Vaterland

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Deckblatt von „Vaterlands Heimatlieder“

Vaterland (poetisch auch Vaterheerd) ist der Ausdruck für das eigene Land, die angestammte Heimat der Ahnen, die Scholle der eigenen Wurzeln und des eigenen Blutes.

Inhaltsverzeichnis

Zitate

  • „Die Vaterländer werden immer von den Bettlern verteidigt und von den Reichen verraten.“Charles Péguy
  • „Wer für sein Vaterland in den Tod geht, ist von der Täuschung freigeworden, welche das Dasein auf die eigene Person beschränkt: er dehnt sein eigenes Wesen auf seine Landsleute aus, in denen er fortlebt, ja auf die kommenden Geschlechter derselben, für welche er wirkt - wobei er den Tod betrachtet wie das Winken der Augen, welches das Sehn nicht unterbricht.“Arthur Schopenhauer[1]
  • „Der Staat hat mich nie gekannt, nie angesehen. Ich habe ihn immer nur kennengelernt, wenn er wie ein von der Sauftour heimkehrender Vater mich entdeckte und prügelte. Fallen Sie nicht auf die Lüge hinein, daß Vaterland gleich Staat ist.“Joachim Fernau
  • „Ich habe versucht, in meinen Kindern Werte einzupflanzen, die viele als unmodern bezeichnen, vor allem die Liebe zum Vaterland. Ich bete darum, daß sie niemals ihre Hand erheben müssen, um es zu verteidigen, aber ich will, daß sie einen tiefen Respekt in sich nähren für die, die es taten.“John Wayne

Artikel aus dem staatspolitischen Handbuch


Quelle Folgender Text stammt aus dem Staatspolitischen Handbuch, Band 1: Begriffe.

Vaterland ist, wie das Wort schon sagt, das „Land der Väter“, also das Gebiet, in dem die Vorfahren lebten und in dem die Nachfahren weiterleben wollen. Der eigentliche Verpflichtungscharakter des V., die Forderung nach Vaterlandsliebe vor allem, resultiert ursprünglich aber aus der Tatsache, daß mit der Seßhaftigkeit jenes Territorium an Bedeutung gewann, in dem sich die Gräber der Vorfahren befanden, die zu erhalten waren und an denen man die vorgeschriebenen Kulthandlungen vollziehen mußte. Dadurch knüpfte man eine weit über das Heimatgefühl hinausgehende emotionale Verpflichtung an das V., was hinreichend erklärt, warum schon in der Antike die Verteidigung und Bewahrung des V. außerordentliches Ansehen genoß.

Dabei blieb es auch im Mittelalter, das aus der römischen Tradition den Begriff der patria für V. übernahm. Allerdings blieb die Vorstellung unscharf und trat relativ weit in den Hintergrund gegenüber primär personalen Bindungen. Erst am Beginn der Neuzeit (Moderne) – in den oberitalienischen Städten, aber auch in Burgund – läßt sich ein Wiederaufleben der älteren Vaterlandsidee und damit verbunden die Forderung nach Patriotismus beziehungsweise einer Erziehung zum Patriotismus feststellen. Ein Sachverhalt, der beispielsweise in den Schriften Machiavellis deutlich hervortritt, womit schon angedeutet ist, daß der neue Aufstieg des Begriffs mit der Entstehung des modernen Staates, aber auch mit der des Nationalismus und der Demokratie verbunden war.

Die zum Teil sehr kleinen, jedenfalls politisch keinesfalls überlebensfähigen Vaterländer verschwanden in einem langwierigen, von Rückschlägen gekennzeichneten Prozeß. Erst im 18. Jahrhundert waren jene modernen Flächenstaaten weitgehend durchgesetzt, an die sich dauerhaft die Vorstellung einer patria knüpfen ließ. Mit der Französischen Revolution wurde dann die Nation zum gewöhnlichen Bezugspunkt des Patriotismus, während alle anderen Vaterländer ihre Funktion einbüßten. Es ist insofern abwegig, Patriotismus als eine gemäßigte Variante des Nationalismus zu deuten, denn in der Moderne ist das V. normalerweise die Nation, was bedeutet, daß jede Gemütsregung zu seinen Gunsten bei einiger Intensität als Nationalismus zu verstehen ist.

Bezeichnend ist auch, daß sich die radikale Infragestellung des Vaterlandsgedankens nie hat durchhalten lassen. Marx’ Diktum „Der Proletarier hat kein V.“ wurde nach dem Erfolg der bolschewistischen Revolution rasch umgemünzt in die Idee der Sowjetunion als „V. aller Werktätigen“ und die Forderung nach einem spezifischen Sowjet-Patriotismus, der sich in seinen wesentlichen Zügen nicht von anderen Nationalismen unterschied.

Ein ähnliches Scheitern kann man auch im Fall des neuen Weltbürgertums feststellen, das unter Berufung auf die Globalisierung das Ende aller Vaterländer verkündete, sich aber angesichts schwindenden Zusammenhalts rasch darauf besinnt, einen „weltoffenen“, „zivilgesellschaftlichen“, „aufgeklärten“ Patriotismus zu propagieren, da in einer modernen Gesellschaft die Notwendigkeit unbestreitbar ist, das Loyalitätsempfinden der vielen einzelnen gegenüber dem größeren Ganzen aktiv zu unterstützen.

Bildergalerie

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Arthur Schopenhauer. Kleinere Schriften. Band III, Über die Grundlage der Moral, S. 811 (Suhrkamp 1986 ISBN 3-518-09737-7)
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