Abwehrkampfschule „Quenzgut“

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Das einstige Haupthaus auf dem ehemaligen und heute überbauten Gut „Quenz“ bzw. „Quenzsee“

Abwehrkampfschule bzw. Kampf- und Abwehrschule „Quenzgut“ war spätestens seit Ende Oktober 1941 der offizielle Name der seit zwei Jahren bestehenden Ausbildungs- und Sabotageschule der Abwehr Abteilung II (Abw.II; Sabotage und Sonderaufgaben) am Ostufer des Quenzsees nahe Brandenburg an der Havel. Das Gut „Quenzsee“, welches seit Herbst 1939 mit dem Tarnnamen „Quenzgut“ als geheime Ausbildungsstätte verwendet wurde, bestand aus dem Herrenhaus und zahlreichen Nebengebäuden und Baracken.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der idyllische Havel-See „Quenzsee“ – bekannter Leiter war u. a. Hauptmann/Major d. R. Verbeek, Pionier der ersten Bau-Lehr-Kompanie. Erster Chefausbilder war Hauptmann Seeliger, pioniertechnischer Ausbilder war der Technische Inspektor Kutschke, weitere Ausbilder waren Leutnant Siegfried Grabert und Dr. Gottfried Kniesche. Waffen- und Geräteoffizier war der erfahrene Abwehroffizier und Sprengmittelspezialist Major Marguerre.
Ju 290 A-7 und zwei erbeutete B-17 der I. Gruppe/Kampfgeschwader 200; auch solche Flugzeuge wurden verwendet, um die Sonderkämpfer der Schule hinter feindlichen Linien abzusetzen.

Wo einst im Ersten Weltkrieg ein Gefangenenlager stand, befand sich in Oktober 1939, von der Außenwelt hermetisch abgeschirmt, die geheime Ausbildungsstätte der Brandenburger, die sagenumwobene taktische Truppe der Wehrmacht unter dem Kommando von Hauptmann Dr. Theodor von Hippel und später Oberstleutnant Paul Haehling von Lanzenauer.

Das Areal eignete sich hervorragend, da es nur ca. drei Kilometer von der Generalfeldzeugmeister-Kaserne in der Magdeburger Straße, der Heimatkaserne der Brandenburger, entfernt war.[1] Die meisten der ersten Angehörigen der „K-Trupps“ (Kommando- oder Kampftrupps) waren Schlesier, Volks- und Sudetendeutsche (z. B. vom Sudetendeutschen Freikorps), die sich schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges z. B. in Ostoberschlesien als Teil des Kampfverbandes „Ebbinghaus“ oder bei der Kampf-Organisation „Jablunka“ hervorragend bewährt hatten. Sie sollten nun in der ausgebauten Ausbildungs- und Kampfstätte „Quenzgut“ den letzten Schliff erhalten und das Fundament der neugebildeten Bau-Lehr-Kompanie z. b. V. 800 bilden.

Nach dem begonnenen Rußlandfeldzug und den offensichtlichen Erfolgen der talentierten Schattenkrieger wurde von Wilhelm Canaris angeordnet, ab dem 28. Oktober 1941 die Brandenburger Lehranstalt am Quenzsee in eine vollwertige Abwehrschule auszubauen und auf dem Truppenübungsplatz bei Meseritz (Regenwurmlager) eine sogenannte V-Abteilung aufzustellen, die dort ab 1942 stationierte Lehr- und Ausbildungskompanie (Sonderverband „Bajadere“) unter Abwehr-Offizier Rittmeister Dr. Walter Harbich wurde ebenfalls der V-Abteilung unterstellt. Die Aufgabe, beide Projekte zu verwirklichen, erhielt der erfahrene Abwehr-Offizier Major Friedrich Wilhelm Heinz, der dafür das Kommando für das I. Bataillon des Lehrregiments z. b. V. 800 „Brandenburg“ an Hauptmann Wilhelm Walther abgeben mußte. Die V-Abteilung sollte V-Leute (Vertrauensleute/verdeckte Mitstreiter) und Agenten weltweit führen. Daneben wurden u. a. Inder der Azad Hind Legion von Subhash Chandra Bose für den Kampf gegen die Kolonialmacht England ausgebildet, eine persische und eine afghanische Kompanie folgten.

Der Verwendungsparameter der Agentenschule wurde nun ständig ausgebaut und die Stätte für Spezialausbildung wurde aus dem Befehlsbereich des Bau-Lehr-Regiments z. b. V. 800 „Brandenburg“ ausgegliedert und vollständig dem militärischen Geheimdienst übergeben. Verschiedene Sonderkräfte der Abwehr kamen zur Ausbildung, später wurden auch ausländische Agenten und ausgesuchte Freiwillige der Wehrmacht und Waffen-SS geschult. Mit der Zeit genossen nicht nur Brandenburger die Spezialausbildung, sondern auch Geistersegler, Friedenthaler, Kurfürsten, Mitglieder der SS-Jagdverbände und anderer Einheiten des Reichssicherheitshauptamtes.

Kampfdolmetscher

Da mit zunehmendem Umfang der Sonderverbände der Bedarf an sprachkundigen Kommandosoldaten nicht mehr gedeckt werden konnte, ging man dazu über, den militärischen Spezialisten sogenannte Kampfdolmetscher, rekrutiert aus Einheimischen, zur Seite zu stellen. Ihre harte Ausbildung erfolgte in Quenzgut. Kampfdolmetscher waren Muttersprachler aus dem Einsatzgebiet, die meist in ihren Heimatländern eine militärische Ausbildung durchlaufen hatten und teilweise hochqualifiziert waren. Sie hatten sich schon vor dem Westfeldzug 1940 beim Unternehmen „Morgenröte“ hervorragend bewährt.

Noch vor dem Fall Gelb lud Oberst Erwin Edler von Lahousen-Vivremont den Führer der niederländischen Nationalisten Julius Heerdtmann zur geheimdienstlichen Mitarbeit ein, dieser stellte umgehend der Abwehr, dem Infanterie-Bataillon z. b. V. 100 und den „Brandenburgern“ 200 Mitarbeiter (für jede deutsche Kommandogruppe zwischen 12 und 25 Mann je einen Kampfdolmetscher) zur Verfügung. Ohne diese Kampfdolmetscher wäre die Einnahme der Maas-Brücken in der Nacht zum 10. Mai 1940 nicht möglich gewesen (→ Einsätze der Brandenburger).

Bei Einsätzen hinter feindlichen Linien fiel ihnen die Aufgabe zu, für die Tarnung der Einsatzgruppe (z. B. „Brandenburger“, SS-Jagdverbände oder Frontaufklärungskommandos) beim Auftreffen auf Militärpolizisten oder gegnerische Kontrollposten zu sorgen. Da in solchen Situationen keine Rücksprache zwischen Kampfdolmetscher und deutschen Kommandotruppführer möglich war, lag bei den Dolmetschern oft eine große Verantwortung für die gesamte Einheit. Besonders an der Ostfront war die Anzahl der Kampfdolmetscher mit zunehmender Kriegsdauer oft größer als die der eigentlichen Kommandosoldaten.

Anforderung

Für die Rekrutierung der neuen Mannschaften und Soldaten für Kampf- und Sabotage-Trupps, die auf dem erlesenen und geheimnisumwitterten Herrengut ausgebildet werden sollten, stellte die Abwehr II hohe Anforderungen:

„Die erste Voraussetzung ist Freiwilligkeit, dann Wendigkeit und schnelle Reaktionsfähigkeit, die Gabe zu improvisieren, ein hohes Maß an Eigeninitiative auch beim letzten Schützen, gepaart mit ausgesprochenem Mannschaftsgeist und Kameradschaft; außerdem eine ausgeprägte, wenn auch kontrollierte Abenteuerlust, Takt im Umgang mit Fremdvölkern und natürlich körperliche Leistungsfähigkeit. Dringend erwünscht sind gediegene Auslands- und Sprachkenntnisse, die so weit gehen sollten, daß der Betreffende überzeugend als britischer Offizier oder Rotarmist auftreten konnte.“

Auf dem „Quenzgut“ lehrte man tarnen, täuschen und zuschlagen, der Wahlspruch der Brandenburger, „Sehen, ohne gesehen zu werden!“, formierte sich spätestens hier. Sprachen, Schwimmen, fremde Waffenkunde, geheimer Meldedienst, Nah- und Einzelkampf, Überlebensschulung, Spreng- und Sabotagekunde, Gelände- und Kartenkunde (Tag- und Nachtausbildung), Feinderkennungsdienst, Infiltrationstaktiken und andere Kursthemen standen auf der strengen Tagungsordnung. Der „Quenzgutler“ sollte nicht nur lernen, wie man einen Feind schnell und leise tötet, oder wie man im Stoßtrupp, aber auch im größeren Verband effektiv kämpft, sondern sie wurden auch als Fernaufklärer (Fernspäher) geschult, die weit hinter den feindlichen Linien agierten. Sie mußten in der Lage sein, Uniformen, Dienstgrade, Fahrzeuge, Waffen und Formationen des Feindes erkennen zu können, um sie den eigenen rückwärtigen Truppenteile melden zu können.

Ferner wurden die Sonderkampftruppen laut Lehrplan im militärischen Sanitätswesen ausgebildet, die Einzelkämpfer waren oft auf sich selbst gestellt, obschon bei größeren Einsätzen stets Gefechtsarzt und Kampfsanitäter, ebenfalls als kampffähige Kommandosoldaten ausgebildet, dabei waren. Es war üblich, charakterstarke, aber unbequeme, gar sture Persönlichkeiten zu bevorzugen. Mustertruppen waren für den Dienst hinter feindlichen Linien eher ungeeignet, man wollte autarke, selbstbewußte Kämpfer, und ihre Weigerung, sich dem allgemeinen Soldatengehabe von Befehl und Gehorsam anzupassen, war die beste Tarnung, erst recht in Räuberzivil.

Voll-, Halb- und Mischtarnung

In der Abwehrkampfschule „Quenzgut“ lernten die Spezialkämpfer auch, wie man die Feinduniform korrekt trägt und feindliche Dokumente erkennt oder gar herstellt. Sonderverwendungstruppen, Abwehr-Agenten, Fernspäher usw. mußten nicht den üblichen ausrasierten deutschen Haarschnitt tragen, ein solcher hätte sie hinter feindlichen Linien ggf. verraten, auch deshalb waren das zackige „Jawohl“ und das Hackenknallen verboten. Voll- und Halbtarnung (in Uniform des Feindes bzw. Zivil oder Fremduniform über der eigenen) waren auch bei den deutschen Spezialkräften, im Gegensatz zu Propagandameldungen der Nachkriegszeit, stets ein Gebot der Freiwilligkeit. So hieß es in einer Anweisung des Amtes Ausland/Abwehr vom 28. Juli 1943:

Tarnen, täuschen und zuschlagen; ein Schattenkrieger der „Brandenburger“ mit MP 40. Beim Einsatz hinter feindlichen Linien trugen alle Brandenburger eine obligatorische Zyankalikapsel (Blausäure) mit sich.
  • a) Die Beteiligung des deutschen Abwehrpersonals an einem Einsatz in Tarnkleidung zusammen mit russischen V-Leuten kann nicht befohlen werden.
  • b) Freiwillige Teilnahme an Einsätzen in Tarnkleidung ist zulässig [...] Zu der Entscheidung zu a) haben folgende Erwägungen geführt: Kommandierungen zu Einsätzen in russischer Uniform zusammen mit russischen V-Leuten sind nicht angängig, da einem deutschen Soldaten wegen der möglichen Folge, als Spion behandelt zu werden, nicht befohlen werden kann, sich außerhalb des geltenden Kriegsrechts zu stellen, auch wenn dieses von der Sowjetunion nicht anerkannt wird.

Daß dies in der Praxis auch tatsächlich so gehandhabt wurde, zeigt das Beispiel zweier Unteroffiziere, die auf Quenzgut ausgebildet worden waren, über Irland abzuspringen und Verbindung zur IRA aufzunehmen und kurz vor Einsatzbeginn von diesem Auftrag zurücktraten. Der direkte Vorgesetzte der beiden Unteroffiziere bei der 14. Armee klagte sie wegen „Feigheit vor dem Feind“ an. Die Klage wurde jedoch mit dem Verweis auf das Prinzip der Freiwilligkeit abgewiesen und keinem der Angeklagten entstanden im weiteren Verlauf des Krieges Karrierenachteile.

Bei einer Mischtarnung traten nur einige der Soldaten in gegnerischer Uniform auf, während der größere Teil in deutscher Uniform von den ersteren meist als angebliche deutsche Gefangene oder Deserteure durch die feindlichen Linien eskortiert wurde. Waffen und Munition versteckten die Abgeführten dann in oder unter ihrer Uniform. Zu Tarnzwecken wurden auch gegnerische Waffen und Fahrzeuge verwendet. Wie diese Mittel eingesetzt wurden, war den jeweiligen Einsatzführern überlassen, die allein für die Planung eines Unternehmens zuständig waren. Wenn ein Unternehmen direkt im Frontgebiet oder im unmittelbaren Hinterland erfolgte, unterstanden die Kommandoeinheiten den im jeweiligen Bereich zuständigen Kommandobehörden, wie Heeresgruppe, Armee oder Korps. Diese Kriegsfinten wurden ebenfalls zahlreich und ausgiebig von Spezialtruppen der Alliierten angewandt.

„Die Aufzählung der verschiedenen Arten der Tarnung darf aber nicht zu der Annahme verleiten, daß es eine ‚HDv‘ [HeeresDienstvorschrift] oder Art Fibel für Kommandoeinsätze gegeben habe, in der diese Tarnarten und andere Methoden der unkonventionellen Kriegführung systematisch aufgelistet und beschrieben worden wären. Die gab es nicht. Es waren vielmehr Initiative und Phantasie der einzelnen Einsatzführer gefordert. Sie mußten die zur Lösung der jeweiligen Aufgabe geeigneten Mittel und Methoden selbst finden. So wurde unseres Wissens z. B. die Mischtarnung zum ersten Mal beim Handstreich gegen die Maas- und Maas-Waal-Kanalbrücken praktiziert. [...] Von ihnen machte im übrigen auch der Gegner Gebrauch. Das führte dann zu grotesken Situationen, wie der an der Torez-Brücke bei Slavjansk. Dort stieß ein deutscher Kommandotrupp in sowjetischen Uniformen auf einen als Deutsche getarnten sowjetischen Kommandotrupp. Während die echten Deutschen rechtzeitig erkannten, daß es sich bei den anderen um falsche Deutsche handelte, fielen die falschen Deutschen auf die Tarnung der echten Deutschen zunächst herein. So erhielten diese die Möglichkeit, ihren Auftrag, die Brücke rechtzeitig zu sprengen, zu erfüllen.“ — Ritterkreuzträger Dietrich F. Witzel

Regiment „Kurfürst“

Ab Frühling 1943, nach der Herauslösung der „Brandenburger“ aus dem militärischen Geheimdienst, übergab Alexander von Pfuhlstein, Kommandeur der „Brandenburger“ und gleichzeitig verantwortlich für den Schulbetrieb, die Abwehrkampfschule mit seinen Spezialisten für Waffen und Fahrzeuge, Sabotage und Spionage, die Dolmetscherschule und die V-Mann-Abteilung der Abwehrinfanterieschule auf dem Truppenübungsplatz Regenwurmlager bei Meseritz der direkten Führung durch die Abwehr Abteilung II. Diese ausgegliederten Einheiten wurden in dem Lehr-Regiment „Kurfürst“ zusammengefaßt. Von Pfuhlstein bezweckte damit eine Festigung und Straffung der zur Division „Brandenburg“ erweiterten Spezialeinheit als Einsatztruppe des OKW.

Siehe auch

Literatur

Verweise

Fußnoten

  1. Seit 1992 befindet sich die Fachhochschule Brandenburg in der alten Infanterie- und Kürassierkaserne von 1881.
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