Yggdrasil

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Yggdrasil, die Weltenesche aus der germanischen Mythologie

Yggdrasil ist in der germanischen Mythologie der Weltbaum oder Weltenbaum, laut den Berichten der Liederedda und der Prosa-Edda eine riesenhafte immergrüne Esche, in Zusammenhang stehend mit dem Heiligtum Irminsul. Unter der Yggdrasil stellte man sich das ganze Weltgebäude vor. Laut Völuspá und Grímnismál ist Yggdrasil eine Esche. Insbesondere Schröder, Läffler und de Vries deuteten jedoch eine Eibe, u.a. wegen des Ausdrucks „barr“, der im Fjölsvinnsmàl[1] auftaucht und der lediglich einen Nadelbaum bezeichnen könne.

Etymologie und Herkunft

Der Weltenbaum Yggdrasil mit dem Quellbecken Hwergelmir an seinen Wurzeln. Illustration von Lorenz Frølich, 1895.

Etymologie

Über die Bedeutung bzw. Wortherkunft des Namens „Yggdrasil“ ist man sich bis heute uneinig. Vor allem scheiden sich die Geister bei der Frage, ob Yggdrasil allein bereits den Baum bezeichne oder erst „askr Yggdrasil“ dies tue. Letzeres schließt die Deutung mit ein, daß der Weltenbaum der Baum sei, an dem Wodan (bzw. nordger. Odin) als höchster Gott sein Pferd festbinde, da „Yggdrasil“ zunächst „Yggs Pferd/ Ross“ bedeute und Yggr ist ein Beiname Wodans. Verbreiteter ist aber die auf den Wodansmythos (Wodans Selbstopfer im Hávamál) bezogene Deutung, daß der Weltenbaum selbst das Pferd Wodans (Sleipnir) sei, da dieser der „Galgen“ sei, an dem Wodan bei seinem Selbstopfer hängt.

Eine ganz andere Deutung schlug der Germanist und Skandinavist Franz Rolf Schröder (1893-1979) vor: Er übersetzt Yggdrasil als „Eibensäule“, was er so herleitet, daß „yggia“ von indogerman. *igwja komme, was „Eibe“ bedeutet; „drasill“ von indogerman. *dher, „stützen“.

Unterstützt wird diese Deutung als „Eibe“ dadurch, daß es vom Weltenbaum heißt, er sei immergrün:

Eine Esche weiß ich stehen, sie heißt Yggdrasil, ein hoher Baum […] Sie steht immergrün über dem Urdbrunnen.[2]

Die Esche ist jedoch nicht immergrün, die Eibe hingegen schon. Die Wandlung zur Esche könnte sich dadurch erklären, daß auf Island, wo die Edda abgefasst worden ist, keine Eiben wachsen.[3]

Herkunft

Die in Yggdrasil gebündelten Symbolismen (Weltbaum, Weltachse (vgl. Irminsul), Himmelsstütze, Wodans Opferbaum) führte Einige zu der Annahme, dieser Mythos weise christliche Züge auf (vgl. die Kreuzholzlegende). Wahrscheinlicher aber sind indogermanische wenn nicht gar archetypische Vorstellungen um den Weltenbaum in Yggdrasil zusammengeflossen.

Symbolik

In der germanischen Mythologie spielt der große Weltenbaum namens Yggdrasil eine bedeutende Rolle und symbolisiert die verschiedenen Gottheiten und Welten. Die germanischen Gottheiten, darunter Wodan (bzw. nordgerm. Odin) , Donar (nordgerm. Thor), Balder, Freija, Heimdall u.a. versammeln sich regelmäßig bei der Yggdrasil zum Thing.

Yggdrasil hat drei große Wurzeln; eine entspringt in Jötunheim, dem Land der Riesen, eine weitere, im nördlich gelegenen, eiskalten Niflheim nahe der Quelle Hvergelmir und die dritte Wurzel bei Asgard.

Im Verlauf der Schöpfung erfüllte der aufkeimende Weltenbaum das zwischen dem eiskalten Niflheim und dem feuerheißen Muspelheim gelegene, vormals vollkommen leere Ginungagap mit den neun Welten.

In der Mythologie ist Yggdrasil ein lebendes Wesen, jedoch allzeit bedroht von Vergehen und Tod. So ernähren sich vier Hirsche von dem Weltenbaum und fressen seine Blätter; unterdessen nagt die Schlange Nidhogg rastlos an seiner untersten Wurzel. Diesen Gefahren ausgesetzt, aber sich unablässig erneuernd, gilt der Weltenbaum als das Symbol des Lebens schlechthin.

Der Weltenbaum als Weltensymbol und Symbol der ständigen Erneuerung des Lebens hat auch eine Bedeutung im germanischen Jahreskreises; er tritt in der Tradition der Maibäume und Weihnachtsbäume in Erscheinung.

Yggdrasil in der Edda

Lieder-Edda

Der Weltenbaum nach der Edda-Überlieferung

Grímnismál, Strophe 31 (altnordisch)

Deutsch von Simrock:

Drei Wurzeln strecken sich nach dreien Seiten
Unter der Esche Yggdrasil:
Hel wohnt unter einer, unter der andern Hrimthursen,
Aber unter der dritten Menschen.


Fjölsvinnsmàl, Strophen 19-20 (altnordisch)

Deutsch von Simrock:

Sage mir, Fiölswinn, was ich dich fragen will
Und zu wissen wünsche:
Wie heißt der Baum, der die Zweige breitet
Über alle Lande?
Fiölswinn:
Mimameid heißt er, Menschen wissen selten
Aus welcher Wurzel er wächst.
Niemand erfährt auch wie er zu fällen ist,
Da Schwert noch Feuer ihm schadet.

Snorra-Edda

Gylfaginning, Strophe 15 (altnordisch)

Deutsch von Simrock:

Diese Esche ist der größte und beste von allen Bäumen: seine Zweige breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf über den Himmel. Drei Wurzeln halten den Baum aufrecht, die sich weit ausdehnen: die eine zu den Asen, die andere zu den Hrimthursen, wo vormals Ginnungagap war; die dritte steht über Niflheim, und unter dieser Wurzel ist Hwergelmir und Nidhögg nagt von unten an ihr. Bei der andern Wurzel hingegen, welche sich zu den Hrimthursen erstreckt, ist Mimirs Brunnen, worin Weisheit und Verstand verborgen sind. Der Eigner des Brunnens heißt Mimir, und ist voller Weisheit, weil er täglich von dem Brunnen aus dem Giallarhorn trinkt. Einst kam Allvater dahin und verlangte einen Trunk aus dem Brunnen, erhielt ihn aber nicht eher, bis er sein Auge zum Pfand setzte. So heißt es in der Völuspa:
Alles weiß ich, Odin, wo dein Auge blieb:
In der vielbekannten Quelle Mimirs.
Met trinkt Mimir jeden Morgen
Aus Walvaters Pfand: wißt ihr was das bedeutet?
Unter der dritten Wurzel der Esche, die zum Himmel geht, ist ein Brunnen, der sehr heilig ist, Urds Brunnen genannt: da haben die Götter ihre Gerichtsstätte; jeden Tag reiten die Asen dahin über Bifröst, welche auch Asenbrücke heißt.

Siehe auch

Literatur

  • Klaus Bemmann: Die Religion der Germanen. Die Religion der Deutschen bevor sie Christen wurden. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage 1998 mit zahlreichen Farbtafeln. Phaidon Verlag, Essen 1990, ISBN 3-88851-094-5
  • Gisela Graichen: Das Kultplatzbuch. Ein Führer zu den alten Opferplätzen, Heiligtümern und Kultstätten in Deutschland. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1988, ISBN 3-86047-176-7
  • Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Vollständige Ausgabe. Marix Verlag: Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-143-8
  • David M. Wilson (Hg.): Die Geschichte der nordischen Völker. Die Welt der Germanen, Kelten, Wikinger, Slawen. Orbis Verlag, München 2003, ISBN 978-3-572-01462-X. [Lizenzausgabe der Beck'schen Verlagsbuchhandlung, München, deutsche Ausgabe erstmals 1980; Originalausgabe: London 1980; zahlreiche großformatige Abbildungen.]
  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (2006), S. 494-496.
  • Die Lieder-Edda (Ältere Edda, Codex Regius, Saemundar Edda). In der Übersetzung von Karl Simrock (1851); 1,15; 2,31; 14,19-20.
  • Die Snorra-Edda (Prosa-Edda, Jüngere Edda). In der Übersetzung von Karl Simrock (1851); 1,15.
  • Vom Baum als Symbol im Christentum und in der germanischen Religion - Ein Vergleich
  • Magn David Dendera: Teut'scher Schild. Das urnordische Sinnbild des Weltenbaumes und seine Bedeutung für die Gegenwart. In: „Nordische Schriftenreihe“ Teil 2 ([1])

Verweise

Fußnoten

  1. Fjölsvinnsmàl , Strophe 20: „Segðu mér þat, Fjölsviðr! er ek þik fregna mun ok ek vilja vita: hvat þat barr heitir, er breiðask um lönd öll limar?“
  2. Lieder-Edda: Völuspá, Strophe 19
  3. Vgl.: Yggdrasil, der Weltenbaum - Esche oder Eibe? (Artgemeinschaft: Asatru.de)