Rau, Johannes

Aus Metapedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Johannes Rau
Johannes Rau’ Grab
Berlin, Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichwerderschen Gemeinden
Inschrift des Grabsteins

Johannes Rau (geb. 16. Januar 1931 in Wuppertal; gest. 27. Januar 2006 in Berlin) war ein deutscher Politiker und von 1999 bis 2004 der achte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Johannes Rau, evangelisch, wurde 1931 als drittes von fünf Kindern des Kaufmanns und nebenberuflichen Laienpredigers Ewald Rau und dessen Frau Helene geboren. Raus Großvater war Polizeibeamter. Johannes Rau besuchte die Volksschule und das Gymnasium, das er 1948 noch vor dem Abitur abbrach. Er engagierte sich in Bibelkreisen und in der Bekennenden Kirche, von der er sein Lebensmotto, „Teneo, quia teneor“ („Ich halte stand, weil ich gehalten werde“), übernahm. 1949-1951 absolvierte er eine Lehre als Verlagsbuchhändler und besuchte die Buchhändlerschule in Köln. Daneben war er politisch tätig und schrieb ab 1949 als freier Mitarbeiter für die „Westdeutsche Rundschau“ in Wuppertal, vorwiegend über kirchliche und kulturelle Themen.

Berufliches Wirken

Seine Berufslaufbahn begann Johannes Rau 1952 als Verlagsbuchhändler in seinem Lehrbetrieb. Ab 1953 war er Lektor und Vertreter im Luther-Verlag und beim Eckart-Verlag in Witten. 1954 wurde er Geschäftsführer des Jugenddienst-Verlags in Wuppertal, wo er 1962 zum Vorstandsmitglied und 1965 zum Direktor aufstieg (bis 1967). Außerdem gehörte er ab 1954 zur Redaktion der „Gesamtdeutschen Rundschau“.

Politik

Rau war für die von Gustav Heinemann gegründete Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) Kreis- und Ortsvorsitzender von Wuppertal. Als die GVP sich auflöste, trat Rau der SPD bei. Ab 1968 gehörte er dem Parteivorstand und ab 1978 dem Parteipräsidium an. Von 1982 bis 1999 war er stellvertretender Parteivorsitzender. In Nordrhein-Westfalen hatte er den Parteivorsitz seit 1977 inne. 1969 und 1970 war Rau Oberbürgermeister von Wuppertal und anschließend Wissenschaftsminister im Land Nordrhein-Westfalen. 1978 übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, das er bis 1998 innehatte. 1987 kandidierte er für das Amt des Bundeskanzlers und unterlag Helmut Kohl. Nach einer ersten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten 1994 trat Johannes Rau 1999 erneut an und wurde im zweiten Wahlgang gewählt.

Bundespräsident

Auch als Bundespräsident war Rau keinesfalls Vertreter des deutschen Volkes, sondern setzte sich für die Integration von Ausländern und für Minderheiten ein. Er plädierte für eine geregelte Einwanderungspolitik. Im Jahr 2000 sprach Rau als erster Bundespräsident vor der Knesset, wo er die Juden und Israel in deutscher Sprache um Vergebung für den Holocaust bat. 2002 bereitete er der weiteren Umvolkung den Weg, unterschrieb das Zuwanderungsgesetz der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder und trat als Menschenrechtsimperialist in China auf, wo er auf die Allgemeinen Menschenrechte pochte.[1]

Auszeichnungen

Großes Bundesverdienstkreuz (1969) mit Stern (1975) und Schulterband (1980), Großkreuz des Verdienstordens der BR Deutschland (1983), Karnevalsorden „Ritter wider den tierischen Ernst“ (1986), Orden „Heiliger Daniil“ der Russisch-Orthodoxen Kirche (1993), Ehrensenator der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (1996), Kulturpreis Europa (1997), Buber-Rosenzweig-Medaille von der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (2000), Leo-Baeck-Medaille (2001), Olympischer Orden in Gold (2004), Karl-Barth-Preis (2004), Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin (2004), Gustav-Adolf-Preis für seine Verdienste um die Aussöhnung mit Polen (2005), „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ (2005).

Johannes Rau war Ehrendoktor der Universitäten Düsseldorf (1985), Haifa (1986), der britischen Open University, der Theologischen Akademie Budapest der Reformierten Kirche Ungarns (1987), der Fernuniversität-Gesamthochschule Hagen, der Ruhr-Universität Bochum (1997) sowie der Universität Dortmund (2004). Er war Ehrenbürger von Wuppertal, Bonn, Berlin und Badenweiler.

Mitgliedschaften / Ämter

Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (seit 1962), Mitglied des Kuratoriums Gustav-Heinemann-Bürgerpreis (seit 1977), Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Kunstsammlung des Landes NRW (seit 1978), AR-Mitglied der Deutschen Lufthansa AG (seit 1981), Vorsitzender der Heinz-Kühn-Stiftung (seit 1982), des Stiftungsrates der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (seit 1986), der Stiftung Kunst und Kultur (seit 1990) und der Stiftung Bibel und Kultur (seit 1993). Er war stellv. Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, Ehrenmitglied des „Rings Bildender Künstler“ und des Jerusalemer „Israel-Museums“ (seit 1995). Er war Vorsitzender des Vermittlungsausschusses von Bundesrat und Bundestag (1990-1994) und des ZDF-Verwaltungsrats (1992-1999). Er war berufenes Mitglied der Synode und stellv. Mitglied der Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (1965-1999), Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages (1966-1974) und ab 1985 im Mitherausgeberkreis der Monatszeitschrift „Evangelische Kommentare“. Mitglied im Lions Clubs International.

Gegen Rechts

Familie

Johannes Rau war seit 9. August 1982 mit der um 25 Jahre jüngeren Fabrikantentochter und Politologin Christina Delius, einer Enkelin des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann, verheiratet, und hatte drei Kinder — Anna Christina (geb. 12/1983), Philipp Immanuel (geb. 1/1985), Laura Helene (geb. 11/1986). Er war ein ausgesprochener Literatur- und Kunstfreund, sammelte Briefmarken (besonders Israel), galt als exzellenter Skatspieler und vor allem als begnadeter Geschichten- und Anekdotenerzähler.

Nach längerer und schwerer Krankheit war Johannes Rau am 27. Januar 2006 kurz nach seinem 75. Geburtstag im Kreis seiner Familie gestorben. Der zu seinen Ehren ausgerichteten offiziellen Geburtstagsfeier im Schloss Bellevue hatte er bereits krankheitsbedingt nicht mehr beiwohnen können. In einem Staatsakt im Berliner Dom erwiesen 1.500 Repräsentanten von Staat und Gesellschaft sowie zahlreiche ausländische Trauergäste dem Altbundespräsidenten die letzte Ehre. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.

Fußnoten

  1. Bundespräsident Johannes Rau, bundespräsident.de


Meine Werkzeuge