Bronzezeit

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Germanische Sonnenwendfeier in der späten Bronzezeit (protogermanischen, urgermanischen Ära, ca. 1000 vor unserer Zeitrechnung), mutmaßlich auf dem Questenberg (Vorläufer des Questenfests).

Die Bronzezeit ist die der Steinzeit folgende prähistorische Periode der Menschheit, in der Metallgegenstände, d. h. insbesondere Waffen, vorwiegend aus Bronze hergestellt wurden. Diese Epoche umfaßt in Germanien bzw. Mittel-Europa etwa den Zeitraum von 2200 v. d. Z. bis 800 v. d. Z. An die Bronzezeit schließt die Epoche der Eisenzeit an.

Hintergrund

Germanen der Bronzezeit, Gemälde von Wilhelm Petersen

Noch während der Steinzeit, kurz bevor die großen Wanderungen der indogermanischen Nordleute beendet waren, tauchte im Norden ein neuer Werkstoff auf: das Kupfer. Auf der Suche nach geeignetem Steinmaterial ist der Mensch wohl irgendwann auf die buntschillernden Kupfererze aufmerksam geworden, die ja an vielen Orten zutage treten. Vielleicht hat er sich zu Hause mit seinen Kindern an dem Glanze des seltsamen Gesteins gefreut und durch einen Zufall, als Erzstücke in die Glut des Feuers gerieten, festgestellt, daß sie im Feuer zergehen und sich zu Kügelchen formen, die ein anderes Aussehen gewinnen und sich leicht bearbeiten lassen. Dieser Zufall führte zu einer der bedeutungsvollsten Entdeckungen der Menschheit.

Der Mensch lernte es, die Stoffe, die ihm die Natur darbietet, so zu verändern, daß sie für seine Zwecke brauchbar werden. Er trat damit aus der Stufe einer nur aneignenden Wirtschaft in die der verarbeitenden ein. Die Steinzeit wurde durch die Metallzeiten abgelöst. Zuerst wurde das Kupfer, das sich einfacher verhütten läßt, verwendet. In einer Verbindung mit Zinn entsteht die Bronze. Erst später fand das Eisen Verwendung. Wir teilen daher die Metallzeiten ein in eine Bronzezeit, die 2200 v. d. Z. begann und bis etwa 800 v. d. Z. dauerte, und in die ihr folgende Eisenzeit.

In Deutschland kommt Kupfer nur selten vor. Reichere Erzgänge gab es vor allem in den Ostalpen, anscheinend aber nutzten unsere Vorfahren auch schon die Kupfervorkommnisse des mitteldeutschen Bezirks, um Mansfeld und am Harz, aus und beuteten sie in regelrecht bergmännischem Betrieb unter Tage aus. Soweit diese Erzquellen nicht ausreichten, bezog man Erz aus dem Ausland. So ist auch der Name des Wortes Kupfer nicht deutsch, sondern deutet auf die Insel Zypern mit ihren reichen Kupferlagern hin. Trotzdem aber wäre es völlig verkehrt, sich einzubilden, unsere Bronzewaren seien nicht hier im Inlande hergestellt, sondern aus der Fremde eingeführt worden.

Schon in dieser frühen Zeit zeigten die Bewohner unserer Heimat die besondere Eigenschaft, durch die sie sich heute noch auszeichnen: daß sie wohl Rohmaterial aus dem Auslande holen, vielleicht sogar Anregungen in der Gestaltung dieses Rohstoffes nachgehen, daß sie aber alles, was von außen kommt, selbständig verarbeiten und durch die Schönheit und Gediegenheit der Ausführung immer wieder das Ausland schlagen. Ihre Kunst und Technik wurden für das übrige Europa Vorbild. Das hervorragende technische Können, die künstlerische Gestaltungskraft erweisen schon in der Bronzezeit die Kulturhöhe unserer Vorfahren, sie sind aber auch geradezu ein teures Erbgut, das uns von ihnen überkommen ist.

Altgermanen

Ein einheitliches Volk bildeten die Germanen nur am Anfang der Bronzezeit, das zeigen ihre Kultur, ihre Kunst und die Bestattungsweise. Das würde wohl auch ihre Sprache zeigen, wenn sie erhalten wäre. Diese spaltete sich wohl erst gegen Ende der Bronzezeit in verschiedene Dialektformen, als die einzelnen Teile des Volkes sich weiter ausdehnten. Ihr Heimatgebiet umfaßte Südschweden, Dänemark, Schleswig-Holstein und die angrenzenden Striche der deutschen Nord- und Ostseeküste, Mecklenburg und die Gegenden an der mittleren und unteren Elbe. Ihre Nachbarn im Süden und Westen waren die Urkelten, im Osten die Illyrier, die Träger der sogenannten Lausitzer Kultur mit ihren schönen Buckelurnen.

In ihrem Heimatgebiet lebten die Altgermanen viele Jahrhunderte beinahe unverändert. Anscheinend wurde durch die Wanderung am Ende der Steinzeit die Bevölkerungsdichte recht dünn, so daß im eigenen Raume Platz genug hat. Günstig für das Gebiet an der Nord- und Ostsee war das warme, trockenere Klima, das hier weitgehenden Ackerbau gestattete. Die Vermehrung der Bevölkerung wird man wohl durch stärkere Bewirtschaftung des Bodens ausgeglichen haben. Erst spät dehnten sich die Stämme über ihre Grenzen hinaus aus. In Deutschland erreichen die Westgermanen etwa um das Jahr 1000 die mitteldeutsche Gebirgsschwelle und überschritten im Osten die untere Oder. Nach dieser Landnahme setzte eine längere Ruhepause ein. Das neue Land mußte gesichert werden, die Eroberer richteten sich auf dem gewonnenen Boden ein. Dann aber – etwa im 8. Jahrhundert v. d. Z. – holten, von Skandinavien kommend, die Ostgermanen weit aus, und die nächste Zeit war erfüllt von Kampf und Krieg. Ein ständiges Vorwärtsstreben und -schieben begann, eine unruhige Hast, die mit der vorhergehenden Entwicklung kaum in Einklang zu bringen war. Nur besondere Gründe können diesen atemlosen, gewaltsamen Ausbreitungsdrang der Germanen erklären. Spätere Stammessagen verweisen auf große Katastrophen, die über die Vorfahren hereingebrochen seien. Sie erzählen von Mißwuchs (der Feldfrüchte) und schlechten Zeiten, von Überbevölkerung, die die Stämme zum Auswandern gezwungen hätten. Ja, die eine berichtet geradezu von einem grausamen König Schnee, unter dessen Herrschaft diese furchtbaren Ereignisse eingetroffen seien. Auch hier konnte die Wissenschaft die Richtigkeit dieser alten Erinnerungen nur bestätigen.

Durch Untersuchungen in den schwedischen Mooren wurde festgestellt, daß auf eine warme Zeit eine kühlere, niederschlagsreichere gefolgt sein muß. Baum- und Pflanzenwuchs veränderten sich grundlegend. Zur Bronzezeit war in Skandinavien die Baumgrenze 500 Meter höher als heute. Dann trat die Klimaverschlechterung ein. Kiefer, Hasel- und Wassernuß rückten um drei Breitengrade weiter nach Süden zurück. Der bisher übliche Anbau des Weizens hörte in Schweden sowie in Finnland auf, selbst die Hirse, die früher weit nach dem Norden hineinreichte, konnte nur noch an der Südspitze Schwedens angebaut werden. Unter der Feuchtigkeit und den schneereichen Wintern litt das Wild und damit die Jagd, daher die Hungersnöte, von denen die Sagen erzählen, daher die erbitterten Kämpfe mit den Nachbarn. Schließlich blieb nur Auswanderung übrig. Nach allen Richtungen suchten sich die Germanen auszubreiten, aber ihre Nachbarn waren auf der Hut, es war nicht möglich, sie einfach zu überrennen.

Es folgte ein ununterbrochen andauernder erbitterter Kampf bis in die geschichtliche Zeit der Völkerwanderung. Nun wurden die Germanen zu dem Volk der Kämpfer und Krieger, wie sie uns aus den Heldenliedern des Mittelalters in Erinnerung sind, wie sie zum Teil die Römer beschrieben. Trotzige Wildheit wurde ihnen in den langdauernden Kriegen eigen. Aber noch während der Völkerwanderung zeigten sie so viele Spuren edelster, reinster Gesinnung, daß die Römer aus dem Staunen über die Charakterhaltung der „Barbaren“ gar nicht herauskamen.

Noch in der Bronzezeit dehnten sich die Germanen nach dem Westen aus, um 800 v. d. Z. bereits erreichten sie den Rhein, bald gingen sie über den Fluß ins heutige Belgien. Im Osten zogen sie zur Weichsel bis tief nach Ostpreußen.

Die bronzezeitliche Werkkunst der Germanen

Pfeil 2 siehe auch.pngSiehe auch: Germanische Kunst

Während der Bronzezeit entwickelten die Germanen die herrlichen Formen ihrer arteigenen Zierkunst, an die in den Grundlinien immer wieder alle germanisch betonte Kunst anknüpft. Sie schafften eine bäuerliche, lebensverbundene Religion mit reichem Brauchtum, das sich zum Teil bis heute erhalten hat.

„Die Bronzezeit ist die tausendjährige goldene Zeit des Germanentums. Golden nicht nur, weil die Germanen damals durch ihren Bernsteinhandel viel Gold besaßen, das sie ebenso wie die Bronze zu herrlichen Werken zu verarbeiten wußten, sondern auch, weil ihre Kultur in dieser Zeit den Eindruck großer Ruhe, Geschlossenheit und Selbstsicherheit macht. Diese erste Blütezeit germanischer Kultur ist für alles spätere Germanische innerlich bestimmend geblieben, und man kann es nicht verstehen, ohne eindringliche Kenntnis der Bronzezeit.“ — Wolfgang Schultz

Um zum Bronzeguß zu gelangen, bedurfte es langer eingehender Versuche. Kupfer schmilzt nämlich erst bei etwa 1.000 Grad. So hohe Wärmegrade vermochte der Mensch der Bronzezeit noch nicht zu erzeugen. Hätte er es gekonnt, so hätte er bereits damals das Eisen verwenden können, dessen Schmelzpunkt bei ungefähr 1.000 Grad beginnt. Da aber Kupfer in der Natur meist mit Schwefel verbunden vorkommt und Schwefel sehr hohe Hitzegrade erzeugt, gestaltete sich die Verhüttung der Kupfererze am Ende verhältnismäßig einfach. Man mischte Erztrümmer mit Holzkohle in einem Haufen übereinander und ließ diesen Haufen langsam abbrennen. Wichtig war es, daß scharfer Luftzug die Röstmasse immer wieder anfachte. Später errichtete man schon kleine Hochöfen aus Bruchsteinen und umkleidete diese mit einem festen Lehmmantel. Der Ofen wurde mit Holzkohle angefüllt, auf die Holzkohle ein Tontiegel mit Metall gestellt, so daß er beim Durchbrennen der Holzkohle langsam auf den Boden sackt. Durch einen Blasebalg wurde Luft zugeführt. Der Tiegel wurde schließlich, wenn der Schmelzprozeß beendet war, aus einer Öffnung am Boden des Ofens herausgezogen.

Um das Kupfer zu härten, gab der vorgeschichtliche Schmied ihm verschiedene Zusätze bei. Am besten eignete sich dazu Zinn. Zinn hat den Vorteil, daß es bereits bei 235 Grad schmilzt, andererseits dem Kupfer eine erstaunliche Härte verleiht. Verhältnismäßig bald bekam man die „klassische“ Mischung heraus: einen Teil Zinn zu neun Teilen Kupfer. Der Bronzeguß kann nur in einem Land erfunden worden sein, in welchem Kupfer und Zinn vorkommen. Solche Länder sind in Europa Spanien und England. So gilt auch im allgemeinen Spanien als das Ursprungsland der Kupferbronze.

Germanien indes betrieb den Bronzeguß selbständig. Das erkennt man vor allem an der Fülle von Gußformen, die sich im germanischen Boden erhalten haben. Sogar richtige Gießereiwerkstätten ließen sich feststellen, die neben Handwerkszeug viel Altmaterial und Gußüberreste zeigen. Sicher gab es damals schon einen richtigen Handwerksstand, vielleicht sogar reisende Handwerksmeister. So wurde in Pommern eine Art Musterkoffer eines bronzezeitlichen Gießers gefunden. Ein Eichenstamm ist geteilt und ausgehöhlt, Einschnitte haben wohl für das Durchziehen zusammenhaltender Riemen gedient. Die Geräte, die im Koffer selbst liegen, sind wahrscheinlich Musterstücke, nach denen man beim Händler Schwertklingen, Äxte, Spangen usw. aus der Werkstatt anfordern konnte. Wir wissen auch aus der späteren Zeit, daß sogar Adelsbauern über ausgedehnte technische Kenntnisse verfügten und daß ihre Schmiedegeräte weithin berühmt waren.

Das Gußverfahren war ähnlich dem heutigen. Die Formen bestanden häufig aus Stein. Oft drückte man in feuchten Sand einfach eine Form ein und goß sie aus. Daneben aber wurde auch schon die „verlorene Form“ verwendet. Bei ihr stellte der Gießer zunächst ein Wachsmodell her, das schon alle Verzierungen und Feinheiten des zu gießenden Gegenstandes besaß. Dieses Modell wurde dann mit einem Lehmmantel umschlossen. Beim Brennen des Mantels schmolz das Wachs aus. Durch das Gießloch wurde daraufhin die flüssige Erzmasse eingegossen, nach dem Erkalten die Form zerschlagen, sie war mithin „verloren“. Um Metallteile miteinander zu verbinden, gebrauchte der Schmied schon damals noch heute gebräuchliche Mittel. Er konnte nieten und falzen. Er verstand es aber auch in einem Verfahren, das uns heute nicht mehr gelingt, ohne Niete die einzelnen Teile zusammenzuschweißen.

Nicht lange dauerte es, da führte der germanische Künstler auf dem Gebiete des Bronzegusses. Die germanischen Waren wurden weithin exportiert. So fand man Schwerter, wie sie nur die Germanen schufen, in dem Grabe eines altägyptischen Königs um 1200, lange also, bevor Rom und Athen, die Mittelpunkte der Welt des Altertums, von sich reden machen. Die altgermanischen Bronzen gehören zu den schönsten, die während der gesamten Bronzezeit hervorgebracht wurden.

„Mögen wir die bronzezeitliche Metallindustrie Süddeutschlands und der Schweiz oder Frankreichs und Englands, oder Ostdeutschlands und Ungarns oder Österreichs und selbst Italiens untersuchen, keine dieser Industrien kann an die nordisch-germanischen Erzeugnisse heranreichen, bei denen wir eine klassisch schöne Formengebung antreffen und eine Kunst der Verzierung, die mit den kleinsten Mitteln durch ausgesucht feinen Geschmack die schönsten Wirkungen erzielt, reich ausgebildet am Schmuck der Frau, sparsamer verwendet bei den Waffen des Mannes.“ — G. Kossinna

Ganz allmählich entwickelten die Germanen die steinzeitlichen Vorbilder zu der dem neuen Werkstoff angemessenen Gestalt. Anfangs wurde bei dem Beil der Beilkörper in den Schaft eingesetzt und festgebunden. Da es aber durch die Gußtechnik möglich wurde, Hohlformen auszugießen, entstand allmählich das Tüllenbeil, bei dem das knieförmig gebogene Ende des Schaftes in der hohlen Tülle steckt. Auch die Entwicklung des Schwertes geht von dem Steindolch aus. Da man in Stein die Klinge nur bis zu einer bestimmten Länge ausdehnen konnte, kam man in der Steinzeit über die Dolchform nie hinaus. Auch in der Bronzezeit goß man ursprünglich nur kurze Dolchklingen, bei denen der Griff erst angenietet werden mußte. Im Laufe der Zeit wurde der Dolch immer mehr verlängert, bis sich aus ihm das Schwert gestaltete. Alle Schwerter dienten in der Bronzezeit nur zum Stechen. Ein Hiebschwert wurde erst während der Eisenzeit geschaffen. Die weitere Vervollkommnung dieser Waffe bezog sich nun nur noch auf technische Kleinigkeiten, wie die verschiedene Ausgestaltung des Griffes oder der Knaufplatte, Länge und Breite der Klinge, deren klassisch schöne Gestaltung der Handwerker im hohen Norden fast immer erreichte. Von Verzierungen blieb die Klinge gemäß ihrer ernsten Bestimmung meist frei. Um so mehr aber waren Schwertgriffe und Knaufplatten ausgeschmückt, mit Gold plattiert und mit eingelegten Edelsteinen oder Bernstein aufs wundervollste verziert. Zugute kam die Gießtechnik auch der Lanzenspitze, die zur Aufnahme des Schaftes ebenfalls eine Tülle erhielt.

Germanisch-bronzezeitlicher Schmuck

Der Schmuck des Menschen ist wohl so alt wie der Mensch selbst. Nun reizte ihn das neue glänzende Metall und regte zu mannigfaltiger Formung an. Schmuckdosen und Gürtelplatten gewannen große Bedeutung. Die Schmuckdosen wurden mit einem Deckel versehen und hatten zwei Schlaufen, durch die der Gürtel des Kleides gezogen wurde. In ihnen bewahrte die germanische Frau kleine Kostbarkeiten, die sie bei sich tragen wollte. Die Gürtelscheiben waren äußerst dünn gegossen und schwach gewölbt. Sie wurden vorn am Bund getragen. Beide Schmuckstücke waren meist über und über mit sorgfältig gerieften Spiralen in einer wundervollen Gleichförmigkeit verziert, die vielfach schwierige Arbeit mit Lineal und Zirkel auf dem „Reißbrett“ des Bronzezeitkünstlers voraussetzten. Die Linien wurden in zahllosen Einzelschlägen mittels eines Bronzemeißels getrieben, der von Zeit zu Zeit nachgeschärft werden mußte. Dabei haftete aber der germanischen Verzierungsweise nichts Konstruiertes an, sondern in lebendigem Flusse in ewigem Kreislauf füllte das Ornament den Gegenstand aus.

Eine sehr eigenartige Entwicklung erlebte in der germanischen Bronzezeit die Nadel. In der Steinzeit benutzte der Mensch, um irgendwelche Kleidungsstücke zu befestigen, Knochennadeln. In der Bronzezeit spielten Gewandnadeln aus Bronze eine große Rolle. Wieder schuf hier der Germane schon früh einen wichtigen technischen Fortschritt. Dem Kopf der Nadel gab er ein Loch, durch dieses Loch steckte er einen Wollfaden und schlang diesen um das Ende der Nadel. Da Wollfäden sich sehr schnell abnutzen, wurde bald an ihrer Stelle ein Bronzedraht verwendet. Damit entstand die zweiteilige Fibel, die Urform unserer Sicherheitsnadel. Sehr bald wurde der Bronzedraht an beiden Enden durch Aufrollung des Drahtes in kleinen Spiralscheiben zu einem Schmuckgegenstand, aber ohne daß damit seine praktische Verwendbarkeit beeinträchtigt wurde.

Germanisch-bronzezeitliche Goldschmiedekunst

Genau so vollendet wie die germanische Bronzetechnik ist die Goldschmiedekunst. Wenn man später bei den römischen Schriftstellern von der Goldarmut der Germanen liest, wird man dagegen erstaunt sein, zu hören, daß sie zur Bronzezeit das goldreichste Volk Europas waren. Es gab fast kein bronzezeitliches Frauengrab, in dem nicht mindestens ein goldener Spiralfingerring liegt. Darüber hinaus fand man im germanischen Gebiet große Goldschätze. Am bekanntesten ist der Schatz eines fahrenden Goldschmiedes und Händlers, den dieser in der Nähe von Eberswalde bei Berlin vergraben hatte. In einem Topf lag neben Altmaterial, das der Händler offenbar aufgekauft hatte, Gold in Form von gegossenen Barren und sorgfältig aufgewickeltem Draht. Das Schönste waren aber acht fertige, mit Sonnensymbolen verzierte Schalen. Diese acht Goldschalen sind von einer herrlichen Arbeit, ihre Wandungen dünn wie Papier. Deswegen ist es auch nicht möglich, sich vorzustellen, daß sie beim Trinkgelage etwa benutzt worden wären. Sie dienten wahrscheinlich kultischen Zwecken. Es ist der größte Goldfund des Nordens. Er hat ein Gewicht von 2,56 Kilogramm.

Auf Fünen, einer der dänischen Inseln, fand man beim Torfstechen neun Goldgefäße mit großen, in Pferdeköpfen endenden Henkeln. Bei Boeslunde auf Seeland wurden zwei ähnliche Schöpfgefäße, zwei Kessel und zwei Fußpokale, ausgepflügt. In Jütland grub man hundert zwölf Zentimeter lange ineinander geschachtelte goldene Schiffchen aus. Sie waren wohl den Göttern als Weihegaben niedergelegt worden. Trägt man alle Goldfunde der Bronzezeit auf einer Karte ein, so zeigt sich, wie sie sich im germanischen Gebiet häufen, man sieht aber auch, daß germanische Goldgeräte weit über das damalige germanische Gebiet hinaus ausgeführt wurden. Das ist um so seltsamer, als daß das Gold auf germanischem Boden nicht gefunden worden sein kann. Es wurde aus Irland und insbesondere aber aus Siebenbürgen eingeführt. Erst später hat man es aus dem Rhein ausgewaschen.

Bernstein

Um Gold zu erhalten, haben aber die Germanen andere Waren neben ihren Bronzegeräten eintauschen müssen: Das waren wohl schon früh kostbare Felle, daneben aber auch Bernstein. Dieser spielte in allen Handelsbeziehungen des Nordens schon seit der Steinzeit eine große Rolle. Er wurde in den Überresten Trojas ebenso gefunden wie in Ägypten. Das beweist, daß Bernstein außerordentlich beliebt gewesen sein muß. Man bezeichnet ihn in seinem hellen klaren Zustande geradezu als das Gold des Nordens. In der ersten Zeit stammte der Bernstein von der Nordsee, noch nicht von der Ostsee, die erst später das Hauptausfuhrgebiet wurde. Natürlich ist er damals noch nicht wie heutzutage im bergmännischen Betrieb gewonnen, sondern an der Küste aufgelesen worden. Anhand des Bernsteins ist es möglich, die Handelswege der Bronzezeit vom Norden nach dem Süden aufzuzeigen.

Handelswege

Zu den ältesten Straßen über die Alpen gehörte schon in der Bronzezeit die Verbindung über den Brennerpaß. Dort laufen von den Flußniederungen des Nordens her, über die Donau, die Handelswege zusammen. Vielfach decken sie sich dabei mit den Linien, die heute noch die internationalen Expreßzüge benutzen. Im Westen bildet die Hauptverkehrsstraße das Rheintal, das durch den Sundgau auf Saône und Rotten stößt. Aber dieser Weg entwickelte sich erst am Ausgang der Bronzezeit, etwa in dem Augenblick, in dem die Germanen den Rhein erreichten. Ungefähr zu dieser Zeit wurde im Süden Frankreichs als großes Handelszentrum die Stadt Marseille gegründet. Die Bernsteinmengen, die auf diesen Wegen vom Norden in den Süden gelangt sind, müssen ganz beträchtlich gewesen sein, wurden doch in einem Fund in Schlesien, den dort wohl ein Händler vergraben hatte, nicht weniger als vier Zentner Bernstein festgestellt. So ist es erklärlich, daß am Ende der Bronzezeit auch im germanischen Heimatgebiet der Bernsteinreichtum stark nachließ. Am Ende der Bronzezeit konnten die Germanen ihren Toten kaum noch Bernstein in die Gräber mitgeben.

Siehe auch

Verweise