Dagover, Lil

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Lil Dagover (1887–1980)
Lil Dagover (1887–1980)
Lil Dagover und Otto Gebühr in „Die Tänzerin von Sanssouci“
Der Komponist Werner Bochmann und Lil Dagover
Lil Dagovers Grab
Grünwald b. München
Inschrift des Grabsteins

Lil Dagover, geb. Maria Antonia Seubert (Lebensrune.png 30. September 1887 in Madiun auf Java; Todesrune.png 23. Januar 1980 in München-Geiselgasteig) war eine deutsche Schauspielerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Stummfilmzeit

Lil Dagover wurde als die Tochter eines aus Süddeutschland stammenden Oberforstmeisters, der in holländischen Diensten stand, auf der Insel Java geboren. Auf Lil Dagovers Entwicklung hatte Java keinen Einfluß, da sie bereits in früher Jugend zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester die Heimreise nach Deutschland antrat. Diese Reise nahm einen tragischen Abschluß. Sie war als Besuchsfahrt zu den Großeltern geplant gewesen, aber das Schicksal griff grausam ein. Lil Dagovers Mutter starb in Deutschland, und die beiden kleinen Mädchen blieben verwaist bei den alten Großeltern zurück.[1]

Es folgte eine Zeit des Reifens und Erwachsenwerdens. Diesen entscheidenden Abschnitt ihres Lebens verbrachte Lil Dagover in Pensionaten in Baden-Baden, Schwetzingen, Karlsruhe, Genf und Weimar. Sie kam erst als Zehnjährige nach Deutschland, von 1897 bis 1903 besuchte sie die höhere Mädchenschule in Tübingen. Lil Dagover trat dann einige Jahre nach der Pensionatsszeit zum Theater in eine ganz persönliche Beziehung, denn sie verheiratete sich 1913 mit dem in Weimar und später in Berlin tätigen Schauspieler Fritz Daghofer und formte aus dessen Nachnamen ihren Künstlernamen. 1914 wurde ihre Tochter Eva geboren.

Durch ihren Ehemann kam sie in Kontakt mit dem Film und hatte ihren ersten Filmauftritt. Ihre erste Filmaufnahme war 1913 als Serpentintänzerin in Weimar.

Eines Tages trat ein Herr in einer Straße in Weimar auf Lil Dagover zu und fragte sie, ob sie filmen möchte. Also kam Lil Dagover nach Berlin, zu Decla. Sie spielte sogleich in einem reizvollen Milieu eine Art Madame Butterfly, eine Japanerin, im bunten Seidenkimono, mit der Haartracht der Geishas. Der Film hieß „Harakiri“. Die folgende Entwicklung nahm einen so konsequenten Verlauf, daß nichts dazu zu sagen ist. Nur eines ist mit Betonung hervorzuheben: Lil Dagover wurde der Prototyp der Filmschauspielerin. Ihr Schicksal hieß Film. Sie bekam einen Dreijahresvertrag bei der Decla und erhielt von ihrem „Entdecker“ Robert Wiene die weibliche Hauptrolle in „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1919/20).

1920 ließ Lil Dagover sich von Daghofer scheiden.

In dem Abenteuerfilm „Die Spinnen: Der goldene See“ arbeitete sie erstmals unter der Regie von Fritz Lang, der ihr die Hauptrolle seiner altdeutschen Legende „Der müde Tod“ anvertraute, von F. W. Murnau wurde sie in „Phantom“ und seiner Molière-Verfilmung „Tartüff“ eingesetzt. Schon durch diese Filme wurde ihr Ruf als „die Dame“ geprägt.

Seit 1920 war sie auch am Theater. Der Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm bedeutete für den Star der 1920er Jahre keinen Karriereknick, wie für so viele Stummfilmstars. Sie spielte an Max Reinhardts Deutschem Theater oder auch bei den Salzburger Festspielen. 1926 heiratete sie den Produktionsleiter Georg Witt, der viele ihrer folgenden Filme produzierte.

Tonfilmzeit

Dagovers erste richtige Tonfilmrolle war 1930 in Erich Waschnecks Kriminalkomödie „Va Banque“. 1931 ging sie nach Hollywood um den Film „The Woman from Monte Carlo“ zu drehen, kam danach wieder nach Deutschland zurück. Sie bekam Hauptrollen u. a. in Heinz Hilperts Oscar-Wilde-Adaption „Lady Windermeres Fächer“ und in Detlef Siercks „Schlußakkord“. 1936 war sie als Madame Pompadour in dem ersten deutschen Farb(kurz)spielfilm „Das Schönheitsfleckchen“ (Rolf Hansen) zu sehen.

Im Krieg war sie unter anderem in der Truppenbetreuung tätig.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende machte sie Theater- und Rundfunkarbeit in Berlin. Ab 1948 war sie wieder im Film tätig: „Die Söhne des Herrn Gaspary“ (Rolf Meyer) und „Es kommt ein Tag“ (Rudolf Jugert) waren Filme, die sich um den Nationalsozialismus und die Kriegsfolgen drehten.

Als spinnerte Hofdame in Harald Brauns „Königliche Hoheit“ (1954) nach dem Roman von Thomas Mann bekam sie den Bundesfilmpreis für die beste weibliche Nebenrolle.

In den 50er Jahren war sie zumeist in Unterhaltungsfilmen zu sehen und ab 1958 auch im Fernsehen. 1962 bekam sie das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. Anfang der 70er Jahre trat sie als Bertha von Suttner in Hans-Jürgen Syberbergs „Karl May“ und „Comeback“ und in Maximilian Schells „Der Fußgänger“ auf.

Lil Dagover spielte bis Ende der 1970er Jahre in Filmen. Sie ruht auf dem Friedhof in Grünwald bei München neben ihrem Gatten.

Zitate

  • „Für uns Künstler bedeutet das Deutschland Adolf Hitlers so viel, daß es schwerfällt, dem großen Gefühl der Dankbarkeit in wenigen Worten Ausdruck zu verleihen. Welches Land läßt unserm Beruf soviel Forderung zuteil werden, bringt ihm dieses Verständnis entgegen, welche Epoche gab es, in der unser Stand diese Würdigung erfuhr? Ganz aus der Nähe dürfen wir dem Pulsschlag der geschichtlichen Stunde lauschen und mitarbeiten an dem großen Aufbauwerk! Daß auch ich mein Steinchen dazu beitragen darf, erfüllt mich mit Freude und Stolz und dem heißen Wunsch, das Vertrauen, das man in mich gesetzt hat, zu rechtfertigen.“[2]

Filmbeitrag

V.S.-Produktion: Schauspielerleben: Lil Dagover (Staffel 1/ Folge 15) (2009)

Auszeichnungen

Filmographie

  • 1913: Schlangentanz
  • 1916: Die Retterin
  • 1916: Das Rätsel der Stahlkammer
  • 1917: Siegende Sonne. Die schwarze Gasse
  • 1918: Lebendig tot
  • 1918: Der Volontär
  • 1918: Das Lied der Mutter
  • 1918: Clown Charly
  • 1919: Die Rache ist mein
  • 1919: Bettler-G.m.b.H.
  • 1919: Phantome des Lebens
  • 1919: Harakiri
  • 1919: Die blonde Loo
  • 1919: Die Spinnen, 1. Teil: Der goldene See
  • 1919: Die Maske
  • 1919: Der Tänzer, 1. Teil
  • 1919: Der Richter von Zalamea
  • 1920: Die Spinnen (2 Teile)
  • 1920: Das Cabinet des Dr. Caligari
  • 1920: Toteninsel
  • 1920: Spiritismus
  • 1920: Die Kwannon von Okadera
  • 1920: Die Frau im Himmel
  • 1920: Die Augen der Maske
  • 1920: Das Geheimnis von Bombay. Das Abenteuer einer Nacht
  • 1920: Das Blut der Ahnen. Eine Tragödie für den Film in einem Vorspiel und fünf Akten
  • 1920: Die Jagd nach dem Tode, 1. Teil
  • 1920: Die Jagd nach dem Tode, 2. Teil: Die verbotene Stadt
  • 1921: Die Jagd nach dem Tode, 3. Teil: Der Mann im Dunkel
  • 1921: Das Medium
  • 1921: Der müde Tod
  • 1921: Der Mord in der Greenstreet
  • 1922: Tiefland
  • 1922: Phantom
  • 1922: Luise Millerin
  • 1922: Die Macht der Versuchung
  • 1923: Die Prinzessin Suwarin
  • 1923: Seine Frau, die Unbekannte
  • 1924: Komödie des Herzens
  • 1925: Zur Chronik von Grieshuus
  • 1925: Der Demütige und die Sängerin
  • 1925: Tartüff
  • 1925: Liebe macht blind
  • 1926: Die Brüder Schellenberg
  • 1926: Die Lady ohne Schleier
  • 1926: Der Veilchenfresser
  • 1926: Bara en danserska
  • 1927: Orientexpreß
  • 1927: Der Anwalt des Herzens
  • 1928: Der geheime Kurier
  • 1928: Ungarische Rhapsodie
  • 1929: Rund um die Liebe
  • 1929: Die Ehe
  • 1928: Spielereien einer Kaiserin
  • 1929: Es flüstert die Nacht ...
  • 1929: Der Günstling von Schönbrunn
  • 1930: Es gibt eine Frau, die dich niemals vergißt
  • 1930: Der weiße Teufel
  • 1930: Va Banque
  • 1930: Die große Sehnsucht
  • 1930: Das alte Lied
  • 1930: Boykott (Primanerehre)
  • 1931: Madame Blaubart
  • 1931: Der Fall des Generalstabs-Oberst Redl
  • 1931: Le congrès s’amuse
  • 1931: Elisabeth von Österreich
  • 1931: Der Kongreß tanzt
  • 1931: Congress Dances
  • 1932: Die Tänzerin von Sanssouci
  • 1932: Das Abenteuer einer schönen Frau
  • 1933: Johannisnacht (1933)
  • 1934: Der Flüchtling aus Chicago
  • 1934: Ich heirate meine Frau
  • 1935: Lady Windermeres Fächer
  • 1935: Der höhere Befehl
  • 1935: Der Vogelhändler
  • 1936: August der Starke
  • 1936: Schlußakkord
  • 1936: Das Schönheitsfleckchen
  • 1936: Das Mädchen Irene
  • 1937: Fridericus
  • 1937: Die Kreutzersonate
  • 1937: Streit um den Knaben Jo
  • 1938: Rätsel um Beate
  • 1938: Es leuchten die Sterne
  • 1938: Maja zwischen zwei Ehen
  • 1938: Dreiklang
  • 1939: Umwege zum Glück
  • 1940: Friedrich Schiller
  • 1940: Bismarck
  • 1942: Wien 1910
  • 1942: Kleine Residenz
  • 1944: Musik in Salzburg
  • 1948: Die Söhne des Herrn Gaspary
  • 1949: Man spielt nicht mit der Liebe
  • 1950: Vom Teufel gejagt
  • 1950: Es kommt ein Tag
  • 1951: Das Wunder einer Stiftruine
  • 1952: Das Geheimnis vom Bergsee
  • 1953: Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein
  • 1953: Königliche Hoheit
  • 1954: Schloß Hubertus
  • 1955: Rosen im Herbst
  • 1955: Mayerling
  • 1955: Ich weiß, wofür ich lebe
  • 1955: Die Barrings
  • 1955: Der Fischer vom Heiligensee
  • 1956: Verwegene Musikanten
  • 1957: Unter Palmen am blauen Meer
  • 1958: Bäume sterben aufrecht
  • 1959: Buddenbrooks (Teil I)
  • 1959: Buddenbrooks (Teil II)
  • 1960: Ich fand Julia Harrington
  • 1960: Eine etwas sonderbare Dame
  • 1961: Die seltsame Gräfin
  • 1967: Siedlung Arkadien
  • 1967: Lösegeld für Mylady
  • 1968: Unwiederbringlich
  • 1969: Hotel Royal
  • 1969: Das Interview
  • 1969: Bitte recht freundlich, es wird geschossen!
  • 1970: Professor Sound und die Pille
  • 1970: Paradies der alten Damen
  • 1973: Der Fußgänger
  • 1974: Memento mori
  • 1974: Karl May
  • 1975: Wodka Bitter-Lemon
  • 1975: Der Richter und sein Henker
  • 1977: Die Standarte
  • 1977: Die Teufelsbraut
  • 1979: Geschichten aus dem Wiener Wald

Literatur

Fußnoten

  1. Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nummer 48, 29. November 1936
  2. Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nr. 15, 8. April 1938
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