Roques, Franz von

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Franz von Roques als Generalmajor der Reichswehr, ca. 1931

Franz von Roques (Lebensrune.png 1. September 1877 in Treysa; Todesrune.png 7. August 1967 ebenda) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, der Kaiserlichen Armee, der Reichswehr und der Wehrmacht, zuletzt General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte an vorderster Front in mehreren großen Schlachten in Frankreich und arbeitete später in Stäben. Im Zweiten Weltkrieg war er von März 1941 bis März 1943 Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes der Heeresgruppe Nord und zuständig für die Bandenbekämpfung.

Leben und Militärdienst

Franz von Roques entstammte Adelsgeschlecht. In Kurhessen waren die männlichen Mitglieder zunächst hauptsächlich Beamte und später Offiziere. Im 19. Jahrhundert gab es sechs Offiziere in der Familie. Sein Vater Christian war Sanitätsrat in Treysa. Roques besuchte das Wilhelmsgymnasium in Kassel und machte dort 1896 sein Abitur. 1904 heiratete er Hildegard Schülke, Tochter eines Ingenieurs aus Jena. Im Jahr 1906 wurde eine Tochter und 1914 der Sohn Friedrich Karl geboren, der später Arzt wurde.

Franz von Roques war der Vetter des drei Jahre jüngeren Karl von Roques, später ebenfalls General der Infanterie und Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Mitte. Dieser hatte ebenfalls das Wilhelmsgymnasium in Kassel besucht.

Eintritt in die Armee und Weltkrieg

Franz von Roques trat am 28. Februar 1896 als Zweijährig-Freiwilliger in das Infanterie-Regiment „Landgraf Friedrich I. von Hessen-Cassel“ (1. Kurhessisches) Nr. 81 ein, in dem schon mehrere Mitglieder seiner Familie als Offiziere gedient hatten. Er wurde als Offizier an der Kriegsakademie in Berlin ausgebildet und zeigte dort überdurchschnittliche Leistungen, wobei ihm Führungsqualitäten bei seinem Abschlusszeugnis am 16. Juni 1897 bescheinigt wurden. Roques wurde als Leutnant als Bataillons- und Regimentsadjutant eingesetzt. Im Jahr 1905 bestand er die Militär-Dolmetscher-Prüfung in Französisch. Von 1911 bis 1914 erhielt er als Oberleutnant eine Generalstabsausbildung im Großen Generalstab in Berlin.

Die Kommandanten der 113. Division und des III. bayerischen Armee-Korps schlugen Roques für höhere Verwendungen vor. Ab Mitte 1915 kommandierte er ein Bataillon, mit welchem er bei Verdun und an der Somme kämpfte, er erlebte dabei die Sturmangriffe der Sturm-Bataillone und den Gaskrieg.

1918 bis April 1919 war Roques wieder beim 1. Kurhessischen Infanterie-Regiment Nr. 81. Bis Oktober 1919 war er dann Verbindungsoffizier zu den auf linksrheinischer Seite stehen französischen Besatzungstruppen. Anschließend wurde er zum Kommandeur der Nachrichtenabteilung 10 in Hannover ernannt. Er wurde wie nur 4.000 andere Offiziere aus etwa 34.000 Offizieren der Kaiserlichen Armee ausgewählt und in die Reichswehr übernommen, wo er u. a. als Inspekteur der Nachrichtentruppe und Infanterieführer VI in Hannover diente.

Zum 15. August 1933 reichte er seinen Abschied ein, da ihm vom Heerespersonalamt mitgeteilt wurde, dass „die geringe Zahl höchster Führerstellen“ eine weitere Verwendung unmöglich machte. Sein Dienst endete am 1. Oktober 1933. In den nächsten Jahren lebte er als Pensionär in Frankfurt.

Reaktivierung

Von Juli 1938 bis Oktober 1938 wurde Roques zum ersten Mal reaktiviert und beim Generalkommando IX eingesetzt.

Im September 1939 wurde Roques das zweite Mal reaktiviert und Kommandeur der 177. Ersatz-Division in Wien. Die 177. Ersatz-Division war für die Ausbildung der Ersatztruppen des XVII. Armeekorps zuständig. Als Kommandeur einer Ausbildungseinheit war er scheinbar nicht zufrieden, sondern wäre gerne Frontkommandeur gewesen, wie er seiner Frau schrieb. Am 25. Mai 1940 wurde er General zur besonderen Verwendung (z. b. V.) I eines Stabes zur Aufstellung neuer Divisionen in Nürnberg. Sein Stab wurde mit Beginn des Westfeldzugs erst nach Belgien und später an die Front nach Frankreich beordert. Erst nach dem Waffenstillstand erhielt er kurzzeitig das Kommando über die „Grüne Linie“, welche den besetzten vom unbesetzten Teil Frankreichs teilte.

Bandenbekämpfung

Nach zunehmenden Sabotagefällen und Angriffen gab Roques am 14. September 1941 einen Tagesbefehl „Bekämpfung der russischen Partisanen“ heraus:

„Da wir erst am Anfang der Partisanenbekämpfung stehen, lassen sich mangels genügender Erfahrungen allgemein gültige Kampfregeln noch nicht geben.“ und „Grundsatz bei der Bekämpfung muß sein, daß wir die Partisanen beunruhigen nicht aber sie uns.“

Er befahl, Jagdkommandos aufzustellen. Er plante auch die Räumung ganzer Dörfer an gefährdeten Straßen und Bahnstrecken. Der Tagesbefehl hebt die reibungslose Zusammenarbeit aller Dienststellen hervor, da die Partisanenbekämpfung bisher auf dem Dienstweg verzögert worden sei. Er verzichtete anders als die Heeresgruppe am 6. August auf verschärftes Vorgehen gegenüber der Zivilbevölkerung. In der Folge wurden verschiedene Großunternehmen gegen Partisanen durchgeführt.

Von Juli bis Ende Oktober 1941 wurden 32.392 Terroristen gefangengenommen und 1552 Bandenmitglieder getötet. Im November konnten dann weitere 515 Partisanen liquidiert werden, trotzdem kam es zu 26 Angriffen und 16 Gleissprengungen. Bereits am 19. Dezember verschärfte Roques das Vorgehen, als er eine „Änderung der Richtlinien für Feld- und Ortskommandanturen“ in Kraft setzte.

Im Sommer 1942 nahmen die Partisanenanschläge stark zu. Die Banden konzentrierten sich darauf, die deutsche Besatzungsverwaltung zu terrorisieren und den Nachschub anzugreifen. Die Partisanen töteten kollaborierende Einwohner, insbesondere Bürgermeister und deren gesamten Familien, da die vorhandenen einheimischen Ordnungskräfte in den Dörfern nur schwach bewaffnet waren. Es kam ferner zu Massen-Vergewaltigungen, Plünderungen und Zerstörungen von Betrieben, Straßen, Bahnstrecken und Brücken wurden wahllos angegriffen. General der Infanterie zur Verfügung (z. V.) von Roques ordnete hinsichtlich des blutigen und ehrlosen Terrors am 27. Juli 1942 an:

„Diese Banden müssen gejagt werden, wie der Jäger das Wild jagt.“

Die vorbildhaften taktischen Anweisungen von Roques zur Partisanenbekämpfung wurden teilweise vom OKH und der SS übernommen und gelehrt. Im November 1942 beruhigte sich die Partisanenlage etwas, aber im südlichen Heeresgebiet tauchten Partisanenverbände auf, die Großunternehmen im Gebiet der Heeresgruppe Mitte ausgewichen waren und weitere, die durch die Frontlinie hindurch gesickert waren. Im südlichen Heeresgebiet wurden 37 Bürgermeister bzw. Dorfälteste und 35 weitere führende Zivilisten ermordet. Da die Deutschen sie nicht schützen konnten, wurden dort die Nahrungsmittellieferungen an die deutsche Verwaltung eingestellt. Die Partisanen breiteten sich nun mit größeren Verbänden Richtung lettische Grenze und nach Opotscha aus. Roques stellte am 30. Januar 1943 fest, daß die Partisanen nun planmäßig die wehrfähigen Männer zwangsrekrutierten und alle Personen erschossen, die sich nicht unterwarfen. Bürgermeister flohen nun in den Schutz deutscher Stützpunkte. Als bei einer Bürgermeisterversammlung acht davon bestialisch ermordet wurden, folgte als Vergeltungsmaßnahme, daß 140 Terroristen erschossen wurden. Beim Unternehmen „Schneehase“, laut Abschlußbericht vom 15. Februar, konnten 2.283 Verbrecher getötet und 288 für den Arbeitseinsatz zusammengetrieben werden. In Zusammenarbeit mit der 16. Armee wurden mehrere Großunternehmen durchgeführt und eine große Anzahl Partisanen getötet. Nach kurzer Ruhe rückten die Verbrecherbanden wieder in ihre alten Gebiete zurück. Mit Beginn der Schlammperiode (Rasputitsa) übergab der erkrankte Franz von Roques sein Kommando an General der Infanterie Kuno-Hans von Both.

Verabschiedung

Am 1. April 1943 wurde er wie einige andere ältere Offiziere vom Divisionskommandeur an aufwärts an der Ostfront in die Führerreserve versetzt. Im Rahmen der Aktion „Winterfestigkeit“ versetzte das Heerespersonalamt damals diejenigen Generale, „die den hohen Anforderungen des russischen Winters voraussichtlich nicht mehr gewachsen“ seien, in die Führerreserve. Zur Verabschiedung erhielt er für seine Leistungen im rückwärtigen Heeresgebiet das Deutsche Kreuz in Silber verliehen. Ferner erhielt er ein persönliches Dankesschreiben Hitlers. Im Schreiben erwähnte Hitler den Beitrag von Roques zur Sicherung der Front am Wolchow im Winter 1941/42. Die Verabschiedung aus der Wehrmacht selbst erfolgte am 31. Juli 1943. Nachdem er schwere Bombenangriffe auf Frankfurt am Main erlebt hatte, zog er mit seiner Frau zurück in seine Geburtsstadt Treysa.

Nachkriegszeit

General von Roques wurde nach Kriegsende nicht interniert, aber im Herbst 1946 in Nürnberg zu seinem Dienst als Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes der Heeresgruppe Nord sechsmal verhört, sein Vetter Karl von Roques wurde dagegen in eine Falle gelockt, verhaftet und in einem der zwölf Nürnberger Nachfolgeprozesse angeklagt. Am 28. Oktober 1948 wurde Karl zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Franz setzte sich in der Folgezeit bis zum Tod von Karl im Dezember 1949, unterstützt von den beiden großen Kirchen, vergeblich für ein Gnadengesuch ein.

Beförderungen

  • 28.2.1896 Fahnenjunker
  • 20.7.1897 Sekondelieutenant (Leutnant)
  • 190? Oberleutnant
  • 1913 Hauptmann
  • 1917 Major
  • 1.2.1923 Oberstleutnant
  • 1.1.1928 Oberst
  • 1.2.1931 Generalmajor
  • 1.1.1933 Generalleutnant
    • ggf. schon zum 4. Februar 1932
  • 1. Juni 1940 General z. b. V. I.
    • ggf. schon zum 25. Mai 1940
  • 1. Juli 1941 General der Infanterie z. V.

Im Jahre 1951 verfaßte Franz von Roques eine 117-seitige Ausarbeitung „Befehlshaber im rückwärtigen Heeresgebiet Nord“. Im gleichen Jahr übergab er seinen Nachlaß ans Hessische Staatsarchiv in Marburg. Dieser Nachlaß ging 1966 ans Bundesarchiv Abteilung Militärarchiv in Freiburg. Er enthält u. a. seine Ausarbeitung, sein persönliches Kriegstagebuch von 1914 bis 1919 und persönliche Papiere seiner Militärzeit.

Auszeichnungen (Auszug)