Julian (Kaiser)

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Julian, römischer Kaiser, Bildnis von einer Münze

Julian, eigentlich Flavius Claudius Iulianus (Lebensrune.png etwa Mai/Juni 331 in Konstantinopel; Todesrune.png 26. Juni 363 in Maranga am Tigris), von den Christen Apostata („Abtrünniger“) genannt,[1] war ein römischer Kaiser, der von 361 bis 363 regierte. Julian suchte dem Christentum einen im neuplatonischen Geist erneuerten Glauben an die alten Götter entgegenzustellen.

Werdegang und Wirken

Julian war Sohn des Iulius Constantius (gest. 26./27. Juni 337), eines Stiefbruders Konstantins des Großen. Er entging mit seinem Stiefbruder Gallus dem Blutbad, das die Soldaten nach Konstantins des Großen Tod 337 in Konstantinopel unter dessen nicht zur Hauptlinie gehörenden männlichen Verwandten anrichteten.

Zunächst im christlichen Glauben erzogen, trieb Julian eingehende philosophische und rhetorische Studien. Vor allem der Einfluß des Redners Libanios und des Philosophen Maximus entfremdete ihn innerlich dem Christentum und führte ihn zum Neuplatonismus.

355 ernannte ihn sein Vetter Constantius II. zum Cäsar und betraute ihn mit dem Schutz Galliens, wo er sich durch die siegreiche Abwehr der Franken und Alemannen (357 Sieg bei Straßburg) bald hohes Ansehen erwarb. Als er einen Teil seiner Truppen nach dem Osten abstellen sollte, riefen ihn diese im Februar 360 zum Augustus aus. Der nach vergeblichen Verhandlungen unvermeidlich gewordene Krieg mit Constantius wurde durch dessen plötzlichen Tod (3. November 361) verhindert, worauf Julian allgemein anerkannt wurde.

Den von seinem Vorgänger begonnenen Perserkrieg nahm Julian im Frühjahr 363 wieder auf und führte ihn erfolgreich fort bis zum Sieg bei Ktesiphon, wurde aber bei dem Rückzugsgefecht tödlich verwundet. Perser waren in der Lage nicht mehr um ihn herum, so daß es ausscheidet, daß der Speer, den man ihm in die Leber rammte, von einem der ihren kam. Seitdem hält sich die Lesart, daß ein christlicher Mörder die Tat verübte,[2] zumal der mit Julian eng befreundete Libanios versicherte, Täter sei ein Mann gewesen, „der sich weigerte, die Götter zu ehren“.[3]

Bedeutung

Der Sonnengott Helios – Metope vom hellenistischen Athena-Tempel Trojas

Geschichtlich und geistesgeschichtlich bedeutsam ist die Regierung Julians, der sich seit 361 offen zu den alten Göttern bekannte, als wegen seines jähen Todes nicht zu Ende gekommene Bestrebung und damit letzter Versuch, dem von ihm als primitiv und nichtswürdig angesehenen Christentum einen geläuterten, in neuplatonischem Geist erneuerten Glauben entgegenzustellen. Julian wollte nicht eine naive Wiederbelebung ursprünglicher Religiosität, trotz Rückkehr der Opfer, der Geheimkulte und des prunkvollen Zeremoniells. Er suchte an Stelle des Kreuzes wieder gewisse Strömungen hellenistischer Philosophie und den „Sonnenpantheismus“ zu setzen. Er schuf dem Sonnengott (wohl mit Mithras identifiziert), ohne Vernachlässigung der übrigen Götter, im Kaiserpalast ein Heiligtum und bekannte auch sonst seine Verehrung für den basileus Helios (Sol Invictus), damals bereits eine über zweitausendjährige Tradition:

„Seit meiner Jugend drang ein heftiges Sehnen nach den Strahlen des Gottes in meine Seele, und seit meinen frühesten Jahren war mein Inneres so verzückt von ihm, daß ich nicht nur ihn ständig anzuschauen wünschte, sondern auch, wenn ich in sternenklarer Nacht im Freien weilte, alles um mich her vergaß und die Schönheit des Himmels bewunderte ...“

Den Kampf gegen das Christentum führte Julian auch literarisch. Seine verlorene Schrift gegen die „Galiläer“ (so nannte Julian die Christen) hat Karl Johannes Neumann (1857–1917) aus dem Werk „Zehn Bücher gegen Julian“ des christlichen Apologeten Kyrillos von Alexandria rekonstruiert („Iuliani imperatoris librorum contra christianos quae supersunt“, 1880).

Der Kaiser (5. v. rechts, sitzend) läßt Sektierer streiten – Gemälde von Edward Armitage[4]

Julian führte ein untadeliges Leben und erwarb sich große Zuneigung durch Mäßigung, Uneigennützigkeit und Gerechtigkeit. Er war ein ausgesprochen sozial handelnder Herrscher, der seine christlichen Vorgänger in vielem überragte.[5] Julian bemühte sich mit zahlreichen Reformen um eine verbesserte Reichsverwaltung und um die Beseitigung von Mißständen. Die Nachwelt betrachtete Julian mit Recht als einen großen Herrscher; seiner Tätigkeit verdankte die Westhälfte des Römischen Reiches ihren Fortbestand und die Osthälfte jahrzehntelange Ruhe vor den Übergriffen der Neuperser.

In der Religionspolitik zeigte sich Julian nachgiebig. Das Christentum, das er so ablehnte, verbot er nicht. Nach einem Toleranzedikt für die Nichtchristen im Jahr 361 erließ er 362 wegen staatsfeindlicher christlicher Widerstände lediglich ein Lehrverbot für die Christen. Julian scheiterte aus Toleranz und weil er gegen den tödlichen Feind, den er erkannt hatte, keine Gewalt anwandte.

Siehe auch

Zitate von Kaiser Julian

„Aus welchem Grunde seid ihr so undankbar gegen unsere Götter, daß ihr zu den Juden übergelaufen seid?“[6]

Werkausgaben und Briefe

  • F. K. Hertlein (Hg.): Quae supersunt praeter reliquias apud Cyrillum omnia, 2 Bände (1875/76) – enthält sämtliche, ursprünglich in griechischer Sprache abgefaßten Werke Julians
  • Karl Johannes Neumann: Iuliani imperatoris librorum contra christianos quae supersunt, 1880
  • W. C. Wright (Hg.): The works of the emperor Julian, griechisch und englisch, 3 Bände (Neuausgabe 1969‒80)
  • Lisette Goessler: Kaiser Julian der Abtrünnige – Die Briefe. Die Bibliothek der Alten Welt – Griechische Reihe, 1971
  • B. K. Weis: Briefe, griechisch–deutsch, 1973
  • Kurt Eggers: Der Kaiser der Römer gegen den König der Juden – Aus den Schriften Julians des „Abtrünnigen“, Nordland-Verlag, 1941 [65 S.]

Literarische Behandlung (chronologisch)

  • G. Arnold: Unparteiische Kirchen- und Ketzerhistorie, 1699
  • Voltaire: Julian im Dictionnaire philosophique portatif, 1764, Artikel
  • Friedrich de la Motte Fouqué: Geschichten vom Kaiser Julian und seinen Rittern, 1818, Novelle
  • David Friedrich Strauß: Der Romantiker auf dem Thron der Caesaren oder Julian der Abtrünnige, 1847
  • Mücke: Flavius Claudius Julianus, 2 Teile, 1867–69
  • Henrik Ibsen: Kaiser und Galiläer, 1873, dt. 1888, Drama
  • Felix Dahn: Julian der Abtrünnige, 1894, Roman in drei Bänden
  • Johannes Geffcken: Kaiser Julianus, Leipzig 1914
  • Von Borries in Pauly-Wissowas Realenzyklopädie, Bd. 10, 1919
  • Käte Philip: Julianus Apostata in der deutschen Literatur, 1929
  • Gore Vidal: Julian, 1962, Roman
  • Karlheinz Deschner:
    • Julian der „Abtrünnige“, Kap. 52 seines Werks Abermals krähte der Hahn – Eine kritische Kirchengeschichte, btb Taschenbücher, 1996 [erstmals erschienen 1962], ISBN 3442720257, S. 463–466
    • Heidnische Reaktion unter Julian, Kapitel seines Werks Kriminalgeschichte des Christentums – Die Frühzeit (Bd. 1), Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1996 [erstmals erschienen 1986], ISBN 3499199696, S. 325–339
Buch Kaiser Julian.jpg

Literatur (allgemein)

  • Walter F. Otto: Mythos und Welt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1963, Kapitel: Das Weltgefühl des klassischen Heidentums (S. 21–35) [stellt u. a. die Männlichkeit der antiken Religion als Gegensatz zum Christentum heraus]
  • Wilhelm Nestle: Griechische Studien. Untersuchungen zur Religion, Dichtung und Philosophie der Griechen. Scientia Verlag, Aaalen 1968 (Neudruck der Ausgabe Stuttgart 1948), Kapitel: Die Haupteinwände des antiken Denkens gegen das Christentum (S. 597–660)
  • Artgemeinschaft (Hg.): Der römische Kaiser Julian, antike Philosophen und Geschichtsschreiber über die Christen [54 S.], Vorstellung und Bestellmöglichkeit
  • Otto Seeck (1850–1921): Geschichte des Untergangs der antiken Welt, 6 Bde. mit Anhängen, 1895–1920; Nachdruck 1966
  • Rolf Bergmeier: Schatten über Europa – Der Untergang der antiken Kultur. Alibri Verlag, Aschaffenburg 2012, ISBN 9783865690753 [Das Christentum als Zerstörer der antiken Kultur]
  • Catherine Nixey: Heiliger Zorn: Wie die frühen Christen die Antike zerstörten, Deutsche Verlags-Anstalt, 2019, ISBN 978-3421047755 [400 S.] – linkskonforme Sicht, Die christliche Zerstörung der klassischen Welt (Buchbesprechung)

Verweise

Fußnoten

  1. Dazu meinte 1942 Adolf Hitler: „Man täte besser, von Konstantin, dem Verräter, und Julian, dem Treuen, zu sprechen, statt den einen den Großen und den anderen den Abtrünnigen zu nennen. Was das Christentum gegen Julian geschrieben hat, ist dasselbe Wortgeblödel, welches das jüdische Schrifttum über uns ergossen hat, während die Schriften des Julian reine Wahrheiten sind.“, zit. in: Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941–42, Athenäum-Verlag, Bonn 1951, Aufzeichnung zum 27.I.1942 abends (S. 199)
  2. So beispielsweise Weber/Baldamus: Lehr- und Handbuch der Weltgeschichte, 21. Aufl. 1919, Bd. 1, S. 746
  3. Siehe Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums – Die Frühzeit (Bd. 1), Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1996, S. 333 f.
  4. Der Historienmaler Edward Armitage lebte von 1817 bis 1896; er schuf im Jahr 1875 das Gemälde mit dem Titel „Julian the Apostate presiding at a conference of sectarian“.
  5. Näher Karlheinz Deschner: Heidnische Reaktion unter Julian, Kapitel seines Werks Kriminalgeschichte des Christentums – Die Frühzeit (Bd. 1), Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1996, S. 325–339; ders.: Julian der „Abtrünnige“, Kap. 52 seines Werks Abermals krähte der Hahn – Eine kritische Kirchengeschichte, 1996, S. 463–466
  6. Aus dt. Übersetzung der Primärquelle zitiert in: Artgemeinschaft (Hg.): Der römische Kaiser Julian, antike Philosophen und Geschichtsschreiber über die Christen, o. J., S. 26