Leibniz, Gottfried Wilhelm

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Gottfried Wilhelm Leibniz, Portrait von Christoph Bernhard Francke, um 1700; Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig

Gottfried Wilhelm Leibni[t]z (Lebensrune.png 1. Juli 1646 in Leipzig; Todesrune.png 14. November 1716 in Hannover) war ein deutscher Physiker, Mathematiker, Philosoph, Jurist, Philologe und politischer Schriftsteller sowie Sprachwahrer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Notiz von Gottfried Wilhelm Leibniz für die Entwicklung des Binärsystems aus dem Jahr 1697

Leibniz war ein vielseitiger Wissenschaftler, der Griechisch und Latein autodidaktisch erlernte und dann Philosophie und Rechtswissenschaft studierte. Ab 1672 arbeitete er als Rat beim Mainzer Revisionsgericht und ab 1676 als Bibliothekar und Hofrat des Herzogs Johann Friedrich von Hannover. Er unternahm zahlreiche Reisen, u. a. nach Paris, wo er Kontakt zu den führenden Mathematikern der damaligen Zeit hatte. In Paris wurde Leibniz als einer der ersten Ausländer Mitglied der „Akademie der Wissenschaften“. Er pflegte Beziehungen auch zu anderen Höfen in Wien, Berlin und Petersburg.

Seit 1685 war er Historiograph des Welfenhauses. Im Jahre 1691 wurde Leibniz die Leitung der Bibliothek in Wolfenbüttel übertragen. Er war befreundet mit Kurfürstin Sophie und deren Tochter Sophie Charlotte, später Königin von Preußen, mit deren Hilfe er 1700 die spätere Berliner Akademie gründete. Sein gutes Verhältnis zum Fürstenhaus verschlechterte sich unter den Nachfolgern (Ernst August I. und Georg Ludwig) von Johann Friedrich. Im Jahre 1713 wurde er vom Kaiser zum Freiherrn und Reichshofrat ernannt.

Wirken

G. W. Leibniz’ Wirken erstreckte sich auf viele Gebiete. In der Mathematik reformierte er die klassische Logik so weit, daß sich mittels des binären Zahlencodes (Dualzahlen) die Prinzipien der Arithmetik mit den Prinzipien der Logik verbinden ließen. Später knüpfte der deutsche Logiker, Mathematiker und Philosoph Gottlob Frege an Ideen von Leibniz an und erfand die Prädikatenlogik in seinem Werk „Begriffsschrift“ (Halle 1879). Leibniz verband in seinem Ansatz zwei gegensätzliche Gebiete der Mathmatik: das Kontinuierliche und das Diskrete, heutzutage würde man vielleich vom Analogen und Digitalen sprechen, aus der Fortentwicklung der Kenntnisse über unendliche Folgen und Reihen und der Ermittlung von deren Grenzwerten. Im Jahre 1675 erfand er die Integral- und Differentialrechnung und beschrieb diese 1684 in einem seiner Werke.[1] Durch die Symbolik der Infinitesimalrechnung und als Erfinder der Dualzahlen ist Leibniz auch heutzutage in der täglichen Arbeit präsent. Dagegen erscheint seine Metaphysik der Monaden, die die Welt spiegeln, heute ebenso fremd wie seine Theodizee als Verteidigung der Güte Gottes angesichts der Übel dieser Welt.

Gottfried Wilhelm Leibniz auf einem Stich von Etiene Ficquet (1731–1794)

Zu seinem Wirken heißt es:

„Als nach dem Dreißigjährigen Krieg die weithin zerstreuten Kräfte eine neue, geschaffte Form sich suchten, trieb den Vorgang der Selbstbesinnung am mächtigsten das Gefühl an: die erste geformte Vollendung fand die deutsche Seele in der Musik. Doch auch der Geist machte sich mit Gewalt auf den Weg zu den neuen Erfahrungen. Lange schien alles geistige Leben endgültig ausgemerzt zu sein. In Leibnitz zeigt sich, wie nun der deutsche Geist sich wieder an Werk und Aufgabe stürzt, gierig, als sei er ausgehungert wie ein darbendes Tier. Jede Frage reißt Leibnitz in seine Gewalt, jede Wissenschaft eignet er herrisch sich an, rastlos jagt er den höchsten und auch den wunderlichsten Problemen nach, heute dem Römischen Recht und morgen der Theorie des Fernrohrs, jetzt einem politischen Streitfall in Polen, dann der Priesterdialektik über Gottesbeweise. Ein rasender Hunger nach Wissen wühlt diesen Menschen auf, und nicht eher gönnt sich der Umgetriebene Ruhe, als bis er ein Wissensgebiet sich restlos zu eigen gemacht hat. Der berühmteste Philosoph der Zeit, baut er an einem Bilde der Welt, das die Fülle ihrer Erscheinungen ordnet und somit unter die menschliche Herrschaft zwingt.“[2]

Staatslehre

Obwohl meist im Dienste protestantischer norddeutscher Stände, berücksichtigte Leibniz in allen Fragen, die er behandelte, Reichsrecht und -interesse in hohem Maße, so daß er als höchstes Beispiel der Reichtreue in dieser Zeit gelten darf.

Leibniz entwickelte die Theorie des Reiches als „ständischem Bundesstaat“. Nach dieser Theorie sind sowohl die Einzelstaaten als auch das Reich souverän in ihrem je eigenen Aufgabenfeld. Das Reich besaß den gleichen Staatscharakter wie die einzelnen Fürstentümer.

Zitate

  • „Sagen sie, daß sie nach vielem Nachsinnen und Nagelbeißen kein Deutsch gefunden, so ihre herrliche Gedanken auszudrücken gut genugsam gewesen, so geben sie wahrlich mehr die Armut ihrer vermeinten Beredsamkeit als die Vortrefflichkeit ihrer Einfälle zu erkennen.“
  • „Alles, was sich nicht mit Mitteln der Volkssprache auseinandersetzen läßt, damit ist es nichts.“
  • „Gleichwohl wäre es ewig Schade und Schande, wenn unsere Haupt- und Heldensprache dergestalt durch unsere Fahrlässigkeit zugrunde gehen sollte, so fast nichts Gutes schwanen machen dürfte, weil die Annehmung einer fremden Sprache gemeiniglich den Verlust der Freiheit und ein fremdes Joch mit sich geführet.“
  • Es ist eine der Torheiten unserer Nation, die Weisheit jenseits des Rheins und der Alpen zu suchen und für einen guten Teil unseres Vermögens und auf Kosten der Gesundheit Hirngespinste einzutauschen, die lediglich den Geist auf Nichtigkeiten richten und unseren Ruin vollenden. Nie sind die Deutschen soviel gereist und nie ist Deutschland seinem Verfall näher gewesen![3]

Siehe auch

Literatur

  • Johann Franz Encke: Rede zum Andenken an Gottfried Wilhelm Leibnitz 1842 (PDF-Datei)
  • Hans Pichler: Gottfried Wilhelm Leibniz, in: Willy Andreas / Wilhelm von Scholz (Hg.): Die Großen Deutschen. Neue Deutsche Biographie. Propyläen Verlag, Berlin, 4 Bde. 1935–1937, 1 Ergänzungsbd. 1943; Zweiter Band, S. 35–48
  • Kurze Einführung in seine Philosophie in: Johannes Rehmke: Grundriss der Geschichte der Philosophie zum Selbststudium und für Vorlesungen, 1896, S. 193 ff. (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • H. Zacher (Hg.): Die Hauptschriften zur Dyadik von G. W. Leibniz, Vittorio Klostermann, Frankfurt 1973, ISBN 3465009983
  • Reinhard Finster / Gerd van den Heuvel: Gottfried Wilhelm Leibniz. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlt, 2005, ISBN 3499504812
  • Hans Poser: Gottfried Wilhelm Leibniz zur Einführung, Junius Verlag, 2005, ISBN 3885066130

Verweise

Fußnoten

  1. Differential- und Integralrechnung durch Leibniz, gwlb.de
  2. Karl Richard Ganzer: Das deutsche Führergesicht, 200 Bildnisse deutscher Kämpfer und Wegsucher aus zwei Jahrtausenden, Lehmanns-Verlag, München 1937
  3. Nach Gerhard Prause: Genies in der Schule. Berlin 2007, Seite 230
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