Heidegger, Martin

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Prof. Dr. Martin Heidegger in Marburg

Martin Heidegger (Lebensrune.png 26. September 1889 in Meßkirch/Schwarzwald; Todesrune.png 26. Mai 1976 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Philosoph.

Leben und Wirken

Heidegger, Martin.jpg

Heidegger, Sohn des Küfermeisters Friedrich Heidegger (1851–1924) und dessen Gemahlin Johanna, geb. Kempf, aus Göggingen bei Meßkirch (1858–1927), stammte aus einer tief gläubigen, katholischen Familie, sein Bruder Fritz Heidegger sollte später sein wichtigster Mitarbeiter werden. Martin studierte nach dem Abitur Theologie und Philosophie in Freiburg. 1913 wurde Heidegger mit einer Arbeit über „Die Lehre vom Urteil im Psychologismus“ zum Doktor der Philosophie bei Artur Schneider promoviert.

1915 folgte seine Habilitation, 1916 wurde er – aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt – zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg herangezogen, am 21. Januar 1919 übernahm er als Nachfolger von Edith Stein die Assistentur bei Prof. Husserl, ab 7. Februar 1919 wurde er Privatdozent und ab 1923, mit der Unterstützung von Paul Natorp, lehrte er als außerordentlicher Professor in Marburg. 1928 wurde er – als Nachfolger seines Lehrers Edmund Husserl – Ordinarius für Philosophie in Freiburg, bis 1923 hatte Husserl Ludwig Ferdinand Clauß für die Stellung vorgesehen. Heidegger bewunderte zwar Husserl, hatte aber schon vor seinem Wechsel nach Marburg gegen dessen „Neukantianismus“ zunehmend Vorbehalte formuliert.

Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“ (1927, damals noch als „Erster Teil“ bezeichnet) beschreibt existentielle Situationen in einer eigenwilligen, schwierigen, auf deutsche Wortwurzeln bezogenen Sprache. Heidegger bezeichnet seine eigene Philosophie geschraubt als „Existenzialontologie“, obwohl jedermann sieht, daß seine Werke dem philosophischen Existentialismus zuzurechnen sind, der zwischen Kierkegaard im 19. Jahrhundert und Sartre im 20. Jahrhundert neben anderen Attitüden eine bestimmende Grundhaltung war – selber jedoch ohne Schulbildung blieb (das heißt, ohne daß ein verbindliches Lehrgebäude entstanden wäre). Die an Heideggers Werke anknüpfenden Schulbildungen sind alle mit dem Mangel behaftet, daß sich über Heideggers Denken eigentlich nicht sprechen läßt, wenn man nicht die vom Philosophen persönlich neu eingeführten Neologismen verwendet (z. B. „das Worumwillen“, anstelle von Zweck).

Am 21. April 1933 wurde Martin Heidegger von seinen Kollegen einstimmig zum Rektor der Freiburger Universität als Nachfolger von Wilhelm von Möllendorff gewählt. Am 3. Mai 1933 (mit Wirkung vom 1. Mai) trat er der NSDAP bei und blieb bis zum Kriegsende 1945 beitragzahlendes Parteimitglied. Heidegger unterzeichnete 1933 das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler. 1934 trat er vom Rektorat zurück, behielt aber seinen Lehrstuhl für Philosophie bei.

Heidegger begrüßte die Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten mit Entschiedenheit und bekannte sich in Wort und Schrift zum neuen Staat, wie vergleichbar auch der expressionistische Dichter und Essayist Gottfried Benn. Noch Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bekundete Heidegger, daß der Nationalsozialismus für ihn die einzige Überlebenschance des Deutschen Reiches und Volkes gewesen sei, distanzierte sich aber später nach heftiger Kritik. Einen Ruf an die Universität Berlin lehnte er ab.

Nachkriegszeit

Nach der „Befreiung“ erhielt Heidegger im Rahmen der beginnenden Umerziehung bis 1950 Lehr- und Publikationsverbot. 1952 nahm er in Freiburg seine Lehrtätigkeit wieder auf. Seine Wirkung reichte schon früh weit über das Milieu der Universitätsphilosophie hinaus. Insbesondere unter Theologen und Philologen finden sich oftmals glühende Anhänger seiner Seinsphilosophie.

Tod

In den Jahren nach seinem Tod am 26. Mai 1976 in Freiburg i. Br. / Zähringen (Beisetzung am 28. Mai 1976 in Meßkirch) wurde Heidegger öffentlich heftig angegriffen, da er die „Aufarbeitung seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus nicht ausreichend bewältigt[1] habe und zudem ganz allgemein dafür, daß er zum sogenannten Holocaust geschwiegen hatte; dies ungeachtet der Tatsache, daß jeder mit schärfsten Sanktionierungen konfrontiert wird, der hierzu eine andere als die von der BRD-Justiz vorgeschriebene Darstellung öffentlich äußert. Der jüdische Lehrer und Schriftsteller Roger Dommergue Polacco de Ménasce (Paris) kommentierte im Jahre 1989 diese Anwürfe folgendermaßen:

„Warum sollte Heidegger von 1945 bis zu seinem Tode geschwiegen haben, wenn nicht der tiefe Grund seines Schweigens mit seiner Intelligenz im Zusammenhang stünde? – Ist es nicht böser Wille oder geistige Minderbemitteltheit, die sie alle daran hindert, das auschwitzsche Schweigen Heideggers zu begreifen? [...] Sein Schweigen steht mit völlig verschiedenartigen Kriterien in Zusammenhang. Ich würde auch schweigen, wenn die irreführende, seelisch kranke, paranoische und größenwahnsinnige Geisteshaltung meiner Rassegenossen mir nicht den Drang zum Aufheulen verleihen würde.[2]

Familie

1917 heiratete Heidegger seine Verlobte, die Ökonomiestudentin Elfride Petri. Am 21. März 1917 traute Engelbert Krebs die beiden in der Universitätskapelle des Freiburger Münsters nach katholischem Ritus, und vier Tage später heirateten sie in Wiesbaden evangelisch. Aus der Ehe sind zwei Kinder entsprossen:

  • Jörg, geb. Januar 1919 (Diplom-Ingenieur und Studiendirektor)
  • Hermann, geb. August 1920 (Dr. phil., Oberst der Bundeswehr)

Das Buch „Sein und Zeit“ als Fetisch

Zu den bizarren Erscheinungen der Heidegger-Rezeption zählen die jüdischen Heidegger-Enthusiasten. Sowohl Hannah Arendt, die als Studentin eine Intimbindung mit dem Philsophieprofessor Heidegger einging, ist dazuzurechnen, aber auch ein Emigrant wie der jüdische Philosoph Werner Marx. In seiner Lebensbeschreibung erzählt Marx eine Episode, wie er im Hause der befreundeten jüdischen Familie von Hans Stern (der mit Egon Vietta von 1929 bis 1931 bei Heidegger studiert hatte) eine Widmung von Hans Stern an seine ebenfalls akademisch philosophierende Schwester „Liesl“ in der frühen Ausgabe von „Sein und Zeit“ gefunden habe. Marx schrieb dem 80jährigen Heidegger dies zum Geburtstag (die betreffende Widmung ist in der Lebensbeschreibung von Marx photomechanisch wiedergegeben). Ein jüdischer Emigrant flieht über Frankreich (mit Lagerinternierung) und Kuba in die Vereinigten Staaten – und zu dem wenigen Familienerbe zählt dann ausgerechnet eine Ausgabe von „Sein und Zeit“ mit einer solchen (familieninternen) Widmung (nicht etwa Verfasser-Widmung).[3]

Bei Akademikern mit streng rationaler Ausrichtung ihrer Arbeit ist die Beobachtung eines solchen Fetisch-Dienstes am Buch seltsam genug, wie aber der Heidegger-Enthusiasmus überhaupt so blühen kann, bleibt ein Rätsel. Martin Heidegger hat es geschafft, eine breite – oftmals über ein ganzes Akademikerleben hinreichende – Anhängerschaft zu generieren (Linke und Konservative, Juden und Nicht-Juden), obwohl er zu den energischsten öffentlichen Vertretern des Machtwechsels vom Januar 1933 zählte. Eine Legion von Theologen preist die unerhörte Tiefe seiner Philosophie, obwohl kaum ein Resultat sich so deutlich aus den schwerverständlichen Texten des Philosophen ablesen läßt wie beispielsweise seine grundsätzliche Abkehr von theologischem Denken.

Werke (Auswahl)

  • 1912–1916: Frühe Schriften. Klostermann, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3465008812
  • 1921/22: Phänomenologische Interpretationen zu Aristoteles. Einführung in die phänomenologische Forschung. Klostermann, Frankfurt am Main 2. durchges. A. 1994, ISBN 3465026500
  • 1927: Die Grundprobleme der Phänomenologie. Klostermann, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3465034198
  • 1927: Sein und Zeit. Niemeyer, Tübingen 19. A. 2006, ISBN 3484701536
  • 1929/30: Die Grundbegriffe der Metaphysik. Welt – Endlichkeit – Einsamkeit. Klostermann, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3465033108
  • 1929: Kant und das Problem der Metaphysik. Klostermann, Frankfurt am Main 6. A. 1998, ISBN 3465029828
  • 1933: Die Selbstbehauptung der deutschen Universität
  • 1936: Hölderlin und das Wesen der Dichtung
  • 1935–1946: Holzwege. Klostermann, Frankfurt am Main 8. A. 2003, ISBN 3465032381
  • 1935/36: Der Ursprung des Kunstwerkes. Reclam (UB 8446), Ditzingen 1986, ISBN 3150084466
  • 1936–1946: Nietzsche I und II. Klett-Cotta, Stuttgart 8. A. 2008, ISBN 9783608910865
  • 1936–1953: Vorträge und Aufsätze. Klett-Cotta, Stuttgart 10. A. 2004, ISBN 3608910905
  • 1936–1938: Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis). Klostermann, Frankfurt am Main 3. A. 2003, ISBN 3465032810
  • 1938/39: Besinnung. Klostermann, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3465029550
  • 1942: Platons Lehre von der Wahrheit
  • 1943: Vom Wesen der Wahrheit
  • 1951–1952: Was heißt Denken? Reclam (UB 8805), Ditzingen 1992, ISBN 3150088054
  • 1953: Die Technik und die Kehre. Klett-Cotta, Stuttgart 2002, ISBN 3608910506
  • 1919–1961: Wegmarken. Klostermann, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3465033701
  • 1955–1956: Der Satz vom Grund. Klett-Cotta, Stuttgart 9. A. 2006, ISBN 360891076X
  • 1955–1957: Identität und Differenz. Klett-Cotta, Stuttgart 12. A. 2002, ISBN 360891045X
  • 1950–1959: Unterwegs zur Sprache. Klett-Cotta, Stuttgart 14. A. 2007, ISBN 9783608910858
  • 1959: Gelassenheit. Klett-Cotta, Stuttgart 14. A. 2008, ISBN 9783608910599
posthum
  • Martin Heidegger: Gesamtausgabe. IV. Abteilung: Hinweise und Aufzeichungen, Band 97. Anmerkungen I-V (Schwarze Hefte 1942-1948), herausgegeben von Peter Trawny. Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-465-03869-6

Sekundärliteratur

  • Karlheinz Baumgartl: Der Lärm unserer Zeit und das Schweigen des Philosophen, in: Volk in Bewegung & Der Reichsbote, Ausgabe 6/2015, S. 25
  • Silvio Vietta: „Etwas rast um den Erdball…“. Martin Heidegger – Ambivalente Existenz und Globalisierungskritik. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2014, ISBN 978-3-770-55823-0 [Zur Frage des „Antisemitismus“ in Heideggers posthum veröffentlichten „Schwarzen Heften“ aus den Jahren 1942-1948]
  • Paul Hühnerfeld: In Sachen Heidegger. Versuch über ein deutsches Genie. [Taschenbuchgausgabe:] Hoffmann und Campe, Hamburg 1961. [Der Autor sammelt – als Augenzeuge der Lehrveranstaltungen Heideggers – Argumente für die Einordnung von dessen Arbeitsform und Denkattitüden als scharlatanisch]
  • Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten – Freiheit, Sein und Aprikosencocktails mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus, Martin Heidegger, Edmund Husserl, Karl Jaspers, Maurice Merleau-Ponty und anderen, aus dem Englischen von Rita Seuß; C.H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72479-4 [448 S.; zuerst bei Chatto & Windus, London 2016, unter dem Titel: At the Existentialist Café – Freedom, Being and Apricot Cocktails]

Verweise

Fußnoten

  1. Prominente ohne MaskeDrittes Reich, FZ-Verlag, 1998, ISBN 3924309396
  2. Volk in Bewegung & Der Reichsbote, Ausgabe 6/2015, S. 26
  3. Ludwig J. Pongratz: Philosophie in Selbstdarstellungen, Bd. I, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1975, ISBN 3-7873-0341-3. Darin: Werner Marx (Episode und photomechanischer Abdruck), S. 228f.