Gedankenverbrechen

Aus Metapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Gedankenverbrechen ist ein Verstoß gegen eine Rechtsordnung, in der bestimmte Gedanken als Verbrechen betrachtet und verfolgt werden. Da Gedanken nur durch Äußerungen, also Worte oder Taten, sichtbar werden, umfaßt das Gedankenverbrechen alle Äußerungen, die als Ausdruck des verbotenen Gedankens gewertet werden. Der Begriff „Gedankenverbrechen” weist auf das Bemühen, durch Zwang das Denken und die Identität von Menschen zu verändern.

Geschichte

Der Begriff „Gedankenverbrechen” fand weltweite Beachtung durch den Roman „1984” von George Orwell. Der Hochgrad-Freimaurer Orwell arbeitete von 1941 bis 1943 für die antijapanische Propaganda des englischen Rundfunksenders BBC und griff in seinem Roman auf den Begriff „Gedankenverbrechen” zurück, der in Japan seit etwa 1860 geläufig war und im Jahre 1936 durch ein „Gesetz zum Schutz und zur Überwachung von Gedankenverbrechern” (思想犯保護観察法, Shisōhan Hogo Kansatsuhō) wiederaufgenommen wurde. „Gedankenverbrechen” war der japanische Ausdruck für ein „Verbrechen gegen den Staat”. Da es zu allen Zeiten Formen des Denkens gegeben hat, die als Verbrechen betrachtet und bestraft wurden, läßt sich der Begriffsinhalt weit in die Geschichte zurückverfolgen. Bezeichnungen wie Gotteslästerung, Ketzerei, Majestätsbeleidigung, konterrevolutionäre Umtriebe oder auch „Extremismus” zeugen davon, wie der Kern der Herrschaft dadurch geschützt wird, daß Gegner als Verbrecher geächtet oder zumindest sozial ausgegrenzt werden und damit den Herrschenden nicht gefährlich werden können.

Der Roman „Neunzehnhundertvierundachtzig”

Im Roman „1984” von George Orwell versucht die Regierung des fiktiven Staates Ozeanien nicht nur das Handeln und die Meinungsäußerungen seiner Bürger zu kontrollieren, sondern auch das Denken unter die Kontrolle der Staatsmacht zu bringen. Das verbotene Denken (engl. crimethink) wird als Gedankenverbrechen (jap. 思想犯, shisōhan, engl. thougthcrime) bezeichnet. Um das Denken in der von den Herrschenden gewünschten Weise zu verändern, wird die Sprache systematisch gesäubert, in ihrem Sinn verkehrt und zu einem politisch korrekten Neusprech umgestaltet. Redeverbote machen den Gedankenaustausch und das Denken in verbotenen Begriffen unmöglich und wirken als Denkverbote. In Orwells Roman überwacht eine Gedankenpolizei (Neusprech: thinkpol) die Bevölkerung und versucht mit geheimdienstlichen Methoden, alle Bürger zu eliminieren (dt. ausgrenzen, beseitigen), die durch ihr bloßes Denken eine Gefahr für die herrschende Staatsmacht werden könnten.

Gedankenverbrechen heute

Karikatur zum Thema Gedankenverbrechen (im Schulsystem) in der BRD[1]

Der Begriff Gedankenpolizei wird heute im übertragenen Sinne für jede Institution verwendet, die den öffentlichen Diskurs durch Redeverbote begrenzt. Als Gedankenpolizei können Geheimdienste, die Presse oder die Justiz, aber auch viele andere subalterne institutionäre Vertreter agieren.

Eingriffe in die Freiheit der Meinungsäußerung, der Rede und der Presse sind trotz gegenteilig verlautender Proklamationen in den meisten Staaten üblich. Nicht nur in autoritären Staaten überwacht ein Inlandsgeheimdienst die politischen Meinungsäußerungen der Bürger und observiert jene, die sich in ihren Äußerungen nicht hinter die Staatsordnung stellen. Die Folgen sind für die Betroffenen oder Verfolgten verschieden. Schon die öffentliche Zurschaustellung der „Staatsfeinde” schließt diese aus dem öffentlichen Diskurs aus („observiert und abserviert”), diszipliniert die Öffentlichkeit und trägt zur Gleichschaltung des Verhaltens bei. Die Skala der Sanktionen reicht je nach Regime von der sozialen Ausgrenzung über Berufsverbote, weitere Schikanen wie Hausdurchsuchung durch ausführende Organe der formal unabhängigen Exekutive, z. B. den „Staatsschutz” der Länder-Polizei, Gefangennahme oder Vertreibung bis hin zur Ermordung. Auch die Presse und die Medien tragen durch ihre Berichterstattung einerseits zur Ausgrenzung und andererseits zur Propagierung von Meinungen bei. Sofern sie von den Herrschenden abhängig oder von diesen eingesetzt sind, können sie wie ein Arm der Gedankenpolizei wirken. Als dritte Säule der Durchsetzung von Rede- und Denkverboten wirkt schließlich die zumeist vom Justizministerium kontrollierte und unterstellte formell „unabhängige”, „freie” Justiz, die Meinungen bestraft, durch die der Gesetzgeber die staatliche Ordnung gefährdet sieht. Auf diese Weise werden Gedanken zu Gedankenverbrechen und Andersdenkende zu Kriminellen.

Siehe auch

Literatur

  • Viktor Farkas: Schatten der Macht. Bedrohen geheime Langzeitpläne unsere Zukunft? Kopp-Verlag, Rottenburg 2005, ISBN 3-930219-68-9
  • Thymian Bussemer: Propaganda. Konzepte und Theorien. Mit einem einführenden Vorwort von Peter Glotz, VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden ²2008, ISBN 978-3-531-16160-0 [478, S.]
  • Manfred Kleine-Hartlage:
    • Die Sprache der BRD. 131 Unwörter und ihre politische Bedeutung. Verlag Antaios, Schnellroda 2015, ISBN 978-3-944422-27-5
    • Die liberale Gesellschaft und ihr Ende. Über den Selbstmord eines Systems. Verlag Antaios, Schnellroda 2013, ISBN 978-3-944422-30-5

Verweise

Fußnoten

  1. Karikatur von Götz Wiedenroth vom 2. Juni 2016