Schwan, Ludwig

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Ludwig Schwan

Ludwig Schwan (Lebensrune.png 28. September 1920 in Wladimirovac; Todesrune.png 18. April 1945 in Cham) war ein deutscher Lehrer, der sein Leben zum Schutze seiner jungen Schüler im Zweiten Weltkrieg opferte.

Leben

Ludwig Schwan unterrichtete seit 1942 als Junglehrer an der Volksschule von Karlsdorf im Banat. Das Banat (Grenzmark) zwischen Theiß, Mieresch und den Südkarpaten war durch Siedler aus Schwaben, Lothringen, der Pfalz und Österreich stark deutsch geprägt. Die Deutschen dort nannte man Banater Schwaben. Das Gebiet war 1718 nach langer Türkenherrschaft an Österreich gefallen. Die Deutschen machten aus dem verödeten Landstrich eine Kornkammer; aus deutschen Bergbausiedlungen entwickelten sich Hüttenwerke und die Eisenindustrie. 1918 wurde das Banat auf Ungarn, Rumänien und Jugoslawien aufgeteilt.

Schwan ging völlig in seinem Beruf auf. Der von ihm geleitete Schulchor brachte es zu Auftritten im deutschen Soldatensender Belgrad und sogar zu Schallplattenaufnahmen. Im Oktober 1944 wußte er, daß so viele Kinder wie irgend möglich vor der heranrückenden Roten Armee in Sicherheit gebracht werden mußten. Daß Schwans Befürchtungen leider nur allzu berechtigt waren, zeigen die späteren Ereignisse: Mehr als 100.000 Banater Schwaben werden von Rotarmisten und Tito-Banditen umgebracht. Schwans Vater wurde von den Partisanen des Bandenführers Tito willkürlich erschossen, die Mutter des Lehrers starb in einem Konzentrations- bzw. Straflager der kommunistischen Belgrader Machthaber.

Die Flucht

Am Nachmittag des ersten Fluchttages, dem 1. Oktober 1944, kam der Lehrer mit seinen erschöpften Kindern in Belgrad an. Von dort aus ging es tags darauf durch partisanenverseuchtes Gebiet in Richtung Wien weiter. Die Kinder waren verzweifelt. Doch Lehrer Schwan machte ihnen Mut, heiterte sie auf, gab ihnen Zuversicht.

Am 5. Oktober 1944 erreichte die Flüchtlingsgruppe mit dem Zug Wien. Zwei Tage später ging es weiter nach Passau. Dort wurde die kleine Schicksalsgemeinschaft aufgeteilt: Die Buben gingen mit Ludwig Schwan nach Niederbayern, die Mädchen mit einer Lehrerin nach Oberfranken. Schwan schrieb bald darauf den Mädels:

„Ich war zwei Jahre Euer Lehrer. Das Schicksal hat uns auseinandergerissen. Aber ich glaube mit Recht sagen zu dürfen, ich war nicht nur Euer Lehrer, sondern Euer bester Kamerad. Ich hab Euch alle von Herzen gern gehabt. Ihr wart ein Teil von mir.“

Ende Januar 1945 begleitete der Banater Lehrer seine Schüler im Rahmen der Kinderlandverschickung, einer der größten humanitären Hilfsaktionen der Kriegsgeschichte, nach Böhmen. Es war Mitte April 1945, als sich Schwan entschloß, mit seinen Schützlingen abermals die Flucht nach Westen anzutreten. Denn die Rote Armee stand schon östlich von Prag. Mit dem Zug ging die Fahrt nach Pilsen, dann nach Fürth im Wald. Dort überstanden Lehrer und Schüler einen Tieffliegerangriff im Splittergraben.

Der Bombenangriff auf Cham

Am frühen Morgen des 18. April 1945 befand sich Schwan mit seiner Schülerschar im Warteraum des Bahnhofs von Cham. Er hatte seine Buben zur letzten gemeinsamen Nacht gebettet. Zeitgeschichtler Arnold:

„Als um vier Uhr früh der Fliegerangriff beginnt, stürmt alles ins Freie. ‚Lauf dort hinüber, Josef!‘ und ‚Hansi, bist du noch da?‘ hören die Kinder den Lehrer durch das Bombeninferno rufen. Auf einmal verstummt er. Da ahnen die Buben: Der Mann, der sie ein halbes Jahr lang durch alle Fährnisse geleitet hat, ist selbst getroffen worden.“

Der Einsatz des zusammen mit sieben Kindern aus dem Banat in Cham von westalliierten Terrorbombern ermordeten Lehrers war nicht umsonst. Denn durch seine mutigen Taten wurde die Mehrzahl seiner Schüler gerettet. Noch einmal Dr. Arnold:

„Bittet man die Überlebenden, davon zu sprechen, wird ihre Stimme brüchig, füllen sich die Augen mit Tränen. Der Schmerz um eine verlorene Heimat, um tote Jugendfreunde spricht aus ihnen. Aber auch die Liebe zu einem Lehrer, der Kindern bis in den Tod die Treue hielt. Oft stehen Blumen auf seinem Grab in Cham.“[1]

Über ein halbes Jahr lang war der junge Pädagoge selbstloser Wegweiser und Behüter seiner Schutzbefohlenen. Dann fiel er – bis zum letzten Atemzug um das Wohl der Kinder besorgt – einem Terrorangriff der britischen RAF auf das oberpfälzische Cham zum Opfer.

Bildergalerie

Die Bilder zeigen den Bahnhof in Cham (Oberpfalz), mit dem Warteraum, in dem sich die letzten Stunden des Lebens des Lehrers Ludwig Schwan abspielten. Selbstverständlich hat sich die Lage seit dem 18. April 1945 geändert, nicht jede Einzelheit wird noch der damaligen Situation entsprechen. Jedoch bekommt man den Eindruck, das Gebäude wurde nach dem alliierten Angriff nicht abgerissen, sondern getreu der ehemaligen Gestaltung wieder aufgebaut, allerdings mit der fast unvermeidliche Entstuckung. Ein Denkmal für Ludwig Schwan wird man selbstverständlich zu diesen BRD-Zeiten im Warteraum nicht auffinden. Hinsichtlich des vierten Bildes handelt es sich um eine Annäherung der Sicht vom Zugfenster aus, beim Anfahren des Chamer Bahnhofes aus Richtung Fürth im Wald, so wie sie die Kinder und ihre Lehrer zweifellos während ihrer letzten Fahrt wahrgenommen haben. Um genau die schluchtartige Einfahrt vom Osten in den Bahnhof mit Bildern belegen zu können, müßte man sich allerdings direkt unter der benannten Brücke auf dem dortigen Gleiskörper aufstellen.

Literatur

  • 96-book.png Google-BücherTimo Bullemer: Das Kriegsende in Cham: Ereignisse und Entwicklungen – November 1944 bis Mai 1945, 2005

Verweise

Fußnoten

  1. Aus Dr. Arnolds Bericht über den Beginn der Flucht des Lehrers Ludwig Schwan und seiner 12- bis 15jährigen Schulkinder aus dem Banat nach Westen