Dönitz-Affäre

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Der damalige Schülersprecher des Otto-Hahn-Gymnasiums in Geesthacht Uwe Barschel begrüßt im Namen der SMV am 22. Januar 1963 Großadmiral a. D. Karl Dönitz.

Schulleiter und Oberstudiendirektor Dr. Georg Rühsen sowie der Geschichtslehrer Dr. Heinrich Kock sind sitzend in der ersten Reihe zu erkennen.

Fotografiert hat Karl Mührl von der Bergedorfer Zeitung, als der vermutlich einzigst anwesenden Journalist.

Die Dönitz-Affäre, auch Geesthachter Affäre, bezeichnet eine in der veröffentlichten Meinung als „Skandal“ titulierte Geschichtsfragestunde mit dem bislang letzten deutschen Reichspräsidenten und Großadmiral Karl Dönitz am 22. Januar 1963 zum Thema „Der 30. Januar 1933 und seine Folgen“ im Otto-Hahn-Gymnasium Geesthacht. Die Geschehnisse endeten mit dem Selbstmord des damaligen Schulleiters Georg Rühsen, nachdem die internationale Weltpresse und die BRD-Systemmedien eine Hetzkampagne gegen die Beteiligten und die Lehrerschaft des Gymnasiums inszeniert hatten.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Das Publikum hört aufmerksam während der Geschichtsfragestunde zu.

Der 1913 geborene Geschichtslehrer Heinrich Kock, der im Zweiten Weltkrieg Oberleutnant und u. a. Träger des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse[2] war, lernte Großadmiral a. D. Dönitz auf einer Veranstaltung des Heimkehrerverbandes im Dezember 1962 persönlich kennen. Nach der Veranstaltung fuhr er ihn nach Hause. Die BRD-Wochenschrift „Der Spiegel“ berichtete in ironischer, umerzieherischer Manier:

„Welcher der beiden Auto-Insassen dann zuerst die Idee faßte, den historischen Erfahrungsschatz des Hitler-Nachfolgers dem zeitgeschichtlichen Unterricht des Geesthachter Gymnasiums nutzbar zu machen, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen.“[3]

Kock gab den Hinweis, Dönitz zu einer Geschichtsfragestunde einzuladen, dem damaligen Schülersprecher Barschel weiter. Dieser lud Dönitz in einem offiziellen Schreiben ein, nachdem der Schulleiter Georg Rühsen die Veranstaltung – ohne Mitwissen des Kieler Bildungsministeriums – genehmigt hatte.

Geschichtsfragestunde

Deutsche National-Zeitung“ vom 15. Februar 1963

Am 22. Januar 1963 endete der reguläre Unterricht bereits nach der vierten Stunde. Etwa 250 Schüler der Klassen neun bis dreizehn nahmen an der Veranstaltung der SMV teil. Nachdem Uwe Barschel Dönitz im Namen der SMV begrüßt hatte, begann die Veranstaltung. Den Inhalt der Fragen und Antworten dokumentiert lediglich ein rudimentäres Gedächtnisprotokoll der SMV, da die Veranstaltung nicht aufgezeichnet wurde. Zum Unternehmen „Weserübung“ steht beispielsweise im Protokoll:

„War der Krieg einmal begonnen, so mußte verhindert werden, daß die norwegischen Erzhäfen in alliierten Besitz kamen. Die militärische Notwendigkeit der Invasion beweist die Tatsache, daß die deutschen Truppen nur fünf Stunden vor den alliierten Truppen landeten. Zweck und Notwendigkeit der Operation wurden aufgezeigt.“

Gemäß dem Protokoll wurde Dönitz im Zusammenhang mit den Nürnberger Prozessen, die er ablehnte, auch befragt, wie denn seiner Meinung nach die angeblichen Verbrechen hätten gesühnt werden sollen. Laut dem Gedächtnisprotokoll hielt Dönitz ausschließlich deutsche Gerichte für legitimiert, die angeblichen Verbrechen zu untersuchen. So gab er einst in seiner Position als Staatsoberhaupt die Anordnung, die von alliierter Seite erhobenen Vorwürfe bezüglich möglicher Vorfälle in Konzentrationslagern, durch das Reichsgericht überprüfen zu lassen.[4] Dies unterband jedoch die alliierte Überwachungskommission durch die völkerrechtswidrige Verhaftung der Reichsregierung Dönitz.

Bezüglich seiner kurzen Regierungszeit merkte Dönitz außerdem an, daß es seine moralische Pflicht gewesen sei, den deutschen Soldaten eine letzte Anstrengung abzuverlangen und die Front im Osten zu halten, um die Flüchtlinge und die zurückkehrenden Armeen vor der Roten Armee zu retten.

Karl Mührl, der als ehemaliger Marineschreiber bei der 3. Unterseebootsflottille Dönitz noch aus der Kriegszeit kannte, war als Journalist der Bergedorfer Zeitung anwesend. Unter dem Titel „Geschichtsunterricht im Geesthachter Gymnasium mit Großadmiral a. D. Karl Dönitz“ berichtete er auf einer Sonderseite über die Veranstaltung. So schrieb er:

„Wir spürten es: Karl Dönitz hatte seine helle Freude an dieser Jugend. Sie hatte einen klaren Fragenkomplex zur Hand. Und der Großadmiral blieb ihr nichts schuldig. Genau eine Stunde und 30 Minuten dauerte diese Veranstaltung, die sicher auch für die anwesenden Lehrer des Gymnasiums ein besonderes Erlebnis, für die Schüler aber in jedem Fall Geschichtsunterricht in höchster Vollendung gewesen sein dürfte.“

Weiter hieß es:

„Dann sprach aus ihm [Dönitz] der gleiche Mann, den eine Elitetruppe bedingungslos anerkannt und ihm gehorcht hatte, weil er zu jeder Zeit als Vorbild in des Wortes bestem Sinne gewirkt hatte. Diese Begeisterungsfähigkeit hat sich der heute 72jährige Großadmiral erhalten. Der spontane, stürmische Beifall der Gymnasiasten bewies es deutlich genug.“

Reaktionen und Folgen

Der durch die Hetzkampagne der gleichgeschalteten BRD-Systemmedien in den Freitod getriebene Schulleiter und Oberstudiendirektor Dr. Georg Rühsen

Die Reaktionen von systemmedialen Kreisen der BRD ließen nicht lange auf sich warten. In Hamburg wurden Journalisten des „Hamburger Abendblattes“, des „Spiegels“ und der „Zeit“ aufmerksam. Auch der „Stern“ veröffentlichte später unter dem Titel „Wenn Dönitz Schule macht“ einen Artikel.[5] Des weiteren stellten Journalisten bei einer regulären Pressekonferenz der Landesregierung in Kiel am 31. Januar 1963 Fragen zu den Vorgängen in Geesthacht, wodurch der künstlich inszenierte „Skandal“ ins Rollen gebracht wurde. Auch Medien der DDR nutzten den Vorfall für Propagandazwecke, indem sie auf die „faschistischen Umtriebe“ in der Bundesrepublik hinwiesen.[6]

Die französische Tageszeitung „Le Monde“ berichtete ebenfalls unter dem Titel „Der frühere Großadmiral Dönitz hat Hitlers Politik verherrlicht“ über den angeblich skandalösen Vorfall.[7] Im britischen Unterhaus waren die Äußerungen des Großadmirals a. D. zum deutschen Präventivschlag gegen Norwegen ein Thema und wurden als „anti-britisch“ aufgefaßt.[8] Ebenfalls aus der niederländischen Partnerstadt Hoogezand-Sappemeer trafen politisch korrekte Anfragen ein. Außerdem war der damalige Bürgermeister von Hoogezand-Sappemeer ein „Überlebender“ des Konzentrationslagers Neuengamme. Der Vorsitzende der Ratsversammlung Felix Ellermann sagte:

„Wir haben als Stadt alle Ursache, den Eindruck zu erwecken, daß Geesthacht nicht nazistisch verseucht ist.“[9]

Der künstlich erzeugte Eklat wurde noch größer, als Geesthachts Gymnasialdirektor Rühsen es ablehnte, den schleswig-holsteinischen Landesbeauftragten für staatsbürgerliche Bildung Ernst Hessenauer vor dem gleichen Forum sprechen zu lassen, damit das von Dönitz angeblich beschädigte Geschichtsbild von demokratischer Hand „restauriert“ und durch die offiziell verordnete Geschichtsschreibung ersetzt werde. Der Schulleiter Georg Rühsen übernahm in einem Interview der Lokalzeitung am 1. Februar 1963 die alleinige Verantwortung:

„Wenn ich gewusst hätte, was daraus entsteht, hätte ich meine Genehmigung wahrscheinlich nicht erteilt. Aber nun ist es einmal ins Auge gegangen.“[10]

Damit stellte er klar, daß das Problem nicht grundlegend bei der Veranstaltung oder dem Gast lag, sondern vielmehr bei der Entwicklung danach, die durch die systemmediale Diffamierungskampagne angeheizt wurde. Auch Karl Dönitz erklärte am 1. Februar 1963, daß er die Aufregung nicht verstehe, da alles problemlos verlaufen sei. Derweil entwickelte sich in der Lokalzeitung eine Leserbriefdiskussion mit reger Beteiligung. Anders als in der veröffentlichten Meinung, führte beispielsweise ein Leserbriefschreiber aus:

„Wehe den Lehrern und Politikern, die die junge Generation gegen die Geschichte ihres Volkes und gegen ihre unmittelbare Vergangenheit aufbringen! […] Um so höher ist es zu werten, daß nun endlich ein Mann vor der Jugend sprechen konnte, der tapfer und unbeirrbar, auch in schwersten Stunden bis zum bitteren Ende auf seinem Posten ausharrte, als andere, heute ‚Prominente‘ sich schon längst ins Ausland abgesetzt hatten. Zum Glück lässt sich unsere Jugend nicht mehr alles vormachen; sie will selbst sehen, hören, prüfen, sie sucht Männer, aber keine Männlein […].“

Eine andere Leserin fragt sich, wie man die deutsche Jugend noch begeistern solle in einer Zeit, in der Liebe zum Vaterland und Nationalstolz unerwünscht seien. Schließlich sandte Dönitz selber einen Leserbrief ein und stellte einige Falschaussagen, die durch die Systemmedien in Umlauf gebracht worden waren, klar. Unter der Überschrift „Was Dönitz wirklich sagte“ sandte Otto Kranzbühler, der Anwalt und Verteidiger von Dönitz während der Nürnberger Prozesse, eine Stellungnahme an die Frankfurter Allgemeine Zeitung.[11]

Nach einer „außerordentlichen Lehrerkonferenz“, bei der sich die Lehrer des Gymnasiums berieten, forderte der „Landesverband der Kriegsdienstverweigerer“ ein Disziplinarverfahren gegen Rühsen. Die politischen Arbeitskreise an den Schulen Schleswig Holsteins distanzierten sich durch ihren Sprecher „von dem in Geesthacht demonstrierten Beispiel politischer Bildungsarbeit“. Der Journalist Karl Mührl erhielt anonyme Morddrohungen. Am 8. Februar 1963 erschien in der „Zeit“ ein Artikel von Kai Hermann, dem Rühsen zuvor ein längeres Interview gegeben hatte.[12]

Hermann entwarf in dem Artikel von Rühsen das Bild eines Kommandanten im Hinterzimmer, der „Lagemeldungen seiner Getreuen“ zu den neuesten Angriffen entgegennehme und sich unbelehrbar den wohlmeinenden Hilfsangeboten des Kultusministeriums verweigere. Der Schulleiter war daraufhin verstört über die Darstellung seiner eigenen Aussagen. Der Ministeriumsvertreter Hermann Schmidt-Tychsen erschien außerdem am Nachmittag, um angebliche „Tatbestände“ zu klären. Rühsen hätte ins Ministerium versetzt werden sollen, da er angeblich als Direktor nicht mehr tragbar sei. Ein Disziplinarverfahren jedoch war nicht möglich, da es keinen Erlaß gab, der auf Rühsens Vorgehen hätte angewendet werden können.

Tod des Georg Rühsen

Eine halbe Stunde nach Ende des Gesprächs mit dem Ministeriumsvertreter wurde der 57jährige von einem Passanten in der Steinstraße zum letzten Mal lebend gesehen, wie er allein vom Hafen in Richtung Elbstaustufe lief. Zuvor hatte er einen Abschiedsbrief an seine Frau geschrieben und ihn in seiner Aktentasche im Dienstzimmer deponiert:

„Liebe Lonny, nimm es mir nicht übel. Ich werde in den Tod gehen […]“[13]

„Es war die Hetze der Presse“ titelte die Münchner „Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung“. Die linke Journaille habe zum Halali geblasen und den Schulleiter erlegt. Weiter heißt es:

„Als Pädagoge lauterster Gesinnung entsprach er dem Willen seiner Schüler, den letzten lebenden Zeugen der deutschen Schicksalsstunde 1945 zur Aussprache zu bitten. Vorgebliche Hüter demokratischer Meinungsfreiheit ließen ihn am Sinn seines Daseins verzweifeln. Er starb als Märtyrer gnadenlosen Meinungsterrors.[14]

Fußnoten

  1. Autopsie eines Skandals: Barschel, Dönitz und der Selbstmord eines Direktors: Schüler arbeiten die Vergangenheit ihrer Schule auf, Preußische Allgemeine Zeitung, 25. März 2012
  2. Spiegel.png  (Heft 40/1958)Der Spiegel, 40/1958,
  3. Spiegel.png  (Heft 8/1963)Der Spiegel, 8/1963,
  4. Spiegel.png  (Heft 19/1995)Der Spiegel, 19/1995,
  5. „Wenn Dönitz Schule macht“, Stern vom 25. Februar 1963
  6. Vgl. „Ultras feiern Dönitz“, Neues Deutschland vom 14. Februar 1963 mit dem Untertitel „Springer-Presse eröffnet Rechtfertigungskampagne für Hitlernachfolger als Geschichtslehrer.“
  7. „L’ex grand Amiral Doenitz a célèbre la politique Hitlérienne devant un auditoire d’étudiants”, Le Monde (Paris) vom 4. Februar 1963
  8. Vgl. „Anfrage zur Dönitz-Rede“, Die Welt vom 12. Februar 1963
  9. „Panorama“ vom 2. März 1963
  10. „Schärfere Maßstäbe bei der Auswahl von Referenten“, Bergedorfer Zeitung vom 1. Februar 1963
  11. „Was Dönitz wirklich sagte“, Stellungnahme von Herrn Dr. Kranzbühler, Düsseldorf, Archiv der FAZ
  12. „Aus Geesthacht nichts Neues“, „Die Zeit“ vom 8. Februar 1963
  13. „Bild“ vom 11. Februar 1963
  14. „Deutsche National-Zeitung“ vom 15. Februar 1963
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