Karls-Universität

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Wappensiegel der deutschen Karls-Universität in Prag. Karl IV. (mit deutschem Reichsadler) ließ sich gemeinsam mit dem böhmischen Landespatron, dem Heiligen Wenzel, abbilden. Wenzel kniet ehrfurchtsvoll vor dem römisch-deutschen Kaiser und ordnet Böhmen (böhmischer Löwe) symbolisch dem deutschen Kaiserreich unter.

Die Karls-Universität (auch als Deutsche Universität bekannt) ist die erste und älteste reindeutsche Universität der Welt. Am 7. April 1348 wurde die Universität vom römisch-deutschen Kaiser und böhmischen König Karl IV. in der deutschen Reichsstadt Prag gegründet. Sie gilt als die erste Universitätsgründung im damaligen deutschen Sprachraum. Im Jahr 1654 wurde die Universität zu Ehren des römisch-deutschen Kaisers Ferdinands III. in Karl-Ferdinands-Universität umbenannt. 1882 wurde sie in eine tschechische und eine deutschsprachige Universität geteilt. Die tschechische Universität nahm nach 1918 wieder den alten Namen „Karls-Universität“ an, während die deutschsprachige Universität bis 1945 als Karl-Ferdinands-Universität weiterbestand. Von 1939 bis 1945 wurde die Bildungseinrichtung als Reichsuniversität geführt.

Geschichte

Obwohl die Universität in der Fachliteratur als erste deutsche gilt, wäre der Begriff „reindeutsch“ passender, denn schon über 100 Jahre zuvor hatten in Paris, innerhalb des deutschen Kaiserreiches auch in Bologna und an der vom deutsch-römischen Kaiser Friedrich II. gegründeten Universität Neapel „Friedrich II“ deutschsprachige Adlige (ihrer Herkunft nach transmontani genannt: von jenseits der Alpen) studiert.

Den Stiftungsbrief hatte Karl IV. 1348 unterzeichnet. Im Namen des deutschen Kaiserreichs bestätigte er durch das Eisenacher Diplom von 14. Januar 1349 das Privileg,[1] wodurch Prag neben den Universitäten von Neapel, Bologna und Florenz ebenfalls den Rang einer deutschen Reichsuniversität erhielt. Die deutschen Professoren unterrichteten bis Mitte des 18. Jahrhunderts auf Latein, die Umgangssprache an der Universität außerhalb des Vorlesungen war jedoch Deutsch.

Fakultäten

Die Gründungsburschen der Burschenschaft Thessalia zu Prag im Jahr 1865. Die „Thessalen“ sind Burschenschafter im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB).
Deutsche Burschenschafter beim Deutschen Bekenntnis (hier beim Landesvater mit Weihedegen) in der einstigen deutschen Reichsstadt Prag, um 1900
Rektor Prof. Dr. Eugen Fischer (Mitte) während der Nationalhymnen bei einer Kundgebung an der Berliner Universität 1934; links: der Führer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes Albert Derichsweiler; rechts: Prof. Franz Bachér; die Kundgebung der Studenten in der Neuen Aula der Berliner Universität erfolgte gegen die Prager Übergriffe, als die germanophoben Tschechen im November 1934 deutsche Studenten der Karl-Ferdinands-Universität angriffen.[2]

Ursprünglich gab es eine Teilung in vier Fakultäten:

  • Artistische
  • Juridische
  • Theologische
  • Medizinische

Aufnahmebedingungen

Bedingungen für die Aufnahme:

  • Männliche Studenten: ab dem 14. Lebensjahr (in der Regel: mit 16 Jahren)
  • Kenntnisse der Unterrichtssprache (Latein)
  • Lesen, Schreiben, Mathematik, Gesang

Deutsche Burschenschaften in Prag

  • Prager Burschenschaft Albia
  • Prager Burschenschaft Arminia
  • Prager Burschenschaft Carolina
  • Prager Burschenschaft Constantia
  • Prager Burschenschaft Ghibellinia
  • Prager Burschenschaft Teutonia
  • Prager Burschenschaft Thessalia

Auswahl bekannter Personen der Karl-Ferdinands-Universität

Bekannte Hochschullehrer Bekannte Studenten

Ehrendoktoren (Auswahl)

Literatur

  • Herbert Cysarz: Prag – Prag im deutschen Geistesleben | 10 Jahre Prag. Karolinger Verlag, 1989, ISBN 3854180411 [112 S.] – Cysarz lehrte an der Deutschen Universität in Prag.
  • Martin Sicherl: Die Klassische Philologie an der Prager deutschen Universität 1849–1945. In: Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste 20, 1999

Verweise

Fußnoten

  1. Wenzel Wladiwoj Tomek: Geschichte der Prager Universität – Zur Feier der fünfhundertjährigen Gründung verfaßt, Prag 1849, S. 4
  2. Karlsuniversität in Prag: Der blutige Streit um Gründungsrechte und Insignien, Junge Freiheit 52 u. 53/98, 18./25. Dezember 1998