Mosse.
  2. Er schrieb mehrere zeitgenössische Theaterstücke, die er später in seinen Erinnerungen selber als nicht bedeutend bezeichnete.
  3. Internationales Biographisches Archiv 05/1968