Theoderich der Große

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Darstellung des Heerführers Theoderich, nach dem Bronzestandbild Peter Vischers in der Hofkirche zu Innsbruck. Text von Richard Suchenwirth, in: „Deutsche Geschichte – Von der germanischen Vorzeit zur Gegenwart“ (PDF) (Tafel 4)

Theoderich, genannt der Große (Lebensrune.png um 454 in Pannonien, Todesrune.png 30. August 526 in Raben) war König der Ostgoten aus dem Geschlecht der Amaler. Sein Name im Gotischen lautet Þiudareiks, was mit „des Volkes König“ zu übersetzen ist. Ihm gelang es, eine germanische Herrschaft in Norditalien zu errichten, nachdem er im Auftrag Ostroms den germanischen Heeresführer Odoaker aus dem Weg geräumt hatte und beerbte somit das Weströmische Reich. In der deutschen Sage lebt der Begründer des Ostgotenreiches als Dietrich von Bern fort.

Wirken

Geisel Konstantinopels

Der junge Gote war in seiner Jugend Geisel am Hof des oströmischen Kaisers Leo I. in Konstantinopel (wohl von ca. 459 bis 469), wo er rudimentäre Kenntnisse der römischen Verwaltungs- und Herrschaftspraxis erhielt. 488 wurde Theoderich dann von Zenon zum patricius ernannt und mit einem Feldzug gegen Odoaker in Italien beauftragt. Ob Theoderich aus eigenem Entschluß oder auf Druck des Kaisers nach Italien ging, ist in der Forschung umstritten, doch war dies für beide Seiten von Vorteil: Theoderich konnte ein eigenes Reich gewinnen (wenngleich Zenon Theoderich formal nur als seinen Stellvertreter entsandte), während Zenon den unbequemen Kriegsherrn loswurde, dessen Goten in gefährlicher Nähe zu Konstantinopel agierten.

Italien-Feldzug

Theoderich zog im Jahre 489 mit ca. 20.000 Kriegern und deren Familien nach Italien und kontrollierte 491 den Großteil des Landes. Er belagerte zwei Jahre lang die Stadt Raben, konnte die Stadt aber auch nach der Rabenschlacht 493 nicht erobern und willigte daher einer Verständigung mit Odoaker ein, den er aber wenige Tage später aus machtpolitischen Gründen bei einem Versöhnungsmahl eigenhändig tötete.

Dieser Sieg machte ihn als Stellvertreter des oströmischen Kaisers in Italien faktisch so gut wie unabhängig. Die Ansiedlung der Goten in Italien erreichte Theoderich ohne eine größere Konfrontation mit den Italikern. Theoderich verbot die Ehe zwischen Goten und Römern und erhielt so die Rasse rein.

Theoderich ließ im Römischen Reich zahlreiche Bauten errichten bzw. erneuern (Ausgestaltung Rabens); auch in Rom wurden noch einmal umfangreiche Erneuerungen an den antiken Bauwerken vorgenommen. In der Verwaltung knüpfte Theoderich weitgehend nahtlos an die römische Praxis an; der Senat wurde von ihm ehrenvoll behandelt, und zahlreiche Römer (zum Beispiel Cassiodor) dienten dem König in hohen Verwaltungsämtern, zum Teil auch als Feldherren.

Auch ernannte er weiterhin Konsuln, die bald auch von Ostrom anerkannt wurden, und ließ zahlreiche Geldspenden anläßlich seiner Jubiläen verteilen sowie Circusspiele veranstalten. Ein Beispiel für die Rechtspraxis Theoderichs ist das sogenannte Edictum Theoderici. Die römisch-germanische Kultur der Spätantike erlebte unter Theoderich eine bemerkenswerte Nachblüte.

Bildergalerie

Siehe auch

Literatur

  • Hermann Aubin: Theoderich, in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Bd. 1, S. 23–39
  • Georg Pfeilschrifter: Der Ostgotenkönig Theoderich der Große und die katholische Kirche (1896); PDF-Datei
  • Frank M. Ausbüttel: Theoderich der Große. Primus Verlag, Darmstadt 2004, ISBN 3-89678-470-6
  • Wilhelm Enßlin: Theoderich der Große. 2. Auflage. Bruckmann, München 1959
  • Elisabeth Lienert: Dietrich-Testimonien des 6. bis 16. Jahrhunderts. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2008, ISBN 978-3-484-64504-2
  • Edith Marold: Wandel und Konstanz in der Darstellung der Figur des Dietrich von Bern. In: Heinrich Beck (Hrsg.): Heldensage und Heldendichtung im Germanischen. de Gruyter, Berlin/Neu York 1989, ISBN 3-11-011175-6, S. 149–182 (Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsbände Nr. 2).
  • Theoderich der Große, Flavius M Cassiodor: Briefe des Ostgotenkönigs Theoderich der Große und seiner Nachfolger: Aus den „Variae“ des Cassiodor,[1] Mattes (2010), ISBN 978-3868090338
  • Bruno Schulz: Das Grabmal des Theoderich zu Ravenna und seine Stellung in der Architekturgeschichte, 1911 (PDF-Datei)

Verweise

Fußnoten

  1. Der Ostgotenkönig Theoderich der Große (451–526) erlangte Ende des 5. Jahrhunderts die Herrschaft über Italien und brachte dem Land eine dreißigjährige Friedenszeit. Es gelang ihm, Römern und Germanen ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Er betrieb die Politik einer kunstvollen Balance zwischen dem oströmischen Kaiser einerseits und den Königen der germanischen Stämme andererseits; zu diesen gehörten die Westgoten, die Franken, die Thüringer, die Vandalen und andere. Mit den verschiedenen innen- und außenpolitischen Partnern stand Theoderich in einem lebendigen brieflichen Austausch. Diese Briefe wurden in seinem Auftrag von seinem Sekretär Cassiodor abgefaßt und von diesem später unter dem Titel „Variae“ veröffentlicht. Glücklicherweise sind sie erhalten geblieben und liegen hier erstmals in einer Auswahl in deutscher Sprache vor. Die Briefe stellen ein geschichtlich einmaliges Dokument dar; von keinem anderen Germanenfürsten gibt es Vergleichbares.


Vorgänger Amt Nachfolger
Thiudimir 468-474 König der Ostgoten Athalarich 526