Lendvai-Dircksen, Erna

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Wie die meisten Lichtbildner bzw. Fotografen fing auch Lendvai-Dircksens Karriere mit Aktbildern und Kindern an, die zu den schwierigsten Motiven eines Künstlers gehören; hier ein Säugling bzw. Kleinkind mit Stoffbär aus dem Portfolio „Fünf Photographien eines weiblichen Babys“.

Erna Katherina Wilhelmine Dircksen, geschiedene Göschel, verheiratete Lendvai-Dircksen (zuweilen fälschlicherweise auch Lendvai-Dirksen geschrieben; Lebensrune.png 30. Mai 1883 in Wetterburg bei Bad Arolsen; Todesrune.png 8. Mai 1962 in Coburg), war eine deutsche Lichtbildnerin. Sie gehört zu den herausragenden Figuren der deutschen Lichtbildnerge­schichte zwischen 1918 und 1945, in ihren Kunstwerken schlägt die Landschaft die ästhetische Brücke zum Gesicht. Sie brillierte mit ihren volkstümlichen Fotografien auf demselben höchsten Niveau wie Wolfgang Willrich mit seinen Zeichnungen.

Leben

Mädchen aus Schleswig

Ausbildung

Nach hauswirtschaftlicher Ausbildung studierte Erna Dircksen fünf Semester Malerei an der Kunstschule Kassel. 1910 bis 1911 absolvierte sie eine zweijährige Ausbildung an der Photographischen Lehranstalt des Berliner Lette-Vereins (Lette-Haus).

Mädchen aus Holstein
„Das Lettehaus am Viktoria-Luise-Platz in Berlin stellt ein solches Refugium für die nach praktischem Erwerb strebende Frauenwelt dar. Es ist aus dem Wollen des Zentralvereins für das Wohl arbeitender Klassen in Preußen herausgewachsen. In weitschauender Erkenntnis konzentrierte Präsident Lette einen Teil seines Programms auf die unverheiratete Frauenwelt der mittleren und höheren Klassen. Trotz seines gemäßigten Standpunktes als Volkswirtschaftslehrer durchdrang ihn der Gedanke, das weibliche Geschlecht müsse durch Schulung in praktischer Berufstätigkeit zu sozialer Unabhängigkeit herangebildet werden. Durch dieses Wirken glaubte er die Auffassung zu bekräftigen: ‚Die äußere Achtung vor den Frauen ist ein entscheidendes Kriterium über den Fortschritt und Grad der Zivilisation der verschiedenen Völker.‘ An der Erlangung dieser äußeren Achtung für die deutschen Frauen war der künftigen Kaiserin so viel gelegen! Sie wies Präsident Lette auf vorbildliche englische Institutionen hin. Bei der konstituierenden Versammlung des neu zu begründenden Vereins zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts im Jahre 1866 durfte er ihre Teilnahme und eine Geldschenkung ankündigen. ‚Fortan,‘ sagt die Festschrift zur 25. Jubelfeier des Lettehauses, ‚blieb ihr Name aufs innigste mit der Geschichte verwebt. Wir begegnen ihm auf jedem Blatt derselben, nicht nur als Protektorin, sondern auch als kluge weibliche Beraterin, als tätige Helferin, als Gönnerin und Freundin, welche im höchsten Erdenglück wie im herbsten tiefsten Leid nie die Arbeitsstätten des Vereins aus den Augen verlor, allezeit die schützende Hand darüberhielt.‘“[1]

Wirken

Ihr bekanntestes Werk „Das Deutsche Volksgesicht“, in dem sie meisterhaft die Rassetypen des deutschen Volkes porträtierte, erschien erstmals im Jahre 1932. Die Landschaft, so die Fotografin, die sich selbst 1952 rückblickend als Entdeckerin der deutschen Physiognomie bezeichnete, habe das jeweilige Stammesgesicht der Menschen geprägt.[2] Ähnlich argumentierte bereits der deutsche Völkerkundler Ewald Banse, der in seinen Werken die Landschaft im besonderen als Ausdruck der Volksseele verstand:

„Die Seele eines Landes aber ist der besondere Atem, den dort alles ausströmt. Das ist die eigene Luft, die dort weht, die Stimmung, die so und nicht anders eben nur hier ist. Die Seele, das ist jenes St. Elmsfeuer, das in kaum sichtbaren Büscheln aus den Spitzen der Berge und den Giebeln der Häuser strömt, das ist jener Friede oder jene Unrast, die auf den Stirnen der Menschen thronen, das ist jene Abendruhe, die über die Steppe schreitet, jener Mondenglanz, der Berg und Tal erfüllt, das Dröhnen der Arbeit, das aus den Städten Rheinland-Westfalens in die stillen Bergwälder hinaufzieht.“

Germanische Volkheit

Auf der Suche nach einer „gemeinsamen Volkheit“ bereiste sie sowohl das Deutsche Reich als auch Nordfrankreich, Norwegen, Dänemark, Tirol, Vorarlberg und Flandern, um Menschen – meist Bäuerinnen und Bauern – zu porträtieren, in deren Gesichtern sie die Spuren des germanisch-deutschen Blutes erkannte.

„Das Lied klingt fort und fort. Die unruhigen, widerwilligen Blutswirbel der Vermischung sind Rhythmen geworden in stetig fortschreitender Kernbildung, zu Stammesinseln vorgeschobener deutscher Volkheit.“[3]

Kriegswirren und Nachkriegszeit

Nach der Zerstörung ihres Archivs 1943 im Zuge der sogenannten „Befreiung“ durch anglo-amerikanische Terrorflieger mußte sie nach Oberschlesien umziehen, von wo sie 1946 von den polnischen Machthabern erneut vertrieben wurde. Der Band Norwegen wurde in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.

1953 stellte Lendvai-Dircksen in Coburg und Stuttgart aus, 1958 dann in Köln. 1960 wurden ihre Landschaftbilder bei der „photokina“, der weltweit größten Foto- und Kameramesse in Köln ausgestellt, erneut 1963 (posthum mit August Sander und Hugo Erfurt).

Mit einem ähnlich Ansatz wie der Leni Riefenstahls, die sich am Ende ihres Lebens ausschließlich der Unterwasserfotografie widmete, beschäftigte sich Lendvai-Dircksen in ihrem letzten Fotoband mit der „Urgestalt“ der germanischen Küste Dänemarks. Sie blieb aber ihrer Einstellung zum Volks- und Deutschtum treu, wie „Ein deutsches Menschenbild – Antlitz des Volkes“ von 1960 zeigt. In den 1970er Jahren stieß ihr Werk wieder auf größeres Interesse.

Familie

Von 1906 bis 1911 war sie mit Adolf Göschel verheiratet und von 1913 bis 1924 mit dem Komponisten Erwin Lendvai.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

  • Berufung in die „Gesellschaft Deutscher Lichtbildner“, 1924
  • Staatspreis des Reichspräsidenten Paul Hindenburg, 1926
    • Erster Preis der „Deutschen Photographischen Ausstellung“ in Frankfurt am Main
  • David-Octavius-Hill-Medaille der „Gesellschaft Deutscher Lichtbildner“, 1958

Bildergalerie

Werke (Auswahl)

Lendvai-Dircksen, Erna, Gesicht des deutschen Ostens.jpg
  • Im Angesicht des Gebirges, 1924 (PDF-Datei)
  • Zur Psychologie des Sehens, in: „Das Deutsche Lichtbild“ Nr. 28, 1931
  • Unsere deutschen Kinder, 1932
  • Das deutsche Volksgesicht (begonnen 1916), später Das Deutsche Volksgesicht, 5 Bände, Gauverlag, Bayreuth 1932
    • Schleswig-Holstein (1939, 1942)
    • Niedersachsen (1942)
    • Tirol und Vorarlberg (1941, 1943)
    • Mecklenburg und Pommern (1940, 1942)
    • Kurhessen (1943)
  • Das Gesicht des deutschen Ostens, 1935
  • Deutsche Meisteraufnahmen
    • Nr. 4 Berg-Menschen, 1937
    • Nr. 9 Nordsee-Menschen, 1937
  • Arbeit formt das Gesicht, 1938
  • Wanderdünen Kurische Nehrung
  • Reichsautobahn – Mensch und Werk, 99 Aufnahmen, 1943
  • Das germanische Volksgesicht
    • Flandern (1942, 1943, 1944)
    • Norwegen (1942, 1944)
  • Das deutsche Volksgesicht erschien noch einmal 1960 im schweizerischen Walter Verlag, Olten
  • Urgestalt in Kreide und Granit, 1960
  • Ein deutsches Menschenbild – Antlitz des Volkes. In 148 Bildern dargestellt, 1961

Filmbeiträge

Das deutsche Volksgesicht in Bildern mit Musik untermalt:

Literatur

  • Helmut Schröcke (Hg): Erna Lendvai-Dircksen – Das Deutsche Volksgesicht. Ein Bildwerk in 145 Bildnissen, Grabert-Verlag (2003), ISBN 3878472005
    • „Frau Erna Lendvai-Dircksen entdeckte als Schülerin der Lette-Schule in Berlin die Tiefen der Aussagen des deutschen Volksgesichtes und sah ab 1911 seine fotografische Gestaltung als ihre Lebensaufgabe an. Sie konnte das als sicher größte deutsche Porträtistin gerade noch vor Verstädterung, Amerikanisierung und Fremdeinwanderung tun. Ihr gelang es, die der Monumentalität und Innigkeit eines Dürer, Cranach und Riemenschneiders vergleichbaren Köpfe zu finden und bildlich festzuhalten, indem sie die Menschen bis die letzte Einöde aufsuchte. In vielen Einzelbändchen und zwei größeren Büchern wurde ihre Arbeiten bis Kriegsende noch vor dem Totalverlust ihres Archivs veröffentlicht, die jetzt meist verschollen sind und nur noch als seltene Kostbarkeiten antiquarisch einmal auftauchen. Prof. Helmut Schröcke unternahm es seit seiner Jugend, diese Werke zu sammeln und der Verlag wagte es jetzt, da die [Identität] unseres Volkes – die vom Grundgesetz geschützt ist – mehr bedroht ist als jemals zuvor in der Geschichte, dieses Werk als eindringliche Mahnung der Öffentlichkeit vorzulegen.“

Verweise

Fußnoten

  1. DAS LETTEHAUS * WEIBLICHES FORTBILDUNGS-SCHULWESEN
  2. Neue Jugend aus altem Stamm: Eine Ausstellung über Erna Lendvai-Dircksen und das deutsche Volksgesicht, Junge Freiheit, 7. Oktober 2005
  3. Aus dem Vorwort von Erna Lendvai-Dircksen, in: „Das Gesicht des deutschen Ostens“, 1935
  4. Aus: „Das Gesicht des deutschen Ostens“