Wirsing, Giselher

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Giselher Wirsing (Lebensrune.png 15. April 1907 in Schweinfurt; Todesrune.png 23. September 1975 in Stuttgart) war ein deutscher Journalist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Studium

Geboren am 15. April 1907 als Max Emanuel Wirsing, Sohn einer wohlhabenden Schweinfurter Familie, änderte er während seiner Studienaufenthalte an den Universitäten in München, Königsberg, Riga, Berlin und Wien seinen Namen in Giselher und schloß sein Studium der Nationalökonomie im Jahre 1929 an der Universität Heidelberg ab und wurde Hochschulassistent. 1931 wurde er zum Dr. rer. pol. promoviert.

Reisen und politische Orientierung

Wirsing unternahm schon ab 1928 Reisen nach Osteuropa und veröffentlichte seine dort gewonnenen Erkenntnisse in der „Tat“. Er schloß sich auch dem Kreis der Gebrüder Gregor und Otto Strasser an.

1932 erschien sein erstes Buch „Zwischeneuropa und die deutsche Zukunft“; 1933 veröffentlichte er sein Werk „Deutschland in der Weltpolitik“. Gleichzeitig verfaßte er Aufsätze für das jungkonservative Blatt „Die Tat“, dessen Richtung er mit Hans Zehrer, Ferdinand Friedrich Zimmermann und Ernst Wilhelm Eschmann bestimmte, und zwar in explizit antidemokratischer antiparlamentarischer Attitüde, ein ständisch-autoritär regiertes Großdeutschland propagierend. Im Oktober 1933 wurde er auf Vorschlag Heinrich Himmlers zum Ressortleiter Politik in den Münchner Neuesten Nachrichten ernannt. 1934 wurde er dort Chefredakteur.

Ehe

Giselher Wirsing war verheiratet mit der in Wuppertal-Elberfeld geborenen Gisela Bonn, die auch einige Bücher mit ihm gemeinsam verfaßte.

Wirken

Dienst im SD

Er wurde noch im gleichen Jahr SS-Anwärter und arbeitete als Spitzel für den SD und wurde am 1. November 1938 zum Hauptsturmführer der SS und Hauptschriftleiter der „Münchner Neuesten Nachrichten“ befördert. Immer noch fungierte er als Herausgeber der Zeitschrift Die Tat, die seit 1939 unter dem Titel Das XX. Jahrhundert fortgeführt wurde. Weiterhin übte er eine Tätigkeit als Berater der Kulturpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes aus, für das er bis Kriegsende antibolschewistische Sprachregelungen verfaßte.

Zeitweise war Wirsing auch für das Institut zur Erforschung der Judenfrage von Alfred Rosenberg tätig, bei dessen Eröffnung am 27. März 1941 in Frankfurt a.M. er als Redner mit dem Thema Die Judenfrage im Vorderen Orient auftrat. Darin sagte er: Es steht fest, daß das Judentum im allgemeinen und die zionistische Organisation im besonderen eine bedeutende Rolle bei der Vorbereitung des Kriegs gespielt haben.

Wirsing wollte insbesondere die Araber für die Nationalsozialisten einnehmen. Er berichtete begeistert von „Stoßwellen“, die das „politische Erdbebenzentrum“ in Palästina - gemeint waren die antibritischen und antijüdischen Aufstände unter Leitung von al-Husseini - in Ägypten hinterließ. Er begrüßte eine „ausgesprochene Rückwendung zu den religiösen Überlieferungen des Islam“, womit die Tätigkeit der Muslimbrüder gemeint war, und deren „scharfe Gegnerschaft gegen den westlichen Liberalismus“. Er war damit ein früher Protagonist der Querfront zwischen Islamismus und Nationalsozialismus.

Buch über die VSA

1938 bereiste Wirsing die USA und publizierte seine Auffassung über Regierung und Kultur in seinem 1942 erschienen Buch „Der maßlose Kontinent“. Dem seiner Auffassung nach vom jüdischen Einfluß manipuliertem amerikanischem Regierungssystem, stellte er eine „neue Weltordnung“ in Form einer von Deutschland dominierten Hegemonialmacht Europa gegenüber. Die in seinem Buch geschilderte Einschätzung und Beurteilung der anglo-amerikanischen Welt fand in Joseph Goebbels einen beeindruckten Leser. Dieser notierte am 12. März 1942 in sein Tagebuch:

„Ich finde abends ein paar Stunden Zeit, in dem neuen Buch von Wirsing ‚Der maßlose Kontinent’ zu lesen. Wirsing gibt hier eine Darstellung des amerikanischen Lebens, der amerikanischen Wirtschaft, Kultur und Politik. Das Material, das er zusammenträgt, ist wahrhaftig erschütternd. Roosevelt ist einer der schwersten Schädlinge der modernen Kultur und Zivilisation. Wenn es uns nicht gelänge, die Feindseite, die sich aus Bolschewismus, Plutokratie und Kulturlosigkeit zusammensetzt, endgültig zu schlagen, dann würde die Welt der dunkelsten Finsternis entgegengehen.“

Angesichts des Antiamerikanismus des Wirsing ist es wichtig zu wissen, daß er 1930 als Fellow der Abraham Lincoln-Stiftung gelistet wird, d.h. er hatte ein Stipendium erhalten von einer US-Stiftung, die zur Rockefeller Foundation gehört.

Zeitschrift Signal

1940 trat Wirsing in die NSDAP ein und wirkte während des Frankreichfeldzuges als Berater von Walter Schellenberg, dem Leiter der Amtsgruppe IV E (Abwehr) und späteren Chef des Amtes VI (SD-Ausland) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).

1943 wurde er Schriftleiter, 1945 Chefredakteur der Auslandsillustrierten „Signal“, einer in mehreren Sprachen erschienenen Publikation des Oberkommandos der Wehrmacht, und ging hierfür u. a. als Propagandaoffizier zu den Truppen nach Rußland. Nach der deutschen Niederlage in der Schlacht von Stalingrad wurde Wirsing zum starken Mann bei „Signal“. Es erschien fast keine Ausgabe mehr ohne einen Leitartikel von ihm. Schon 1938 hatte ihn eine Empfehlung in einem Personalbericht folgendermaßen charakterisiert: Hauptsturmführer Wirsing hat sich im Laufe der Zusammenarbeit mit dem SD als williger, fleißiger und außerordentlich wertvoller Mitarbeiter erwiesen. Dieses Urteil führte zu seiner Beförderung zum SS-Sturmbannführer. Später handelte er als Sonderführer in einer Propaganda-Kompanie an der Ostfront. Mitte 1943 übernahm er bei „Signal“ die inoffizielle Schriftleitung, im Februar 1945 offiziell die Redaktionsleitung. Für ein Auswärtiges Amt der Nationalsozialisten hatte er zugleich als Berater für antibolschewistische Sprachregelungen zu tun, so war die Vertretung von AA-Interessen in der Zeitschrift bei Wirsing in den besten Händen. Den Ostkrieg propagierte er folglich als einen Feldzug gegen das schlechthin Böse und Abgründige.

Landesverrat

Im September 1944 beauftragte Walter Schellenberg Wirsing als international erfahrenen Journalisten, der sich ebenfalls über die politische und militärische Niederlage Deutschlands keine Illusionen mehr machte, mit der Erstellung von Berichten, die die im Amt VI des RSHA zusammenlaufenden Lageberichte des SD-Spionagenetzes zusammenfassen und als Lesevorlage dienen sollten. Hierfür wurde im Amt VI a eine „Zentralauswertungsstelle“ unter Leitung von Dr. Schindowsky eingerichtet, die Wirsing täglich mit den Lageberichten versorgte. Wirsing fertigte daraus etwa alle drei Wochen Berichte im Umfang von etwa 14 bis 16 Seiten. Um die Anonymität Wirsings zu wahren, einigten sich Schellenberg und er auf die Bezeichnung „Egmont-Berichte“. Von sieben Ausfertigungen des Berichtes gingen je eines an Hermann Fegelein, dem Verbindungsoffizier des Reichsführers-SS zum Führerhauptquartier, zur Weiterleitung an Hitler, Heinrich Himmler, Arthur Seyß-Inquart, den Reichskommissar für die besetzten Niederlande, Walter Hewel, dem „Beauftragten des Reichsaußenministers beim Führer“ und vermutlich an Joseph Goebbels. Je eine Ausfertigung behielten Schellenberg und Wirsing. In der Zeit von Oktober 1944 bis März 1945 fertigte Wirsing 13 „Egmont-Berichte“.

Schellenberg ging von der Vorstellung aus, daß nach dem 20. Juli 1944 nur noch die SS als handlungsfähige Kraft zur Verfügung stehe und nur Heinrich Himmler als möglicher Nachfolger Hitlers in Betracht käme. Es mußte daher der Boden für künftige Kontaktaufnahmen und Verhandlungen mit den Westalliierten bereitet werden. Die „Egmont-Berichte“ sollten Himmler von dieser Unvermeidbarkeit überzeugen und seine Loyalität zu Hitler weiter schwächen. Schließlich schlug Schellenberg Himmler vor, daß Hitler zu einem teilweisen Machtverzicht und einer Teilkapitulation im Westen bewegt werden sollte. Da Himmler sich aber mit diesem Vorschlag nicht gegenüber Hitler behaupten konnte, stellte Schellenberg im März 1945 die Fertigung weiterer Berichte als zwecklos ein.

Im Juni 1945 geriet Wirsing in Kriegsgefangenschaft und heuerte dort als Informationsbeschaffer beim US-Geheimdienst an, in dessen Auftrag er 1946 eine Studienreise durch die amerikanische Zone unternahm, jedoch offiziell interniert blieb. Im Internierungslager trat er dafür ein, die VS-Besatzungszone als 49. Bundesstaat den VSA anzuschließen.

Die Spruchkammer beim Landgericht Garmisch stufte ihn 1948 im Rahmen der Entnazifizierung als Mitläufer ein und belegte ihn mit einer Geldstrafe von 2000,- Reichsmark, die in der Berufungsinstanz auf 500,- Reichsmark reduziert wurde. Die Zeitschrift SPIEGEL zitierte ihn 1967, er habe 1943 die gewaltsame Ausscheidung des jüdischen Elements gefordert und interpretierte, er habe damit die „Zweckmäßigkeit von Auschwitz“ begründet. Wirsing drohte dem SPIEGEL deshalb zwar mit einem Prozeß, ließ der Drohung aber keine Taten folgen.

Wochenzeitung „Christ und Welt“

Noch 1948 war Wirsing Mitbegründer der evangelisch-konservativen Wochenzeitung „Christ und Welt“, einem offiziösen Blatt der EKD, also der Evangelischen Kirche, deren Chefredakteur er 1954 wurde und bis 1970 blieb. Es gelang ihm, diese zur auflagenstärksten Wochenzeitung (bis 1963) zu entwickeln. Hier veröffentlichte Wirsing am 16. April 1959 einen Artikel über „einen zweiten Albert Schweitzer“ in dem Örtchen Li Jubu im Grenzgebiet von Sudan, Kongo und Französisch-Äquatorialafrika. Er enttarnte damit ungewollt den dort untergetauchten Horst Schumann, der sich als SS-Arzt maßgeblich in Sachen Sterbehilfe (Euthanasie) von unheilbar Kranken und schwerst geistig Behinderten engagiert hatte (in der Nachkriegspropaganda als „T4“ bezeichnet) und deswegen seit Jahren von der BRD-Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gesucht wurde.

Tod

Giselher Wirsing verstarb am 23. Mai 1975 in Stuttgart.

Publikationen

  • Zwischeneuropa und die deutsche Zukunft. 1932
  • Deutschland in der Weltpolitik. 1933
  • Engländer, Juden, Araber in Palästina. 1938 & 1942
  • Der maßlose Kontinent. Roosevelts Kampf und die Weltherrschaft. Jena, Diederichs, 1942
  • Der Krieg 1939/41 in Karten. (Hg.) 1942
  • Das Zeitalter des Ikaros. 1944
  • Die Politik des Ölflecks. 1944 unter dem Pseudonym „VINDEX“
  • Schritt aus dem Nichts. Perspektiven am Ende der Revolutionen. 1951
  • Sozialgeschichte der industriellen Arbeitswelt, ihrer Krisenformen und Gestaltungsversuche. (zusammen mit Ernst Michel), 1953
  • Die Rückkehr des Mondo-Mogo. Afrika von morgen. 1954
  • Die Menschenlawine. Deutsche Verlagsanstalt, 1956
  • Indien. 1968
  • Der abwendbare Untergang. 1975
  • Indien. Asiens gefährliche Jahre. 1982
  • Indien und der Subkontinent. Indien, Pakistan, Bangla Desh, Nepal, Sikkim, Bhutan. (zusammen mit seiner Frau Gisela Bonn), 1984

Literatur

  • Norbert Frei & Johannes Schmitz: Journalismus im Dritten Reich. 3. Aufl. C.H. Beck, München 1999, S. 173 ff. ISBN 3406455166
  • Otto Köhler: Unheimliche Publizisten. Die verdrängte Vergangenheit der Medienmacher Knaur, München 1995
  • Rainer Rutz: „Signal“. Eine deutsche Auslandsillustrierte als Propagandainstrument im Zweiten Weltkrieg Klartext, Essen 2007 ISBN 9783898617208 ISBN 3898617203 (Diss. Humboldt-Univ., Berlin 2005)

Verweise

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