Katharer

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Der Berg Montségur (Dep. Ariège, Frankreich) mit der Ruine der gleichnamigen Katharerburg – hier ließ die christliche Kirche 1243/44 bei einem ihrer Ausrottungsfeldzüge 215 Abweichler in Flammen aufgehen

Die Katharer (griech. die Reinen) waren eine christliche Sondergruppe des Mittelalters, von den Zeitgenossen auch Albigenser (in Frankreich), Patarener (in Italien) und Manichäer genannt. Erstmals im Rheinland nachweisbar (Köln 1143), breiteten sich die Katharer im 12. und 13. Jahrhundert vor allem in Südfrankreich und Oberitalien aus. Sie wurden durch einen Massenmord, initiiert und betrieben von der christlichen Kirche, ausgerottet. Die Bewegung erlosch im 14. Jahrhundert gänzlich.

Ansichten

Die Katharer folgten alten, von Juden verfaßten religiösen Schriften und unterschieden sich zum Mißfallen der christlichen Kirche in mancher Anschauung und Praxis von dieser. So waren sie der Ehe gegenüber noch feindseliger eingestellt als die Kirche und wandten sich – konsequent christlicher Lebensverneinung nacheifernd – überhaupt gegen alles Leibliche, jegliche Sexualität[1] und Fortpflanzung; zudem lehnten sie Eid, Bilder-, Heiligen- und Reliquienverehrung und den Kriegsdienst ab.

Beeinflußt waren sie vom Dualismus der Bogomilen[2] und Paulikianer. Danach liegt der gute Gott des Neuen Testaments in einem ständigen Kampf mit dem bösen (Schöpfer-)Gott des Alten Testaments, in radikaler Interpretation mit Satan gleichgesetzt.

Sich selbst bezeichneten die Katharer als veri christiani oder boni christiani (wahre oder gute Christen) und als die reineren Menschen, wovon sich der Name die Gereinigten (vom Griechischen katharoi) oder die Reinen ableitet. Unter ihren Anhängern lehnten die Perfecti (lat. die Vollkommenen)[3] auch Fleischessen, Fegefeuer, die Auferstehung und den rituellen Kannibalismus[4] des Abendmahls als Kern des christlichen Kults ab. Die gemeinen Angehörigen der Katharersekte hießen Credentes (lat. Gläubige). Manche pflegten eine herumschweifende Lebensart, zum Teil bestand Gütergemeinschaft. Allgemein bevorzugte man das Neue Testament, die Psalmen und einige Propheten des Alten Testaments.

Zu den Anhängern der Katharer zählten auch viele Adelige Okzitaniens.

Das Reinheitsideal mag nicht immer im Vordergrund gestanden haben. Der Brockhaus von 1839 schreibt:

„[I]hre nächtlichen Zusammenkünfte wurden häufig Veranlassung zu Ausschweifungen, die mit ihrem Streben nach Enthaltsamkeit und Sittenreinheit nicht übereinstimmten.“[5]

Geschichtliches Schicksal

Ab 1167 entwickelten die Katharer feste organisatorische Strukturen, wie Diözesen und Bischofsämter. Dem sah die Kirche bis 1181 zu, sodann begannen Gewalttätigkeiten römisch-katholischer Verbände. Die Ermordung eines päpstlichen Gesandten durch einen Dienstmann Raimunds VI. von Toulouse[6] im Jahr 1208 nahm Papst Innozenz III. zum Anlaß, 1209 einen formellen Kreuzzug auszurufen.

Ketzerverbrennung

In diesem Jahr 1209 wurde Béziers erobert, alle mehr als 15.000 Einwohner – einschließlich der in Kirchen Schutz Suchenden – wurden massakriert. In verschiedenen Darstellungen wird berichtet, beim Sturm auf Béziers, als es schwer war, Rechtgläubige von Ketzern zu unterscheiden, habe der katholische Heerführer Simon de Montfort gerufen: „Tötet alle – der Herr kennt die Seinen!“[7] Auf ausdrücklichen Befehl wurden auch die Frauen und Kinder abgeschlachtet – „Musterbild einer urbanen innereuropäischen Totalausrottung“.[8] Ebenso geschah es 1211 allen 480 Einwohnern von Lavaur, 1219 den 5.000 Einwohnern von Marmande. Überall loderten Scheiterhaufen. Später wurden 140 Einwohner von Minerve und 215 Perfecti der Festung Montségur verbrannt. Wie während der Pest für totgeschlagene Ratten, zahlte die Kirche für jeden toten Katharer eine kleine Prämie (zwei Silberlinge).[9]

Der Kreuzzug gegen die Katharer endete 1229 – nach 20 Jahren – mit dem Frieden von Paris. Die weitere Verfolgung übernahm dann die Inquisition. 1234 wurden 210 Katharer in Moissac verbrannt. Die Katharer-Bewegung erlosch gänzlich im 14. Jahrhundert.

Der Terminus Ketzer entstand aus einer Verschleifung des Wortes Katharer.

Geschichtliche Darstellungen

Lexikalisch

Das letzte gedruckte Großlexikon in deutscher Sprache, die Brockhaus Enzyklopädie, deren Ausführungen allgemein als zitierfähig angesehen werden, vermeidet in seiner vollständigen Kirchen- und Theologenhörigkeit generell jedes Wort, das hinsichtlich der Katharer an eine Ausrottungsaktion der Kirche denken lassen könnte, unterschlägt vollständig den Kreuzzug sowie das zum Feldzug treibende Kirchenoberhaupt, schreibt nichts zum Ausmaß der Ausmordung, nennt keine Opferzahl, vermerkt lediglich ein „Blutbad in Béziers“ – ohne zu erwähnen, wer es angerichtet hat.[10]

Zitate

  • „In den Augen eines wahren Katholiken ist die sogenannte Duldsamkeit nicht am Platze.“Kurienkardinal Alfredo Ottaviani (1890–1979)[11]

Siehe auch

Literatur

  • René Weis: Die Welt ist des Teufels. Die Geschichte der letzten Katharer 1290–1329. (Englische Originalausgabe: The Yellow Cross. The Story of the Last Cathars 1290–1329) Aus dem Englischen von Anni Pott; Lübbe, Bergisch Gladbach 2001, ISBN 978-3-7857-2073-4 [560 S., zahlreiche Abbildungen]
  • Wolfgang Schultz: Das Geschlechtliche in gnostischer Übung und Praxis; S. 55–82, in: Wolfgang Schultz: Dokumente der Gnosis. Mit Aufsätzen von Georges Bataille, Henri-Charles Puech und Wolfgang Schultz. Weltbild Verlag, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-4839-1 (Lizenzausgabe, zunächst Matthes & Seitz Verlag, München)
  • Artgemeinschaft – GGG (Hg.): Hexenwahn und Hexenprozesse, o. J. [64 S.], Bezugsnachweis
  • Michael Baigent / Richard Leigh: Die Schreckensherrschaft der Inquisition. Als die Kirche Gott verriet. Aus dem Englischen von Andrea Kamphuis; Marix-Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-937715-50-9 [397 S., zahlreiche Abbildungen]
  • Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3499223384, S. 132 f. Vorsicht! Umerziehungsliteratur im antideutschen Sinne!
  • Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte. Günther, Stuttgart 1962; aktuelle Neuausgabe: Edition Enfer in der Akzente Versandbuchhandlung, Lahnstein 2010, ISBN 978-3-941960-06-0, darin das Vierte Buch, 3. Teil, 3. Kapitel („Der Kampf gegen die Ketzer“)
  • Weber/Baldamus: Lehr- und Handbuch der Weltgeschichte, 3 Bde., 22. Aufl., Leipzig 1919, Band 2 (Mittelalter), S. 419–421
  • Horst Herrmann: Sex & Folter in der Kirche. 2000 Jahre Folter im Namen Gottes. Orbis, München 1998

Fußnoten

  1. Gunnar Heinsohn, Lexikon der Völkermorde (1998), S. 132 Vorsicht! Umerziehungsliteratur im antideutschen Sinne!, hinsichtlich Fortpflanzungs- und Sexualfeindlichkeit unter Berufung auf C. G. A. Schmidt, Histoire et doctrine de la secte des Cathares ou Albigois, 2 Bde., AMS Press, Neu York
  2. Bogomil war ein bulgarischer Mönch im 10. Jahrhundert, der eine eigene, nicht kirchenfromme Variante judäochristlicher Ansichten entwickelt hatte.
  3. Säkulare Beobachter sehen in solchen Ansprüchen eine sich bei christlichen Sondergruppen immer wieder zeigende Anmaßung eines Elitestatus innerhalb des Kollektivs der Praktiker der christlichen Sklavenmoral. Die Kirche hält hingegen – von profanen Machterwägungen zur Bekämpfung von Abweichlern abgesehen – für alle Zeiten ihre Funktionäre für die Elite.
  4. Ausführlich dazu Carsten Frerk und Michael Schmidt-Salomon: Die Kirche im Kopf (2007), Stichwort Kannibalismus (S. 189–191)
  5. Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk – Ein Handbuch zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und zur Unterhaltung. In vier Bänden. F. A. Brockhaus, Leipzig 1839, Stichwort Katharer (Zweiter Band, S. 581)
  6. Mitunter auch Raymond von Toulon genannt
  7. Vermerkt in Weber/Baldamus: Lehr- und Handbuch der Weltgeschichte, 3 Bde., 22. Aufl., Leipzig 1919, Band 2 (Mittelalter), S. 420; ebenso Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde (1998), S. 93
  8. Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde (1998), S. 93 Vorsicht! Umerziehungsliteratur im antideutschen Sinne!
  9. Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde (1998), S. 133 Vorsicht! Umerziehungsliteratur im antideutschen Sinne!
  10. Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, 19. Aufl., 1986 ff., Stichwort Katharer Vorsicht! Umerziehungsliteratur im antideutschen Sinne!
  11. World Telegram, New York, 24. Juli 1953, zit. in: Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte. btb-Taschenbuchausgabe, 1996, S. 549