Ackermann, Josef
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Josef Meinrad Ackermann (* 7. Februar 1948 in Mels im Sarganserland) ist ein Schweizer Manager. Er war ab dem 22. Mai 2002 der 18. Vorstandssprecher und seit Februar 2006 der erste Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank. Ackermanns Vater war Jude.[2]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Familiäres
Josef („Joe“) Ackermann wurde am 7. Februar 1948 als Sohn eines Landarztes in Mels nahe Chur im Schweizer Kanton St. Gallen geboren. Einer seiner beiden Brüder ist Professor für Medizin.
Ackermann ist seit 1977 mit der Finnin Pirkko Mölsä verheiratet und hat eine Tochter. Er gilt als exzellenter Hobbymusiker (klassischer Gesang, Klavier) und Opernfan. In jungen Jahren war er ein guter Speerwerfer. Ackermann hat Wohnsitze in Zürich, New York, London und Frankfurt. Angesprochen auf den Druck der Medien und die Negativ-Schlagzeilen über ihn, erklärte Ackermann in einem Interview, er "distanziere sich vollkommen von dem", was über ihn geschrieben werde.[3]
[Bearbeiten] „Mannesmann Affäre“
Vodafone kaufte das Traditionsunternehmen Mannesmann für mehr als 150 Milliarden Euro. Die Prämien und Pensionszahlungen für den damaligen Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser, Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank und Zwickel, IG Metall - nach der verlorenen Schlacht um die Unabhängigkeit von Mannesmann - waren mit 57 Millionen Euro (davon eine Sonderzahlung von 15 Millionen Euro für Essers Abwehrkampf) von außergewöhnlicher Höhe. Das Landgericht Düsseldorf sprach zunächst die beiden Angeklagten Zwickel und Ackermann am 22. Juli 2004 vom Vorwurf der Untreue frei. Am 22. Dezember 2005 hoben die Richter am Bundesgerichtshof das Urteil der Vorinstanz auf.[4]
[Bearbeiten] Abwicklungsbank
Als Deutsche Bank Chef schlug Ackermann im Januar 2009 der Bundesregierung eine "Bad Bank" vor. Die Kosten dafür beziffern Regierungskreise auf "mindestens 400 bis 500 Milliarden Euro". Sie soll den Finanzinstituten faule Risiko-Wertpapiere abkaufen die sich in der Finanzkrise angesammelt hatten.[5]
[Bearbeiten] Geburtstagsessen im Bundeskanzleramt
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte 2008 dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann angeboten, im Kanzleramt auf Kosten der Steuerzahler ein Essen mit 30 Gästen zu dessen 60. Geburtstag zu organisieren.[6]
Ackermann hatte am 11. August 2009 in einem Fernseh-Interview des ZDF Hinweise gegeben, die auf einen privaten Anlass der Veranstaltung schließen lassen. Ackermann wörtlich:
- „Sie (Anm.: Angela Merkel) hat mir damals gesagt, sie würde gerne etwas für mich tun. Ich solle doch einmal etwa 30 Freunde und Freundinnen einladen aus Deutschland und der Welt, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein würde im Kanzleramt. Und ich muss ihnen sagen, es war ein wunderschöner Abend“.[7]
Es fielen für die Veranstaltung Kosten für zusätzliches externes Servicepersonal in Höhe von 2.100 Euro an. Die Aufwendungen seien aus den "etatisierten Haushaltsansätzen für Personal- und Sachkosten - Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt - finanziert" worden.[8][9] "Die offenkundig private Party" fand am 22. April 2008 satt.[10] «Dieses Essen ist die Spitze des Eisberges, der im Lobbyismussumpf in der Bundesrepublik steht.»[11] Der TV-Moderator Frank Elstner, Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) waren Gäste auf der Geburtstagsparty anlässlich des 60. Geburtstages von Deutsche-Bank-Chef Ackermann im Kanzleramt. Aus der Wirtschaft kamen unter anderem die Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrecht (BASF), Werner Wenning (Bayer) und Mathias Döpfner (Springer-Verlag), außerdem der Berater Roland Berger, der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme, der frühere Deutsche-Bank-Vorstand Tessen von Heydebreck, Berthold Leibinger (Trumpf) und Arend Oetker, sowie der Bankier Friedrich von Metzler, die Konzernerbin Maria-Elisabeth Schaeffler und die Verlegerin Friede Springer. Aus Wissenschaft und Kultur nahmen unter anderem der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann und der Organisator des Lindauer Nobelpreisträgertreffens, Wolfgang Schürer, teil.[12][13]
[Bearbeiten] Deutsche „Bonuszahlungen“ an britische Banker
In Zeiten der globalen Finanzkrise sollen die kommenden Lohnrunden Londoner Banker die Hälfte ihrer Boni dem Staat abgeben. Ackermann als Chef der Deutschen Bank will sie dafür entschädigen – auf Kosten der restlichen Angestellten. Die Deutsche Bank beschäftigt 78.500 Angestellte in 72 Ländern. Rund 7000 Leute sind am Standort London tätig - vor allem in der Investmentsparte - also jener Sparte, in der viele Mitarbeiter Boni erhalten.[14] Der britische Staat belastet künftige Boni von Bankern mit einer Steuer von 50 Prozent. Die Steuer ist von den Angestellten selber zu entrichten, nicht von den Banken. Die Massnahme gilt vorerst bis April 2010.[15] Ackermann lobt die deutsche Regierung dafür, bei den britisch-französischen Bonusplänen nicht mitzuziehen. Doch in Ackermanns Lob an die deutsche Regierung schwingt implizit auch eine Drohung mit: Wenn diese den Weg der Zurückhaltung bei Regulierungen verlässt, droht dem Finanzplatz eine Abwanderung der Banker.[16]
[Bearbeiten] Kurzbiografie
- Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fachrichtung Bankwirtschaft) an der Schweizer Hochschule St. Gallen.
- 1977: Promotion; Karrierestart an der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA).
- 1977–1989: Lehrauftrag für Volkswirtschaft (Geldpolitik und Geldtheorie) an der Hochschule St. Gallen.
- 1990: Mitglied der Generaldirektion der SKA.
- 1993–1996: Präsident der SKA.
- 1996: Wechsel zur Deutschen Bank AG.
- seit 22. Mai 2002: Vorstandschef der Deutschen Bank AG.
- seit 23. Januar 2003: Mitglied im Siemens-Aufsichtsrat und amtiert derzeit als dessen zweiter stellvertretender Vorsitzender.
- seit Juni 2003: Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF; Washington DC).
- Juli 2004: Mannesmann-Prozess: Freispruch in erster Instanz vom Vorwurf der Untreue.
- September 2004: Neu- und Umbesetzung der Verantwortungsbereiche im erweiterten Vorstand (GEC).
- seit 2005: Vorstandsmitglied beim Bundesverband deutscher Banken (BdB).
- Februar 2005: Ankündigung eines Arbeitsplatzabbaus im Rahmen eines weltweiten Sparprogrammes sorgt für bundesweite Schlagzeilen.
- Dezember 2005: Mannesmann-Prozess: Aufhebung des Freispruchs in einem Revisionsverfahren.
- 1. Februar 2006: Vertragsverlängerung als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG (bis 2010).
- 29. November 2006: Neuauflage des Mannesmann-Prozesses: Einstellung des Verfahrens.
- März 2007: Aufnahme in den Stiftungsrat der Deutschen Sporthilfe.
- 2008: Mitglied des Aufsichtsrats von Royal Dutch Shell.
- 12. September 2008: Einstieg bei der Postbank.
- 14. Januar 2009: Neuverhandlung über Postbank-Teilkauf nach Milliardenverlust.
- 17. März 2009: Vorstandserweiterung der Deutschen Bank auf acht Mitglieder.
- 27. April 2009: Vertragsverlängerung als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank bis 2013.[17]
[Bearbeiten] Sonstiges
- Er ist regelmäßiger Teilnehmer der Bilderberg-Konferenzen.
- Im Stiftungsrat der St. Galler Stiftung für Internationale Studien fungiert Ackermann als Präsident.
[Bearbeiten] Literatur
- Leo Müller: Ackermanns Welt. Ein Tatsachenbericht. Rowohlt, Reinbek 2006, ISBN 3-498-04505-9
- Erik Nolmans: Josef Ackermann und die Deutsche Bank. Anatomie eines Aufstiegs. Orell Füssli, Zürich 2006, ISBN 3-280-05202-5
[Bearbeiten] Verweise
- Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv, 28.10.2008, (pdf)
- Josef Ackermann – Aach ejner vun unsre Leit, de.altermedia.info, 29. Januar 2009
- Der ehrenwerte Herr Ackermann, principiis-obsta.blogspot.com, 02. Mai 2009
- Ihr seid nur finanzielles Kanonenfutter für die Bankster, globalfire.tv, 31. August 2009
Karikatur
- Der Tagesspiegel, 26. August 2009: Was es denn zu essen gab, als Angela Merkel einen gewissen Josef Ackermann und Freunde ins Kanzleramt einlud
- Wiedenroth, 26. August 2009: Ackermann, lad dir wen ein in Merkels Kindergeburtstagsecke im Kanzleramt
- Der Tagesspiegel, 05. März 2010: Für Sponsoren, Gespräche mit dem Ministerpräsident Jürgen Rüttgers für 6000 Euro / Ackermanns gratis-essen im Kanzleramt
[Bearbeiten] Fußnoten
- ↑ Kollaps in Berlin: Hat ihn der Milliarden- Verlust umgehauen, Berliner Kurier, 16. Januar 2009
- ↑ Ist Josef Ackermann ein Jude? "...der Deutsche Bank Chef Josef Ackermann, einer der herausragendsten Juden auf dem deutschen Finanzsektor...", logr.org, 2009
- ↑ Cicero, 6/2006
- ↑ F.A.Z.-Interview: „Auch Herr Ackermann hat Fairneß verdient“ - Koch zur Aufhebung der Freisprüche im Mannesmann Prozess, F.A.Z., 28.12.2005, Nr. 302 / Seite 11
- ↑ Deutsche Bank Chef Ackermann schlägt Bundesregierung "Bad Bank" vor, mmnews.de, 15. Januar 2009
- ↑ Merkel schmeisst für Ackermann Party, 20min.ch, 24. August 2009
- ↑ Ackermanns Geburtstagsessen im Bundeskanzleramt - Thema im Haushaltsausschuss, swr.de, 24. August 2009
- ↑ Ackermann-Feier auf Steuerzahlerkosten, tagesschau.de, 24. August 2009
- ↑ dts Nachrichtenagentur: SWR: Deutsche Bank-Chef feiert Geburtstag auf Kosten der Steuerzahler, vom 24. August 2009
- ↑ Zum Geburtstag - Steuerzahler blecht für Ackermann-Feier, express.de, 24. August 2009
- ↑ Krawall oder Aufklärung: Drei «Affären» in einem Rutsch, netzeitung.de, 26. August 2009
- ↑ Ackermanns Geburtstagsfeier: Auch Frank Elstner kam zum Gratulieren, stern.de, 25. August 2009
- ↑ Ackermanns Geburtstagsfeier: "Das Kanzleramt ist keine Event-Agentur", stern.de, 25. August 2009
- ↑ Andreas Oldag: Ein Herz für Boni-Banker - Deutsche Bank will Londoner Steuer auf alle Mitarbeiter umlegen, sueddeutsche.de, 19. Dezember 2009
- ↑ Joe Ackermanns Zwangssolidarität, tagesanzeiger.ch, 18. Dezember 2009
- ↑ Ackermanns versteckte Drohung, tagesanzeiger.ch, 14.
- ↑ Köpfe der Wirtschaft: Josef Ackermann, wiwo.de, 2009
