Frühes Germanentum

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Ein frühgermanisches Kulturbild

Das frühe Germanentum entstand zum Ende der Bronzezeit, die von 2200 v. d. Z. bis 800 v. d. Z. andauerte und vornehmlich von der Epoche der Urgermanen geprägt wurde. Die Frühgermanen blühten in der Eisenzeit (800 v. d. Z. bis um die Zeitenwende) auf.

Geschichte

Ur- bzw. frühgermanische Kunst aus der Bronzezeit: Der Schatz von Eberswalde (Teilansicht), auch als Eberswalder Goldschatz bekannt.

Frühe Zeugnisse der protogermanischen Ära finden sich in der Himmelsscheibe von Nebra, der schlesischen Gesichtsurnenkultur und den norddeutschen Hügelgräbern. Aber auch die Frühgermanen trugen zum Fortschritt der germanischen Kultur bei, wie die archäologische Funde der „Harpstedt-Nienburger Gruppe“ aus dem nordwestdeutschen Geestgürtel zwischen Ems und unterer Mittelelbe zeigen.

Epochen

Aus Prof. Dr. Torsten Evert Karstens „Die Germanen – Eine Einführung in die Geschichte ihrer Sprache und Kultur“ (1928)

Das Zeitalter der Germanen von der Steinzeit über die die Bronze- und Eisenzeit bis zum Mittelalter ist in Epochen unterteilt, wobei die Wissenschaft sich bezüglich der genauen Zeitabschnitte nicht einig ist:

800–700 bis zur Zeitenwende

Zum Ende der Bronzezeit fand in Deutschland ein Klimawandel statt. Durch die Verschlechterung des Wetters veränderte sich die Landschaft, und Sümpfe und große Wälder entstanden. Dies ließ die Erträge der Ernten zurückgehen. Kunst und Wissenschaft wichen zunehmend dem Überlebenskampf, Wissen ging durch fehlende Aufzeichnungen verloren. Die Struktur der Bronzezeit blieb vorerst vorhanden. Allerdings verschwand das überregionale Fürstentum, und die Menschen verließen die Handelszentren und zogen als Bauern in ländliche Siedlungen. Zu Beginn der Germanischen Eisenzeit traten im Norden die Germanen und im Süden die Kelten hervor, wobei der germanische Harz vorerst eine natürliche Barriere zwischen den Kulturen bildete.

Früheste Häuser der Germanen sind ab etwa 500 v. d. Z. bezeugt, zumeist Pfostenbauten mit lehmverstrichenen Flechtwänden, rechteckigem Grundriß und sattelförmigem Dach; im südlichen Nordseeküstenraum mit dreischiffigen Hallenhäusern in Form aus zwei Längsreihen aus Pfosten und zu beiden Seiten kürzere Pfosten, Gedeckt mit Schilf, Stroh oder Grassoden. Größte Häuser der Germanen waren bis zu 25 Meter lang und 6 Meter breit, geeignet zur Einstellung des Viehs im Winter. In der Eisenzeit dominierte die Viehzucht, nach Norden wurde diese stärker durch Jagd ergänzt. Herrenhöfe und Fürstensitze zeigten zunehmende soziale Unterschiede (Körpergräber und Brandgräber, zahlreiche davon Waffengräber, einzelne Wagengräber mit Pferdegeschirr, Fibeln, Gürtel, Schmuck, weitreichende Handelsbeziehungen).

Die Stämme der Früh- und Altgermanen

Laut Tacitus' Überlieferungen gehen die germanischen Stämme auf den Urvater Mannus zurück, der als Sohn des Gottes Tuisto bezeichnet wird, da es bis in die Völkerwanderungszeit typisch für germanische Herrscher war, eine Abstammung von Göttern anzunehmen. Es ist denkbar, daß Mannus einer der letzten überregionalen Fürsten war. Die Herrschaft über sein Volk könnte er an seine drei Söhne vererbt haben. Nach Tacitus’ Aufzeichnungen entstanden vorerst drei Stämme:

  • Die dem Ozean am nächsten liegenden Ingävonen (Ingwäonen),
  • die in der Mitte befindlichen Herminonen (Irminonen) und
  • die übrigen, die Istävonen (Istwäonen) genannt wurden.

Diese Stämme teilten sich im Laufe der Zeit weiter auf, und obwohl sie immer unabhängiger von einander wurden, blieben ihre Ursprünge durch Rasse (DNS), Lieder und Geschichten im Bewußtsein der Germanen – wie Tacitus ebenfalls in seiner Germania zu berichten wußte.

Die Ausbreitung der Germanen

Im 3. Jahrhundert v. d. Z. breiteten sich germanische Stämme bereits bis zur Schwarzmeerküste aus und hatten die Kelten in den Süden und bis zum Rhein verdrängt.

Der Zug der Kimbern und Teutonen

Aufgrund von Land- und Lebensmittelmangel brach im Jahr 120 v. d. Z. der Stamm der Kimbern gen Süden auf. Ihnen schlossen sich die aus Norddeutschland stammenden Teutonen und der Stamm der Ambronen an. Im Jahre 113 v. d. Z. traf der germanische Zug erstmals auf die Römer. Diese versprachen die Landsuchenden weiterziehen zu lassen und stellten ihnen Führer zur Seite, die die Germanen allerdings in einen Hinterhalt lockten. Eine 12.000 Mann starke römische Armee griff die Kolonne an, wurde aber vernichtend geschlagen. In den Jahren 109, 107 und 105 v. d. Z. wurden die Kimbern, Teutonen und Ambronen wieder von römischen Truppen angegriffen, die aber jedesmal unterlagen. (→ Furor teutonicus) In den Jahren nach diesen Schlachten trennten sich die Stämme, was ihr Schicksal besiegelte. Die Teutonen unter Teutobod und die Ambronen wurden 102 v. d. Z. und die Kimbern 101 v. d. Z. von den Römern vernichtet. Die Überlebenden schlossen sich anderen germanischen Stämmen an und wurden einverleibt.

Ariovist und Cäsar

Ariovist war ein Fürst der Sueben im 1. Jahrhundert v. d. Z. und Gegner von Gaius Julius Cäsar im Gallischen Krieg. Im Jahr 71 v. d. Z. überschritt Ariovist mit ca. 15.000 Mann den Oberrhein und fiel, angeworben von keltischen Stämmen für innergallische Machtkämpfe, in Gallien ein. 61 v. d. Z. festigte Ariovist seine Ansprüche in Gallien und holte, zur Untermauerung seiner Herrschaft, andere germanische Stämme ins keltische Gebiet nach. Angesichts der germanischen Bedrohung baten die Gallier nun gemeinsam Rom um Hilfe. Ein frühes Beispiel dafür, daß die Germanen im Verkehr mit den Römern sich selbst Germani nannten, findet sich bei Caes. bell. Gall. I, 36, wo Ariovist bei der Unterhandlung mit Cäsar sein eignes Heer invicti Germani nennt. Im Jahr 58 v. d. Z. kam es dann zur Schlacht zwischen den Römern unter Cäsar und dem Siebenstämme-Heer Ariovists. Ariovist unterlag und zog sich mit den Überlebenden über den Rhein zurück, sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Frühgermanische Kalender

„Die frühe germanische Kalender waren die regionalen Kalender, die unter den frühgermanischen Völkern verwendet wurden, bevor sie im frühen Mittelalter den julianischen Kalender übernahmen. Die Kalender waren ein Element der frühgermanischen Kultur. Die germanischen Völker hatten Namen für die Monate, die je nach Region und Dialekt unterschiedlich waren, aber sie wurden später durch lokale Anpassungen der julianischen Monatsnamen ersetzt. Aufzeichnungen über altenglische und althochdeutsche Monatsnamen stammen aus dem 8. bzw. 9. Jahrhundert. Altnordische Monatsnamen stammen aus dem 13. Jahrhundert. Wie bei den meisten vormodernen Kalendern war die in der frühgermanischen Kultur verwendete Abrechnung wahrscheinlich lunisolar. Zum Beispiel war der im mittelalterlichen Schweden entwickelte Runenkalender lunisolar und legte den Jahresbeginn auf den ersten Vollmond nach der Wintersonnenwende fest. Die germanischen Kalender waren lunisolar, die Monate entsprachen den Lunationen. Tacitus schreibt in seinem Germania (Kapitel 11), daß die germanischen Völker die Mondmonate beobachteten.“[1][2]

Frühgermanen in Kaulwitz

Bei allen Besuchern der Vorgeschichtlichen Abteilung des Breslauer Altertumsmuseums erfreuen sich die Geschichtsurnen der frühgermanischen Zeit (in Schlesien etwa 550–300 v. Chr.) einer besonderen Beliebtheit. Kein Wunder, denn gar zu seltsam sind ja diese großen Urnen, die den Beschauer mit ihren deutlich ausgebildeten Augen so ernst und kühl abwägend anblicken im Bewusstsein der Geheimnisse, die sie umschließen, und der Rätsel, die sie uns fragenden Menschen von heute aufgeben. […] Aus der Betrachtung der vielen hundert außerhalb Schlesiens vornehmlich im ehemaligen Westpreußen gefundenen Gesichtsurnen wissen wir, daß man an den auf ihnen eingeritzten Darstellungen oftmals genau unterscheiden kann, ob sie den Knochenresten einer männlichen oder einer weiblichen Leiche als Behältnis dienten. Auch in Kaulwitz lässt sich das noch nachweisen, denn Urnen mit einer Scheibenknopfnadel am Halse weisen auf die weibliche Tracht bei den Frühgermanen hin und wurden daher für Frauenbestattungen gewählt. Der Mann trug am Hals oder auf der Schulter dagegen zwei waagerecht eingesteckte Nadeln mit kleinem Kopf, meist wohl die so genannten „Schwanenhalsnadeln“, die auch nicht selten wohl erhalten in Urnen gefunden werden.[3]

Siehe auch

Literatur

Fußnoten