Vollmer, Dieter

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Dieter Vollmer (1934)

Hans Wolfram Dietrich „Dieter“ Vollmer (Lebensrune.png 11. November 1913 in Hamburg-Harvestehude; Todesrune.png ?) war ein deutscher Schriftsteller, Autor und Publizist.

Leben

Biographisches

„Geboren [...] als Sohn des Theologen und Philologen Prof. Dr. h. c. Lic. Hans V. (Todesrune.png 1941), des Begründers des Deutschen Bibelarchivs in Hamburg (1931).
1932 Abitur am Matthias-Claudius-Gymnasium in Wandsbek bei Hamburg.
1932/1934 Studium in München.
1935 (5. Dezember) Schriftleiterprüfung bei Gerhard Pantel im Hause Müller & Sohn, München, Schellingstraße.
1936 stellvertr. Hauptschriftleiter in Berlin.
1937 Abteilungsleiter (Kultur) der Jugendpflege- und Sportbehörde der Hansestadt Hamburg.
1938/39 Abteilungsleiter (Jugend und Vortragswesen) im Reichskontor der Nordischen Gesellschaft (Nordische Verkehrs-GmbH.) in Lübeck.
1939/45 Soldatenlaufbahn und Kriegsteilnahme in Polen und Rußland.
1950/52 stellvertr. Hauptschriftleiter einer deutschen Monatszeitschrift und stellvertr. Verlagsleiter in Buenos Aires. Seitdem Lektoratsarbeit für Buchverlage.
1954 Rückkehr nach Deutschland. Seitdem Arbeit für verschiedene Buchverlage sowie zwei Jahre lang in der Jugendsozialarbeit (in Wohnheimen für jugendliche SBZ-Flüchtlinge).
Seit 1960 ausschließlich Lektoratsarbeit, 1962 bis 1965 freiberuflich für Dr. Grabert, Tübingen.
Seit 1966 Verfasser und Herausgeber des Politischen Lexikons (8 Bde.) im Verlag K. W. Schütz KG (seit 1971: Preuß. Oldendorf) sowie (seit 1970) der chronologischen Darstellung: Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts (auf 6 Bände geplant).“

Wirken

Vollmer schrieb für die Zeitschrift „Die HJ“ und für die Nordische Gesellschaft. Im Frühling 1939 erfolgte eine Reserveübung, im Spätsommer dann die Einberufung zur Luftwaffe. Schließlich folgte der Kriegseinsatz als Soldat und Wehrbetreuer von 1941 bis 1945 an der Ostfront und bei der Reichsverteidigung. Nach dem Krieg war er u. a. als stellvertretender Hauptschriftleiter für die Monatszeitschrift Der Weg – El Sendero in Buenos Aires tätig (Dürer-Verlag). Er war ebenfalls „Sekretär“ Hans-Ulrich Rudels in Argentinien.

Aus der Biographie

„In der ersten Novemberhälfte 1913 kam ich in Hamburg, Klosterallee 10, zur Welt. Es war eine Hausgeburt. Meine Mutter, Tochter des Marburger Gynäkologen Friedrich Ahlfeld, die von 1900 bis 1905 schon drei Geschwistern das Leben geschenkt hatte, meisterte das mit bewährtem Können und machte sich über alle medizinischen Einzelheiten sorgsame Aufzeichnungen. Mein Vater war damals Direktor des Realgymnasiums Sankt Pauli, hatte in Bonn und Marburg Theologie und Altphilologie studiert, gehörte der liberaltheologischen Richtung Adolf von Harnacks (Berlin) und Martin Rades (Marburg) an und betrieb nebenberuflich wissenschaftliche Forschungen über vorlutherische Bibelübersetzungen, insbesondere die sogenannten Historienbibeln. Dabei half ihm meine Mutter auf ausgedehnten Reisen zu den großen Bibliotheken Europas als Photographin mit entsprechend umfänglicher Ausrüstung zur Reproduktion der alten Handschriften vor Ort. Die Vorfahren meiner Mutter stammten aus Leipzig, jeweils mütterlicherseits aus den Verlagshäusern Grunow, Goldmann und Varnhagen, die Vorfahren meines Vaters vom Niederrhein. Mein Ur-urgroßvater Dirk Vollmer war Bauer in Hilden und ist 106 Jahre alt geworden. Eine Familienüberlieferung besagt, daß die Vollmers ursprünglich mit Gustav Adolf, also im dreißigjährigen Krieg aus Schweden gekommen seien. […]
Ostern 1920 wurde ich in Ahrensburg eingeschult. Der erste Blick auf den von Kindern wimmelnden Schulhof war ein Schock, ein Schrecken, der sich tief einfraß. Bis dahin hatte ich kaum gleichaltrige Spielkameraden gekannt, fast nur mit meinen viel älteren Geschwistern zu tun gehabt. Und nun plötzlich diese Masse Mensch, dieses Gelaufe und Geschrei. Ich bekam Angst und wäre am liebsten umgekehrt. Doch das gab sich mit der Zeit. Das Lernen bei gütigen Lehrerinnen fiel mir leicht. Ich konnte ein Vorschuljahr überspringen und Ostern 1923, gerade auf dem Gipfel der furchtbaren Inflation (eins zu einer Billion) in die Sexta des Matthias-Claudius-Gymnasiums in Wandsbek aufgenommen werden. […] 1930 hörte ich von Schulkameraden einiges über verschiedene Bünde der Jugendbewegung, fand aber selbst keinen Anschluß an eine solche Gruppe, sondern löste Karl Hermann Wolff, den Sohn unseres Deutschlehrers, in der Leitung der Zelle des nat. soz. Schülerbundes ab. Versuche, mit den Mitgliedern dieser Zelle ‚auf Fahrt zu gehen‘, fielen nicht zu meiner Zufriedenheit aus. Die Jungen waren mir zu bürgerlich, zu wenig revolutionär. Im Frühjahr 1931, zwei Jahre vor der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten, trat ich der [Hitlerjugend] bei, die sich damals noch ‚Deutsche Arbeiterjugend‘ nannte und ein kreisrundes Abzeichen mit der aufgehenden Sonne trug. Mit dem Fahrrad sammelte ich in den Hamburgischen Walddörfern täglich nach der Schule Jungen zu einer ersten ‚Schar‘, dem Grundstock zu einer späteren ‚Gefolgschaft‘. Die Heimabende, bei denen Lieder gelernt und ausgewählte Abschnitte aus bewährten Jungenbüchern vorgelesen wurden, fanden vierzehntägig im Keller eines Volksdorfer Privathauses statt. Die Wochenendfahrten gerieten nun schon zünftiger und machten Freude. Ebenfalls vierzehntägig traf ich mich mit den anderen Hamburger Hitlerjugendfuhrern zu Schulungsabenden und gemeinsamen Führerfahrten. Unter den neuen Freunden, die ich dabei gewann, formten mich besonders der geniale Wilhelm Krap und Fritz Hellwig, Erich Harders, Detlef Gravenhorst, Hans Thams und – in herzlicher Verbundenheit – Erich Luxem. Dieses letzte Schuljahr hat mich entscheidend geformt und vor der Verbürgerlichung bewahrt.
Die Selbstfindung, das eigenständige Erkennen der mir gemäßen Erlebens- und Denkweise hatte damit begonnen, daß mir zu meinem 16. Geburtstag Ende 1929 unser Klassensprecher Hubert von Kühlwetter das Buch ‚Kleine Rassenkunde des deutschen Volkes‘ von Hans F. K. Günther schenkte. Es schilderte sowohl das äußere Erscheinungsbild als auch die seelischen und charakterlichen Eigenschaften sowie die typischen Verhaltensweisen der in Deutschland vorkommenden Rassen. Günther war Philologe und Anthropologe, und die Anthropologie wurde damals, lange bevor die Nationalsozialisten an die Regierung kamen, noch allgemein aus naturwissenschaftlich-biologischer Sicht erforscht und gelehrt, nicht, wie heute, fast ausschließlich aus milieutheoretisch-soziologischer Sicht. Günthers Darstellung überzeugte mich damals auf Anhieb und vollständig. Sie hat mein Denken entscheidend geprägt. Kurz darauf las ich ‚Gold oder Blut‘ von Otto Bangert, ein kleines Buch, das in ebenso überzeugender Weise Profitdenken und Artbewußtsein gegenüberstellt. Schließlich kam noch ein schmales Bändchen von Conn hinzu, ‚Der Wahn vom völkischen Staat auf christlicher Grundlage‘, und rundete das Bild nach der religiösen Seite hin ab. Wesentlichen Einfluß hatten auch die Bücher von Hermann Löns, vor allem ‚Der Wehrwolf‘ und ‚Mein braunes Buch‘ mit dem Kapitel ‚Die rote Beeke‘ über die Hinrichtung von 4500 niedersächsischen Freibauern auf Befehl Karls des Großen. Das saß fest und war nicht mehr auszulöschen. Von Felix Dahn beeindruckte mich mehr noch als die Tragödie der Goten in Italien, ‚Kampf um Rom‘, die überwältigende Schau vom ewigen Werden und Vergehen in ‚Odhins Trost‘. Ibsens ‚Peer Gynt‘ in der deutschen Übersetzung von Dietrich Eckhart, Gertrud Bäumers Buch ‚Der ritterliche Mensch‘ über die „staete”, die Beständigkeit des Charakters und dazu die ‚Heldenfibel‘ von Tusk (Eberhard Koebel), dem Gründer des Jungenbundes d.j.1.11., vervollständigten das Ganze. […]
Den Abschluß meiner Nordlandarbeit bildete im Sommer 1939 eine private Norwegen- und Schwedenreise gemeinsam mit meinem Freund, dem Volksdorfer Jungvolk(Jungzug)führer Achim Lexzau, der 1942 in Rußland fiel, gerade 20 Jahre alt. Die Reise verlief sehr schön. Sie führte uns auch in abgelegene Täler an der norwegisch-schwedischen Grenze. Es entstanden wertvolle FarbDias mit Achims Leica-Kamera und den damals ganz neuen Agfa-Farbfilmen. Nur ein Erlebnis fiel aus dem Rahmen. In Oslo erlebten wir, wie die Großstadtjugend frenetisch einer alten Negerin zujubelte, die auf der Bühne abwechselnd auf den Knien lag und schluchzte oder heftig in eine Trompete blies. Die Kinder waren begeistert. Es bahnte sich da etwas an, was wir in Deutschland erst nach dem Kriege erleben durften. Bei unserer Rückkehr aus Schweden ermahnte mich der Paßbeamte in Saßnitz, schleunigst nachhause zu fahren. Dort lag eine Einberufung zur Truppe. Ich hatte vor unserer Reise bereits eine vierteljährige Reserveübung bei der Luftnachrichtentruppe abgeleistet, die sich aus einem beschämenden Mangel an geeignetem Ausbildungspersonal als eine Groteske erwies. Rechtsanwälte, Ärzte und andere Lehrgangsteilnehmer, die bereits ihren Mann im Berufsleben standen, waren 19jährigen Hilfsausbildern ausgeliefert, die es gerade zum Gefreiten gebracht hatten und nur mit Mühe mehr als drei zusammenhängende Sätze aus der Ausbildungsvorschrift vorlesen konnten. Den Abschluß dieser Reserveübung hatte eine Rede des Kompaniechefs gebildet, in der er uns mit der Geheimen Staatspolizei drohte, falls wir draußen über gewisse Vorkommnisse nicht schweigen würden. Die Blamage war vollkommen. Nun, aus Schweden zurück, rückte ich also von neuem ein, allerdings nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Wartezeit, in der ich in Lübeck meine Arbeit abschließen und mich von den Kollegen verabschieden konnte. Danach fand ich mich im Fliegerhorst Greifswald wieder, wo ich zunächst im Fernsprech-Leitungsbau in der vorpommerschen Landschaft, dann an der Fernschreibmaschine ausgebildet wurde. Dort, in Greifswald, erlebte ich dann 1940 auch den absoluten Tiefpunkt meiner gesamten Soldatenzeit, nämlich einen Unteroffizierslehrgang, geleitet nicht von einem Offizier, sondern von einem sadistischen Hauptfeldwebel mit entsprechend ausgewählten Unteroffizieren. Die gezielte Entwürdigung des Menschen, die unter dem fadenscheinigen Vorwand einer ‚Erziehung zur Härte‘ oder – ehrlicher – zwecks Dressur zum willenlosen Werkzeug verübt wird, habe ich dort bis zum Exzeß am eigenen Leibe erlitten. Daß ich dabei – bei hoher Sensibilität – nicht kaputt gegangen bin, verdanke ich teils der starken seelischen Konstitution, die mir meine Eltern und Großeltern vererbt haben, teils – im entscheidenden Augenblick – der Hilfe meines jungen Freundes Achim. Er besuchte mich von Dresden nach Greifswald mit dem Fahrrad in der Kaserne, gerade als ich am Verzweifeln war. Und dieser Besuch besagte soviel wie: ich bin ja noch da, – ohne Worte. Ich faßte wieder Mut. Nach diesem Unteroffizierslehrgang – es muß im Frühjahr 1941 gewesen sein – erkrankte ich an einer Kiefernhöhlenentzündung und mußte ins Luftwaffen-Lazarett.
Auf der Weiterfahrt zu meinem Leuchtfeuertrupp konnte ich auf der Strecke von Minsk nach Smolensk zum Teil fliegen. Eine Ju 52 (Junkers-Propellermaschine) nahm mich ein großes Stück mit. In Smolensk besuchte ich Hans Rodde, der dort als Sonderführer die Propaganda für die russische Bevölkerung leitete und mir von der Auffindung der von den Sowjets ermordeten polnischen Offiziere bei Katyn berichtete. […] Am Neujahrstag 1943 kam ich wieder bei meinem Trupp an, der inzwischen seinen Standort um einige Kilometer hatte verlegen müssen, der vorrückenden sowjetischen Truppen wegen. Wir lagen also wieder in Frontnähe. Allerdings gab es in dieser Frontlinie beiderseits Lücken. Und in eine solche Lücke begleitete ich meinen alten Hitlerjugend-Kameraden Hans Thams, der für seine Artillerietruppe liegengebliebene Motorfahrzeuge ausschlachtete. Die russischen Hilfswilligen (‚Hiwis‘ genannt), die ihm dafür zur Verfügung standen, machten sich mit viel Hallo über ihre toten ehemaligen Kameraden her, die so, wie sie in Schützenkette gestürmt hatten, im Schnee lagen, und zerrten ihnen alle noch irgendwie brauchbar erscheinenden Kleidungsstücke von den steif gefrorenen Gliedern. […] Vom südlichsten Abschnitt der Ostfront waren schon seit Wochen schwere Rückschläge gemeldet worden, mit überraschender Offenheit, so als solle das Volk auf noch Schlimmeres eingestimmt werden. In Italien und an der Atlantikküste erwartete man die Invasion der alliierten Westmächte. Ein Dreifrontenkrieg war nicht zu gewinnen. Das hatte Rudolf Hess bei seinem Englandflug vorausgesehen, und da half auch ein noch so ‚fester Glaube an den Endsieg‘ nichts. […] In diese Zeit in Orel fiel, Ende Juli, der mehrtägige schwerste Bombenangriff auf Hamburg, der die Stadt zu zwei Dritteln zerstörte und den allezeit unbeschreiblichen Feuersturm erzeugte. Sowohl das ‚Deutsche Bibelarchiv‘, die Forschungsstätte meines 1941 verstorbenen Vaters, als auch die Stadtwohnung meiner Stiefmutter fielen ihm zum Opfer, dort auch der Rest meiner Habe, die nicht schon in Lübeck vernichtet worden war. Sie selbst und ihre alte Mutter entkamen dem Furioso, in nasse Wolldecken gehüllt, über den brennenden Asphalt der Straßen hüpfend, mit angesengten Haaren und Augenbrauen aus der Stadt und fanden in Ahrensburg eine Notunterkunft. Den ganzen August über bemühte ich mich um Urlaub dorthin und nach Dresden zu Nielands, Achims Eltern. In das vernichtete Hamburg gab es zunächst keinen Urlaub. Die riesige Trümmerhalde konnte niemanden aufnehmen. Es ist unmöglich, die Verhältnisse zu schildern, unter denen die Überlebenden dort vegetierten. Und es hat Monate gedauert, bis die wichtigsten Durchgangsstraßen durch die Schuttmassen freigeräumt waren. In den letzten Augusttagen konnte ich endlich fahren, zuerst nach Ahrensburg, dann nach Berlin und Dresden. In der Reichsjugendführung in Berlin ließ ich mir meine verbrannten Hitleijugendpapiere neu ausstellen (mit der alten Mitgliedsnummer vom April 1931) und sprach eingehend mit den Amtschefs für Weltanschauliche Schulung (Griesmayer) und Kultur (Karl Cerff). Auch mein Schriftleiterzeugnis fand sich ein, das Gerhard Pantel 1936 noch unterzeichnet hatte. Abends nahm mich Jurko Sikorski, dem es tatsächlich gelungen war, von Warschau nach Berlin umzusiedeln, mit zu einer Chorprobe der ukrainischen Nationalen Vereinigung. Der Zusammenklang der herrlichen Stimmen vermittelte einen wahren Genuß. […]
In Dresden erlebten wir – unmittelbar vor der vollständigen Zerstörung dieser Stadt auf Befehl Churchills – traumhaft schöne Tage im Hause Nieland in Loschwitz sowie in der Oberbürgermeisterloge der Staatsoper. […] Im Juli und August wurde mein Trupp in der Wetterfunkstelle Kulm an der Weichsel eingesetzt. Von dort konnten wir die Probestarts der V2-Raketen in Peenemünde beobachten, mit den kennzeichnenden zickzackförmigen Kondensstreifen, durch die wechselnde Windrichtung in verschiedenen Höhenschichten verursacht. Während der ersten Septemberhälfte war ich zu einem Lehrgang für ‚N.S.-Führungsoffizierhelfer‘ kommandiert. Das Attentat auf Hitler in Rastenburg vom 20. Juli hatte – auch das natürlich um viele Jahre zu spät – die Notwendigkeit einer politischen Unterweisung der Truppe deutlich gemacht. […] Von jenem wirkungslosen Kurzlehrgang zurück, erhielt ich in Kulm den letzten Einsatzbefehl meiner Kompanie in diesem Kriege und fuhr mit zwei Obergefreiten, einer davon Kraftfahrer, und einem motorisierten Gerätewagen nach Passenheim in Ostpreußen, zwischen Allenstein und Orteisburg gelegen. Mittlerweile war es Mitte Oktober geworden, und unsere Leuchtfeuersignale dienten fast nur noch den deutschen Sturzkampfflugzeugen, die in ununterbrochenem Einsatz die angreifenden sowjetischen Panzereinheiten bombardierten, allen voran Oberst Hans Ulrich Rudel, der allein über 500 Panzer, das ist eine ganze Armee, außer Gefecht gesetzt hat. (Ich sollte ihn später, in Argentinien, noch persönlich kennenlernen.) […] Etwa zur selben Zeit, in der Churchill die Stadt Dresden, das Elbflorenz, ohne jede militärische Bedeutung, in einen glühenden Schutthaufen verwandeln ließ, mit etwa ebenso vielen Toten wie beim amerikanischen Atombombenangriff auf Hiroshima, entkam unser kleiner Trupp mit stotterndem Motor bei Dirschau über die noch unversehrte Weichselbrücke gerade noch dem sowjetischen Einschließungsring. Daß uns dies noch gelang nach einer Fahrt diagonal durch Ostpreußen bei klirrender Kälte über vereiste Straßen inmitten eines verzweifelten Flüchtlingsstroms, verdankten wir der unbeschreiblichen Anstrengung, dem Orientierungsvermögen und ‚sechsten Sinn‘ unseres Kraftfahrers. Auch daß wir in dem Chaos den Anschluß an unsere Kompanie wiederfanden, verdankten wir ihm. In meinem Gedächtnis klafft hier eine Lücke. Ich war krank und außerdem von schlechtem Gewissen verfolgt, weil ich nichts mehr für die Passenheimer Junvolkjungen hatte tun können und befürchten mußte, daß sie mit ihren Familien den Sowjets in die Hände gefallen waren. […] Abends suchten und fanden wir Unterkunft in einem Privathaushalt. Der Hausherr und Vater war noch nicht aus dem Kriege zurückgekehrt. Sein dreizehnjähriger Sohn war Fanfarenbläser in einem Fanfarenzug des Deutschen Jungvolks (gewesen) und bewies uns noch spät abends in schmetternden Tönen sein Können. Das war das letzte Mal, daß ich etwas von Hitlerjugend und Jungvolk zu hören bekam, auf Jahre hinaus auch die letzte Erinnerung an Jungenführung und Jugendbewegung überhaupt. Tags darauf meldete der Rundfunk, noch in deutscher Regie, daß Adolf Hitler tot sei, und zwar in der ersten, von Martin Bormann verfaßten, falschen Fassung: ‚Im Kampf gefallen‘. […] Das war für mich des Kriegsende, am 4. Mai, vier Tage vor der deutschen Kapitulation. In rasender, halsbrecherischer Fahrt – auch der Mann am Lenker war vollständig betrunken – fegten wir, hin und herschwankend und krampfhaft ineinander verklammert, um nicht über Bord geschleudert zu werden, durch die Haarnadelkurven der Gebirgsstraße, der bayerischen Grenze entgegen. Dort wurden wir für die Nacht in eine provisorische Gefangenensammelstelle, zwei oder drei Baracken, mit über tausend anderen so dicht zusammengepfercht, daß man jeweils nur ein Bein auf den Boden stellen konnte. Umfallen war unmöglich, an Schlafen nicht zu denken. Am nächsten Morgen ging es weiter, in ein 50 000-Mann-Lager auf offener, verschlammter Wiese bei Bad Aibling am Chiemsee, mit der Alpenkette im Hintergrund.“[1]

Werke

POLITISCHES LEXIKON (Verlag K. W. Schütz, Göttingen-Hannover, ab 1966)
Politisches Lexikon – Teil I. Sachworte.
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil I. Sachworte A–E
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil I. Sachworte F–L
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil I. Sachworte M–Q
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil I. Sachworte R–Z
Politisches Lexikon – Teil II. Personen.
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil II. Personen A–L
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil II. Personen M–Z
Politisches Lexikon – Teil III. Dokumente.
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil III. Dokumente A–L
  • 96-book.png PDF Politisches Lexikon – Teil III. Dokumente M–Z
POLITISCHES GESCHEHEN DES XX. JAHRHUNDERTS (Verlag K. W. Schütz, Preußisch Oldendorf, ab 1970)
  • 96-book.png PDF Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts – Band I: Vorgeschichte 1848–1880
  • 96-book.png PDF Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts – Band II: 1881–1910
  • 96-book.png PDF Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts – Band III: 1911–1930
  • 96-book.png PDF Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts – Band IV: 1931–1945
  • 96-book.png PDF Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts – Band V: 1946–1960
  • 96-book.png PDF Politisches Geschehen des XX. Jahrhunderts – Band VI: 1961–1975
  • 96-book.png PDF Karl XII. – Ein nordischer König, Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam 1939
  • 96-book.png PDF Norwegische Bauernerzählungen, Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam 1939
  • 96-book.png PDF Märchen des Nordens, Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam 1939
  • Was bleibt?, Dürer-Verlag, Buenos Aires 1952
  • 96-book.png PDF Vom Wesenhaften – Sieben Aufsätze und ein Nachwort, Plesse-Verlag, Göttingen 1955
  • 96-book.png PDF Du sollst leben! – Eine Lebenskunde für junge Menschen, Hans Oeding Verlag, Braunschweig 1957
  • 96-book.png PDF Russische Elegie, Wulffenpresse, Wiesbaden 1960
  • 96-book.png PDF Nordwind – Was unser Leben trägt und hält. Geformte Erkenntnis aus sechzig Jahren mit einem Vorwort von Richard Krüger, Verlag K. W. Schütz, Preußisch Oldendorf 1973
  • 96-book.png PDF Das größere Vaterland, Selbstverlag, Schleswig 1975
  • 96-book.png PDF Kritik – Die Stimme des Volkes (Nr. 35): Volk – Staat – Nation, 1976
  • 96-book.png PDF TENDENZ – Unabhängige Jugendzeitschrift (Sonderdruck 3): Lebensschutz und Politik, Neumünster August 1977
  • 96-book.png PDF Sonnenspiegel – Das Tagesgestirn im Widerschein menschlichen Erlebens, Erkennens und Bekennens. Ein Beitrag zur Ganzheit von Forschen und Verehren, Widar-Verlag, Rotenburg/Wümme 1983
  • 96-book.png PDF Gereimte Gedanken zu passenden Bildern und dazwischen ein kleiner lyrischer Versuch, 1984
  • 96-book.png PDF Spätlese 1990, Privatdruck, 1990
  • 96-book.png PDF Geopferte Zukunft – Eine späte Rückschau. Sehr persönliche Erinnerungen an Hitlerjugend und Reichsjugendführung 1930–1945, Selbstverlag, Schleswig 1992
  • 96-book.png PDF Bilanz vom Empfangen und Geben, von eigenem Tun und Erleben – Erste Lebenshälfte bis 1953 einschließlich Bibliographie, Selbstverlag, Schleswig 1993
  • Stuka-As Hans-Ulrich Rudel – Biographie in Bildern, Arndt-Verlag, Kiel 2005

Fußnoten