Preußischer Paradeschritt

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Rekruten des Preußischen Militärs beim Exerzieren (um 1880). Der würdige Paradeschritt Preußens hat nichts gemein mit den filmischen anti-deutschen Parodien aus dem jüdisch beherrschten Hollywood.

Der Preußische Paradeschritt (im Volksmund Stechschritt) ist eine spezielle Form des Gleichschritts, der gewöhnlich bei feierlichen Paraden und Vorbeimärschen geschlossener Einheiten demonstriert wird. Die Marschierenden schwingen dabei ihre Beine im Gleichtakt steif ausgestreckt hoch, je nach Land und Tradition fast bis zur Waagrechten, von Ehrenwachen auch über die Hüfte. Im Stechschritt marschierende Truppen erzeugen zudem ein markantes, lautes Schrittgeräusch.

Geschichte

Versuche eines preußischen Paradeschrittes eines Rekruten der Luftwaffe beim Exerzieren

Deutsche Erfindung

Preußischer Paradeschritt der Wehrmacht (Wach-Regiment „Berlin“) bei einer Wachablösung

Eingeführt wurde der „preußische Gleichschritt“ von Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, der einer der wichtigsten Heeresreformer und Feldmarschälle Friedrichs des Großen war, und als „Der Alte Dessauer“ volkstümlich wurde. Leopold I. erkannte rasch, wie sinnvoll die rhythmische Marschierweise bei Kämpfen war. Der Gleichschritt sollte die weit auseinandergezogenen Linien beim schnellen Vormarsch zusammenhalten. Zudem wuchs so die Feuerkraft im Gefecht, weil die Schützen im Gleichtakt nachladen und in geordneter Linie schießen konnten, ohne einen vor ihnen zielenden Kameraden zu gefährden. Noch im 17. Jahrhundert hatten die mit Feuerwaffen ausgestatteten Soldaten eher unkontrolliert geschossen.

Preußische Armee

Rekruten der Waffen-SS auf dem Kasernengelände beim Exerzieren mit Stechschritt

Damit alle nötigen Handgriffe saßen, ließ Fürst Leopold die preußischen Truppen immer wieder exerzieren. Der Gleichschritt der marschierende Fußtruppe war ein wichtiger Teil solcher Übungen. Das preußische Exerzier-Reglement von 1726 beschreibt ihn so, daß „bey allen Tritten die Beine wohl aufgehoben und starck und zugleich zugetreten werden“ sollte. Die preußischen Soldaten des 18. Jahrhunderts lernten, die Stiefelspitzen beim Vorrücken nach vorne zu richten, nicht nach oben. Mit gestrecktem Fuß war der Geländegewinn beim Marschieren maximal, und darum ist es gegangen: mit möglichst wenig Kraft die größte Wirkung zu entfalten, weswegen es beim Gleichschritt auch nicht darum gehe, die Stiefelsohlen auf den Boden zu knallen. Diese Marsch- und Linientaktik wurde wenig später in den Heeren der gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation übernommen. Der spätere Stechschritt kommunistischer Länder wie die Sowjetunion, das heutige Rußland oder Nordkorea hingegen sind ein martialischer Auswuchs, der dem militärischen Gegner imponieren soll, gerade bei bedrohlich wirkenden Waffenschauen.

„Der Wunsch nach Steigerung der Effizienz der einzelnen Soldaten und der Koordinierung der Bewegungen der Truppen im Rahmen der damals angewandten Gefechtstaktik waren die Grundlage der Entwicklung des Drills. Die mangelnden ballistischen Leistungen der im 18. Jahrhundert verwendeten Armeegewehre, nur etwa 150 m effektive Reichweite und wenig Zielgenauigkeit, sowie die Unzuverlässigkeit des einzelnen Soldaten, erzwangen ein möglichst dichtes Feuer. Dazu bildete man eine Linie, in der ein Mann neben dem anderen Stand und die drei Glieder tief war (also drei Mann hintereinander). Auf diese Weise konnten alle Schützen gleichzeitig feuern. Da eine solche Gefechtsaufstellung sich aber über mehrere Kilometer erstrecken konnte, war es von überragender Bedeutung, daß sie sich gleichmäßig fortbewegte und auch alle Bewegungen gleichmäßig ausführte. Sonst bestand die Gefahr, daß die Linie zerriß und dem Feind Lücken zum Durchstoßen bot. Abweichungen von der einmal festgelegten Bewegungsrichtung konnten nur von besonders geübten Soldaten ausgeführt werden, ohne daß es zu einem Durcheinander kam. Um dieses zu erreichen führte der Fürst Leopold von Anhalt- Dessau unter dem Soldatenkönig den Gleichschritt ein. Auch wurde der hölzerne Ladestock für die Vorderladergewehre durch einen eisernen ersetzt, was den komplizierten Ladevorgang beschleunigte und weniger fehleranfällig machte. Der Gleichschritt mit einer Vielzahl von Richtungsänderungen und Wendungen, sowie das Beherrschen der Waffe auch im größten Gefechtsstreß, wurden bis zur Stumpfsinnigkeit trainiert. In einem Exerzierreglement wurde bis in das kleinste Detail festgelegt, wie die einzelnen Handgriffe und Bewegungen auszuführen waren. Das tägliche, stundenlange Üben dieser Tätigkeiten, Drill genannt, garantierte der preußischen Armee allerdings ihre Erfolge und damit dem preußischen Staat seine Stellung als Großmacht. Den Soldaten wurde jede Eigeninitiative abtrainiert, bis sie maschinengleich auch unter den größten Belastungen funktionierten. Aufgrund des besonders harten und intensiven Drills der preußischen Soldaten, waren diese zu Bewegungen auf dem Gefechtsfeld fähig, die andere Armeen in Unordnung gebracht hätten. Der Waffendrill erlaubte ihnen eine höhere Feuergeschwindigkeit als alle anderen Armeen.“[1]

Vom Gleichschritt zum Paradeschritt

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der „preußische Gleichschritt“ von Friedrich-Wilhelm III. erneut im preußischen Exerzier-Reglement schriftlich aufgenommen und als „preußischer Paradeschritt“ neu geregelt. Diese preußische Tradition wurde vom Deutschen Heer, dann dem Wachregiment der Reichswehr und der deutschen Wehrmacht fortgeführt.

„Ich habe in meinem Leben schon viele Paraden gesehen, in der Wirklichkeit und im Film; ich weiß, was es mit dem preußischen Paradeschritt auf sich hat – wenn wir auf dem Oberwiesenfeld in München gedrillt wurden, hieß es: So gut wie in Berlin müßt ihn hier mindestens machen! Aber nie zuvor, und was mehr sagt, auch niemals hinterher, trotz aller Paraden vor dem Führer und aller Nürnberger Vorbeimärsche, habe ich etwas Ähnliches gesehen wie an diesem Abend. Die Leute warfen die Beine, daß die Stiefelspitzen über die Nasenspitzen hinauszuschwingen schienen, und es war wie einziger Schwung, wie ein einziges Bein, und es war in der Haltung all dieser Körper, nein: dieses einen Körpers eine so krampfhafter Anspannung, daß die Bewegung zu erstarren schien, wie die Gesichter schon erstarrt waren, daß die ganze Truppe ebensosehr den Eindruck der Leblosigkeit wie der äußersten Belebtheit machte.“Victor Klemperer zu einer Parade am 1. Juni 1932 nach dem Antritt der Regierung Papen, als die Marinewache für das Präsidentenpalais durch das Brandenburger Tor anläßlich dem „Tag der Skagerrakschlacht“ zog.
VSA-Besatzersoldaten aus dem Westen Berlins bestaunen das „Wachregiment der Stadtkommandantur Berlin (Ost)“ vor der Neuen Wache nach dem Fall der Mauer, 1990

Anklang im Ausland

Russische Soldaten bei einer Parade 2014; Marsch mit gemäßigtem preußischem Paradeschritt.

Als sich nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 überall auf der Welt Länder die siegreiche preußisch-deutsche Armee zu Vorbild nahmen, breitete sich diese Praxis bis nach Südamerika aus.

Zwar verlor der Stechschritt Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Linien-Angriff in geschlossener Formation angesichts der Feuerkraft moderner Gewehre jeden taktischen und praktischen Sinn., aber bis zuletzt galt diese besonders schwierige Art zu Marschieren als Inbegriff der Exerzierkunst, Überlegenheit, Disziplin und Ausdauer.

Chile

Emil Körner führte preußisch-deutsche Gepflogenheiten in Chile ein, kurz darauf folgten viele andere Länder auf dem Kontinent.

Russisches Kaiserreich

In Russischen Kaiserreich war der Stechschritt der Kaiserlich-Russischen Armee schon unter Kaiser Paul I. (1796–1801) eingeführt worden, später übernahm ihn auch die Rote Armee, und von dort gelangte er in kommunistische Staaten, die ihn noch nicht kannten. In Kuba war er allerdings schon vor der kommunistischen Epoche als „gemäßigter Stechschritt“ eingeführt worden. Den vollendeten zackigen Stechschritt pflegen in Kuba Soldaten beiderlei Geschlechts heute z. B. bei der Wachablösung am Mausoleum des Nationalhelden José Marti.

Italien

Mussolini führte ihn 1938 nach deutschem Vorbild als „Passo Romano“ („römischer Schritt“) bei der italienischen Armee ein. Der Stechschritt gilt in angelsächsischen Ländern bis heute als typisch deutsch.

Ostzone

An der Grenze zur Verballhornung: Matrosen und Offiziersanwärter auf dem Paradeplatz der Escuela Naval Militare, die Marineschule der Marine in La Paz (Bolivien), beim Exerzieren mit einem übertriebenen preußischen Paradeschritt.

Die DDR gehörte zu den Ländern, in denen jenes Relikt preußischer Militärtradition (unter dem Namen „Exerzierschritt“) noch gepflegt wurde – und zwar in der gemäßigten Variante, bei der die gestreckten Beine der Soldaten nur bis auf Kniehöhe gehoben wurden, statt, wie in der klassischen besonders zackigen Form, bis auf Hüfthöhe. Als in Herbst 1990 (vor dem 3. Oktober 1990) die Wachablösung der NVA-Ehrenwache vor der Neuen Wache Unter den Linden in Berlin zum letzten Male vollzogen wurde, endete eine ehrwürdige deutsche Militärtradition, die bis zur Preußischen Armee des 18. Jahrhunderts zurückreichte.

„Es marschiert noch immer, wenn auch bloß auf kurzen Videos im weltweiten Netz. Doch ansonsten ist das Wachregiment „Friedrich Engels“ der Nationalen Volksarme der DDR längst Geschichte. Bis zum 3. Oktober 1990 führten seine Soldaten jeden Mittwoch und Samstag um 14.30 Uhr an der Neuen Wache in Berlin vor, wie zackig es gerade im Sozialismus zugehen konnte. Der ‚Große Wachaufzug‘, ausgeführt von einer eigens angerückten Ehrenformation des Wachregiments, war ein Spektakel. Drei Soldaten, in der Linken das Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett, verließen die geschlossene Reihe und staksten los. Dabei schnellte das jeweils freie Bein aus der Hüfte in die Waagerechte, so dass die Stiefelspitze gen Himmel wies. Vor der 1818 fertiggestellten Neuen Wache angekommen, lösten sie die dort postierten Soldaten ab, woraufhin diese es ihnen beim Zurückmarschieren in die Formation gleichtaten. Ihr Stechschritt wirkte auf westliche Beobachter seltsam aus der Zeit gefallen und mechanisch – ganz so, als marschierten hier keine Menschen, sondern aufgezogene Blechsoldaten. Dabei war der anstrengende Paradeschritt im 20. Jahrhundert unter den Armeen autoritär regierter Staaten weit verbreitet. Nicht nur die deutsche Wehrmacht im Dritten Reich praktizierte ihn; typisch war er auch für die Armeen des früheren Warschauer Paktes, und noch heute pflegen ihn Truppen wie jene Nordkoreas, Weißrußlands oder Chinas. Selbst im demokratischen Chile sieht man ihn noch, etwa bei den jährlichen Militärparaden zum Nationalfeiertag am 18. September. Nach Worten des Freiburger Militärhistorikers Karlheinz Deisenroth wirken die herausgeputzten Soldaten dabei, als marschierten ‚die Preußen oder die Wehrmacht vorbei‘, übrigens auch in punkto Uniformierung und Marschmusik. Nicht umsonst gelten die Chilenen bisweilen als die Preußen Südamerikas, und tatsächlich waren es preußische Offiziere, die Chiles Militär Ende des 19. Jahrhunderts ausbildeten.“ — Walter Schmidt, Dipl. Geograph und freier Journalist

Bundeswehr

Der Stechschritt ist beim Aufbau der Bundeswehr bewußt nicht übernommen worden, um sich „vom militärischen Zeremoniell der Wehrmacht abzugrenzen“ und da sie ihre infanteristische Tradition von den historischen Jägereinheiten, in denen der Stechschritt nie praktiziert worden war, und nicht von der Linieninfanterie herleitete. Aber auch die Armee der Bundesrepublik übt einen weniger markanten Gleichschritt ein, denn nur so ist eine geordnete und schnelle Truppenbewegung möglich.

Beim Fußmarsch sorgen geordnete Reihen dafür, daß Marschführer die Übersicht behalten und die so in Bewegung gesetzten Soldaten zügig und zeitgerecht am Ort ihrer Bestimmung eintreffen. So treffen Fußtruppen zu einer bestimmten Zeit und sofort einsatzbereit an einem vorab festgelegten Ort ein. Das Marschieren per Gleichschritt dient auch der Diziplin und des Zusammenhaltes in der Truppe, da sich beim Marsch eine Gemeinschaft bildet. Im Ersten Weltkrieg haben deutsche Offiziere ihre Truppen hinter der Front aus psychologischen Gründen exerzieren und marschieren lassen, wenn die Moral der Soldaten erschüttert war.

Die Gangart des Gleichschrittes gehört auch zum Ablauf verschiedener militärischer Zeremonien, z. B. der Flaggenparade, dem militärischen Ehrengeleit und dem Großen Zapfenstreich. Auch beim Empfang von Staatsgästen marschiert der militärische Vorgesetzte des Wachbataillons der Bundeswehr gemessenen Schrittes hinter dem politischen Gast und seinem Gastgeber her, wenn die beiden die Ehrenformation abschreiten. Es gelte, dem Gast mit ungeladenen Waffen freundlich, zuweilen verbindlich Reverenz zu erweisen.

„In der Bundeswehr wird im so genannten Formaldienst zwischen dem Marsch ‚Im Gleichschritt‘ und dem Marsch ‚Ohne Tritt‘ unterschieden. Der Marsch beginnt grundsätzlich aus der Grundstellung, ausgenommen ‚Ohne Tritt – Marsch!‘ als Befehl im Gelände. Einen Exerzierschritt (vergleichbar dem Stech- oder Paradeschritt) kenne die Formaldienstordnung der Bundeswehr nicht, teilt ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums auf Anfrage mit. Nur für das Wachbataillon gälten ‚ergänzende Bestimmungen für das formale Verhalten im protokollarischen Dienst‘. Die Schrittfrequenz werde bei Märschen in Schritt pro Minute angegeben. ‚In der Bundeswehr wird mit einer Schrittgeschwindigkeit von 114 Schritten in der Minute marschiert‘, sagt der Ministeriumssprecher. Diese Festlegung sei ‚aus der Tradition deutscher Militärmusik erwachsen‘. Grundsätzlich beträgt eine Schrittlänge bei der Bundeswehr etwa 80 Zentimeter. Gemessen wird der Abstand zwischen zwei Bodenberührungen des linken Beines. Dies sei jedoch nur ein Grundmaß, da die wirkliche Schrittlänge ‚an die Anatomie des Menschen gebunden ist‘.“ — Walter Schmidt

Siehe auch

Fußnoten