Röhl, Klaus Rainer

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Klaus Rainer Röhl (Lebensrune.png 1. Dezember 1928 in Trockenhütte, Freistaat Danzig) ist ein deutscher Journalist und Publizist.

Werdegang

Herkunft

Klaus Rainer Röhl, evangelisch, wurde am 1. Dezember 1928 in Trockenhütte bei Danzig als Sohn des Schriftstellers und Büchereidirektors Hans-Ulrich Röhl geboren. Der Großvater väterlicherseits, Hugo Röhl, war in Bütow (Pommern) Chefredakteur und Verleger des „Bütower Anzeigers“.

Ausbildung

Klaus Rainer Röhl wurde 1944 noch als Schüler zum Arbeitsdienst eingezogen und zwei Wochen vor Kriegsende zum Kriegsdienst bei den Panzergrenadieren im besetzten Dänemark verpflichtet. Nach einer kurzen Zeit im Internierungslager lebte er bei seiner aus Danzig geflohenen Familie in der Nähe von Stade/Niederelbe, wo er im Frühjahr 1948 das Abitur ablegte. Ab 1949 studierte er in Hamburg Deutsch und Geschichte für das Höhere Lehramt (1956 Staatsexamen). Zwischen 1951 und 1955 gründeten Röhl und sein Freund, der Schriftsteller Peter Rühmkorf, in Hamburg das Kabarett „Die Pestbeule“, den Jazz- und Lyrikkeller „Die Anarche“, eine Studiobühne, das Wolfgang Borchert Theater sowie den Kurt-Tucholsky-Kreis. Politisch vertraten beide einen radikalen Pazifismus, der sie ab 1953 mit studentischen Mitgliedern der westdeutschen KPD in Kontakt brachte. Außerdem gaben sie eine hektographierte Zeitschrift „Zwischen den Kriegen“ heraus, die Vorläuferin des späteren Magazins „konkret“ war. Hier lernte er Stefan Aust kennen. 1993 wurde Klaus Rainer Röhl nach sechsjähriger Vorbereitungszeit an der FU in Berlin bei Prof. Ernst Nolte, dem Auslöser des Historiker-Streits und Faschismusforscher, mit der Dissertation „Nähe zum Gegner. Kommunisten und Nationalsozialisten im Berliner BVG-Streik von 1932“ promoviert.[1]

Wirken

Nach dem Staatsexamen trat Klaus Rainer Röhl nicht in den Staatsdienst, sondern wurde (noch vor dem Studienabschluß) als Herausgeber tätig.

KPD und APO

Im Mai 1955 gab Röhl – nach einer Versuchsausgabe im Februar (Das Plädoyer, mit Eckart Heimendahl) – eine eigene Zeitschrift unter dem Namen Studentenkurier heraus, die ein Sprachrohr der 58er wurde. Die Finanzierung erfolgte angeblich mittels Spenden, aufgebracht von einer Nationalen Front (Ehrenvorsitzender war der Verleger Ernst Rowohlt). Röhl fuhr zu dieser Zeit des Öfteren nach Ost-Berlin, um dort von staatlichen Stellen der DDR das Geld für die Zeitung bar in Empfang zu nehmen. Röhl, dem die KPD relativ freie Hand bei der Gestaltung seines Blattes ließ, war jedoch kein Mitglied der Partei und wurde es erst, als diese im Herbst 1956 in der BRD verboten wurde.

Der Studentenkurier, im September 1957 umbenannt in konkret, bekämpfte unter Röhls Leitung KPD-feindliche sozialistische Autoren (wie Kurt Hiller) und wurde für viele Jahre zur auflagenstärksten überregionalen Studentenzeitung (Höhepunkt 20.000 gedruckte Exemplare). Sie spielte eine führende Rolle in der Bewegung Kampf dem Atomtod von 1958, aus der heraus zahlreiche Studenten Redakteure von konkret wurden, unter anderem Ulrike Meinhof und Erika Runge.

Weihnachten 1961 heirateten Röhl und Ulrike Meinhof. Nachdem die SED als heimlicher Geldgeber immer stärker versuchte, Einfluß auf die Redaktion zu nehmen, kam es schließlich im Frühjahr 1964 zum Bruch. Die SED gab kein Geld mehr für den Druck und forderte die sofortige Einstellung der Zeitschrift. Doch Röhl widersetzte sich und führte konkret in eigener Verantwortung weiter.

Als nunmehr unabhängige sozialistische Zeitschrift erreichte konkret schon 1965 eine Auflage von 100.000 verkauften Exemplaren und wurde 1967 zum führenden Publikationsorgan der neuen außerparlamentarischen Studentenbewegung, der APO. 1967 erschien das Blatt 14-täglich und hatte seine höchste Auflage (176.000 verkaufte Exemplare).

Im Frühjahr 1968 wurde Röhls Ehe geschieden. Ulrike Meinhof zog mit ihren Zwillingstöchtern Regine und Bettina nach Berlin und begann von dort aus einen politischen Kampf um die Leitung der Zeitschrift („Raus Kleiner Röhl!“). Während Röhl eine sich fortan in konkret zuspitzende Gewaltdiskussion in gemäßigte Bahnen lenkte, ging Meinhof im Mai 1970 mit dem zuvor als Kaufhausbrandstifter bekannt gewordenen Andreas Baader in den Untergrund. Beide gründeten die RAF, die Röhl von Anfang an publizistisch bekämpfte.

1974 zog sich Röhl von konkret zurück, das nun von Hermann L. Gremliza übernommen wurde. 1981 übernahm er die zeitweise als größte Konkurrenz von konkret geltende Zeitschrift Spontan.

Politische Kehrtwende

Nachdem Röhl sich 1974 von konkret zurückgezogen hatte, vollzog er langsam eine politische Kehrtwende. Schließlich promovierte er 1993 bei dem Historiker Ernst Nolte (FU Berlin). Röhl schreibt dazu in Linke Lebenslügen (Berlin 1994): „Im Sommer 1987, zwei Jahre vor der Wende, habe ich angesichts der maßlosen und ungerechtfertigten Kampagne gegen Ernst Nolte beim sogenannten Historikerstreit‚ an diesen geschrieben und ihm den Vorschlag gemacht, solidarisch, gewissermaßen demonstrativ bei ihm zu promovieren. Die Wahl des Doktorvaters war also keineswegs ein Zufall.“ Die Promotionsschrift trägt den Titel: Nähe zum Gegner. Die Zusammenarbeit von Kommunisten und Nationalsozialisten beim Berliner BVG-Streik von 1932.

Röhl trat 1995 der FDP bei. Er engagierte sich im nationalliberalen Flügel der Partei um Alexander von Stahl, Heiner Kappel und Rainer Zitelmann („Liberale Offensive“), der die FDP in den 1990er Jahren in eine rechtskonservative Richtung lenken wollte.

Auf Röhls Initiative kam es 1995 zu dem mit Rainer Zitelmann, Ulrich Schacht und Heimo Schwilk verfaßten Aufruf 8. Mai 1945 – Gegen das Vergessen.

Röhl schreibt heute u. a. für die Preußische Allgemeine Zeitung (ehemals Ostpreußenblatt). Er publiziert, nach eigener Angabe, um über die „tiefgreifenden, zum Teil verheerenden Folgen der kommunistischen und linksutopischen Aktivitäten, an denen ich als Herausgeber und Kommentator beteiligt gewesen war“, aufzuklären.

„Völkermord“

Zwei Millionen Deutsche wurden in Polen, der Tschechei und anderen osteuropäischen Ländern zum Ende des Krieges oft bestialische gefoltert und umgebracht! Kein Täter wurde je zur Verantwortung gezogen, niemand redet von Völkermord, außer Klaus Rainer Röhl:

Was uns als Überlebende der Vertreibung von fast 15 Millionen Deutschen auffällt: Zwölf Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen, die bis 1949 in den Westen kamen, folgten bis 1994 noch einmal 3,5 Millionen Aussiedler. Außerdem flohen aus dem Gebiet der Sowjetzone, der späteren DDR, bis Ende 1989 4,6 Millionen. 20 Millionen Deutsche verloren ab 1944 Heimat, Vermögen und Land. Über zwei Millionen verloren durch Flucht und Vertreibung ihr Leben.
Ebenso wie die Deportation und Ermordung der Armenier [...] sind die Vertreibung der Deutschen und der Tod so vieler dieser Flüchtlinge einmalige Ereignisse in der neueren Geschichte, die jede bisher gekannte geschichtliche Dimension sprengen. [...] Der Gedanke eines übergreifenden Rechts, nach der alle diese Verbrechen strafbar und zudem unverjährbar sind, hat mit der Einrichtung der Internationalen Gerichtshöfe in Den Haag und Rom Auftrieb erhalten. Nach diesem Recht werden die Kriegsverbrechen der Serben und Kroaten der neunziger Jahre abgeurteilt. Dürfen die Kriegsverbrechen, der Völkermord durch die Türken, die Vertreibungsverbrechen der Russen, Tschechen und Polen an den Deutschen nach einem anderen Maßstab beurteilt werden?[2]

Mitgliedschaften

1975-1978 gehörte Klaus Rainer Röhl dem SPD-Ortsverband Wedel bei Hamburg an. Im Oktober 1995 wurde er Mitglied der Freien Demokraten in Köln, bei denen er sich im nationalliberalen Flügel engagierte.

Familie

Klaus Rainer Röhl war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Bruni ging die Tochter Anja (  1955) hervor, aus der 1961 bis 1968 bestehenden Ehe mit der Publizistin, Fernsehautorin und späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof (1934-1976) stammen die Zwillingstöchter Regine und Bettina (Lebensrune.png 1962). Diese wurden nach Meinhofs Abtauchen in den Untergrund 1970 von RAF-Mitgliedern nach Sizilien verschleppt, nach vier Monaten vom späteren „SPIEGEL“-Chefredakteur Stefan Aust zurückgeholt und Röhl übergeben, bei dem sie in der Folge aufwuchsen. Der Publizist wohnt seit 1993 mit seiner Lebensgefährtin, der griechischen Autorin und ehemaligen Diplomatin Danae Coulmas, in Köln. Er gibt das Singen (u. a. Brecht- und Tucholsky-Chansons) und Sammeln von alten Volksliedern als Freizeitbeschäftigung an.

Veröffentlichungen

  • Nähe zum Gegner. Kommunisten und Nationalsozialisten im Berliner BVG-Streik von 1932. Campus Verlag, Frankfurt/Main 1994, ISBN 3-593-35038-6.
  • Deutscher Narrenspiegel. Hypochonder und Schutzheilige. Universitas, München 1998, ISBN 3-8004-1338-8.
  • Riesen und Wurzelzwerge. Das Dilemma der deutschen Linken. Universitas, München 1999, ISBN 3-8004-1388-4.
  • Linke Lebenslügen. Ullstein, Berlin 1994, ISBN 3-548-36634-1. (Neuauflage. Universitas, München 2001, ISBN 3-8004-1430-9).
  • Deutsches Phrasenlexikon. Lehrbuch der politischen Korrektheit für Anfänger und Fortgeschrittene. Ullstein, Berlin 2001, ISBN 3-550-07077-2; mit dem geänderten Untertitel: Politisch korrekt von A-Z. 4., aktualisierte Auflage. Universitas, München 2001, ISBN 3-8004-1409-0.
  • Verbotene Trauer. Die vergessenen Opfer. Universitas, München 2002, ISBN 3-8004-1423-6.
  • Deutsche Tabus. Universitas, München 2004, ISBN 3-8004-1467-8.
  • Du bist Deutschland. Satiren aus der europäischen Provinz. Universitas, München 2007, ISBN 978-3-8004-1473-4.
  • „Einige Eiffelturmlängen über allem übrigen!“ Erinnerungen an Kurt Hiller. in: Rüdiger Schütt (Hg.), Zwischen den Kriegen. Werner Riegel, Klaus Rainer Röhl und Peter Rühmkorf: Briefwechsel mit Kurt Hiller 1953–1971. Edition text + kritik, München 2009, S. 334–336 (ebenda auch Briefe an und von Hiller), ISBN 978-3-88377-997-3.
  • Mein langer Marsch durch die Illusionen: Leben mit Hitler, der DKP, den 68ern, der RAF und Ulrike Meinhof, Universitas, München 2009, ISBN 978-3-8004-1484-0.
  • Höre Deutschland: wir schaffen uns nicht ab ; Materialien zur Sarrazin-Debatte, Universitas, München 2011, ISBN 978-3-8004-1500-7.

Verweise

Fußnoten

  1. Internationales Biographisches Archiv 30/2010
  2. Klaus Rainer Röhl, 18. April 2010: Der vergessene Völkermord