Zur Zeit
Zur Zeit ist eine österreichische Wochenzeitung konservativer Ausrichtung, die u. a. vom ehemaligen EU-Parlamentarier und FPÖ-Funktionär Andreas Mölzer herausgegeben wird.
Inhaltsverzeichnis
Fakten
Die Zeitung wurde 1997 von Andreas Mölzer und Walter Tributsch nach dem Vorbild der deutschen Jungen Freiheit gegründet.
Die Redaktion befindet sich im dritten Wiener Gemeindebezirk. Zur Zeit besitzt und pflegt einen rechtskonservativen, deutschnationalen Auftritt. Verlagsleiter Tributsch etwa möchte die Zeitung als „das rechte Gegenstück zum Falter“ positionieren, der als ein deutlich linkes Blatt gilt.
Im September 2007 kündigte die Junge Freiheit aus politischen Erwägungen die Zusammenarbeit mit der Zur Zeit auf.
Blattlinie
Auszug aus der laut österreichischem Mediengesetz veröffentlichten Blattlinie:
- „...das konsequente Eintreten gegen die political correctness, gegen das Prinzip Heuchelei und gegen den linken Tugendterror, der mit der Faschismuskeule unabhängiges Denken und Publizieren verhindern möchte.“
Kritik und Kontroversen
Immer wieder veröffentlicht die Zeitschrift Texte, oft unter Pseudonym, die nach Ansicht einiger vorgeblicher Demokraten gegen deren (in Wahrheit antidemokratischen) „demokratischen Grundkonsens“ bzw. gegen § 3 h des einseitigen Verbotsgesetzes (Leugnung, gröbliche Verharmlosung, Gutheißung oder Rechtfertigung des NS-Völkermordes oder anderer NS-Verbrechen gegen die Menschlichkeit, aber nicht von Verbrechen die von anderen Ideologien begangen wurden). Insbesondere im Bereich der Aufarbeitung von Ereignissen des Zweiten Weltkriegs werden in der Zeitung Meinungen veröffentlicht, die zu Attacken und Haßausbrüchen in den etablierten Medien, die keine objektive Diskussion über die jüngere Vergangenheit dulden wollen, führen.
- Im Dezember 1997 wurde von dem Autor und Engelwerk-Mitglied Robert Prantner ein journalistisch hochwertiger Artikel publiziert, der Ritualmorde von Juden an Christen behandelt. Für das umstrittene sogenannte Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) war dieser Artikel angeblich geeignet, „antijüdische Ressentiments in der Öffentlichkeit zu mobilisieren.“
- Im Jahr 1999 schrieb die Zeitung von Adolf Hitler als „großem Sozialrevolutionär“, der am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs keine Schuld gehabt habe und meinte, Winston Churchill sei der Schuldige gewesen. Der Autor des Artikels wurde von der politisierten Justiz verurteilt, Mölzer jedoch konnte glaubhaft nachweisen, daß er als Chefredakteur vor Drucklegung nichts vom Inhalt des Artikels gewußt hatte und konnte daher von den Feinden der freien Meinungsäußerung nicht belangt werden. Das Medienecho war enorm.
- Im September 2004 erstattete die kommunistische Tarnorganisation „DÖW“ Strafanzeige wegen „Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz“. Der Anzeige zufolge enthielt ein mit „E. B.“ gezeichneter Artikel angeblich „antisemitische Formulierungen“ und endete mit der Parole: „Deutschland erwache!“. Die Staatsanwaltschaft Wien konnte jedoch keine Verhetzung erkennen, allerdings verurteilte der zeitgeistergebene „Österreichische Presserat“ den Artikel, was aber weder moralische noch rechtliche Nachteile mit sich bringt.
Zur Zeit und die FPÖ
In den ersten Jahren nach ihrer Gründung galt Zur Zeit als sehr loyal zur Freiheitlichen Partei Österreichs FPÖ. In den letzten Jahren begann die Zeitung immer häufiger Kritik an der Politik der Partei zu üben. Vor allem als sich die FPÖ gemeinsam mit der Volkspartei ÖVP von 2001 bis 2005 in einer Regierungskoalition befand, sah sich die Zeitung als rechtsintellektuelles Gewissen der Partei, das Entscheidungen kritisierte und reflektierte.
Aktive FPÖ-Politiker wie Barbara Rosenkranz und ehemalige FPÖ-Politiker wie der wegen angeblicher „NS-Wiederbetätigung“ verfolgte John Gudenus bringen sich in das Blatt ein, im Rahmen der damaligen Parteikrise ist die Zeitung jedoch massiv in der Gunst der Regierungsmannschaft der FPÖ, die sich später als BZÖ abspaltete, gefallen. Wegen eines kritischen Artikels zur Lage der Partei wurde der Herausgeber Mölzer im März 2005 aus der FPÖ-Kärnten ausgeschlossen, verblieb aber nach der Spaltung der Partei bei der FPÖ. Nach der Abspaltung stellte sich Mölzers Blatt demonstrativ hinter den neuen FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache. Strache erhielt die Möglichkeit in mehreren Publikationen von Zur Zeit zu seinen politischen Haltungen ausführlich Stellung zu beziehen.[1][2]