Stülpnagel, Joachim von

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Joachim von Stülpnagel; er prägte als Oberstleutnant und Leiter der Heeresabteilung (T 1) im Truppenamt des Reichsheeres in seinem Vortrag „Gedanken über den Krieg der Zukunft“ vor Offizieren des Reichswehrministeriums den militärhistorischen Begriff des „totalen Kriegs“, als er eine Steigerung des „Volkskrieges“ propagierte, eine Bereitschaft, das „Sein oder Nichtsein des ganzen Volkes“ (Dasein oder Untergang) durch einen noch vorzubereitenden nationalen Befreiungskrieg gegen Frankreich und Polen zu entscheiden. Als es im Sommer 1939 dann so weit war, war er bekanntlich weniger euphorisch und wurde wegen seiner an Wehrzersetzung grenzender Kritik nach wenigen Tagen als Befehlshaber des Ersatzheeres abgelöst.

Joachim Fritz Constantin von Stülpnagel (Lebensrune.png 5. März 1880 in Glogau; Todesrune.png 17. Mai 1968 in Oberaudorf) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, des Deutschen Heeres, der Freikorps (Grenzschutz Ost), der Reichswehr und der Wehrmacht, zuletzt General der Infanterie sowie Verleger vor und während des Zweiten Weltkrieges.

Werdegang

Generaloberst z. V. (Char.) Ludwig Beck im Gespräch mit General der Infanterie a. D. (Char.) Joachim von Stülpnagel (in Zivil).
„Joachim von Stülpnagel trat nach seiner Kadettenausbildung am 15. März 1898 als Leutnant ohne Patent in die Königlich Preußische Armee ein. Der Offizierssohn kam dabei zum 1. Garde-Regiment zu Fuß nach Potsdam. 1904 wurde er dann in das 1. Großherzoglich Hessisches Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 nach Darmstadt versetzt. Im Herbst 1905 heiratete er. Am 1. Oktober 1906 wurde er dann für fast drei Jahre zur Kriegsschule nach Berlin kommandiert. Im Juli 1909 kehrte er wieder zum 1. Großherzoglich Hessisches Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 zurück. Am 1. April 1910 wurde er in den Großen Generalstab kommandiert. Dort wurde er am 22. März 1912 zum Hauptmann i. G. befördert. Bei Beginn des 1. Weltkrieg kam er dann als Generalstabsoffizier vom X. Armeekorps an die Front. Im Ersten Weltkrieg wurde er auf einigen Generalstabsstellen verwendet. Am 28. Dezember 1916 wurde er als Ia der 11. Armee zum Major befördert. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm beide Eiserne Kreuze und noch weitere Auszeichnungen verliehen. 1919 wurde er als Major in das Reichsheer übernommen. Dabei wurde er zuerst im Reichswehrministerium in Berlin eingesetzt. Auch beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 und bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres blieb er weiter im Reichswehrministerium verwendet. Dort wurde er am 1. Juni 1921 als Leiter der Heeresabteilung (T 1) im Truppenamt (TA) zum Oberstleutnant befördert. Am 1. Februar 1926 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberst in den Regimentsstab vom 17. Infanterie-Regiment nach Braunschweig versetzt.'
Am 1. November 1926 wurde er dann auch als Nachfolger von Oberst Heinrich von Bünau zum Kommandeur vom 17. Infanterie-Regiment ernannt. Am 31. Januar 1927 gab er dieses Kommando an Oberst Benno Pflugradt bereits wieder ab. Er wurde am 1. Februar 1927 zum Chef vom Heerespersonalamt (PA) im Reichswehrministerium ernannt. Als solcher wurde er am 1. April 1928 zum Generalmajor befördert. Am 1. Oktober 1929 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalleutnant als Nachfolger von Generalleutnant Rudolf Schniewindt zum Kommandeur der 3. Division der Reichswehr ebenfalls in Berlin ernannt. Dadurch wurde er gleichzeitig auch zum Befehlshaber vom Wehrkreis III. Am 31. Oktober 1931 wurde er wegen Meinungsverschiedenheiten mit politischen Generälen aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Dabei wurden ihm die Charakter eines General der Infanterie verliehen. Danach versuchte er sich im Verlagswesen. 1935 heiratete seine Tochter Gisela den späteren Widerständler und Oberstleutnant i. G. Hans-Alexander von Voß, Sohn vom Generalleutnant a. D. Hans von Voß [Anm.: Lebensrune.png 7. Oktober 1875; Todesrune.png 6. Dezember 1966]. 1936 gründete er den Verlag ‚Die Wehrmacht‘. In den 30iger Jahren wurde ihm die Berechtigung verliehen, die Uniform des Infanterie-Regiment 17 mit den Generalsabzeichen zu tragen. 1939 wurde er kurzzeitig reaktiviert und als Befehlshaber des Ersatzheeres vorgesehen. Wegen seiner Kriegseinstellung wurde er aber noch vor Beginn des 2. Weltkrieges wieder entlassen. 1943 enteignete das NS-Presseamt seinen Verlag. Im Zusammenhang mit dem Putschversuch des 20. Juli 1944 wurde er am 16. August 1944 verhaftet. Anfang November 1944 wurde er wieder aus der Haft entlassen. Nach dem Krieg lebte er in Oberaudorf.“[1]

Chronologie

Grabstätte, Stadtfriedhof Oberaudorf
  • 5.3.1880 geboren in Glogau
    • Vater: Ferdinand Wolf Konstantin Karl von Stülpnagel, General der Infanterie (1842-1912)
    • Mutter: Marie Klara Rosalie Franziska Antonie, geb. Bronsart von Schellendorff (1854-1932)
  • Gymnasium in Königsberg (Pr.) und Breslau
  • ab 1892 Kadettenkorps Potsdam und Groß-Lichterfelde
  • 15.3.1898 Leutnant im 1. Garde-Regiment zu Fuß des Garde-Korps in Potsdam
  • 1900/1901 und 1902/1903 Aufenthalte in Genf und Paris
  • Februar 1904 versetzt in das Hessische Leibgarde-Infanterie Regiment Nr. 115 nach Darmstadt
  • 1.10.1906 zur Kriegsschule nach Berlin versetzt
  • 1.4.1910 zum Großen Generalstab, Aufmarschabteilung, kommandiert
  • 22.3.1912 Adjutant des Oberquartiermeisters I
  • 2.8.1914 Generalstabsoffizier im X. Armeekorps
  • 24.12.1914 zum Generalstabsoffizier der 2. Garde-Infanterie-Division ernannt.
  • 15.11.1916 Erster Generalstabsoffizier der 11. Armee in Prilep
  • 1.8.1917 Erster Generalstabsoffizier der Heeresgruppe „Scholtz“ in Üsküb
  • März 1918 Zum Großen Generalstab nach Avesnes kommandiert
  • 15.4.1918 Erster Generalstabsoffizier der 1. Armee in Rethel
  • 6.8.1918 Erster Generalstabsoffizier (Ia) des neuen Heeresgruppenkommandos „von Boehn“ in Le Chateau
  • 7.9.1918 Chef der Operationsabteilung (Ia) in der Obersten Heeresleitung (OHL) in Spa
  • Oktober 1919 Kommandeur einer sich bildenden Bataillons der Reichswehr-Infanterie-Regiments Nr. 19
  • 1920 Personalbeauftragter der Generalstabsoffiziere und der Offiziere des Reichswehrministeriums im Amt des Chefs der Heeresleitung in Berlin
  • 1.6.1921 Chef der 1. Abteilung (T 1) des Truppenamtes (Generalstab)
    • nach anderen Quellen erst ab 1. April 1922 Leiter der Heeres-Abteilung (T 1)
  • 1.2.1926 Versetzung in das Infanterie-Regiment 17 nach Braunschweig
  • 1.11.1926 Kommandeur des Infanterie-Regiments 17
  • 1.2.1927 Chef des Heerespersonalamtes in Berlin
  • 1.10.1929 Kommandeur der 3. Infanterie-Division und Befehlshaber des Wehrkreises III in Berlin
  • 31.12.1931 mit Charakter eines General der Infanterie wegen politischer Meinungsverschiedenheiten mit den Generälen Wilhelm Groener und Kurt von Schleicher verabschiedet.
  • 1.1.1932 Eintritt in den Verlag der „Berliner Börsen-Zeitung“; Geschäftsführer
  • 1.10.1936 Gründung des Verlags „Die Wehrmacht“ mit der wichtigsten Publikation, die Zeitschrift „Die Wehrmacht“
  • 26.8.1939 Einberufung als Befehlshaber des Ersatzheeres der Wehrmacht, nach wenigen Tagen (31.8.1939) aber wieder entlassen, da er die Kriegspolitik Hitlers kritisierte
  • 1943 enteignete das NS-Presseamt die „Berliner Börsen-Zeitung“ sowie den Verlag „Die Wehrmacht“
  • 16.8.1944 Verhaftung im Zusammenhang mit dem Putschversuch des 20. Juli 1944 („politisch unzuverlässig“), da ein Verwandter und ggf. auch sein Schwiegersohn involviert waren
  • 5.11.1944 Entlassung aus der Haft, vollständig rehabilitiert

Familie

Joachim war der Sohn des späteren preußischen Generals der Infanterie Ferdinand von Stülpnagel und dessen Ehefrau Marie Klara Rosalie Franziska Antonie, geborene Bronsart von Schellendorff (Lebensrune.png 8. April 1854 in Berlin; Todesrune.png 20. Juni 1932 in Heinersdorf). Sie war die Tochter des späteren preußischen Kriegsministers Paul Bronsart von Schellendorff.[2] Joachim war der ältere Bruder vom Generalmajor Siegfried von Stülpnagel, General der Infanterie Otto von Stülpnagel war sein Vetter. Ein weiterer, wenn auch entfernter Verwandter war General der Infanterie Carl-Heinrich von Stülpnagel.

Am 28. September 1905 heiratete Oberleutnant von Stülpnagel seine Verlobte Irmgard von Kracht (1883–1974). Tochter Gisela heiratete den späteren Oberstleutnant i. G. Hans-Alexander von Voß, Sohn Rochus Wilhelm (Lebensrune.png 26. Juli 1925 in Heinersdorf) fiel als Leutnant am 22. Mai 1944 bei Aprilia an der Italienfront. Er ruht auf der Kriegsgräberstätte in Pomezia; Endgrablage: Block L, Grab 261.

Auszeichnungen (Auszug)

Beförderungen

Fußnoten

  1. von Stülpnagel, Joachim Fritz Constantin, Lexikon der Wehrmacht
  2. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 8. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg; ohne Jahr, S. 416–417.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914. Hrsg.: Kriegsministerium. Ernst Siegfried Mittler & Sohn. Berlin 1914. S. 85.
  4. 4,00 4,01 4,02 4,03 4,04 4,05 4,06 4,07 4,08 4,09 4,10 4,11 4,12 4,13 Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Hrsg.: Reichswehrministerium. Mittler & Sohn Verlag. Berlin 1924. S. 119.