Weizsäcker, Ernst von

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Ernst Freiherr von Weizsäcker.jpg

Ernst Heinrich Freiherr von Weizsäcker (Lebensrune.png 25. Mai 1882 in Stuttgart; Todesrune.png 4. August 1951 in Lindau) war ein deutscher Offizier der Kaiserlichen Marine und der Vorläufigen Reichsmarine, Diplomat, Gesandter, Staatssekretär im Auswärtigen Amt und SS-Ehrenführer im Range eines SS-Brigadeführers der Allgemeinen SS im persönlichen Stab des Reichsführers SS während des Zweiten Weltkrieges.

Leben

Ernst von Weizsäcker.png

Ernst Heinrich Freiherr von Weizsäcker wurde 1882 als Sohn des Amtsrichters und späteren königlich-württembergischen Ministerpräsidenten Karl Hugo Weizsäcker[1] und dessen Ehefrau Paula, geb. von Meibom, in Stuttgart geboren, wo er auch aufwuchs. Er entstammte einer süddeutschen Familie, die vorwiegend Gelehrte hervorgebracht hat. 1916 wurde der Vater mit seiner ganzen Familie von König Wilhelm II. nach der zuvor erfolgten Verleihung des erblichen Adels in den Freiherrenstand erhoben. Weizsäcker war der Bruder des Mediziners Viktor von Weizsäcker.

Ernst von Weizsäcker mit dem türkischen Gesandten in Berlin

Nach dem Abitur am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart trat Weizsäcker in Kiel am 7. April 1900 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein (Crew 1900). Während seiner Ausbildung zum Seeoffizier lernte er insbesondere die Länder des Fernen Ostens kennen; u. a. besuchte er 1903 zusammen mit dem Kaisersohn Prinz Adalbert die Verbotene Stadt in Peking und traf mit der chinesischen Kaiserinwitwe Cixi zusammen.

Erster Weltkrieg

Kurz vor Kriegsende diente Korvettenkapitän Freiherr von Weizsäcker als Verbindungsoffizier der Seekriegsleitung unter Admiral Reinhard Scheer zur Obersten Heeresleitung in Spa. Hier traf er nun seinen Freund seit Kindheitstagen Hermann Geyer wieder. Beide gehörten dann 1919 der deutschen Friedenskommission an, er soll auch die Flucht seines Freundes Horst von Pflugk-Harttung unterstützt haben. Von Juni 1919 bis April 1920 fungierte er an der Deutschen Botschaft in Den Haag als Marine-Attaché. Anschließend wurde er von der Vorläufigen Reichsmarine verabschiedet.

Zwischenkriegszeit

1920 trat er in den diplomatischen Dienst des Reiches ein und bekleidete fortan diverse Auslandsposten. In den ersten Jahren des Nationalsozialismus war er Geschäftsträger Deutschlands in der Schweiz und im Range eines Bevollmächtigten Ministers Vertreter des Reiches beim Völkerbund in Genf. 1936 wurde er Leiter der Politischen Abteilung im Auswärtigen Amt.[2]

Er war seit dem 1. April 1938 NSDAP-Mitglied (Nr. 4814617). Am 20. April 1938 wurde er als SS-Mann Nr. 293.291 zum SS-Oberführer befördert und dem persönlichen Stab Heinrich Himmlers zugeteilt.

Unter Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop avancierte er zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt, dessen ranghöchster Beamter er damit war. Dies blieb er bis 1943,[3] als er deutscher Botschafter beim Papst wurde.

Zweiter Weltkrieg

Ernst von Weizsäcker wurde am 30. Januar 1942 SS-Ehrenführer im Rang eines SS-Brigadeführers (= General) im Persönlichen Stab Heinrich Himmlers.

Nachkriegszeit

Er arbeitete maßgeblich an den Dokumenten zur Vorgeschichte des Krieges mit, in denen die Verbrechen gegen Deutschland aufgeführt werden.

Im Schutze des Vatikans ließ er die erste Zeit der blutigen Abrechnung mit den Besiegten verstreichen. 1947 kam er in Siegerinternierung. Beim sogenannten „Wilhelmstraßen-Prozeß“ (benannt nach der Anschrift des deutschen Außenministeriums) wurde er vom Nürnberger Tribunal der Sieger 1949 zu sieben Jahren Haft, die später auf fünf Jahre reduziert wurden, verurteilt.[4] Man legte ihm hauptsächlich amtliche Mitwirkung an der Judendeportation aus Ländern des Westens ins Generalgouvernement zur Last. Die Verteidigung, an der auch sein Sohn Richard von Weizsäcker als Hilfsanwalt mitwirkte,[5] machte geltend, im Kriege habe man allgemein – wie auch der Angeklagte – keine Vorstellung davon gehabt, was die Juden z. B. in Auschwitz erwartete; Ernst von Weizsäcker habe die Juden im Osten sicherer gewähnt als im Westen. Als Bundespräsident verbreitete Richard von Weizsäcker allerdings vierzig Jahre später die These von kollektiver Haftung des deutschen Volkes. Wenige Monate vor seinem Tod kam der schwerkranke Weizsäcker aus dem Landsberger Foltergefängnis der Alliierten frei.

In seinen im selben Jahr erschienenen Memoiren gerierte er sich nun plötzlich als insgeheimer „Widerstandskämpfer“. Der NSDAP sei er nur zur Tarnung beigetreten, und die Ernennung zum SS-Brigadeführer im Persönlichen Stabe Himmlers (30. Januar 1942) habe er lediglich „aus dekorativen Gründen“ angenommen.

Tod

Der ehemalige Staatssekretär starb am 4. August 1951 im Krankenhaus von Lindau am Bodensee.

„Die Wahrheit über von Weizsäcker“

In der einschlägigen „Holocaust-Literatur“ (z. B. Reitlinger „Die Endlösung“) wird behauptet, Ernst von Weizsäcker habe ein sogenanntes Wannsee-Protokoll „Zur Endlösung der Judenfrage“ sowie zahlreiche andere „Holocaust-Dokumente“ mit zu verantworten. Sein Sohn Richard von Weizsäcker nahm ihn auch nach seinem Ableben engagiert in Schutz. 1986 erschien die wissenschaftliche Dokumentation „Die Wahrheit über von Weizsäcker“ mit ausführlicher Darstellung der Familie von Weizsäcker.

Familie

Er ist der Bruder des Mediziners Viktor von Weizsäcker. Ernst von Weizsäcker hatte vier Kinder:

  • den Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker (1912–2007)
  • Adelheid von Weizsäcker (1916–2004)
  • Heinrich von Weizsäcker (1917–1939; gefallen während des Polenfeldzuges am 2. September 1939 in unmittelbarer Nähe seines Bruders Richard, der ihn beerdigte)
  • den Politiker und späteren BRD-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (Lebensrune.png 1920)

Die weiteren Verwandtschaftsverhältnisse sind im Artikel Weizsäcker dargestellt.

Auszeichnungen (Auszug)

Veröffentlichungen

  • Ernst von Weizsäcker: Erinnerungen. Herausgegeben von Richard von Weizsäcker. List, München/Leipzig/Freiburg 1950
  • Ernst von Weizsäcker: Aus seinen Gefängnisbriefen 1947–1950. Scheufele, Stuttgart o. J. [1955]
  • Leonidas E. Hill (Hrsg.): Die Weizsäcker-Papiere 1933-1950. Propyläen–Verlag, Berlin/Frankfurt am Main/Wien 1974, ISBN 3-549-07306-2 (Tagebücher)
  • Leonidas E. Hill (Hrsg.): Die Weizsäcker-Papiere 1900-1932, Propyläen–Verlag, Berlin/Frankfurt am Main/Wien 1974, ISBN 3-549-07625-8

Fußnoten

  1. Karl Weizsäcker (ab 1916: Freiherr von) diente von 1906 bis 1918 als württembergischer Ministerpräsident.
  2. 1936 bis 1938 leitete er die politische Abteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin.
  3. Von 1938 bis 1943 fungierte er als zweiter Mann der deutschen Außenpolitik: als Staatssekretär im Auswärtigen Amt.
  4. Die Alliierten verurteilten ihn wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ im Nürnberger „Wilhelmstraßen-Prozeß“ zu zunächst sieben, dann (im Berufungsverfahren) zu fünf Jahren Haft.
  5. Sohn Richard hatte ihm in Nürnberg als Hilfsverteidiger zur Seite gestanden.