Freiwilligen-Regiment „Hünicken“

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Erkennungszeichen des Freiwilligen-Regiments „Hünicken“

Das Freikorps „Hünicken“ (Freiwilligen-Regiment „Hünicken“) war ein Freikorps, das nach dem Ersten Weltkrieg aufgestellt wurde. Ihr Einsatz fand 1919 in Litauen (und ggf. Kurland) zum Grenzschutz vom 1. April bis 1. Juli 1919 (Brigade „Schaulen“ unter Oberstleutnant Engelin/Engelien) statt. Führer der freiwilligen Formation war Baltikumkämpfer war Major Hünicken.

Hintergrund

Eichenlaub-Mützenabzeichen der 4. Infanterie-Kompanie

Die Gründung des Freikorps „Hünicken“ erfolgte am 16. März 1919 laut Verfügung des Generalkommando VI. Reservekorps unter Generalmajor Rüdiger Graf von der Goltz aus dem Detachement bzw. der Abteilung des Majors Fischer. [1]

Stärke

Oberst der Reichswehr Emil Hünicken
Oberst Hünicken-Unterschrift.jpg
Oberst a. D. Emil Hünicken.jpg
  • 40 Offiziere
  • 1340 Freiwillige
  • 300 Pferde
  • 90 Fahrzeuge

Gliederung

Emil Hünicken

Emil Hünicken war im Ersten Weltkrieg Kompanieführer, Bataillonsführer und stellvertretender Führer des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 72. Vom 25. April 1918 bis zur Demobilisierung wurde er mit der Führung des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 254 (76. Reserve-Division), der eigentliche Kommandeur, Oberstleutnant Hans Anton Wilhelm Friedrich Kundt (1869–1939), hatte (inzwischen Oberst) das Kommando über das Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 übernommen.[2] Es erfolgte die blutige Abwehrschlacht in der Champagne und an der Maas, als 27 französische und 9 VS-amerikanische Divisionen, damit rund 180.000 Infanteristen, gegen die geschwächte deutsche Hauptkampflinie anrannte. Der Minenwerfer-Zug des Regiments hat heldenhaft gekämpft und die Amerikaner in Schach gehalten, auch wenn es dem Regiment nicht gelang, das „Amerikanernest“ in den Argonnen vollständig aufzureiben.[3] Der hochdekorierte Major Hünicken führte am 7. Dezember 1918 das letzte deutsche Regiment bei Koblenz über den Rhein, dabei ließ er seine Männer beim Überqueren der Pfaffendorfer Brücke Die Wacht am Rhein singen.

Freikorpsführer und Reichswehroffizier

Nach den schweren Kämpfen im Baltenland führte Hünicken sein Freiwilligen-Regiment gegen die kommunistischen, spartakistischen und USP-Aufrührer ins Feld. In Gotha erhielten am 18. März 1920 die Brandschätzer Verstärkung aus Erfurt, als weitere 1.000 Arbeiter anreisten. Zuvor war es zu blutigen Kämpfen (am Flugplatz und vor der Hauptpost) zwischen einem Detachement der Vorläufigen Reichswehr (von Oberst Fritz von Selle, Kommandeur des Reichswehr-Infanterie-Regiments 21 in Erfurt sowie Bezirksbefehlshaber, gesandt) und den Putschisten gekommen. Gotha gehörte zum Erfurter Wehrbezirk. Die Maschinengewehrkaserne in der Hauptstadt wurde eingeschlossen. Am Abend des 18. März 1920 traf nun Hünicken mit seinem II. Bataillon des Reichswehr-Infanterie-Regiments 21 aus Erfurt in Gotha ein (diese Einheit bestand aus zwei Kompanien Infanterie, einer halben Infanterie-Geschützbatterie, einer halben Minenwerferkompanie, einer halben Eskadron Kavallerie, sowie einer MG-Kompanie), um die bedrängten Kameraden zu entsetzen. Mit nur 180 Mann ging er gegen die besetzte Gothaer Fliegerwerft vor. Am 19. und 20. März 1920 erfolgte die stundenlange „Schlacht um den Gothaer Flugplatz“. Über ein Hundert Mann fielen auf beide Seiten (die Reichswehr hatte 11 Gefallene und 27 Verwundete zu vermelden). Hünicken blieb nichts anderes übrig, als er mit den Resten seiner Männer den Ausfall nach Sömmerda zu wagen, wo er am 24. März 1920 sogleich den Feind überwältigte.

„Ich weiß mich mit euch allen einig, daß das Blut unserer Toten und Verwundeten nicht umsonst geflossen sein darf!“ — Hünicken an seine Männer auf dem Weg nach Sömmerda hinsichtlich des Verlustes in Gotha

Trotz Bürgerwehr herrschten in Gotha, so von Selle, derweil Mord und Plünderung durch bewaffnete Horden. Leutnant d. R. Schmidt von der Ordnungshülfe Erfurt (O.E.), der einen Munitionstransport nach Gotha für Hünicken Bataillon anführte, wurde von Spartakisten aufgehalten, aus dem Fahrzeug gezerrt und totgeschlagen. Diese und andere Barbareien wühlten Volk und Militär auf, die Vergeltung der Reichswehr blieb nicht aus, wie der siegreiche Einmarsch Erfurter Truppen in Gotha zeigte. Anbei auch die 8. Kompanie des privat finanzierten Freiwilligen-Regiments „von Wangenheim“, auch bekannt als O.E. (Ordnungshülfe Erfurt). Angeführt wurde das Regiment von Major Werner Freiherr von Wangenheim auf Gut Hütscheroda, einem ehemaligen Afrikakämpfer unter Paul von Lettow-Vorbeck. Der betagte von Wangenheim wurde 1946 von den Russen von seinem Gut in Hütscheroda vertrieben und verstarb später in Gotha.

Hünicken wurde Oberstleutnant und wurde Ende der 1920er Jahre als Oberst (ggf. mit dem Charakter als) aus der Reichswehr verabschiedet. Seinen Lebensabend verbrachte er in Hannover.

Militärautor

Hünicken schrieb „Kriegsgeschichte des Großherzoglich Hessischen Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 254“ (16. Band der Reihe „Aus Deutschlands großer Zeit. Heldentaten deutscher Regimenter. Die Anteilnahme der Truppenteile der ehemaligen deutschen Armee am Weltkriege, bearbeitet unter Benutzung der amtlichen Kriegstagebücher“), Zeulenroda 1928, sowie „Kriegsgeschichte des Königlich Preußischen Reserve-Infanterie Regiments Nr. 72„“, Zeulenroda 1929.

Auflösung

Die Auflösung dieser Freiwilligenformation fand am 12. Juni 1919 statt, aus dem Freikorps entstand bei der Vorläufigen Reichswehr das Schützen-Regiment 72 der Reichswehr-Brigade 36 unter Generalmajor Ernst Stoltz.

Bekannte Mitglieder (Auswahl)

Fußnoten

  1. Der Schulungsbrief: Die deutschen Freikorps von 1918 bis 1923 (H. W. Zastrow), Oktober 1936
  2. Am 30. November 1918 wurde aus den Resten des Regiments ein Freiwilligen-Bataillon aufgestellt, das zum Grenzschutz Ost, zur Sicherung der deutschen Ostgrenze vor allem gegen polnische Nationalisten und die russische Rote Armee, nach Gleiwitz in Schlesien befördert wurde. Kommandeur des Bataillons war der ehemalige Regimentskommandeur Oberst Kundt. Das Bataillon übernahm in den nächsten vier Monaten im Rahmen der 2. Garde-Division die Sicherung des Abschnittes Lublinitz. In dieser Zeit stießen viele Freiwillige zum Bataillon.
  3. Douglas V. Mastriano: Thunder in the Argonne – A New History of America's Greatest Battle, S. 193