Schaumburg-Lippe, Friedrich Christian Prinz zu

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Friedrich Prinz zu Schaumburg-Lippe

Friedrich Christian Wilhelm Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe (Lebensrune.png 5. Januar 1906 in Bückeburg; Todesrune.png 20. September 1983 in Wasserburg am Inn) war ein deutscher Adeliger, hochrangiger nationalsozialistischer Funktionär, SA-Führer (zuletzt SA-Standartenführer), Adjutant von Joseph Goebbels und Publizist nationalsozialistischer sowie geschichtsrevisionistischer Schriften.

Leben

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Friedrich Christian Wilhelm Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe kam 1906 als sechster und jüngster Sohn des Fürsten Georg zu Schaumburg-Lippe (1846–1911) und der Maria Anna von Sachsen-Altenburg (1864–1918) in der Residenzstadt Bückeburg zur Welt und wurde nach dem Grafen Friedrich Christian benannt.[1]

Früh verwaist, wuchs er unter der Vormundschaft seines ältesten Bruders Adolf, des letzten regierenden Fürsten, zusammen mit seiner Schwester im Palais am Harrl auf. Er studierte Jura zunächst in Bonn, wo das Palais Schaumburg zum Familienbesitz zählte, und später in Köln.[2]

1928 ersuchte er als 22jähriger, gerade frischvermählt, Adolf Hitler in München um Aufnahme in dessen damals noch recht unbedeutende Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die damals mit 12 Abgeordneten im Reichstag vertreten war. Trotz Hitlers Rat, sich als Angehöri­ger eines bis 1918 regierenden Hauses den Beitritt in eine Arbeiterpartei reiflich zu über­legen, trat er im September 1929 dennoch in die Partei ein und war damit neben seinem Vetter zweiten Grades Josias zu Waldeck und Pyrmont und dem erst später eingetretenen, aber populäreren August Wilhelm von Preußen (1887–1949) einer der ersten Parteigenossen aus dem Kreise des deutschen Hochadels.[3]

Schaumburg-Lippe war zunächst Mitarbeiter Robert Leys, des Gauleiters für Köln-Koblenz, und gründete gemeinsam mit ihm die SA-Tagespresse und 1930 eine GmbH zur Herausgabe nationalsozialistischer Tageszeitungen. Von 1931 bis 1933 war er Außenorganisator der Firma Dietrich u. Co. in Köln, einem Rotationsdruckverlag.[4] Des weiteren diente Prinz zu Schaumburg-Lippe seiner Partei als einer der ersten Reichsredner und wurde auch in der SA aktiv.

Unmittelbar nach der Gründung des Propagandaministeriums am 1. April 1933 wurde er Joseph Goebbels’ Adjutant, der am 9. Mai 1933 durch Friedrich Christian seine Bereitschaft erklärte, am 10. Mai in Berlin die „Feuerrede“ zur Bücherverbrennung zu halten. Am 1. November 1934 wurde er Referent in der Auslandsabteilung des Ministeriums.

In seinen Publikationen griff Schaumburg-Lippe des öfteren den deutschen Adel an, welcher den Nationalsozialismus zunächst zu wenig unterstützt habe und statt dessen in Reaktion und Monarchismus verfallen sei.

Ab 1943 diente er im Zweiten Weltkrieg als Panzergrenadier. Im selben Jahr erreichte er in der SA den Rang eines SA-Standartenführers.

Neben Ministerialrat im Propagandaministerium wurde Schaumburg-Lippe auch SA-Standartenführer der Standarte „Feldherrnhalle“, Stellenleiter bei der Reichsleitung der NSDAP sowie der Hauptstellenleiter im Stabe des Gauleiters der Auslandsorganisation der NSDAP und bekam für seine langjährigen Verdienste um die Partei schließlich von Hitler das goldene Ehrenabzeichen der NSDAP verliehen.[5]

1939 wurde dem ehemaligen Prinzen angeblich von prodeutschen Isländern die Königskrone angetragen. Nachdem er das Ersuchen an Goebbels weitergeleitet habe, sei die Thronkandidatur schließlich an Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop gescheitert.[6]

Nach 1945

Nach Kriegsende war Prinz zu Schaumburg-Lippe von 1945 bis 1948 interniert. In der Sowjetischen Besatzungszone wurden seine Schriften „Gegen eine Welt von Vorurteilen“ (1937) und „Fahnen gegen Fetzen“ (1938) sowie die von ihm herausgegebenen Werke „Wo war der Adel?“ (1934) und „Deutsche Sozialisten am Werk. Ein sozialistisches Bekenntnis deutscher Männer“ (1935) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[7][8][9] Bei der Entnazifizierung wurde er am 12. September 1950 durch Beschluß der Hauptkammer München als „Belasteter der Gruppe IV“ eingestuft.[5]

Auch nach dem Ende des Nationalsozialismus blieb Prinz zu Schaumburg-Lippe publizistisch tätig und veröffentlichte diverse Bücher, unter anderem in den Verlagen Druffel und Arndt, in welchen er unter anderem von seinem Vertrauensverhältnis zu Goebbels und anderen nationalsozialistischen Politikern berichtete. Schon 1951 behauptete daher die der Umerziehung verpflichtete Lizenzzeitung Die Zeit, daß der historische Wert seiner Erinnerungen gering sei und er sich durch die Sensationsgier seiner Leser finanziell sanieren wolle.[5] Er distanzierte sich niemals von der nationalsozialistischen Weltanschauung und verfocht diese bis an sein Lebensende.

Familie

Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe war dreimal verheiratet. Zunächst heiratete er am 25. September 1927 in Seeläsgen Alexandra Hedwig Johanna Bertha Marie Gräfin zu Castell-Rüdenhausen. Nach dem Tod seiner Ehefrau am 9. September 1961 in Linz an der Donau heiratete er im Folgejahr auf Schloß Glücksburg seine Cousine zweiten Grades, die 53jährige Marie Luise Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, geschiedene Freifrau von Stengel, eine Tochter von Albrecht Prinz von Schleswig-Holstein.[10] Marie Luise starb am 29. Dezember 1969 in Wiesbaden. Am 6. März 1971 heiratete Prinz zu Schaumburg-Lippe in dritter Ehe die 57jährige Hélène Mayr, die Tochter von Antonie Barth.[11]

Aus der ersten Ehe entsprangen folgende Kinder:

  • Marie Elisabeth, Lebensrune.png 19. Dezember 1928 Göttingen; Todesrune.png 4. Dezember 1945 Nürnberg
  • Albrecht-Wolfgang, Lebensrune.png 5. August 1934
  • Christine, Lebensrune.png 16. Oktober 1936, verheiratet mit Albrecht Freiherr von Süßkind-Schwendi

Ehen (Überblick)

  • ∞ 1927 Alexandra zu Castell-Rüdenhausen (1904–1961)
  • ∞ 1962 Marie-Luise von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1908–1969)
  • ∞ 1971 Hèlène Mayr (1913–2006)

Geschwister

∞ 1920 Ellen Bischoff-Korthaus (1894–1936, Flugzeugunfall)
∞ 1925 Bathildis Prinzessin zu Schaumburg-Lippe (1903–1983)
  • Stephan Alexander Viktor (1891–1965)
∞ 1921 Ingeborg Herzogin von Oldenburg (1901–1996)
∞ 1933 Marie Erika von Hardenberg (1903–1964)
  • Margarethe (Lebensrune.png 21. Januar 1896; Todesrune.png 22. Januar 1897)
  • Elisabeth Hermine Auguste Viktoria(1908–1933)
∞ 1928 (geschieden) Benvenuto Hauptmann (1900–1965), Sohn des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann und der Margarete, geb. Marschalk
∞ 1930 Johann Freiherr Herring von Frankensdorff (1891–1971)

Schriften

  • Politische Gedankenskizzen eines jungen deutschen Prinzen, Verlag Dietrich, Köln 1930
  • Wo war der Adel? Zentralverlag, Berlin 1934
  • Deutsche Sozialisten am Werk. Ein sozialistisches Bekenntnis deutscher Männer, Zentral, Berlin 1935, 2. Aufl 1936
  • Gegen eine Welt von Vorurteilen, Reihe: Hirts deutsche Sammlung 1937
  • Fahnen gegen Fetzen, Riegler, Berlin 1938, 2. Aufl. 1938
  • Zwischen Krone und Kerker, Limes, Wiesbaden 1952
  • Souveräne Menschen. Kleine Lebensregeln, großgeschrieben, Druffel, Leoni am Starnberger See 1955, 1962
  • „Dr. G.“. Ein Porträt des Propagandaministers, Limes, Wiesbaden 1964; Lizenz für Arndt Kiel 1990, ISBN 3-88741-140-4
  • Verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Weg und Erlebnis 1914–1933. Druffel, Leoni 1966
  • Wenn ich heute 18 wäre. Eine Rede gehalten am 01. Juni 1967 in der Universität zu Marburg, Hohenstein Verlag, 1967 (PDF-Datei)
  • Damals fing das Neue an. Erlebnisse und Gedanken eines Gefangenen 1945–1948. Pfeiffer, Hannover 1969
  • Sonne im Nebel. Aus eigenen Erlebnissen geschildert, als Beweis gegen den Zufall und für die Ordnung allen Seins, H. F. Kathagen, Witten 1970
  • „Als die goldne Abendsonne...“ – Aus meinen Tagebüchern der Jahre 1933–1937. Limes, Wiesbaden 1971
  • Ich stehe und falle mit meinem deutschen Volke. Das ist mein Sozialismus!, ca. 1985
  • War Hitler ein Diktator? Nordwind Verlag, Kollund 1994, ISBN 3-88037-066-4 (PDF-Datei)

Zitate

  • „Ich stehe und falle mit meinem deutschen Volke, das ist mein Sozialismus.“[12]

Siehe auch

Literatur

  • Helge bei der Wieden: Schaumburg-Lippische Genealogie. Stammtafeln der Grafen -später Fürsten- zu Schaumburg-Lippe bis zum Thronverzicht 1918, 2. erw. Aufl. Melle 1995

Verweise

Fußnoten

  1. Bei der Wieden: Genealogie
  2. Malinowski, König, S. 565
  3. Malinowski, König, S. 565 und Anmerkung 390
  4. Eine umfassende Selbstdarstellung zu den Investitionen in Druckunternehmen findet sich in seinem Brief an seinen Rechtsanwalt Ganske vom 15. Juni 1939, siehe von Hofe, Prinzen, S. 89–92
  5. 5,0 5,1 5,2 Ein sehr seltsames Dementi. „Die Zeit": Das eigene Nest – Prinz Schaumburg-Lippe nahm Anstoß, in: Die Zeit Nr. 19, 10. Mai 1951 [1]
  6. Heinrich Thies: Durchlaucht lässt bitten, in: HAZ, 15. Februar 2008 [2]
  7. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-f.html
  8. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-s.html
  9. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-w.html
  10. Stammtafel des Hauses Oldenburg – Zweig Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg2 [3]
  11. Stammtafel des Hauses Lippe – Zweig Schaumburg-Lippe-Alverdissen [4]
  12. Aufruf in der Verwirrung, Widerhall Nr. 59, Januar/Februar 2011