Bildung

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Bildung im weitesten Sinne meint die – geistige wie körperliche – Entwicklung und Vervollkommnung der gesamten Anlagen und Kräfte des Menschen. Hierbei unterscheidet man zwischen materialer Bildung (Bereicherung oder Reichtum an Kenntnissen) und formaler Bildung (Befähigung zum Auffassen, Beurteilen, Darstellen) und stellt die allgemeine Bildung der Fachbildung, die harmonische (allseitige) der einseitigen, die gesunde Bildung der Verbildung, die abgeschlossene der Halbbildung und die Bildung des Gemüts der des Verstandes gegenüber. Auch spricht man von verschiedenen Bildungsidealen und demnach z. B. von patriotischer, nationaler, christlicher, humanistischer oder gelehrter, bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch von ästhetischer Bildung.

Das Wort Bildung ist ein kennzeichnender, grundeigener Bestandteil der deutschen Sprache und deutschen Denkens, und wenn auch seine Bedeutung in der Geschichte schwankte, so scheint sich doch ein Konsens herausgebildet zu haben, den man so formulieren könnte: Bildung ist die Befreiung des Menschen zu selbständigem Denken und Handeln.

Wortherkunft

Im Althochdeutschen bedeutete bildunga „Schöpfung“, „Bildnis“ und „Gestalt“. Das Wort teilt sich somit mit Wörtern wie bilden oder Bild denselben Wortstamm. Der Begriff Bildung in seiner heutigen Bedeutung wurde von dem mittelalterlichen Theologen und Philosophen Meister Eckhart in die deutsche Sprache eingeführt. Er bedeutete für ihn das „Erlernen von Gelassenheit“ und wurde als „Gottessache“ angesehen, „damit der Mensch Gott ähnlich werde“.

Entstehung, Bedeutung und Geschichte

Wilhelm von Humboldt, Reformer der deutschen Bildung im 19. Jahrhundert

Als Ausdruck ist Bildung für die deutsche Sprache und Weltanschauung kennzeichnend, denn es gibt in den anderen europäischen Sprachen dafür kein Äquivalent; selbst in dem so nah verwandten Niederländischen existiert zwar das Wort „afbeelding“ für „Abbildung“, aber kein „beelding“.[1] Im Französischen wären etwa ein halbes Dutzend Wörter nötig, um „Bildung“ zu übersetzen (z. B. éducation, formation, apprentissage, civilité, savoir vivre, bienséance). Nur in Skandinavien hat man das Wort im 19. Jahrhundert lehnübertragen und kann jetzt „bildning“ sagen.

„Bildung“ ist also eines der eigensten und eigentümlichsten Wörter der deutschen Sprache. Aus einer Varietät von „Bild“ und „Bildnis“ (noch Sebastian Franck spricht in seinem „Weltbuch“ [1534] von „Bildung des Königs“, wenn er dessen Konterfei meint, und noch zwei Jahrhunderte später verwendete Justus Möser [1720-1794] den Begriff Bildung in ebendiesem Sinne[2]) entwickelt sich unter dem Einfluß der Mystik ein ganz neues Bedeutungsfeld. Meister Eckhart lehrt, der Mensch müsse sich seines auf Selbstbehauptung zielenden Willens „entbilden“ und „seiner selbst und aller Dinge ledig werden“, um anschließend durch „Einbildung“ oder „Überbildung“ in Gott mit ihm eins zu werden. In diesem Vorgang wird der Mensch zur Teilhabe am „Wesen“ Gottes erhoben. Dabei steht im Hintergrund zwar wohl die biblische Vorstellung von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen (1. Mose 1,27: der Mensch als Ebenbild Gottes), aber, so Eckhart, das „ist“ er nicht von Geburt an, sondern er muß es erst „werden“.

In diesem Sinne kann man die Forderung des Angelus Silesius (17. Jh.):

Mensch, werde wesentlich, denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht

als ein Bildungsprogramm aus dem Geiste der deutschen Mystik verstehen.

Auch die Pietisten und ihre Vorläufer im 17. und 18. Jahrhundert (Comenius, Spener, Francke etc.), die den Grund legten für die Pädagogik, wollten junge Leute in diesem Geiste „bilden“, selbst wenn sie das Wort kaum gebrauchten[3]. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wird diese Auffassung von Bildung unter dem Einfluss der Aufklärung zwar säkularisiert, ein konstituierendes Merkmal bleibt jedoch: Bildung ist nicht identisch mit der Vermittlung oder Aneignung von Wissen[4], sondern ist Gewinn der dem Menschen angemessenen, ihn auszeichnenden Lebensform. „Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus“, rät Friedrich Schiller seinen Deutschen.

In diesem Sinne wird „Bildung“ zu einer Zentralformel der Humboldtschen Reformen am Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach Wilhelm von Humboldt ist Bildung die Anregung und Entwicklung aller Fähigkeiten, die dem einzelnen Menschen innewohnen, mit dem Ziel der Formung einer Individualität, die gerade in ihrer Besonderheit und Einmaligkeit die Allgemeinheit bereichert. Darum soll „reine und allgemeine Menschen-Bildung“ für alle die Grundlage sein, ein Unterricht „der auf den Menschen überhaupt geht“ und dem erst dann eine Spezialausbildung folgen kann.

Die Humboldtsche Bildungskonzeption ist niemals rein umgesetzt worden. Auch hat man sie immer wieder von verschiedenen ideologischen Positionen aus heftig angegriffen, wobei sie sich als recht robust gezeigt hat.

Begriff „Bildung“ in der linken Ideologe

Martin Lichtmesz urteilt über die linke Verwendung des Begriffes:

„Auch der Begriff ›Bildung‹, der mit auffallender Umlauffrequenz aus sozialdemokratischen Mündern perlt, wird im Grunde rein quantitativ verstanden, als ein Gut, das man beliebig und an jedermann verteilen könne wie Gratissemmeln, wobei die Empfänger nichts anderes tun müssen, als – was jeder kann – die Semmel entgegenzunehmen, um ›gebildet‹ zu sein.
›Bildung‹ soll auch alle Integrationsprobleme, etwa mit islamischen Einwanderern lösen. Banaler Weise ist damit häufig nicht mehr gemeint als die Adaption linksliberaler Ideen. Linke dieser Art können sich kaum vorstellen, daß es auch hochgebildete ›Rechte‹, konservative Katholiken oder gläubige Moslems gibt, die ihre Vorstellungen keineswegs teilen.“[5]

Zitate

  • „Bildung ist die Fähigkeit, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und jenes ernst zu nehmen.“ – Paul de Lagarde
  • „Bildungsferne beginnt mit dem Sprachproblem. Wer die Landessprache nicht beherrscht, hat keine reale Chance auf Bildung.“ — Burgos von Buchonia

Siehe auch

Literatur

  • Gerald Lemke / Ingo Leipner: Die Lüge der digitalen Bildung – Warum unsere Kinder das Lernen verlernen, Redline Verlag, 3. Aufl., München 2018 [256 S.]
  • Georg Kerschensteiner: Theorie der Bildung, Berlin 1926
  • Manfred Spitzer: Cyberkrank – Wie das digitalisierte Leben unsere Gesellschaft ruiniert, Droemer Verlag, München 2015, ISBN 978-3426276082 [ausführlich zum Bildungsthema; 431 S.]
  • Tomasz M. Froelich: Bildungsvielfalt statt Bildungseinfalt: Bessere Bildung für alle ohne Staat, 2015, ISBN 978-3734749292 [aus libertärer Sicht; 108 S.]
  • Rigolf Hennig: Mensch und Bildung, in: Volk in Bewegung – Der Reichsbote, Ausgabe 6/2013, S. 8–16

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl.: Bildung, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (Bd. 2, Sp. 22 bis 24)
  2. Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Bildung, in: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 1907, S. 104
  3. Comenius spricht von der notwendigen formatio des Menschen nach dem umfassenden Grundsatz omnes, omnia, omnino (allen alles gänzlich), die es den so Gebildeten ermöglichen solle, am „Schöpfungswerk Gottes“ mit dem Ziel eines universalen Friedensreiches mitzuarbeiten, nachdem Jesus Christus dazu die Voraussetzung geschaffen habe, indem er die Verbindung (den „nexus hypostaticus“) zwischen Gott und Mensch wiederherzustellen vermochte.
  4. Wissenshuberei hat schon Heraklit an Pythagoras getadelt: es soll nicht irgendetwas gedacht und erforscht werden, vielmehr das Maßgebliche.
  5. Das Stockholm-Syndrom und weitere linke Lektionen, 28. Mai 2013
  6. Die Welt als Wille und Vorstellung II, S. 74
  7. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 872