Barde

Aus Metapedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Pfeil 1 start metapedia.png Dieser Artikel befaßt sich mit den keltischen Sänger-Dichtern. Für weitere Bedeutungen siehe Barde (Auswahlseite); für den germanischen Stamm siehe Barden (Volksstamm).
„Der Barde“, Gemälde von John Martin

Als Barde (ir. bard; kymrisch bardd; altkeltisch Bardos; bretonisch Barzh; lat. bardus) bezeichneten sich die Angehörigen des Standes der Sänger und Dichter bei den keltischen Stämmen sowohl des Festlandes als auch der britischen Inseln. Ihr ältestes Instrument war, zumindest auf letztgenanntem Territorium, die Crotta (irisch crott, kymrisch crwth), eine Art Harfe oder Lyra. Seit dem 2. Jahrhundert v. d. Z. erwähnten die alten Griechen und Römer gallische Barden, die im Gefolge der Fürsten und Führer über deren Ruhm oder Schmählieder auf ihre Feinde sangen. Sie verschwanden mit der Romanisierung der Gallier.

Heutzutage wird der Begriff Barde häufig umgangssprachlich als Bezeichnung für einen einzelnen Sänger mit Musikinstrument (meist Gitarre) verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wales

In Wales standen die Barden noch im Mittelalter in voller Blüte und hohem Ansehen. Sie bildeten einen festgegliederten Orden, dessen Rechte und Pflichten gesetzlich geregelt und dessen Mitglieder durch besondere Tracht ausgezeichnet waren. Auf allgemeinen oder lokalen Versammlungen, Eisteddfod oder Gorsedd genannt, wurden Gesetze über die Bardendisziplin verfaßt und die ausgelernten Schüler, die sich aus allen Ständen rekrutierten, zu Barden graduiert, außerdem auch öffentliche Dispute und Wettgesänge veranstaltet. Ein erhaltenes Gesetz über Musik und Bardentum wird auf Gruffyth ap Cynan (Todesrune.png 1137) zurückgeführt. Es gab wohl verschiedene Stufen und Klassen von Barden, je nachdem, ob sie mehr technisch ausgebildet waren (im Gesang, im Crotta- und Harfenspiel) oder mehr wissenschaftlich, in der Kenntnis der Grammatik und Metrik, der Geschichte und Genealogie, später auch der Heraldik. Manche angeblich alte Nachrichten und Verordnungen über das Bardentum haben sich als späte Erfindungen herausgestellt. Ihre erhaltenen Dichtungen sind teils christlich-religiösen Inhalts, teils Preislieder auf Fürsten und Helden, Schlachtgesänge, kurze epigrammatische Gedichte, Trinklieder, später auch Minnegesänge. Die Eroberung von Wales durch Eduard I. (1282) gab dem Bardentum einen schweren Rückschlag; doch lebte der Stand noch lange fort, wenn auch in seinen vormaligen Rechten beschränkt. Insbesondere seit dem 15. Jahrhundert wurden zur Hebung der sinkenden Dichtkunst mit Einwilligung der englischen Herrscher noch eine Reibe von Eisteddfods abgehalten, die letzte 1681 zu Bewpyr-Castle. Im 19. Jahrhundert erneuerten patriotische Waliser diese Versammlungen mit Wettgesängen und Preisverteilung, zuerst 1819; seitdem wurden sie unter den alten Namen und mit den alten Formalitäten wiederholt. Eine Sammlung solcher Erzeugnisse gab Williams ab Ithel heraus (Barddas, the Bardo-Druidic system of the isle of Britain, 2 Bde., 1862–74).

Irland

In Irland sanken die Barden im Mittelalter im Ansehen stark. Hier lösten sich die Fili, d. h. die Vertreter der gelehrten, auf mehrjährigem Studium beruhenden Dichtkunst, die Historiker und Richter, als besonderer Stand los; diese blickten mit Verachtung auf die ungebildeten Bänkelsänger hinab, denen allein der Name Barde verblieb. Nach der Eroberung Irlands erließen englische Fürsten, besonders Heinrich VI., Heinrich VII. und Elisabeth I., mehrfach strenge Verordnungen gegen die irischen Sänger, deren Lieder zum Aufstand gegen die englische Besatzung aufreizten. Die Schlacht am Boynefluß (1690) machte auch diesem Rest altkeltischen Lebens ein Ende. Als letzter irischer Barde gilt Turlough O’Carolan (1670–1738).

Schottland

In Schottland finden sich Barden als erbliche Diener der Fürsten und Adligen bis 1748, wo zugleich mit der Erbgerichtsbarkeit dieses Verhältnis verschwand.

Germanien

Den alten Germanen waren Name und Stand der Barden unbekannt, und wenn im 18. und 19. Jahrhundert Friedrich Gottlieb Klopstock und seine Anhänger und Nachahmer von Barden der alten Deutschen sprechen, so beruht dies auf einer Verwechselung mit den keltischen Verhältnissen. So bezeichnete Klopstock ein vorzugsweise religiöses und kriegerisches Lied in dem fingierten Charakter eines Bardengesangs, oder einen Schlachtgesang als Bardiet oder Bardit, verleitet durch eine falsche Lesart in Tacitus’ „Germania“,[1] wo einige Handschriften statt des richtigen baritus oder barritus (das Schlachtgeschrei der Germanen) barditus bieten. Die deutschen Dichter, die damals das Bardiet mit Vorliebe pflegten, ahmten meist den Stil Ossians nach, was von einigen bekannten Zeitgenossen wie Lichtenberg, Hölty u. a. verspottet wurde. Denis und Gerstenberg behandelten es lyrisch,[2] Karl Friedrich Kretschmann episch.

Berühmte Barden

Wales

  • Blwchbardd (6. Jahrhundert)
  • Cadwallon (6. Jahrhundert)
  • Cian (Gwenith Gwawd) (6. Jahrhundert)
  • Dafydd ab Gwilym (um 1320–1370)
  • Talhearn Tad Awen (6. Jahrhundert)

Irland

  • Owen Roe O’Sullivan (1748–1782)
  • Dallán Forgaill
  • Dómhnall Mac Mhuirich (um 1745)
  • Fearflatha Ó Gnímh (um 1540–1640)
  • Turlough O’Carolan (Lebensrune.png 1670)

Schottland

  • Rob. Mackay (1714–1778)

Pseudo- und halbhistorische Barden

Sagenhafte, mythische und fiktive Barden

  • Abhcan (Barde und Hafner des Dagda aus der irischen Sage)
  • Belenus (keltischer Gott der Gallier, trägt als Gott der Kithara-Spieler den Beinamen „Cithareus“)
  • Coirpre (Barde und Satiriker der Tuatha de Danaan aus der irischen Sage)
  • Gentraiges, Goltraiges und Suatraiges (Drei Brüder, Söhne des Nechtan, die drei Formen irischer Dichtung repräsentieren)
  • Grannus (Keltischer Gott der Heilung und der heißen Quellen, der mit einer Lyra als Sänger dargestellt wurde)
  • Uaithne (Barde der Tuathe de Danaan und Sänger des Dagda)
  • Troubadix (Barde aus „Asterix der Gallier“)

Siehe auch

Literatur

  • La Villemarqué: Sammlung altbretonischer Bardengesänge. 2. Auflage, 1846
  • Walter: Das alte Wales. Bonn 1859
  • Stokes/Windisch: Irische Texte. 3. Serie, Heft 1 (Leipzig 1891)
  • Walther Eggert-Windegg: Der Barde, die schönsten historischen Gedichte von den Anfängen deutscher Geschichte bis zur Gegenwart. München 1922 (Netzbuch)
  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2609-3

Verweis

Fußnoten

  1. Tacitus: Germania, Kapitel 3
  2. Vgl.: Ehrmann: Die bardische Lyrik im 18. Jahrhundert. Halle 1892
Meine Werkzeuge