Christians, Mady

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Mady Christians

Margarethe „Mady“ Maria Christians (geb. 19. Januar 1896 in Wien, Österreich-Ungarn; gest. 28. Oktober 1951 in Norwalk, Connecticut) war eine deutsche Schauspielerin.

Wirken

Mady Christians war die Tochter der Opernsängerin Bertha Klein und des Schauspielers Rudolf Christians (1869–1921), der mehrere Jahre hindurch das Irving Place Theater, die einzige deutschsprachige Bühne in Neu York, die schließlich ein Opfer des Ersten Weltkriegs wurde, leitete.[1]

Medy Christians verlebte ihre ersten Lebensjahre größtenteils in einem Berliner Ursulinen-Kloster, da die Eltern aufgrund ihrer Bühnenverpflichtungen viel auf Reisen waren. Später besuchte sie eine Handelsschule, Ende Dezember 1912 reiste die damals 16-Jährige erstmals nach Neu York. Das junge Mädchen interessierte sich nun ebenfalls für die „Bretter, die die Welt bedeuten“, erwarb sich ihr darstellerisches Rüstzeug bei dem deutschstämmigen Schauspieler und Regisseur Frank Reicher (1875 – 1965) und konnte anschließend schon bald als Darstellerin am Theater Fuß fassen. Erste Erfahrungen vor der Kamera sammelte Mady Christians in dem VS-amerikanischen Stummfilm „Audrey“ (1916).

Kurz darauf verließ die Familie 1917 nach dem Kriegseintritt der VSA mehr unfreiwillig das Land und ließ sich in Berlin nieder. Dort setzte die junge Schauspielerin ihre beginnende Karriere fort, erhielt Engagements an Berliner Theatern, vor allem am von Max Reinhardt geleiteten „Deutschen Theater“, wo sie unter anderem als Titania in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ und als Franziska in Lessings „Minna von Barnhelm“ glänzte.

Doch vor allem die Arbeit für das noch junge Medium Film hatte es ihr angetan, 1917 drehte sie mit Regisseur Friedrich Zelnik sowie Erich Kaiser-Titz als Partner ihren ersten Stummfilm in Deutschland – „Die Krone von Kerkyra“ mit dem Untertitel „Liebe und Hass einer Königstochter“ hieß dieses frühe Drama. In rascher Folge tauchte die attraktive Mimin in Abenteuerstreifen, Lustspielen und Historien-Epen auf, einen ersten durchschlagenden Erfolg konnte sie 1921 an der Seite von Harry Liedtke als Gert Nissen bzw. dessen späteren Filmehefrau in der sechsteiligen Reihe „Der Mann ohne Namen“, der ersten, von Georg Jacoby in Szene gesetzten Verfilmung des Bestsellers „Peter Voß, der Millionendieb“ von Ewald Gerhard Seeliger, verbuchen. Mit Liedtke sowie Emil Jannings drehte sie auch den von Ernst Lubitsch inszenierten monumentalen Historienstreifen „Das Weib des Pharao“ von 1922 und hatte hier jedoch nur einen kleinere Rolle.

In den nachfolgenden Jahren wurde Mady Christians meist als hochrangige Dame der Gesellschaft besetzt, etwa als Marquise in der Literatur-Adaption „Es leuchtet meine Liebe“ (1922) oder als Stuart-Königin Anna von England in der Komödie „Ein Glas Wasser“ (1923) nach dem gleichnamigen Bühnenstück des französischen Schriftstellers Eugène Scribe.

In Gerhard Lamprechts) ersten Verfilmung von Thomas Manns preisgekröntem Werk „Buddenbrooks“ (1923). Lamprechts Versuch, das komplexe Gesellschaftsportrait für die noch stumme Leinwand zu visualisieren, brachte ihm viel Anerkennung ein, mit „Buddenbrooks“ schuf er einen tragisch–traurigen Film mit einer für die damalige Zeit ungewöhnlichen Länge von ursprünglich 120 Minuten.

Zum weiteren Erfolg für Mady Christians geriet 1924 Friedrich Wilhelm Murnaus Komödie „Die Finanzen des Großherzogs“ mit der Figur der Großfürstin Olga an der Seite von Harry Liedtke als Don Ramon XXII., Großherzog von Abacco. In der heiteren Geschichte „Ein Walzertraum“ von 1925 kam sie als Prinzessin Alix von Flausenthurn daher, die den Prinzen Peter Ferdinand (Carl Beckersachs) heiraten soll, sich aber dann in dessen Adjutanten Nicholas (Willy Fritsch) verliebt. Nach weiteren, heute überwiegend vergessenen stummen Streifen, machte Mady Christians als „Königin Luise“ in Karl Grunes gleichnamigem, zweiteiligem Historienfilm (1927: Teil 14); 1928: Teil 24)) Furore.

Wenig später drehte sie ihren ersten Tonfilm, „Dich hab’ ich geliebt“ von 1929 hieß das Melodram, in der sie sich als die gefeierte Sängerin Inge Lund zeigte, die aus Liebe zu ihrem Mann (Hans Stüwe) auf ihren Beruf verzichtet. Nach Hauptrollen in Produktionen wie „Das Schicksal der Renate“ von 1930 oder „Die Frau von der man spricht“ von 1931 besetzte sie Gerhard Lamprecht neben Publikumslieblingen wie Conrad Veidt und Wolf Albach-Retty in dem zur Zeit der französischen Besetzung Deutschlands durch die Truppen Napoleon Bonapartes angesiedelten Streifen „Der schwarze Husar“ von 1932 als junge Marie-Luise, die auf Umwegen endlich ihr Glück mit dem Rittmeister Hansgeorg von Hochberg (Conrad Veidt) findet. Sie war die Protagonistin in der musikalischen Romanze „Friederike“ von 1932, glänzte als Kaiserin Eugenie in Friedrich Hollaenders mit Lilian Harvey, Conrad Veidt und Heinz Rühmann prominent besetzten Musikkomödie „Ich und die Kaiserin“ von 1933, eine Figur, die sie auch in der englischsprachigen Version „The Only Girl“ verkörperte; hier spielte Charles Boyer die Rolle von Conrad Veidt, Maurice Evans den von Heinz Rühmann.

Neben ihrer umfangreichen Arbeit für den Film stand Mady Christians weiterhin auf der Bühne, übernahm Hauptrollen in verschiedensten Stücken und trat auch am berühmten Berliner literarischen Kabarett „Schall und Rauch“ auf. Bereits im Herbst 1931 ging sie für einige Zeit in die VSA, um Theaterverpflichtungen zu erfüllen, mit dem Wahlsieg der NSDAP Ende Januar 1933 entschloß sie sich Deutschland vorerst zu verlassen und reiste über Hamburg nach Neu York, wo sie am 10. Februar 1933 eintraf.

Sie spielte weiterhin Theater und trat in einigen Hollywood–Produktionen wie „Nimm, was du kriegen kannst“ (1936, Come and Get It) oder der Spyri-Verfilmung „Heidi“ von 1937 auf, wo sie als Tante Dete neben der Protagonistin Shirley Temple in Erscheinung trat.

Zeitgleich blieb die Wienerin aber bis zum Anschluß Österreichs im März 1938 auch Ensemble-Mitglied des Wiener „Theaters in der Josefstadt“ unter Leitung von Hofrat Dr. Ernst Lothar, ehe sie deer neue Theaterchef Robert Valberg unmittelbar nach der Annexion aus dem Ensemble ausschloß.

Nun kehrte Mady Christians Europa endgültig den Rücken, wanderte am 2. September 1938 in die VSA; am 2l. September 1939 beantragte sie unter dem Namen Margarete von Mueller die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seit Anfang der 1920er Jahre war sie mit dem Journalisten und Schriftsteller Dr. Sven von Müller verheiratet gewesen, wann die Scheidung erfolgte, ist unbekannt.

Im Verlaufe der Jahre konzentrierte sich Mady Christians vornehmlich auf die Arbeit am Theater, konnte vor allem am Broadway Erfolge feiern, wie ab 1944 viele Jahre lang mit der Hauptrolle in „I Remember, Mama“ (Erinnerung an Mama) des britischen Bühnenautors John Van Druten. Auf der Leinwand ließ sie sich nur noch selten blicken, spielte unter anderem in Irving Reis’ nach einem Bühnenstück von Arthur Miller inszenierten Familiendrama „Alle meine Söhne“ (1948, All My Sons) die Kate Keller, Filmehefrau von Edward G. Robinson bzw. Mutter von Burt Lancaster. Zuletzt trat sie für Max OphülsStefan Zweig-Adaption bzw. Liebestragödie „Brief einer Unbekannten“ (1948, Letter from an Unknown Woman) als Frau Berndl vor die Kino–Kamera.

Im März 1945 wurde Mady Christians als Schauspiellehrerin an die „Columbia University“ berufen, darüber hinaus war sie gewerkschaftlich tätig, gehörte zum Vorstand der amerikanischen Bühnengenossenschaft. Während der McCarthy-Ära geriet sie Ende der 1940er Jahre in den Verruf, Sympathisantin der Kommunistischen Partei zu sein, was ihr den Eintrag in die so genannte „Schwarze Liste“ einbrachte bzw. das Ende ihrer Filmkarriere bedeutete.

Nur geraume Zeit später starb Mady Christians am 28. Oktober 1951 in Norwalk (Connecticut) an den Folgen eines Gehirnschlags. Ihre letzte Ruhestätte fand die Schauspielerin, die in mehr als 80 Kino–Produktionen aber auch als Bühnen-Interpretin einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hatte, auf dem „Ferncliff Cemetery and Mausoleum“ in Hartsdale (Westchester County, Neu York).

Familie

Sie war die Cousine der aus Bremen stammenden Dr. phil. Anneliese Uhlhorn, die als ehemalige Schauspielerin Christa Tordy (1904–1945) Ende der 1920er Jahre in einigen Stummfilmen mitgewirkt hatte. Nach ihrer Heirat mit dem Leinwandstar Harry Liedtke (1882–1945) hatte sich Tordy ins Privatleben zurückgezogen. Das Ehepaar wurde Ende April 1945 nach einem missglückten Selbstmordversuch vermutlich von marodierenden Rotarmisten in ihrer Villa in Saarow-Pieskow bei Berlin ermordet.

Filmographie (Auswahl)

  • 1916: Audrey
  • 1917 Das Edelfräulein
  • 1917 Die fremde Frau
  • 1917 Die Krone von Kerkyra. Liebe und Haß einer Königstochter
  • 1917 Das verlorene Paradies
  • 1917 Frau Marias Erlebnis
  • 1918 Die Dreizehn
  • 1918 Eine junge Dame von Welt
  • 1918 Die Verteidigerin
  • 1918 Nachtschatten
  • 1918 Am Scheidewege
  • 1918 Am anderen Ufer
  • 1919 Die Sühne der Martha Marx
  • 1919 Not und Verbrechen
  • 1919 Die Peruanerin
  • 1919 Die Gesunkenen
  • 1919 Fidelio
  • 1919 Der goldene Klub
  • 1919 Wer unter Euch ohne Sünde ist
  • 1919 Die Nacht des Grauens
  • 1920 Der indische Tod
  • 1921 Der Millionendieb
  • 1921 Der Kaiser der Sahara
  • 1921 Gelbe Bestien
  • 1921 Die goldene Flut
  • 1921 Der Mann mit den eisernen Nerven
  • 1921 Der Sprung über den Schatten
  • 1921 Der Schicksalstag
  • 1921 Das Weib des Pharao
  • 1922 Kinder der Zeit
  • 1922 Es leuchtet meine Liebe
  • 1923 Ein Glas Wasser
  • 1923 Buddenbrooks
  • 1923 Der Wetterwart
  • 1923 Der verlorene Schuh
  • 1924 Die Finanzen des Großherzogs
  • 1924 Soll und Haben
  • 1924 Mensch gegen Mensch
  • 1925 Der Farmer aus Texas
  • 1925 Die vom Niederrhein. 1. Teil
  • 1925 Der Abenteurer
  • 1925 Die vom Niederrhein. 2. Teil
  • 1925 Die Verrufenen
  • 1925 Ein Walzertraum
  • 1926 Nanette macht alles
  • 1926 Zopf und Schwert
  • 1926 Die geschiedene Frau
  • 1926 Wien, wie es weint und lacht
  • 1926 Die Königin vom Moulin Rouge
  • 1926 Die Welt will belogen sein
  • 1927 Der Sohn der Hagar
  • 1927 Heimweh
  • 1927 Grand Hotel...!
  • 1927 Königin Luise. 1. Teil: Die Jugend der Königin Luise
  • 1928 Königin Luise. 2. Teil
  • 1928 Eine Frau von Format
  • 1928 Fräulein Chauffeur
  • 1928 Priscillas Fahrt ins Glück
  • 1929 Waterloo
  • 1929 Das brennende Herz
  • 1929 Meine Schwester und ich
  • 1929 Dich hab' ich geliebt
  • 1929 Und Nelson spielt ... Eine Tonfilm-Schlager-Revue
  • 1929 Mady Christians: Englisches Chanson
  • 1930 Leutnant warst du einst bei den Husaren
  • 1930 Das Schicksal der Renate Langen
  • 1930 Mon coeur incognito
  • 1931 Die Frau, von der man spricht
  • 1932 Der schwarze Husar
  • 1932 Friederike
  • 1933 Ich und die Kaiserin
  • 1933 Salon Dora Green
  • 1933 Manolescu, der Fürst der Diebe
  • 1933 The Only Girl
  • 1934: Wicked Woman
  • 1935: Ship Cafe
  • 1935 Escapade
  • 1936: Nimm, was du kriegen kannst
  • 1937: The Woman I Love
  • 1937: Heidi
  • 1937: Im siebenten Himmel (Seventh Heaven)
  • 1943: Tender Comrade
  • 1944 Address Unknown
  • 1948: Alle meine Söhne (All My Sons)
  • 1948: Brief einer Unbekannten

Fußnoten