Seekriegsleitung

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Im Hauptgebäude des Bendlerblocks am Landwehrkanal waren Teile der Seekriegsleitung untergebracht und der größte Teil des Amtes Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht unter Admiral Wilhelm Canaris. Den Hauptteil des Bendlerblocks an der Bendlerstraße nutzte das Allgemeine Heeresamt im Oberkommando des Heeres. Die Marineleitung (ab 1935: OKM), die zuvor ebenfalls im Bendlerblock war, belegte ab 1934 das Shell-Haus am Tirpitzufer (seit 1947: Reichpietschufer).

Die Seekriegsleitung (Skl) war in den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges der Nachfolger des Admiralstabes der Kaiserlichen Marine, das als Pendant zum Großen Generalstab galt. Nachfolger waren die kurzlebige Admiralität der Vorläufigen Reichsmarine, die Marine-Leitung der Reichsmarine und die Seekriegsleitung der Kriegsmarine.

Erläuterung

Admiral Dr. h. c. mult. Reinhard Scheer, der „Sieger vom Skagerrak“, wurde im August 1918 der erste Chef der Seekriegsleitung. Sein Stabschef wurde Magnus von Levetzow.
Erich Raeder war sieben Jahre Chef der Marineleitung der Reichsmarine.
Wilhelm Meisel, 1945 letzter Chef der Seekriegsleitung des Deutschen Reiches, zuletzt im Sonderbereich Mürwik.

Erster Weltkrieg

Wie beim Generalstab des Deutschen Heeres hatte man auch bei der Kaiserlichen Marine erkannt, daß zur Seekriegsführung und Erlangung von Seemacht eine zentrale Befehls- und Machtstruktur vorhanden sein muß.

Im Gegensatz zur deutschen Marine, hatte das Heer schon 1914 das Konzept der einheitlichen Oberste Heeresleitung entwickelt, die, trotz offizieller Unterstellung, weitgehendst Autark von der Einflußnahme des Kaiserlichen Großen Hauptquartiers und der Einmischung des deutschen Kaiser agierte, der allerdings Oberster Befehlshaber des Heeres und der Marine war.

Die Kaiserliche Marine hielt jedoch an alte Traditionen fest und verweigerte bis 1918 die Machtübergabe an einen einzigen Oberbefehlshaber, da die Admiräle, die selbst 1899 unter Einflußnahme bzw. dem druck des Chefs des Reichsmarineamt Großadmiral Alfred von Tirpitz das erfolgreiche Oberkommando der Marine entmachtet hatten (erst 1937 wieder eingeführt) einzelne Kompetenzen nicht abgeben wollten. Da waren andere Nationen weiter, zum Beispiel Großbritannien mit dem Ersten Seelord (First Sea Lord) der Royal Navy.

Admiral Reinhard Scheer, einer der wenigen Verfechter einer Zentralgewalt, wurde am 11. August 1918 zum Chef des Admiralstabs der Kaiserlichen Marine ernannt und handelte schnell. Schon am 27. August 1918 wurde die neue Seekriegsleitung als Kommandoabteilung des Admiralstabs gegründet mit Scheer an der Spitze, allerdings zu spät, denn See- und Reichsmacht waren schon so gut wie verloren. Bis zur Auflösung am 14. November 1918 waren der Chef der Hochseeflotte, der Kommandierende Admiral des Marinekorps Flandern, der Oberbefehlshaber der Ostseestreitkräfte, der Befehlshaber der Mittelmeerdivision und der Befehlshaber des Ostasiengeschwaders der Seekriegsleitung und somit Scheer unterstellt.

Am 28. Oktober 1918 wurde das Marinekabinett dem Staatssekretär des Reichsmarineamtes unterstellt und im Dezember 1918 in das Personalamt im Reichsmarineamt umgewandelt. Am 14. November 1918 wurde der Admiralstab dem Reichsmarineamt unterstellt. Durch Erlaß des Reichspräsidenten vom 15. Juli 1919 gingen die Befugnisse des Reichsmarineamtes auf die Admiralität über. Am 15. September 1919 wurde schließlich der Admiralstab aufgelöst, die Geschäfte übernahm ebenfalls das Kommandoamt der Admiralität. Aus der Admiralität wurde dann allmählich die Marineleitung der Reichsmarine.

Reichsmarine

Chef der Admiralität 1919/20

Marineleitung der Reichswehr

Aus der Admiralität ging am 15. September 1920 durch Umbenennung die Marineleitung hervor, die zuständig für die Reichsmarine war.

Gliederung

  • Marinekommandoamt (A) mit
    • Operationsabteilung (A I)
    • Organisationsabteilung (A II)
    • Marinenachrichtendienst (A III)
    • Ausbildungsabteilung (A IV) und
    • Flottenabteilung (A V)
  • Allgemeines Marineamt (B) mit
    • Marinewerftabteilung
    • Marinehaushaltsabteilung
    • Nautischer Abteilung
    • Statistischer Abteilung
    • Schifffahrtsabteilung
    • Kriegswissenschaftlicher Abteilung (= Marinearchiv)
  • Marineverwaltungsamt (C)
    • mit Personalabteilung, Etatabteilung, Justizariat und weiteren kleineren Abteilungen.
  • Marinewaffenamt (MWa)
  • Marinekonstruktionsamt (K)

Dem Stab des Chefs der Admiralität bzw. des Chefs der Marineleitung waren direkt unterstellt:

Chefs der Marineleitung

  • Vizeadmiral/Admiral Paul Behncke – 15. September 1920 bis 25. September 1924
  • Vizeadmiral Hans Zenker – 18. bis 30. September 1924 (m. d. W. d. G. b.)
    • Chef des Stabes vom 26. September 1923 bis 24. September 1925 war Richard Foerster
  • Admiral Hans Zenker – 1. Oktober 1924 bis 30. September 1928
  • Admiral Erich Raeder – 1. Oktober 1928 bis 30. Mai 1935

Kriegsmarine

Seekriegsleitung der Wehrmacht

Am 1. Juni 1935 wurde die Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt. Am gleichen Tag erfolgte auch die Umbenennung der Marineleitung in Oberkommando der Kriegsmarine (OKM). Die Rückbesinnung auf eine Seekriegsleitung erfolgte 1937, als der „Chef des Marinekommandoamtes“ gleichzeitig „Chef des Stabes der Seekriegsleitung“ wurde. Diese Personalunion wurde kurz vor Kriegsausbruch aufgehoben. Der Chef des Marinekommandoamtes wurde nun dem Chef des Stabe der Seekriegsleitung unterstellt. Bis zu 1. Mai 1944 war der ObdM ebenfalls der „Chef der Seekriegsleitung“ (ChefSKL). Ab diesem Zeitpunkt war der vorherige Chef des Stabes der Seekriegsleitung umbenannt in „Chef der Seekriegsleitung“.

Chef des Stabes der Seekriegsleitung

  • Konteradmiral/Vizeadmiral Günther Guse – 1. Oktober 1937 bis 31. Oktober 1938
  • Admiral Otto Schniewind – 1. November 1938 bis 10. Juni 1941
  • Vizeadmiral/Admiral Kurt Fricke – 11. Juni 1941 bis 20. Februar 1943
  • Admiral Wilhelm Meisel – 21. Februar 1943 bis 22. Mai 1945
    • ab Mai 1944 Umbenennung in „Chef der Seekriegsleitung“

Weitere Personen (Auswahl)

Gliederung

  • Operationsabteilung (1/Skl)
  • Abteilung Marinenachrichtendienst (2/Skl)
  • Unterseebootsführungsabteilung (2/Skl B.d.U. op)
  • Amtsgruppe Marinenachrichtendienst (2/Skl Chef MND); ab März 1943: 4/Skl Chef MND
  • Abteilung Marinenachrichtendienst (3/Skl)
  • Abteilung Ortungsdienst (5/Skl)
  • Amtsgruppe Ubootswesen (Skl U)
  • Amtsgruppe Nautik (Skl H, ab 1944 6/Skl)
  • Kriegswissenschaftliche Abteilung der Marine bzw. Kriegsgeschichtliche Abteilung der Marine (Skl KA bzw. Skl MKrGesch)
  • Generalreferat Sonderkampfmittel (Skl S)
  • Lehrstab des Oberkommandos der Kriegsmarine (Marinelehrstab)
  • Marinekommandoamt — Quartiermeisteramt (Skl/Qu A)
  • Flottenabteilung (A V)
  • Ausbildungs- und Stabsabteilung (Sk1/Qu A V)
  • Schiffahrtsabteilung (Skl/Qu A VI)
  • Kommandoabteilung Unterseeboote (Skl/Qu A U)
  • Amtsgruppe Nautik (A H)

Siehe auch

Literatur

  • Wilhelm Deist: Die Politik der Seekriegsleitung und die Rebellion der Flotte Ende Oktober 1918, in: „Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte“, Oktober 1966
  • Michael Salewski: Die deutsche Seekriegsleitung 1935-1945, Bernard und Graefe Verlag (1970)
  • Werner Rahn / Gerhard Schreiber: Kriegstagebuch der Seekriegsleitung 1939-1945, 68 Bde. in 77 Tl.-Bdn. u. Beiheft, Mittler & Sohn (1989), ISBN 978-3813206128

Verweise