Wandalen

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Das Reich der Wandalen und Alanen in seiner größten Ausdehnung um 526: Herrschaft über Karthago, die Balearen, Sizilien, Sardinien und Korsika.

Die Wandalen oder Vandalen (auch: Vandali, Vandili, Vandilier und Vanduli) waren ein ostgermanisches Volk, das zunächst im Gebiet zwischen Oder und Weichsel siedelte, später auch ein gutes Jahrhundert in Nordafrika ein Reich errichtete. Der Hauptgott der Wandalen war Wodan, später wurden sie, wie die meisten germanischen Völker, Christen arianischen Bekenntnisses.

Frühzeit

Nach Plinius dem Älteren und Tacitus siedelten sich die Wandalen in den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung östlich der Oder an, aber südlich der damals dort siedelnden Burgunden.

Im 2. Jahrhundert waren unterschiedliche Teilstämme der Wandalen nachweisbar: die Silingen in Schlesien und die Asdingen oder auch Hasdingen im späteren Ungarn und Rumänien, von wo sie unter Mark Aurel während der Markomannenkriege ins Römische Reich eindrangen. Unter Konstantin dem Großen ist eine Ansiedlung der Hasdingen in Pannonien bezeugt.

Völkerwanderung

Ein nordafrikanisches Fußbodenmosaik aus dem späten 5. Jahrhundert zeigt den „Vandalischen Reiter“ (mit dünnem Ankerkreuz) bei der Jagd – den Arm hat er zum Siegesgruß erhoben. Ein Exponat der Ausstellung „Erben des Imperiums in Nordafrika. Das Königreich der Vandalen“ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe.

Von Plinius d. Ä., Tacitus und Ptolemäus werden die Vandilier als Völkergruppe im Weichselgebiet erwähnt.

Um das Jahr 400 kann man nördlich der unteren und mittleren Donau durch das Eindringen große Wanderungen und Umwälzungen feststellen. Einzelne Stämme der Wandalen zogen gemeinsam mit den Alanen und Sueben westwärts nach Gallien.

Die Wandalen in Nordafrika

Mit dem Einfall der Westgoten auf der Iberischen Halbinsel wurden die Wandalen besiegt. Die Hasdinger setzten sich daher in den Süden ab. Unter ihrem neuen König Geiserich überquerten sie 429 die Meerenge von Gibraltar und gelangten nach Nordafrika. Mit vermutlich bis zu 100.000 Mann marschierten sie in der Folge 2.000 Kilometer nach Osten und gelangten 439 nach Karthago, die Stadt wurde eingenommen.

Die Macht des neuen Reiches wuchs rasch an, und 455 kam es zur Eroberung Roms. Sowohl für die Römer in Raben als auch Konstantinopel stellten die Wandalen ein zunehmendes Problem dar, vor allem, da man keinen direkten Zugriff mehr auf die nordafrikanischen Getreidevorräte hatte. 468 griff aus diesem Grund der oströmische Kaiser Leo I. mit einer Flotte Karthago an, wurde jedoch von den Germanen besiegt.

Erst 533, als Childerich, der letzte König der Wandalen, nach einer drei Jahre zuvor erfolgten Palastrevolution ermordet wurde, gelang es Ostrom, das Reich der Wandalen zu vernichten und sich somit einen mächtigen Feind vom Hals zu schaffen.

Die Reichsgründung der Wandalen in Nordafrika stellt somit neben denen der Franken und Westgoten die wohl erfolgreichste Reichsgründung eines germanischen Volkes dar.

Da es im heute arabisierten Nordafrika einige Menschen mit einem für die Region eher untypischen, europiden Erscheinungsbild (vor allem bei den Berbern) gibt, wird angenommen, daß es sich dabei um das genetische Erbe der einst dort seßhaften Wandalen handelt.

Wandalen und Wenden

In mittelalterlichen Überlieferungen wurde die lateinische Bezeichnung Vandali stets mit der Bezeichnung Wenden gleichgesetzt.

Seit dem 8. Jahrhundert war der Name der Wandalen vor allem im süddeutschen Raum gebräuchlich. Die Verwendung des Wandalennamens hatte auf Basis der mittelalterlichen Traditionen im „Wendenland“ eine lange Tradition. Albert Krantz nahm diese Tradition in seiner 1519 posthum erschienenen „Wandalia“ auf. Darin behandelt er die Geschichte verschiedener Völker, hanseatischer Städte und des herzoglich-mecklenburgischen Hauses, deren Herkunft und Entstehung er auf die Wandalen zurückführte. Der Rückschluß auf diesen Zusammenhang wurde wesentlich auf den sogenannten „Pseudo-Berossos“ des Humanisten Annius von Viterbo gestützt. Es handelte sich bei diesem erstmals 1499 gedruckten Text um eine humanistische Fälschung, die Elemente der biblischen Erzählung mit den germanischen Genealogien Tacitus' zu verbinden beabsichtigte.

Eine weitere Vermengung der Namen kam seit dem 14. Jahrhundert durch die lateinischen Übersetzungen für die Bezeichnung der „wendischen Städte“ Danzig, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Königsberg, Riga und anderer Hansestädte auf. Latinisiert wurden diese Städte als „vandalicae urbes“ bezeichnet. Die Bezeichnung wendische Städte stand im Zusammenhang mit der Einteilung der Hanse in Quartiere. Das Hansequartier mit dem Vorort Lübeck, das die aufgezählten Städte umfaßte, wurde als wendisches Quartier bezeichnet.

Auch im Namen des pommerschen Teilherzogtums Wenden findet sich im Lateinischen die Form „Ducatus Vandaliae“. Erst diese gelehrte Latinisierung beinhaltete eine historische Dimension, die von der humanistischen Geschichtsschreibung zu Spekulationen verwendet werden konnte.

Liste der wandalischen Könige und deren dynastische Verbindung

Mögliche Erscheinung eines wandalischen Kriegers
  • Visimar (um 331–337, König der Hasdinger)

Begriff „Vandalismus“

Im heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff „Vandalismus“ für blinde Zerstörungswut verwendet. Seinen Ursprung hat er wohl in der Eroberung Roms im Jahre 455 durch die Wandalen, wobei zwar die Stadt gründlich geplündert wurde, jedoch keine Massaker an der einheimischen Bevölkerung stattfanden. Im Gegenteil, wie schon bei der Eroberung 410 nahmen die Germanen nur das mit, was das ausbeutende Rom den Germanen und anderen Völkern geraubt hatte.[1] Die Bezeichnung wird den Wandalen somit nicht gerecht und verzerrt deren Bild auf negative Art und Weise. Erstmals verwendet wurde der Begriff während der Französischen Revolution. Diese germanophobe Propaganda gilt heute als frei erfunden und überholt.

Literatur

  • Hans Friedrich Blunck: König Geiserich – Eine Erzählung von Geiserich und dem Zug der Wandalen (1936)
  • Peter Arens: Die Völkerwanderung der Germanen. Sturm über Europa, Berlin 2002
  • Georg Dattenböck: Vandalen. Gründer von Baiern und Österreich?, Marchtrenk 2006

Verweise

Englischsprachig

Fußnoten

  1. Rudolf Simek: Die Germanen (Reclams Universal-Bibliothek, Bd. 18772), Philipp Reclam jun., 2. überarb. Auflage, Stuttgart 2006, S. 116