Enzensberger, Hans Magnus

Aus Metapedia
(Weitergeleitet von Hans Magnus Enzensberger)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hans Magnus Enzensberger

Hans Magnus Enzensberger (Lebensrune.png 11. November 1929 in Kaufbeuren) ist ein deutscher Lyriker, Essayist, Übersetzer und einflußreicher Herausgeber. Für einen Autor des gehobenen Anspruchs gilt Enzensberger als singulär produktiv. Neben vielbeachteten Essays und Gedichten veröffentlichte er Kinderbücher, Feuilletons, Libretti, Hörspiele, Filmdrehbücher, autobiographische Texte und ein Buch mit „Lieblings-Flops“, einen Band mit seinen gescheiterten Schriftstellerideen.

Leben

Enzensberger nahm bereits als junger Autor an mehreren Tagungen der Gruppe 47 teil. 1963, also im Alter von 33 Jahren, erhielt er den Georg-Büchner-Preis. Eine Dozentur an der Wesleyan University (Connecticut)[1] brach er 1968 nach drei Monaten – unter Protest gegen die VS-Außenpolitik – ab und ging für ein Jahr nach Kuba. Seine tief ernüchternden, ja schockierenden, Erlebnisse dort verschwieg Enzensberger „aus politischer Solidarität“ mit seinen linken Freunden hier und in der Karibik. Erst viele Jahre später sprach er deutlich von seiner damals stattgefundenen Abkehr von der sozialistischen Utopie.

Von 1965 bis 1975 gab Enzensberger die Zeitschrift „Kursbuch“ heraus, deren Fortführung er deren Mitbegründer Karl Markus Michel überließ. 1980 gründete Enzensberger – gemeinsam mit dem Alt-Achtundsechziger Gaston Salvatore – das Kulturmagazin „TransAtlantik“ (einen damals einzigartigen Publikationsort für Langreportagen), das er 1982 wieder verließ. Von 1985 bis 2007 gab er zusammen mit dem Verleger Franz Greno die Buchreihe „Die Andere Bibliothek“ heraus.

Dieses Projekt begann mit der wehmütig-nostalgischen Erinnerung an den Bleisatz als Versuch, einen Verlag ohne Lichtsatzverfahren zu etablieren. Kennzeichnend war aber auch die – zeituntypisch – betont geschmackvolle, ganz individuelle Gestaltung der mehreren hundert erschienenen Bände. Mit der „Anderen Bibliothek“ bewies Enzensberger seine einzigartige Kennerschaft in den Literaturen der europäischen Sprachen. So erschienen in der „Anderen Bibliothek“ auch zwei Bände von Maurice Joly (1829–1878), darunter dessen berühmtes „Streitgespräch in der Hölle“ (zwischen Machiavelli und Montesquieu), das bekanntermaßen als eine der Urschriften des Buches „Die Protokolle der Weisen von Zion“ gilt.

Mit seinen Essays – oftmals in hoher Auflage im „Spiegel“ erschienen – setzte Enzensberger einen stilistischen Maßstab. Seine Spezialität ist die distanzierte Ironie als ein wirksames Mittel, die Grotesken des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens zu schildern. 2003 gehörte Enzensberger (als sogenannter „Bellizist“) zu den wenigen deutschen Intellektuellen, die den VS-geführten Angriffskrieg gegen den Irak verteidigten.

Zitat

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Brentanos Poetik. 1961 [Druckfassung der Dissertation, Erlangen 1955]
  • Einzelheiten. Essays, 1962
    • Band 1: Bewußtseins-Industrie
    • Band 2: Poesie und Politik
  • Politik und Verbrechen. Essays, 1964
  • Deutschland, Deutschland unter anderm. Äußerungen zur Politik. 1967
  • Staatsgefährdende Umtriebe. Rede zur Verleihung des Nürnberger Literaturpreises, 1968
  • Palaver. Politische Überlegungen 1967–1973. Essays, 1974
  • Politische Brosamen. Essays, 1982
  • Ach, Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern. Suhrkamp, 1987
  • Mittelmaß und Wahn. Gesammelte Zerstreuungen. Suhrkamp, 1988, ISBN 3-518-38300-0
  • Die Große Wanderung. Essays, 1992
  • Aussichten auf den Bürgerkrieg. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-518-40769-4
  • Zickzack. Aufsätze, 1997
  • Baukasten zu einer Theorie der Medien. Kritische Diskurse zur Pressefreiheit. Herausgegeben von Peter Glotz. [Enthält fünf klassische Aufsätze Enzensbergers und kleinere Analysen von Glotz zur Einleitung und zum Begriff der „Medienkritik“.] München, Verlag Reinhard Fischer 1997, ISBN 3-88927-162-6
  • Einladung zu einem Poesie-Automaten. 2000, Suhrkamp
  • Nomaden im Regal. Essays. 2003
  • Lyrik nervt! Erste Hilfe für gestreßte Leser. 2004 (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr)
  • Schreckens Männer – Versuch über den radikalen Verlierer. Suhrkamp, 2006
  • Im Irrgarten der Intelligenz. Ein Idiotenführer. Zürich 2006. [Schriftenreihe der Vontobel-Stiftung, Nr. 1760]; sowie: edition suhrkamp, 2007, ISBN 978-3-518-12532-8
  • Heraus mit der Sprache – Ein bißchen Deutsch für Deutsche, Österreicher, Schweizer und andere Aus- und Inländer. dtv, München 2008 (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr)
  • Fortuna und Kalkül – Zwei mathematische Belustigungen. Suhrkamp, 2009
  • Sanftes Monster Brüssel oder Die Entmündigung Europas. Suhrkamp, 2011, ISBN 978-3-518-06172-5
  • Tumult. Suhrkamp Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-42464-3 [autobiographischer Textfund aus den 60er Jahren, mit „Postscripta“ des Erscheinungsjahrs versehen]
  • Vierzig hinterhältige Fragen zu Europa, Kopp Online, 25. Dezember 2014
  • Immer das Geld! – Ein kleiner Wirtschaftsroman, Suhrkamp Verlag, 2015
  • Überlebenskünstler. 99 literarische Vignetten aus dem 20. Jahrhundert, Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-42788-0

Literatur

  • Frank Dietschreit / Barbara Heinze Dietzschreit: Hans Magnus Enzensberger. J.B. Metzler, Stuttgart 1986, ISBN 3-476-10223-8 [= Sammlung Metzler, Bd. 322]
  • Jörg Lau: Hans Magnus Enzensberger. Ein öffentliches Leben. Alexander Fest Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-8286-0049-2
  • Rainer Wieland (Hg.): Der Zorn altert, die Ironie ist unsterblich. Über Hans Magnus Enzensberger. Mit Beiträgen von Irene Dische, Robert Gernhardt, Reinhold Grimm, Jochen Hörisch, Péter Nádas, Peter Rühmkorf, Frank Schirrmacher u.v.a. Suhrkamp 1999, ISBN 978-3-51839-599-8
  • du. Die Zeitschrift der Kultur, Heft Nr. 699 (September 1999) [Ausgabe mit Texten von und über Hans Magnus Enzensberger]

Fußnoten

  1. Die Wesleyan University (Wes oder einfach Wesleyan genannt) ist eine Privatuniversität im VS-Bundesstaat Connecticut, mit einem Campus in Middletown. Sie wurde 1831 von Methodisten gegründet, erhielt ihren Namen nach John Wesley, wurde aber 1937 von der methodistischen Kirche vollkommen unabhängig.
  2. Enzensberger: Wer Bargeld abschafft, schafft Freiheit ab, Focus, 27. September 2015
  3. 12. Juni 2015: Die Frank-Schirrmacher-Stiftung mit Sitz in Zürich und Berlin gab bekannt, daß 2015 zum ersten Mal der mit 20.000 Franken (19.000 Euro) dotierte Frank-Schirrmacher-Preis an den Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger geht. Der Preis wird im Andenken an den 2014 verstorbenen Publizisten Frank Schirrmacher für herausragende Leistungen zum Verständnis des Zeitgeschehens verliehen.