Weizsäcker, Richard von

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Richard von Weizsäcker, 2006
Als Wehrmachtsoldat

Richard Karl Freiherr von Weizsäcker (geb. 15. April 1920 in Stuttgart; gest. 31. Januar 2015 in Berlin) war ein deutscher Politiker der BRD-Blockpartei CDU. Er war von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin und von 1984 bis 1994 Bundespräsident der BRD. Er war der erste Amtsträger dieser Art, der die alliierten Besatzer öffentlich zu sogenannten „Befreiern“ bzw. deren Handeln gegen Deutschland als „Befreiung“ verklärte.

Werdegang

Herkunft

Richard Freiherr von Weizsäcker wurde am 15. April 1920 in einem Schloß bei Stuttgart als viertes Kind in eine bekannte evangelischen Theologen- und Juristenfamilie Württembergs geboren. Sein Vater Ernst Freiherr von Weizsäcker (1889–1951) war Diplomat (1920–1924 in Basel, 1924–1926 in Kopenhagen) und von 1938–1943 Staatssekretär im Auswärtigen Amt in Berlin.[1] Weizsäckers Mutter Marianne (1889–1983), eine Tochter des Generals von Graevenitz. Der Großvater Carl von Weizsäcker war Regierungschef von Württemberg. Weizsäckers älterer Bruder war der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker.

Ausbildung

Als Diplomatenkind besuchte Richard von Weizsäcker Schulen in Kopenhagen und Bern und machte am Bismarck-Gymnasium in Berlin Abitur. 1937/1938 studierte er in Oxford und Grenoble und leistete ab 1938 Militär- und Kriegsdienst.

Wirken

Zweiter Weltkrieg

Er trat 1938 in das Infanterie-Regiment 9 Potsdam ein, wurde schließlich Regiments-Adjutant, zuletzt als Hauptmann. Den Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebte von Weizsäcker bei der Rückeroberung des sogenannten Korridors, der in der Zwischenkriegszeit Ostpreußen vom Reichsgebiet abtrennte. Am zweiten Kriegstag, am 2. September 1939, fiel sein Bruder Heinrich. Nach Ende des Polenfeldzugs wurde er mit einer Einheit sogleich an die belgisch-luxemburgische Grenze in der Eifel transportiert. Den größten Teil des Krieges verbrachte er an der Ostfront.[2] Er wurde mehrfach verwundet und ausgezeichnet.[3] In der Schrift „Richard von Weizsäcker - Profile eines Mannes“ (1984 erschienen), heißt es, Weizsäcker habe sich kurz vor Kriegsende „selbst demobilisiert“.[4]

Nachkriegszeit

Nach 1945 setzte er sich als Hilfsverteidiger für seinen in Nürnberg angeklagten Vater ein („Wilhelmstraßen-Prozeß“). Ernst von Weizsäcker musste wegen angeblicher Schuld an Judendeportationen ins Landsberger Kriegsverbrechergefängnis (1950 entlassen, 1951 verstorben).[5] Seit 1969 bemühte sich Sohn Richard um das Amt in der Villa Hammerschmidt. 1984 hatte er es endlich geschafft. In der CDU galt er als Mann der „linken Mitte“. Richard von Weizsäcker stand der „neuen OstpolitikBrandts im Grundsatz positiv gegenüber (Ostverträge, Kniefall von Warschau).

Bei seiner Rede zum 40. Jahrestag der Wehrmacht-Kapitulation, 1985 im Bundestag, bezeichnete Richard von Weizsäcker den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ und erging sich in weiteren, bis dahin von einem Bundespräsidenten nie gehörten Anklagen gegen Deutschland.

Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai

Weizsäckers Rede „Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ am 8. Mai 1985 manifestierte Umerziehung und Schuldkult. Er sprach darin vom 8. Mai als einem „Tag der Befreiung“.
Thorsten Hinz urteilte über die Rede: „Über die Weizsäcker-Rede am 8. Mai 1985 ist [...] zu sagen: Sie hat das Land moralisch und politisch wehrlos gemacht.
Björn Höcke sagte 2017: „Das war eine rhetorisch wunderbar ausgearbeitete Rede, stilistisch perfekt. Richard von Weizsäcker war ein Könner des Wortes. Aber es war eine Rede gegen das eigene Volk und nicht für das eigene Volk.“[6]

„Der Weizsäcker-Komplex“

Das politische Erbe Weizsäckers besteht in der Verankerung einer „deutschen Schuld“ in der Geschichtspolitik. Mit seiner Rede zum 8. Mai 1985, in der Weizsäcker die Niederlage Deutschlands 1945 als Befreiung deklarierte, machte der damalige Bundespräsident die These einer moralischen Kollektivschuld zur offiziellen Staatsmeinung. Doch von Weizsäcker übertrug mit seiner Rede auch sein eigenes Familientrauma auf die Geschichtspolitik, betont der Publizist und JF-Autor Thorsten Hinz. In seinem Buch „Der Weizsäcker-Komplex“ erläutert er, was Weizsäcker damals bewegte, die Kapitulation des deutschen Reiches als Befreiung umzudeuten. Hinz stellt die These auf: „Weizsäcker mußte die Rede halten, er wäre sonst erpreßbar gewesen.“ U. a. durch seine Tätigkeit als Anwalt im Wilhelmstraßenprozess wäre Weizsäcker angreifbar gewesen. Die Kampagne gegen den damaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim wenige Zeit später zeigte nur allzu deutlich, wie die persönliche aber auch die deutsche Vergangenheit in der politischen Auseinandersetzung instrumentalisiert werden konnte. Doch das Buch will keine Abrechnung mit der Person von Weizsäckers sein, sondern eine feinfühlige Auseinandersetzung mit „einer Familien, die zu den besten gehört, die wir in Deutschland hatten“, unterstreicht der Autor.[7]

Weizsäcker zynisch über Vertreibung

Weizsäcker nannte die Vertreibung von Millionen Deutschen aus Ostdeutschland und deren millionenfache Ermordung in nicht zu überbietendem Zynismus eine „erzwungene Wanderschaft“.

Die „erzwungene Wanderschaft“ des Herrn von Weizsäcker:

Auszeichnungen

Goldmedaille der jüdischen Organisation B'nai B'rith für seine besonderen Verdienste[8] (1991), Heinz-Galinski-Preis der Jüdischen Gemeinde Berlin (1993), zionistischer Leo-Baeck-Preis (1994), Buber-Rosenzweig-Medaille von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (1995), Henry-Kissinger-Preis der transatlantischen American Academy in Berlin, Preis für Verständigung und Toleranz vom Jüdischen Museum Berlin (2012)

Beitrag aus „Der Große Wendig“

  • Richard von Weizsäckers Fahnenflucht 1945

„Der Große Wendig“ ist ein fünfbändiges Nachschlagewerk mit Richtigstellungen zur Zeitgeschichte. Es klärt insbesondere über antideutsche Verleumdungen und Geschichtsfälschungen auf und erschien von 2006 bis 2017.[9]

Literatur

  • Hans Meiser: Richard von Weizsäckers Fahnenflucht 1945, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig, Bd. 2, Grabert Verlag, Tübingen 2006, S. 43–45
  • Thorsten Hinz: Der Weizsäcker-Komplex. Eine politische Archäologie. Edition JF 2012

Verweise

Fußnoten

  1. Ernst von Weizsäcker war Staatssekretär im deutschen Außenministerium und SS-Brigadeführers, Ordonnanzoffizier beim OKH in Mauerwald/Ostpreußen, rechte Hand von General Matzky, dem die Feindbeobachtung sowie die Betreuung der Militärattaches oblag.
  2. National-Zeitung, 6. Februar 2015, S. 1
  3. Richard von Weizsäcker wurde Disziplinarvorgesetzter in der 23. Division. In einer Meldung an die Wehrmacht-Führung, unterschrieben von Generalmajor von Nostitz-Wallwitz am 1. April 1945, wurde Weizsäcker wegen „schneidigen Einsatzes“ gelobt. Er habe seine Untergebenen, die zu einer kämpferischen Haltung nicht mehr die Kraft gehabt hätten, „notfalls durch härteste Maßnahmen“ nach vorn gerissen.
  4. Siehe dazu: Hans Meiser: Richard von Weizsäckers Fahnenflucht 1945, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig, Bd. 2, Grabert Verlag, Tübingen 2006, S. 43–45
  5. Weitere Einzelheiten enthält das 1986 erschienene Buch „Die Wahrheit über von Weizsäcker“.
  6. Gemütszustand eines total besiegten Volkes, Der Tagesspiegel, 18. Januar 2017
  7. „Der Weizsäcker-Komplex“
  8. David Korn: Das Netz: Israels Lobby in Deutschland - FZ-Verlag ISBN 978-3924309664
  9. Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig, Bd. 2, Grabert Verlag, Tübingen 2006 (vergriffen)