Zweite Wiener Türkenbelagerung

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Diorama im „Historischen Museum der Stadt Wien“ – Vor 154 Jahren (1529) hatte zum letzten Mal ein Türkenheer Wien belagert. Nun holte das Osmanische Reich wieder zur Aggression gegen das Abendland aus. Großwesir Kara Mustafa marschierte im Frühjahr 1683 mit (mindestens) 160.000 Mann durch Ungarn nach Wien. Dort standen kaum 15.000 Soldaten zur Verteidigung gegen die Türkengefahr bereit.

Die Zweite Wiener Türkenbelagerung fand vom 14. Juli bis 12. September 1683 statt und endete mit der Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683. Die deutsche Reichsstadt Wien, Residenzstadt des römisch-deutschen Kaisers, wurde dabei durch ein deutsches Entsatzheer des Reiches (Kaiserliche Armee und zahlreiche Freiwillige, auch Husaren aus Polen) unter der Führung von Herzog Karl V. von Lothringen vor der Einnahme durch die Türken gerettet. Feldzeugmeister Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg war der Kommandant der eingeschlossenen Stadt während der Türkenbelagerung.

Geschichte

Europas Sieg gegen Asiens Invasion vor Wien 1683

Wie schon bei der Ersten Wiener Türkenbelagerung von 1529 war die Stadt ein strategisches Ziel der Osmanen. Sie lag an wichtigen Handelsrouten, sperrte im Wiener Becken zwischen Alpen und Karpaten den weiteren Weg in das Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und war Machtbasis der bedeutendsten Gegner der Osmanen, der Habsburger.

Nachdem schon am 31. März ein Bündnis mit Polen abgeschlossen wurde, zog sich Kaiser Leopold I. am 7. Juli aus Wien nach Linz zurück und ließ in der Stadt eine Besatzung von 16.000 Mann. Viele davon bewaffnete Formationen der Studenten und Zünfte. Da Frankreich am Rhein droht, kann Habsburg kein starkes Kontingent stellen. Man ist auf Hilfe aus Bayern, Polen, Sachsen, von den südwestdeutschen Reichsfürsten und Hilfsgeldern des Papstes angewiesen. Die Stadt ist nach zeitgemäßen französischen und italienischen Vorbild zur Festung ausgebaut worden.

Zwölf große Bastionen und dutzende Vorwerke mit 140 Geschützen erwarteten am 13. Juli das osmanische Heer unter Kara Mustafa. Die Vorhut bildeten Tataren, die als leichte Kavallerie auch das Umland sicherten und plünderten. Den Kern stellten die Janitscharen und berittenen Spahis. Die Einen schon als Kinder genommen und zum Islamkonvertiert“, die Anderen niederer Adel. Für die Festung an sich wurden neben den leichten Feldgeschützen noch Belagerungskanonen und Spezialisten für Tunnelgrabungen aus Frankreich ran geschafft. In den Tunneln wurden unter der Festungsanlage Sprengkammern angelegt und gezündet um Breschen in die Verteidigung zu schlagen. Nach einigen Sprengungen, der Rationierung der Nahrung und schweren Verlusten unter den Verteidigern gelangte kurz vor dem Zusammenbruch der Verteidigung das Entsatzheer in der Nacht zum 12. September vom Norden kommend in Sicht.

12. September 1683

Am Morgen des 12. September 1683 kam diese vereinigte Armee des Herzogs Karl von Lothringen von den Hügeln heruntergeflutet, nach den Worten eines osmanischen Beobachters „wie eine Flut von schwarzem Pech, das alles auf seinem Weg erstickt und einäschert“. Durch das von tiefen Hohlwegen durchschnittene und von Weingärten und Steinmauern zergliederte Gelände wartete die Kavalleriestreitmacht des polnischen Königs Jan III Sobieski geflissentlich den weiteren Verlauf der Dinge ab und konnte sich erst gegen vier Uhr nachmittags, als sie das ebenere Gelände um den Schafberg erreicht hatte, geordneter entfalten, um die Türkengefahr auf deren linkem Flügel anzugreifen. Die Kämpfe hatten bis dahin schon seit fünf Uhr morgens angedauert, und als der Großwesir Kara Mustafa Pascha die Gefahr erkannte, auf seiner linken Flanke überflügelt zu werden, zweigte er den Großteil der Truppen seines rechten Flügels ab, aber es war schon zu spät und schwächte noch dazu seinen linken Flügel so sehr, daß er von den Truppen Karls von Lothringen zerschlagen werden konnte. Die Koalitionsarmee war siegreich, die Türken flüchteten heillos.

7. Oktober 1683

Die verfolgenden Polen wurden am 7. Oktober 1683 bei Parkany geschlagen

25. Dezember 1683

Dem unterlegenen osmanischen Heerführer auf Befehl des Sultans am 25. Dezember 1683 in Belgrad die Schlinge um den Hals gelegt.

Stärke und Verluste

Stärke

  • Die Türken verfügten 160.000 bis 300.000 Mann.[1][2][3]
  • Das vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aufgestellte Entsatzheer bestand aus 74.000 bis 87.000 Männer, in der belagerten Reichsstadt Wien befanden sich zusätzlich 15.000 Soldaten und 8.700 Freiwillige.
„Wo und wie die kaiserlichen Regimenter an diesem denkwürdigen Tage eingeteilt waren, ist nicht erhalten geblieben. Ihre Verteilung im Großen macht den Eindruck, als wollte man durch Zuweisung dieser schlachtgewohnten Truppen der Reichsarmee einen Kern geben, denn wir finden auf den erhaltenen Schlachtplänen überall kaiserliche Kürassiere in Gruppen von drei bis zehn Eskadronen verzeichnet.“ — 11./12. September 1683 bei der Entsatzschlacht von Wien („Schlacht am Kahlenberg“)

Verluste

  • 4.500 Soldaten des Entsatzheeres fielen im Kampf gegen die einfallenden Türkenhorden, weitere 12.000 starben bei der Verteidigung Wiens während der gesamten Belagerung.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Toifel: Die Türken vor Wien im Jahre 1683. Ein österreichisches Gedenkbuch (1883) (PDF-Datei)
  • Friedrich Freiherr von Mühlwerth-Gärtner: „Die Belagerung und der Entsatz von Wien im Jahre 1683“, 1883 (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Victor von Renner: „Wien im Jahre 1683. Geschichte der zweiten Belagerung der Stadt durch die Türken im Rahmen der Zeitereignisse. Aus Anlaß der zweiten Säcularfeier verfaßt im Auftrage der Gemeinderates der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien“ (1883) (PDF-Datei)
  • Lorenz, Reinhold: Türkenjahr 1683 - Das Reich im Kampf um den Ostraum. 1933. 16 Tafeln.
  • Hauptner, Rudolf: Wien 1683 - Modell ethischen Handelns. Die Stadtbefestigung von 1529-1683. In: Wiener Geschichtsblätter. Heft 2. 2001. S.147-160.
  • Querengässer, Alexander: Wien 1683 - Die Schlacht um den "Goldenen Apfel". In: Clausewitz. Heft 4. 2013. S. 42-46.

Fußnoten

  1. Harbottle, Thomas (1905): Dictionary of Battles, E.P. Sutton & Co, S. 262.
  2. Clare, Israel (1876): The Centennial Universal History: A Clear and Concise History of All Nations, with a Full History of the United States to the Close of the First 100 Years of Our National Independence, J. C. McCurdy & Co., S. 252
  3. Drane, Augusta (1858): The Knights of st. John: with The battle of Lepanto and Siege of Vienna, Burns and Lambert, S. 136.
  4. S. C. Tucker: A Global Chronology of Conflict, Vol. Two, Santa Barbara (2010), ISBN 9781851096671