Worte aus Landsberg (Joachim Peiper)

Aus Metapedia
(Weitergeleitet von Worte aus Landsberg)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Worte aus Landsberg sind die an einem dunklen trüben Herbsttag des Jahres 1952 in Bayern – genauer gesagt in Landsberg am Lech, am Hindenburgring 12, einem großem Gebäudekomplex, der das Kriegsverbrechergefängnis Nr. 1 („War Criminal Prison No. 1“) der VS-amerikanischen Besatzungsmacht beherbergt – von dem zu lebenslanger Haft verurteilten deutschen Offizier der Waffen-SS und Patrioten, SS-Standartenführer Joachim Peiper in seiner Gefängniszelle aufgezeichneten Gedanken und Seelennöten.

Die Worte

Quelle
Folgender Text ist eine Quellenwiedergabe. Unter Umständen können Rechtschreibfehler korrigiert oder kleinere inhaltliche Fehler kommentiert worden sein. Der Ursprung des Textes ist als Quellennachweis angegeben.
Drei Ritterkreuzträger des Zweiten Weltkriegs v. l. n. r.: SS-Hauptsturmführer Paul Guhl (RK am 4. Juni 1944), SS-Sturmbannführer Jochen Peiper und SS-Untersturmführer Werner Wolff in Reggio Emilia, Italien im August 1943

In mönchischer Klausur sitzt ein Kriegsverbrecher auf seinem Klappbett und döst. An der Tür steht „Lebenslänglich“ und auf dem Kalender „Oktober 1952“. Der Ofen singt, die Spinne erkundet neue Winterstellungen und der Herbst rüttelt mit rauher Hand an den Schwedischen Gardinen. Dreizehn Jahre getrennter Ehe, fünfmal als zum Tode Verurteilter Geburtstag gefeiert und nun das achte Weihnachtsfest im Zuchthaus. Wirklich, eine sonnige Jugend. Kein Tier dürfte man so schlecht behandeln. Überhaupt der Mensch: welcher Opfer ist er fähig und welcher Gemeinheiten. Wie endlos lang muß die Kette der Erfahrungen sein, will man ihn auch nur annähernd ausloten. Erfahrungen mit Menschen hat die Kriegsgeneration. In Landsberg ist obendrein auch noch Zeit zum Sichten und Einordnen.

Als wir vor siebeneinhalb Jahren die Welt des Stacheldrahts zum ersten Mal betraten, waren wir wie Kinder, welche über Nacht die Mutter verloren hatten. Aufgewachsen und erzogen unter den klaren Gesetzen der Front, fühlten wir uns außerstande, die neuen Spielregeln zu begreifen. Wer anfänglich noch gemeint hatte, daß einer blindwütigen Politik die Augen durch Wahrhaftigkeit zu öffnen seien, mußte bald erfahren, daß dort nur wenig Gerechtigkeit zu erwarten ist, wo zu demagogischen Zweck eine blutrünstige Figur an die Wand gemalt werden soll. Doch unser gutes Gewissen und unsere Ignoranz waren grenzenlos. Der Staat hatte der Jugend ja nur die Handhabung von Waffen gelehrt. Das Verhalten gegenüber Verrat war nicht geübt worden. Gestern noch ein Teil der großdeutschen Wehrmacht, standen wir heute gemieden und geächtet als Prügelknaben von einer heulenden Meute umringt. Wer bisher nun um den einen Teil des Selbsterhaltungstriebes gewußt hatte, das tapfere Zittern vor der Gefahr, konnte seine Ohren nunmehr an das „Haltet den Dieb Geschrei“ gewöhnen, mußte das Denunziantentum jener traurigen Gesellen kennenlernen, die durch einen Tritt nach unten wieder nach oben kommen wollten. Wer hat in diesen Tagen nicht an Deutschland gezweifelt und wem verschloß der Ekel nicht den Mund?

Als sich der Lebensraum dann allmählich verengte, von Lager über die Baracke zum Käfig, wurden wir blind für das Gemeinsame und hellsichtig für das Trennende. Mißtrauen und seelischer Nihilismus traten an die Stelle von Kameradschaft. Jeder zeigte auf das Versagen des anderen und trug Anklagen wie Entschuldigungszettel für das eigene Verhalten vor sich her. Der homo vulgaris [Anm.: der gewöhnliche, der gemeine, der Durchschnittsmensch] hatte sich von der Kette losgerissen. Primitive Instinkte feierten ihre Befreiung von allen Hemmungen und auf dem Rest trampelten mit selbstzerstörerischer Freude wir selber noch herum. Der Hunger schwang die Peitsche und die Menschenwürde duckte sich. Ehrwürdige Tradition und stolzes Standesbewußtsein verneigten sich vor einer Zigarettenkippe bis tief auf die Erde. Was Wunder, daß der feindliche Vergeltungsangriff viele schwache Stellen bei uns traf. Zwietracht und Mißtrauen sind schlechte Ratgeber im Gerichtssaal. Indessen, die Aufgabe wäre diesmal auch so nicht zu schaffen gewesen. Zuviel Mühe hatten die Schlingensteller auf die Vorbereitung gewandt. Wissend betraten wir die Arena und schweigend standen wir drei Monate lang am Pranger. An dreimal 30 Tagen wurden wir hinterm Triumphwagen des Siegers durch die Gosse geschleift. Dann war es endlich soweit, eine letzte Woge von Geifer [traf] ihre Opfer und spülte sie durch die düsteren Gefängnistore. Strandgut des Zweiten Weltkrieges!

Was die Freiheit bedeutet, lehrt erst die Unfreiheit. Welch´ köstliches Geschenk dünkt sie dem Eingekerkerten. Nur wer die Freiheit je verlor, vermag zu ermessen, wie lang ein Tag ist; was es bedeutet, wenn sich der Alpdruck der Sorge und Ungewißheit für vier Jahre und sieben Monate auf unsere Angehörigen senkte. 23 Kubikmeter Atemluft wurde jedem zugestanden. In ihnen stand von nun an das ganze Ich auf den Zehenspitzen. Langsam wurde es stille um uns. Bis auf den ewig knurrenden Magen und den das Leben verkündenden Amselgesang am Abend und am Morgen. Oh ihr Amseln, gibt es irgendeinen Gefangenen, der nicht neue Hoffnung von euch empfangen hätte? Die von der Geißel des Staatsanwaltes aufgepeitschten Nerven befreunden sich am ehesten mit der Einzelhaft. Die Fäuste öffneten sich langsam und das wilde Aufbäumen gegen das Schicksal ließ nach. Übrig blieb nur das Nichtbegreifen, der Schmerz um die Liebenden und das Hadern mit der Vorsehung, die uns schnöde um die ehrliche Kugel betrogen hatte. Wir lernten im Zwielicht sitzen...

Chefankläger Burton L. Ellis, Joachim Peiper und Dolmetscherin, 1946

Je tiefer wir sanken und je mehr die Gegenwart verblaßte, desto näher kamen wir unseren Wurzeln, und desto stärker gewann die Vergangenheit an Leuchtkraft zurück. Die alten Schlachtfelder wurden zum Antäusboden [Anm.: Kraftquelle] und die gefallenen Kameraden zum Vorbild und zu Hütern unserer Haltung. Die schwierige Erkenntnis begann zu dämmern, daß das Leben nichts umsonst gibt, daß allen Schicksalsgütern insgeheim ein Preis eingezeichnet ist. Vor dem Feinde waren aber auch die Jüngsten unter uns nie Zechpreller gewesen. Wir saßen in Deutschlands dunkelstem Winkel und blickten zurück auf unsere sonnenüberflutete Ikarusreise. Keiner mußte die Augen niederschlagen. Was wogen schon die Unzulänglichkeiten und Fehler gegenüber den heißen Herzen, die wir stets und überall bereit waren, in die Waagschale zu werfen. Übermenschen, Menschen und Untermenschen haben unseren Weg gekreuzt und immer erwiesen sich die Grenzen als fließend. Je weiter wir vorstießen und uns von der Phrase entfernten, desto klarer zeigte sich, daß das Leben gleich dem Lichte aus Komplementärfarben besteht. Nicht schwarz-weiß malt es, sondern in Zwischentönen. Ganz langsam wurde es heller.

Doch wir waren jung und Anfechtungen blieben nicht aus. Wer stirbt auch schon gern unterm Galgen? Wir riefen Deutschland und hörten kein Echo. Wir spielten Schach durch die Wand, lernten Fingersprache und schrieben an unseren Nekrologen. Dann wurden wir müde und gleichgültig und hängten mit der Hoffnung auch das Lauschen an den Nagel. Ungerecht wurden wir und bitter.

Gab es damals einen anständigen Kerl, den man nicht eingesperrt hatte oder eine Hilfsbereitschaft, die man nicht zertreten hätte?

Gleichviel, so mancher sägte sich los vom Stamme der Gemeinschaft, wurde Menschenfeind und weihte Hirn- und Drüsentätigkeit hinfort der Galleerzeugung. Es ist jener Typ, den man überall an dem unerschöpflichen Gedächtnis erkennt, wo es gilt, alte Ressentiments zu pflegen.

SS-Standartenführer a. D. Joachim Peiper mit seiner Frau Sigurd (Sigi), Sohn Hinrich und Tochter Elke (Tochter Silke fehlt), ca. 1957

Andere wiederum erkannten, daß die pseudodemokratische Parole „Hier sind wir alle gleich“ nichts weiter als ein dummes Geschwätz ist, ein geradezu in den Rinnstein ziehender Rettungsring mit Bleifüllung. Mit allen Kräften wehrten sie sich gegen die Vermessung und den steten Sog nach unten. Sie wurden zu Philosophen, versuchten durch bewußte Individualisierung und Differenzierung sich die innere Freiheit zu bewahren und saßen im Zuchthaus letztlich wie im Lehnstuhl. Am glücklichsten dran waren aber wohl jene Lebenskünstler, die ihre Weltanschauung mit der Eintagsfliege gemeinsam haben. Wer kennt sie nicht, diese frohen Gesellen, denen der Mutterwitz auch in der faulsten Situation einen immer noch fauleren Witz ergibt? Alle begannen wir ein ichbezogenes Eigenleben zu führen, setzten Masken auf und fletschten die Zähne. Jeder schlug sich die Flügel wund, bis dicke Hornhaut die Ellenbogen schützte.

Wenn das Leben, getrennt von Frau und Kindern, hinter Zuchthausmauern verrinnt, ist es schwer, gerecht und objektiv zu bleiben. Junge Menschen rütteln in ohnmächtiger Wut an ihren Ketten, spürten die Kräfte schwinden und den Mut müde werden. Die Nivellierung ging um. Die Zeit war so schwer, daß man sie schnell vergißt wie einen bösen Traum. Träge und quälend schleppte man sich dahin, trat über die Ufer und ließ sich selbst durch magische Wandeinkratzungen nicht mehr beschwören. Die Zeitrechnung der Rasier- und Puddingtage begann.

Was von draußen in unsere Todeszellen drang, war auch nicht dazu angetan, uns das Sterben leichter zu machen. Wir erfuhren, daß wir einer verbrecherischen Organisation angehörten und einem Unrechtsstaat gedient hatten. Die Schlammflut der Enthüllungs- und Memoirenliteratur brachte Erklärungen von Militärs und Diplomaten, die absichtlich auf die Niederlage ihres Vaterlandes hingearbeitet hatten. Man kam sich vor wie ein in einer Jauchegrube gelandeter Decius Mus. Hinfort bestand in den düsteren Gewölben unseres Lemurenstaates keine Möglichkeit mehr für eine Besteckaufnahme. Der einzige Festpunkt in diesem Chaos war das stille Heldentum unserer Frauen und Mütter.

Aber die Zeit trennt nicht nur, sie heilt auch zugleich. Allmählich und zaghaft begann draußen die nationale Besinnung wieder Fuß zu fassen. Die Konjunktur der Leichenfledderer war vorbei. Die Ordnung kam zurück und die längst erschlagen geglaubte Anständigkeit. Und mit den ersten Spähtrupps traten die solange mundtot gemachten Kameraden wieder auf den Plan. Die Parias der Nachkriegszeit hatten ihrer noch ärmeren Brüder also doch nicht vergessen. Was tat es, daß die Einsatzbereitschaft im umgekehrten Verhältnis zum früheren Dienstgrad stand?

Deutschlands treueste Söhne sind meist nur aus kleinen Hütten gekommen. Uns jedenfalls war wie einer eingeschlossenen Kampfgruppe, die endlich Luftversorgung erhält, die aufatmend feststellt, daß man sie noch nicht abgeschrieben hat. Ein kriegsblinder Panzerfunker saß in irgendeinem feuchten Keller und webte einen Kissenbezug für seinen zu Tode verurteilten Kommandanten. Ein Doppelamputierter trennte sich von seinem Lieblingsbuch und helfende Hände rührten sich in fernen Kontinenten. Mußte der schwache Hoffnungsfunke nicht erneut aufflammen? Eine unsinnige Zeit begann ihren Sinn zu erhalten.

Wir waren durch ständige Prügel so trotzig und störrisch geworden, daß der Vereisungsprozeß fast nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Nun spürten wir plötzlich wieder den beglückenden Atem warmer Frontkameradschaft, wurden gewahr, daß draußen nicht nur die Prämierung des Gemeinen und die Verächtlichung aller Werte galt. Ein neues Verständnis für die Schwierigkeiten des Lebens vor den Toren begann und auf hörte der Glaube, daß Landsberg der Mittelpunkt der Welt sei. Durch Druck und Gärung fanden wir zur Toleranz. Und es mag wohl sein, daß darin der Gewinn der verlorenen Jahre liegt. Darin, daß wir erst bis in die schwer zugänglichen Bezirke der Selbsterkenntnis vordringen mußten, ehe wir die menschliche Unzulänglichkeit fanden. Daß wir auf schwere Weise lernen mußten, uns zu beneiden.

Nun kam uns in unserem Kampf um die Wahrheit und um das Wesentliche die Relativität erst ganz zum Bewußtsein, das subjektive des Blickwinkels. Nach harter Lehrzeit wurde aus Engstirnigkeit Gesamtschau, wir warfen die Scheuklappen ab.

Während das bisher Sinnlose unserer Leidenszeit sich solcherart fast unmerklich in Deutung und aufkeimende Erkenntnis umsetzte, ging auch draußen die große Wandlung vor sich, erhielt der große Opfergang unseres Volkes seine sichtbare Rechtfertigung.

Wo wäre heute das zerrissene Abendland ohne jene aus der Geschichte nicht mehr wegzudenkenden Deiche aus deutschen Leibern?

Vom Kaukasus bis nach Finnmarken verläuft in weitem Zirkelschlag die Linie der abendländischen Gefechtsposten. Vertreter unseres gesamten Kulturkreises halten stumm die Wacht. Und wenn ihre Grabhügel auch eingeebnet sind und viele Länder sich noch heute ihrer edelsten Söhne schämen, so ist es doch einzig dieser Avantgarde der Europaidee zu danken, wenn Dschingis Khans Erben ihre Panzer noch nicht am Atlantik in die Schwemme fahren.

Laßt uns ihretwegen den Groll begraben, Kameraden. Die Geschichte wird gerechter richten als blindwütige Zeitgenossen. Die Gefahr ist so drohend und die Not so groß, daß niemand sich dem Ruf versagen darf. Vergeßt nicht, daß in den Kadern der Waffen-SS die ersten Europäer gefallen sind, daß die Nachkriegserschlagenen zumeist aus unseren Reihen stammten und nur wegen ihres Glaubens an die Unteilbarkeit des Abendlandes zu Freiwild wurden. Seid dieser Blutzeugen eingedenk.

Bleibt nicht auf halbem Wege stehen. Der Europagedanke ist das einzige politische Ideal, für das zu kämpfen heute noch lohnt. Nie waren wir seiner Verwirklichung näher. Packt die Lüge an der Gurgel, schlagt der Verleumdung ins Gesicht, helft den Nachbarn und der Kriegerwitwe. Wenn jeder zu sich und den einfachen Werten zurückfindet, dem Egoismus abschwört, aus der Armut eine Ethik macht und sich erneut der Gemeinschaft verantwortlich fühlt, dann kriegen wir auch diesmal den Karren aus dem Dreck, sind die Dämme aufgerichtet, wenn die Sturmflut kommt.

Im Kriege galten unsere stolzen Divisionen als krisenfest. Den Gefängnisbütteln aller Länder sind wir durch Standhaftigkeit ein Begriff geworden. Mögen unsere Kinder dereinst von uns sagen können, daß wir auch im Unglück nicht kleiner waren, als unser Schicksal, daß wir selbst in der Diaspora den Sauerteig für Versöhnung und europäisches Denken abgaben.

Ich grüße alle, die im Kerker frei geblieben sind.

Quelle: Worte aus Landsbergterragermania.files.wordpress


Siehe auch

Verweise